Fedora 13 "Goddard"

Die erste Testdistribution, Fedora 13, ließ sich problemlos auf dem Tablet-PC installieren. Die üblichen grundlegenden Einstellungen wie Soundkartenkonfiguration und Anpassen der Bildschirmauflösung nahm das Setup selbstständig vor. Nach der erfolgreichen Installation und anschließendem Neustart des Rechners zeigten sich jedoch erste Schwächen: Das berührungssensitive Display blieb funktionslos und das eingebaute UMTS/HSPA-Modul des X200t war nicht zur Kooperation mit Fedora 13 fähig.

Demgegenüber funktionierte die in den Tablet-PC eingebaute Webcam von Chicony anstandslos und brachte Videosequenzen mithilfe der Webcam-Software Cheese recht flüssig auf Display und Festplatte. Erst bei längerer Aufnahmedauer ruckelten die Sequenzen, da die CPU des Tablet-PCs sich mit dieser Aufgabe überfordert zeigte.

Eine weitere Schwäche von Fedora 13 offenbarte sich bei der Arbeit: Aggressiv eingestellte Energiesparoptionen fuhren die Schreib-/Leseköpfe der Festplatte schon nach wenigen Sekunden Inaktivität in die Parkposition und schalteten den Motor ab, so dass bei erneutem Zugriff spürbare Hänger auftraten, während der Datenträger sich erneut aktivierte.

Als generell unter Linux nicht funktionsfähig erwies sich trotz einer umfangreichen Recherche der biometrische Sensor. Nach der Übernahme der Thinkpad-Sparte von IBM durch Lenovo hat das Unternehmen damit begonnen, in einigen Modellen spezielle Fingerabdrucksensoren des Herstellers AuthenTec zu verwenden. Mangels passender Linux-Module verweigern diese anders als ihre Vorgänger bislang unter Linux den Dienst [3]. Ob sich dieser unerfreuliche Zustand in absehbarer Zeit ändert, bleibt abzuwarten.

Der Test mit dem FBReader verlief problemlos, wobei sich jedoch der Tablet-PC aufgrund der mangelnden Stiftbedienung, für die der FBReader optimiert ist, kaum als E-Book-Lesegerät mit Fedora 13 eignet.

Mint Debian Edition

Linux Mint in der noch relativ neuen Debian-basierten Variante erwies sich als einzige Distribution im Test bereits vom Start weg als extrem störrisch: Die von uns ausgewählte Version 201012 ließ sich in der 32-Bit-Variante zunächst von der Live-CD gar nicht hochfahren, was – wie Internet-Recherchen ergaben – offensichtlich gravierenden Fehlern zuzuschreiben ist [4].

Anfang Januar 2011 haben die Mint-Entwickler daher die verbesserte LMDE-Version 201101 freigegeben, die allerdings nicht im Vergleichstest zum Zug kam, weil sie außerhalb des Release-Zeitfensters liegt. Die Vorgängerversion 201009 verweigerte ebenfalls den Dienst. Das Live-System startete zwar, bei der Installation auf die rund 160 GByte große Festplatte des Testrechners traten jedoch wiederholt immer die gleichen Probleme auf: Nachdem die Installationsroutine gut fünf GByte der Betriebssystem- und Applikationsdaten auf der dafür vorgesehenen rund 140 GByte umfassenden Partition installiert hatte, brach sie die Arbeit ab. Es erschien die Fehlermeldung, es stünde kein Platz mehr auf dem Installationsmedium bereit (Abbildung 1).

Abbildung 1: Unter Angabe einer irreführenden Fehlermeldung verweigerte Linux Mint die vollständige Installation.

Es blieb also nichts anderes übrig, als LMDE im Live-Betrieb zu beurteilen. Das offenbarte weitere Schwächen: Das berührungssensitive Display des Tablet-PCs ließ sich nicht korrekt ansteuern, was das Bedienen des Desktops mit dem Stift unmöglich machte. Das System erkannte die Chicony-Webkamera zwar und lud das entsprechende Modul, allerdings installierte LMDE keine Webcam-Applikation.

Ein weiteres Manko ergab sich beim Test der UMTS/HSPA-Karte: Zwar band das System diese korrekt ein, arbeitete jedoch erst nach einer Modifikation der Anbieter-Daten, weil zumindest für Vodafone teils falsche Providerdaten in LMDE hinterlegt sind. Dieses Chaos führte zu einem Abbruch des Tests.

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Kommentare
Sehr hilfreich Artikel
Peter (unangemeldet), Freitag, 25. August 2017 10:22:35
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Sehr guter Artikel. Er spricht die typischen Linux-Schwaechen an, wird an keiner Stelle unsachlich und hilft, die größeren Probleme sicher zu umschiffen. Das gibt's in keinem Linux-Forum.



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