Starker Gnome-Desktop

Die Optik des Gnome-2.32-Desktops in OpenSuse 11.4 wirkt auf den ersten Blick dröge, doch lässt sich damit sehr gut und schnell arbeiten. Gnome-Fans installieren das System am geschicktesten über die Live-CD zu installieren oder wählen bei der Installation von DVD gleich den Gnome-Desktop aus. Bei einer nachträglichen Installation kommt es sonst unter anderem zu Problemen mit dem Login-Manager.

OpenSuse bietet neben Novells F-Spot nun auch Shotwell als Fotoverwaltung für Gnome an und stellt die neueste Banshee-Version 1.9.3 bereit. Der Musikplayer mausert sich immer mehr zum Multimedia-Talent und spielt auch Videos ab. Ein erster Blick auf die Gnome-Shell (Abbildung 4) überraschte positiv, eine entsprechende Live-CD planen die Nürnberger für das finale Release von Gnome 3.0.

Abbildung 4: Gerüstet für die Zukunft: OpenSuse 11.4 bringt eine Vorabversion der Gnome-Shell mit.

Die meisten Neuerungen auf dem Gnome-Desktop erfuhr das Mail-Programm Evolution, dessen frühere Versionen an vielen Bugs, einem umständlichen Setup und langsamen Mail-Abruf krankten. Die zahlreiche Bugfixes der in OpenSuse 11.4 enthaltenen Version 2.32.1 machen den Gnome-Mailer vor allem bei IMAP-Zugriff zu einer echten Alternative. So war im Test das Erstindizieren eines Folders mit rund 25 000 E-Mails nach nur knapp 2 Minuten erledigt – doppelt so schnell wie bei älteren Versionen und auch nicht langsamer als bei Kontact unter KDE. Auch das Einrichten eines Kontos fällt nun leichter: Um etwa einen Google-Account einzubinden, genügt die Angabe von E-Mail-Adresse und Kennwort. Die restlichen Einstellungen erledigt Evolution automatisch.

Nach immer wartet Evolution aber auf den kompletten Inhalt eines Ordners, bevor es die Header-Dateien anzeigt, was speziell beim Indizieren größerer Mailboxen lästig fällt. Eine laufende Anzeige während des Einlesens beherrscht von den drei großen Mailprogrammen Evolution, KMail und Thunderbird zurzeit nur letzterer. Er ist in Version 3.1.7 mit dabei und bietet zwar den schnellsten IMAP-Support, benötigt dafür wesentlich mehr Systemressourcen als seine Kontrahenten Evolution und Kontact.

Übliche Schwachstellen

OpenSuse 11.4 bringt zwar viele aktualisierte Programme mit, zeigt aber zumindest auf dem Desktop keinerlei Innovationen. Zudem gilt auch bei dieser Version, dass einige Regressionen den Weg zurück ins System fanden. So klappt zum Beispiel unter KDE die Netzwerkverbindung über 3G nicht, von einem flackerfreien Bootvorgang ist OpenSuse weiter entfernt denn je. Auch auf den eigentlich geplanten Umstieg von SysV-Init auf das schnellere Systemd verzichteten die Entwickler, immerhin steht die Software aber für Testwillige in den Repositories bereit.

Der Hardware-Sammeldienst Smolt, der Informationen über die benutzte Hardware an eine zentrale Datenbank übermittelt, quittiert seinen Dienst unter KDE mit der Information, dass HAL fehlt. Dieser wurde aber in Version 11.4 entfernt und durch Udev & Co. ersetzt. Schließlich nervt auch das für die Installation von Online-Updates benutzte KPackageKit (Abbildung 5) mit doppelten Passworteingaben und unnötigen Dialogen. Abhilfe dürften in den meisten Bereichen die Online-Updates bringen.

Abbildung 5: Zwar sieht das KPackageKit-Frontend hübsch aus, allerdings nervt es mit zahlreichen Passwortabfragen.

Beim Netzwerkmanager fährt OpenSuse eine zweigleisige Strategie: So bringt es einerseits den veralteten, aber funktionierenden KNetworkManager mit, andererseits aber auch das neue KDE-Miniprogramm, das Sie im Paket plasmoid-networkmanagement finden. Achten Sie bei der Installation von OpenSuse auf einem Notebook darauf, das WLAN-Modul eingeschaltet zu haben. Ist die WLAN-Karte bei der Installation nicht aktiv, dann richtet OpenSuse den Netzwerkmanager nicht ein. Sie müssen dann die WLAN-Verbindung umständlich über YaST konfigurieren beziehungsweise über die Netzwerkeinstellungen von YaST zunächst zum Netzwerkmanager zurückwechseln.

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