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Asketischer Sprinter

Linux für Individualisten

17.03.2011
Das freie Betriebssystem bietet eine Vielfalt unterschiedlicher Distributionen. Sagt Ihnen trotz intensiver Suche keine davon zu, dann stellen Sie sich mit Unity Linux als Basis schnell und einfach ihre eigenes Derivat zusammen.

Linux bietet mit hunderten unterschiedlicher Distributionen eine unerreichte Vielfalt. Viele der Systeme stammen von Debian oder Ubuntu ab und wollen die tägliche Arbeit am heimischen Computer vereinfachen. Daher bringen sie – je nach thematischem Schwerpunkt – einen großen Fundus an Software mit, die gleich bei der Installation auf der Festplatte landet. Das noch sehr junge Unity Linux geht komplett andere Wege: Als Basis dient nicht Ubuntu, sondern das französisch-brasilianische Mandriva Linux, und als sogenannte Core-Distribution möchte Unity Linux selbst als Basis für weitere Entwicklungen dienen. Demzufolge stellt es nur ein Grundsystem zur Verfügung.

Grundsätzliches

Unity Linux erhalten Sie in einem lediglich rund 350 MByte großen ISO-Image sowohl in einer 32- als auch einer 64-Bit-Variante [1]. Die daraus extrahierte Live-CD fällt bereits beim Start aus dem Rahmen: Neben den üblichen Einträgen im Bootmenü findet sich auch eine Option Copy to RAM, die das komplette System in den Arbeitsspeicher kopiert. Das gewährleistet auch auf schwachbrüstigen älteren Rechnern ein sehr zügiges Arbeitstempo, da der Abruf der Daten aus dem Arbeitsspeicher deutlich schneller erfolgt als von einem optischen Datenträger oder einer Festplatte.

Aber auch von der CD-ROM startet das System recht flott, wobei hier bereits beim Hochfahren die typischen Mandriva One-Einstellungsdialoge zur Lokalisierung erscheinen und Sie somit nach dem Start einen deutschsprachigen Desktop vorfinden. Dieser weist neben einer am unteren Bildschirmrand angesiedelten Panelleiste eine für Live-Systeme ungewöhnlich große Zahl von Ordner- und Programmsymbolen auf. Dank des schlanken Openbox-Windowmanagers wirkt das gesamte System sehr agil.

Unter der Oberfläche von Unity Linux werkelt ein Kernel 2.6.35.7, als alternative Desktops stehen topaktuelle Varianten von XFCE, Gnome, KDE und Enlightenment bereit. Bei den Icons auf der Arbeitsoberfläche stechen sofort der Unity Installer sowie der Smart Package Manager und der Starter Configure Your Computer ins Auge. Während sich hinter dem letztgenannten Icon ein modifiziertes Mandriva Kontrollzentrum verbirgt, entspricht der Unity Installer weitgehend der grafischen Installationsroutine von Mandriva One, die das Betriebssystem in wenigen Schritten auf die Festplatte packt.

Sofern Sie beim Start der Live-CD die Option Copy to RAM gewählt haben und anschließend den Unity Installer seine Arbeit verrichten lassen, finden rund 1,6 GByte an Systemdaten in einem geradezu atemberaubenden Tempo ihren Weg auf die Festplatte: In unserem Testsystem mit einem durchschnittlich schnellen Massenspeicher dauerte die Installation nur wenige Minuten. Damit schlägt Unity Linux alle Geschwindigkeitsrekorde. Anwender, die bereits andere Linux-Distributionen auf dem System installiert haben, brauchen sich zudem keine Sorgen um deren weitere Nutzbarkeit zu machen: Unity Linux verwendet als Bootloader wie die meisten Distributionen Legacy Grub und verzichtet somit auf Experimente mit Grub 2.

Ein Blick ins Hauptmenü von Unity Linux sorgt zunächst für Überraschung: Lediglich im Untermenü Werkzeuge finden sich mehrere Einträge, ansonsten haben nur wenige Programme ihren Weg auf die Festplatte gefunden. Die im Linux-Umfeld allerorten anzutreffenden Untermenüs Büroprogramme, Grafik und Spiele fehlen ganz, und auch in den Menüs Internet, Entwicklung und Unterhaltungsmedien herrscht gähnende Leere. Standardapplikationen wie Gimp, Firefox und OpenOffice sucht man ebenfalls vergeblich. Die minimalistische Software-Ausstattung folgt der Philosophie der Unity-Entwickler, die "nur" ein stabiles und leicht zu bedienendes Grundsystem bieten wollen.

Zentralistisches

Eine Sonderrolle nimmt der weitgehend unbekannte Smart Package Manager (SmartPM, [2]) ein, der ursprünglich vom brasilianischen Conectiva Linux stammt und von Canonical weiterentwickelt wurde. Für ihn wählen Sie über das Mirror Selection Tool, das Sie mittels des gleichnamigen Desktop-Icon starten, aus einer Liste von Spiegelservern die in Ihrer Umgebung befindlichen aus. Der Smart Package Manager aktualisiert anschließend sofort die Software-Repositories der Distribution und stellt über 10 000 installierbare Pakete bereit.

Für fortgeschrittenere Anwender bietet SmartPM die Möglichkeit, das System individuell zu konfigurieren. Dabei protokolliert er intern Probleme mit Spiegelservern, die nur eine geringe Bandbreite liefern oder gar ausfallen, und berücksichtigt dies bei erneuter Software-Installation. Für einzelne Pakete aus unterschiedlichen Quellen können Sie zudem Prioritäten vergeben und auf diese Weise festlegen, welche Versionen einer Applikationen SmartPM einrichtet. Abhängigkeiten löst der Paketmanager automatisch auf und visualisiert den Fortschritt der Softwareinstallation über eine Statusanzeige (Abbildung 1). Freunde der Kommandozeile kommen mit SmartPM ebenfalls auf ihre Kosten, denn die Software lässt sich auch komplett ohne GUI nutzen.

Abbildung 1: Der exotische Smart Package Manager in Aktion.

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