AA_dict_lusl_sxc_1195995.jpg

© lusl, sxc.hu

Integrativ

Eine Oberfläche für Online- und Offline-Wörterbücher

16.03.2011
Das Programm Goldendict kombiniert online und offline Wissensquellen in einer Oberfläche, hilft, Rechercheergebnnisse zu strukturieren und unterstützt Sie beim Erlernen neuer Sprachen.

Freie Nachschlagewerke und Lernmittel in guter Qualität wie Lexika und Wörterbücher gibt es unter Linux wie Sand am Meer. Zu diesen Projekten gesellt sich noch Online-Wissen hinzu in nahezu unüberschaubarem Umfang wie beispielsweise die Wikipedia-Enzyklopädie. Doch die Vielfalt an Nachschlagewerken hat Nachteile: Die offline angebotenen Medien liegen in verschiedensten Formaten vor und sind daher an bestimmte Applikationen gebunden.

Eine detaillierte Begriffsrecherche führt daher schnell dazu, dass der Desktop durch mehrere geöffnete Suchprogramme und Browser unübersichtlich gerät und sich die Suche selbst daher zeitraubend gestaltet. Diesem Manko hilft das kleine Programm Goldendict [1] ab, das nicht nur die wichtigsten Lexika-Dateiformate beherrscht, sondern obendrein auch Online-Medien nahtlos integriert. Somit ist nur noch eine einmalige Eingabe des Suchbegriffs in einem einzigen Fenster nötig, um allumfassende Informationen zu erhalten.

Goldendict installieren

Goldendict ist – obwohl schon seit mehreren Jahren in der Entwicklung – bislang kaum in der Linux-Welt bekannt und deshalb selbst bei den großen Distributionen noch längst nicht überall in den Software-Repositories eingepflegt. Lediglich bei Debian 6 "Squeeze", Ubuntu ab Version 9.10 und Mandriva können Sie die Software bereits bequem per Synaptics oder das Mandriva Kontrollzentrum installieren.

Bei Mandriva gilt es zunächst, das EduMandriva-Repository [2] zu aktivieren, was Sie bequem im Browser per Mausklick erledigen können. Für die aktuellen Fedora-Varianten finden Sie passende Binaries im Netz [3], ebenso wie für PCLinuxOS [4]. Nutzer von OpenSuse erhalten für die neueren Versionen der Distribution entsprechende Binaries [5]. Sofern Sie eine andere Linux-Distribution nutzen, für die noch keine fertigen Pakete bereit stehen, bleibt noch die Möglichkeit, den Quellcode zu kompilieren [6].

Erste Schritte

Nach der erfolgreichen Installation des Programms finden Sie unter Gnome im Menü Anwendungen | Bildung einen Eintrag GoldenDict. Die Software startet auf älteren Rechnern dank der Webkit-Bibliotheken als Basis enorm rasant und präsentiert sich in einem einfach aufgebauten Fenster, das dem der StarDict-Oberfläche ähnelt: Während Sie links im Eingabefeld Nachschlagen: den gesuchten Begriff eintippen, erhalten Sie rechts im großen Fensterbereich die dazugehörigen Erläuterungen. Links unter dem Eingabefeld für den Suchbegriff zeigt die Software sämtliche Wörter an, die den Suchbegriff beinhalten oder ihm entsprechen. Dies können bei vielen installierten Wörterbüchern und Lexika mehr als ein Dutzend Einträge sein (Abbildung 1).

Abbildung 1: Per Mausklick kommen Sie zu umfangreichen Definitionen.

Zunächst müssen Sie jedoch Offline-Lexika und Wörterbücher aus dem Internet herunterladen und teilweise deren Archive entpacken sowie Online-Nachschlagewerke aktivieren. Goldendict erweist sich beim Einsatz von Offline-Inhalten als wahres Allround-Talent: So liest die Software nicht nur die BGL-Dateien der Babylon-Lexika, sondern versteht sich unter anderem auf die weit verbreiteten StarDict- und Dictd-Archive.

Zusätzlich beherrscht das Programm den Umgang mit den Abbyy-Lingvo-Dateiformaten, die als besonderes Schmankerl Audio-Dateien zum Erlernen der korrekten Aussprache beinhalten. Goldendict greift zur Soundausgabe auf den Mplayer zu. Bei Bedarf konfigurieren Sie es jedoch auf den Einsatz eines anderen Players um. Freie Wörterbücher in guter Qualität finden Sie, teils nach Kategorien sortiert im Netz [7], [8], darunter auch solche für russischsprachige Anwender [9].

Nach dem Download der Dateien legen Sie zunächst – sofern nicht schon vorhanden – ein Unterverzeichnis /usr/share/stardict/dic an. Babylon-Lexika mit der Endung .BGL können Sie anschließend sofort in dieses Unterverzeichnis verschieben. Die StarDict-Archive müssen Sie dagegen zunächst mit dem Kommandozeilenbefehl tar -xjvf Archiv.tar.bz2 entpacken und das entstandene Unterverzeichnis sodann mit dem Befehl mv Archiv /usr/share/stardict/dic in den Zielordner verschieben. Damit stehen die Offline-Inhalte allen Nutzern bereit.

Damit Sie die bei StarDict-Lexika üblichen Unterverzeichnisse korrekt nutzen können, ist es noch nötig, das Kästchen Rekursiv hinter der Pfadangabe im Einstellungsmenü Quellen | Dateien zu aktivieren. Goldendict durchsucht beim nächsten Start den Zielordner rekursiv und indexiert die gefundenen Lexika automatisch.

