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© Holsterbro, sxc.hu

Linux auf Tablet-PCs: Fünf Distributionen im Vergleich

Stresstest

Kein Linux gleicht dem anderen. Wer wissen will, wie ausgereift ein System ist, greift zu einem extra harten Prüfstein: dem Tablet-PC.

Tablet-PCs sehen auf den ersten Blick aus wie größere Netbooks, glänzen jedoch durch einige Besonderheiten: So verfügen die Geräte über ein drehbares Display, das Sie bei Bedarf umlegen und auf der Tastatur fest fixieren. Anschließend bedienen Sie das Tablet mithilfe eines Stifts. Sofern die Software dies unterstützt, haben Sie bei manchen Modellen die Möglichkeit, handschriftlich Texte einzugeben.

Im Vergleich zu ihren größeren Geschwistern haben die Tablets jedoch einen gravierenden Nachteil: Es gibt sie so gut wie nicht mit vorinstalliertem Linux. Wir wollten daher wissen, in welchem Umfang das freie Betriebssystem mit der Tablet-Technologie harmoniert, und haben ein aktuelles Gerät mit fünf unterschiedlichen Distributionen auf Herz und Nieren geprüft.

Testszenario

Das Testgerät kam von der Firma IP-Web GmbH aus Schwandorf [1]. Es handelt sich um einen fabrikneuen Lenovo X200t im mattschwarzen Gehäuse plus der dazugehörigen Docking-Station, in der sich neben vielen Anschlüssen ein DVD-Brenner befindet (siehe Tabelle "Technische Daten"). Beim Öffnen des Gerätes stachen zunächst der rechts unterhalb des Displays angeordnete integrierte biometrische Sensor sowie die eingebaute Webcam mit 1,3 Megapixeln Auflösung ins Auge.

Technische Daten

Prozessor Intel Core 2 Duo ("Penryn"), 1,4 GHz (SL- und SU-Varianten)
Grafik Intel GMA 4500MHD
Arbeitsspeicher 4 GByte DDR3, PC3-8500, 1066 MHz SODIMM
Festplatte 160 GByte, 7200 U/min (SATA-II)
Display 12,1 Zoll (1280 x 800) IPS
LAN Intel Gigabit Ethernet (10/100/1000, PCI-Express)
WLAN Intel Wifi Link 5100 a/g/n
Webcam Chicony (1,3 Megapixel)
Erweiterungen ExpressCard/54-Slot
Kartenleser 5 in 1 (SD/SDHC/MMC/MS/MS Pro)
Audio Intel HD CX20561
Optionen
Analogmodem V.92
WWAN Ericsson oder Verizon Mobile Broadband with GPS
Bluetooth optional bei einigen Modellen
Preis ab 599 Euro

Bei dem biometrischen Sensor handelt es sich um ein Authentifizierungssystem, über das der Nutzer des Rechners sich mithilfe seines Fingerabdrucks beim Hochfahren des Gerätes ausweist. Lenovo liefert für seine Notebooks mit einem solchen Sensor eine entsprechende Software, die allerdings nur unter Microsoft Windows läuft. Weitere Schwachstellen bei der Hardwarekompatibilität unter Linux ergeben sich bei vielen UMTS/HSPA-Einbaukarten. Auch einige der in Notebooks integrierten Webcams sind nicht für den Einsatz mit Linux vorbereitet und bleiben daher oft mangels entsprechender Treiber ohne Funktion.

Nach dem ersten Einschalten des Lenovo-Tablet-PCs wartete die Hardware mit einer weiteren Überraschung auf: Das Testgerät verfügt über ein außergewöhnlich helles und kontraststarkes Display mit 1280 x 800 Punkten Auflösung. Der Blick in die technische Dokumentation zeigte: Es handelt sich bei den meisten von Lenovo in seinen Tablet-PCs verbauten Displays um sogenannte IPS-Panel. Zusätzlich sorgt eine leicht spiegelnde Schicht auf dem Display dafür, dass das Bild noch heller wirkt. Daher eignet es sich auch für den Außeneinsatz bei Sonnenschein.

Eine GMA-4500-Grafikkarte von Intel steuert die Ausgabe. Die GPU besitzt zwar nicht die Leistung der meisten dedizierten Grafikprozessoren, benötigt jedoch deutlich weniger Energie und erzeugt so weniger Abwärme.

Als weitere Besonderheit beinhaltet das Testgerät ein Ericsson-UMTS/HSPA-Modul, das mit einer geeigneten SIM-Karte den drahtlosen Zugang zum Internet ermöglicht. Ansonsten bietet die Hardware eher solide Hausmannskost: Eine mit 1,4 GHz getaktete, extrem stromsparende Core-2-Duo-CPU, gepaart mit 8 GByte Arbeitsspeicher und einer 160 GByte großen SATA-II-Festplatte.

Testkandidaten

Auf der Softwareseite traten als Probanden für den Tablet-Test an: Fedora 13 "Goddard", Linux Mint Debian Edition (LMDE) in den Versionen 201012 und 201009, Mandriva 2010.1 Spring, OpenSuse 11.3 und Ubuntu 10.04.1 LTS "Lucid Lynx". Für jede Distribution stand die komplette Festplatte bereit. Mithilfe von unterschiedlichen Tests prüften wir die Kompatibilität zum Lenovo X200t. Das Programms FBReader kam zum Einsatz, um die Hardware im Einsatz als E-Book-Lesegerät zu testen [2]. Insbesondere interessierte uns dabei natürlich die Funktionalität des berührungssensitiven Displays.

Im Sinne einer benutzerfreundlichen Installation für Einsteiger war jedoch zusätzlich das automatische Erkennen der Hardware ein weiteres wichtiges Prüfkriterium. Wir wollten wissen, inwiefern die Installation eines einsatzbereiten Linux-Systems ohne Kenntnisse der verbauten Komponenten – und damit möglicherweise verbundenen manuellen Konfigurationsarbeiten – möglich ist. Um die Ergebnisse zu vergleichen, fiel die Wahl auf möglichst ähnliche Versionen der Systemsoftware und weitgehend gleiche Konfigurationsparameter. Als Desktop kam bei allen Probanden Gnome zum Einsatz.

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