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© Pete Saloutos, 123rf.com

Die Neuerungen in OpenSuse 11.4

Fit für die Zukunft?

Der Wind im Distributionsmarkt wird rauer. Bringen die Nürnberger mit OpenSuse 11.4 ein Release, das bei den Anwendern ankommt, oder verlieren sie weiter Marktanteile?

Wer sich von der Mitte März erschienen OpenSuse 11.4 [1] dramatische Änderungen versprochen hat, der sieht sich enttäuscht: Die meisten Modifikationen verbessern das System nur im Detail. Wie immer bringt die Distribution die derzeit aktuellste Software mit. Sie setzt auf den Kernel 2.6.37 und KDE 4.6 als Standarddesktop, bringt aber auch Gnome 2.32, XFCE 4.8 und LXDE 0.5 mit. Als Installationsmedien gibt es DVDs für 32- oder 64-Bit-Systeme, Live-CDs für KDE und Gnome sowie eine Netzwerk-Installations-CD. Auch der Build-Service [2] unterstützt die aktuelle OpenSuse-Version, sodass Sie eine eigene darauf basierende Distribution erstellen können – beispielsweise mit Enlightenment oder komplett ohne GUI.

Getreu dem Codenamen "Celadon" (eine chinesische Keramikart) erscheint OpenSuse 11.4 in einem grauen Grün. Der Splash-Screen und das Hintergrundbild orientieren sich am aktuellen KDE-4.6-Design. Wem das nicht gefällt, der findet im Paket kdeartwork4-wallpapers interessante Alternativen, konservative Suse-Fans greifen zu gos-wallpaper. Für ein einheitliches Aussehen von KDE- und Gnome-Anwendungen finden Sie im Build-Service zum Beispiel fertige Pakete des Symbolthemas Faenza (Abbildung 1) für KDE und Gnome.

Abbildung 1: Das Icon-Theme Faenza bringt frischen Wind auf den KDE- und Gnome-Desktop, gehört allerdings nicht zum Standardumfang von OpenSuse 11.4.

Up to date

Wie gewohnt bringen Sie auch OpenSuse 11.3 per zypper dup ohne Neuinstallation auf den aktuellen Stand von OpenSuse 11.4. Dabei gilt es unbedingt als erstes das Paket rpm aufzufrischen. Dazu passen Sie zunächst die Repositories an und geben danach folgende Befehle in der Shell ein:

$ sudo zypper refresh
$ sudo zypper install rpm
$ sudo zypper dup

Um künftig lästige Versionswechsel zu vermeiden, können Sie nach dem Upgrade auf das Rolling-Release-Repository Tumbleweed von Greg Kroah-Hartmann umsteigen, das für einen stets topaktuellen Kernel und laufend brandneue, aber dennoch geprüfte Software garantiert. Damit bietet es eine stabile Zwischenlösung gegenüber Factory (allerneueste Pakete) und der jeweils aktuellen OpenSuse-Version.

Um Tumbleweed zu benutzen, fügen Sie zuerst über Zypper das nötige Repo hinzu (Listing 1, Zeile 1). Dann setzen Sie die Priorität des Repos und führen Schließlich ein Upgrade sämtlicher Pakete durch (Listing 1, Zeilen 2 bis 4). Dabei müssen Sie auch den Schlüssel des Repos akzeptieren. Anschließend bekommt Ihr OpenSuse-System zukünftig sukzessive für die Nachfolgeversion bestimmte Pakete.

Listing 1

$ sudo zypper ar -f http://download.opensuse.org/repositories/openSUSE:/Tumbleweed/standard/ tumbleweed
$ sudo zypper mr -p 50 tumbleweed
$ sudo zypper refresh
$ sudo zypper dup

Gut gemacht

OpenSuse 11.4 nimmt als erste Mainstream-Distribution LibreOffice (in Version 3.3.1) an Bord. Dank der Firefox 4 Beta 12 (Abbildung 2) bringt OpenSuse einen recht schnellen Standardbrowser mit, der zudem auch das per GPU beschleunigtes Videoplayback unterstützt und von Haus aus WebM-kodierte Filme und Audiodateien abspielt.

Abbildung 2: Als Standardbrowser verwendet OpenSuse Firefox 4 Beta, den das automatisch Update aber nach der Installation direkt auf die stabile Variante hebt..

Die Grafikseite wartet mit einigen positiven Überraschungen auf. So kommen die meisten Notebooks mit integrierter ATI/AMD-Grafik problemlos mit den freien ATI-Treibern klar. Auch der Intel-Treiber verrichtet seine Arbeit auf den meisten Systemen besser. Dank des Kernels 2.6.37 reagiert das System auch mit "nur" 1 GByte RAM für einen KDE-Desktop erfrischend flott. Der bereits bekannte Bug mit den proprietären Nvidia-Treibern auf 32-Bit-Systemen [3] dürfte bei Besitzern entsprechender Grafikkarten aber eher für Unmut sorgen.

Unter der Haube erfuhr auch das Paketmanagement-Werkzeug Zypper einige Verbesserungen. So lädt es die RPM-Dateien jetzt über das Backend MultiCurl herunter und unterstützt dabei auch Verbindungen über Zsync und Metalink. Dadurch benötigt oft weniger Dateien zum Download.

KDE 4.6

Als Standard-Desktop verwendet OpenSuse nach wie vor KDE. In Version 4.6 räumten die Entwickler zahlreiche Baustellen auf und sorgten an einigen Punkten für eine bessere Bedienung. Dazu gehören unter anderem die Akku-Anzeige, die jetzt wieder eine Zeitangabe enthält. Das Netzwerkmanager-Frontend wurde ebenfalls überarbeitet, verwaltet aber wegen eines Bugs bislang noch keine 3G-Verbindungen. Auch der Indizierer Nepomuk, der eine semantische Suche ermöglicht (Abbildung 3), verrichtet seine Dienste nun ressourcenschonender.

Abbildung 3: Die semantische Suche via Nepomuk funktioniert unter KDE 4.6 zum ersten Mal so, wie der Anwender es erwartet.

In vielen Bereichen klappt auch das Zusammenspiel von KDE- und Gnome-Programmen besser. So starten KDE-Anwendungen wie Digikam unter Gnome nun deutlich schneller und beanspruchen weniger Hauptspeicher. Generell benötigt der KDE-Desktop nach dem Systemstart knapp 1 GByte RAM, Gnome kommt mit 600 MByte aus.

Die KDE-Anwendungen nutzen in Version 11.4 das Gstreamer-Backend von Phonon. Dadurch steht zum Beispiel in Amarok der MP3-Support ohne zusätzliche Pakete zur Verfügung. Konqueror erlaubt das Nutzen der WebKit-Layout-Engine. Laut offiziellem Feature-Announcement gilt sie eigentlich als Standard, unsere Testinstallation setzt aber weiterhin auf KHTML. Um die Engine zu ändern, öffnen Sie das Menü Einstellungen | Konqueror einrichten und setzen dann auf im Reiter Allgemein den Eintrag Standard-Webbrowser-Modul auf WebKit.

Bei der PIM-Software Kontact nutzt OpenSuse 11.4 weiterhin das traditionelle KMail ohne Akonadi-Anbindung. Damit müssen Sie zwar auf einige Features verzichten, wie etwa den Abgleich von Adressen und Kontakten mit Google Mail, bekommen aber im Gegenzug eine stabile Programmversion.

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