Um Online-Inhalte der Wikipedia einzubinden, öffnen Sie im Programmfenster von Goldendict das Menü Bearbeiten | Wörterbücher und klicken im Hauptreiter Quellen auf den Eintrag Wikipedia. Im sich nun öffnenden Dialog bietet Ihnen die Software verschiedene Länderausgaben der Wikipedia-Enzyklopädie zur Auswahl an. Die gewünschten Ausgaben aktivieren Sie mit einem Klick in die Checkbox Aktiv (Abbildung 2).

Abbildung 2: Sogar die Online-Enzyklopädie Wikipedia binden Sie nahtlos in Goldendict ein.

Selbstverständlich dürfen Sie hier ebenso wie in allen anderen Reitern, in denen Sie Online- oder Offline-Quellen definieren, neue Webseiten oder Dateiverzeichnisse hinzufügen. Dies geschieht einfach durch Klicken auf den Button Hinzufügen... und anschließende Eingabe der URL oder des Verzeichnispfades.

Gleichermaßen verfahren Sie, wenn Sie Mediawiki-basierte Seiten ins System einbinden wollen: In diesem Fall öffnen Sie den Reiter Webseiten im Menü Quellen und aktivieren dort eine oder mehrere der bereits vorgegebenen Webseiten. Auch hier können Sie selbstverständlich zusätzliche Seiten einfügen. Goldendict nutzt die neuen Wissensquellen sofort.

Welche Inhaltsquellen aktiviert sind und als Wissensbasis zum Einsatz kommen, erfahren Sie, wenn Sie das Menü Bearbeiten | Wörterbücher | Wörterbücher aufrufen. Die Software zeigt Ihnen in einer übersichtlichen Liste aller aktiven Quellen an. Ein Klick auf einen der Einträge zeigt rechts im Fenster bei Offline-Medien einige Informationen zum jeweiligen Nachschlagewerk an wie die Anzahl der im Lexikon vorhandenen Einträge sowie der Sprachversion (Abbildung 3).

Abbildung 3: Nähere Infos über die Nachschlagewerke liefert eine übersichtliche Listenansicht.

Gruppenbildung

Wenn Sie viele unterschiedliche Wissensquellen aktiviert haben, gerät die Anzahl der Definitionen und Erläuterungen für ein Schlagwort leicht unübersichtlich. Und bei mehreren simultan aktivierten Online-Quellen vergeht vom Aufruf der entsprechenden Webseite bis zur Ausgabe der Ergebnisse oft viel Zeit. Daher bietet Goldendict die Möglichkeit, Nachschlagewerke zu gruppieren. Diese Option ist auch interessant, wenn Sie verschiedene Arten von Nachschlagewerken abgrenzen möchten.

Öffnen Sie dazu im Menü Bearbeiten | Wörterbücher den Reiter Gruppen. Im linken Bereich des nun aufgeschlagenen Reiters sehen Sie alle aktiven Wörterbücher und Lexika. Um einige davon einer neuen Gruppe zuzuordnen, legen Sie diese zunächst durch einen Mausklick auf den Button Gruppe hinzufügen und die anschließende Eingabe eines Gruppennamens an (Abbildung 4).

Abbildung 4: Mit Gruppen bringen Sie mehr Übersicht in die Ergebnisse einer Suche.

Danach ordnen Sie der neu angelegten Gruppe ein eigenes Symbol zu, indem Sie mithilfe eines Klicks auf die Schaltfläche Gruppensymbol: eines der unzähligen vordefinierten Symbole auswählen. Wenn Sie mehrere Gruppen anlegen und diesen die verschiedenen Quellen zuordnen, zeigt die Software diese einzelnen Gruppen in übersichtlichen, horizontal angeordneten Reitern im Programmfenster an. Sie behalten somit insbesondere bei vielen Gruppen stets den Überblick, welche Quelldaten bereits zusammengefasst sind.

Nun ordnen Sie den einzelnen Gruppen die Nachschlagewerke zu, indem Sie diese im linken Fensterbereich markieren und durch einen Klick auf die Schaltfläche > in den rechts angeordneten Gruppenbereich übertragen. Möchten Sie Einträge aus einer Gruppe entfernen, so markieren Sie diese im Gruppenfenster und tragen das entsprechende Wörterbuch oder Lexikon mit einem Klick auf den <-Button aus der Gruppenliste aus (Abbildung 5).

Abbildung 5: Gleichartige Nachschlagewerke sind in Gruppen zusammengefasst.

Haben Sie die Lexika und Wörterbücher in verschiedene Gruppen sortiert, können Sie zukünftig beim Aufruf eines Begriffs über dem Eingabefeld für das Schlagwort die entsprechende Gruppe durch Auswahl im Auswahlfeld Suchen in: aktivieren. Goldendict sucht den eingegebenen Begriff dann ausschließlich in dieser Gruppe. Damit ist gewährleistet, dass die Suchergebnisse übersichtlich bleiben.

Navigation

Goldendict kommt dank der modernen Webkit-Basis mit einer browserähnlichen und daher ohne langes Einarbeiten bedienbaren Oberfläche daher. Bei Bedarf organisieren Sie die Begriffserklärungen zum Beispiel in unterschiedlichen Tabs. So schalten Sie mit nur einem Mausklick zwischen den Definitionen hin und her, um die verschiedenen Erläuterungen für den Suchbegriff zu vergleichen.

Zum Steuern der Anzeige dient auch eine Buttonleiste, die unter der Menüleiste im Programmfenster horizontal angeordnet ist. Sie ermöglicht nicht nur das schnelle Wechseln zwischen Begriffen mithilfe von Pfeiltasten, sondern vergrößert oder verkleinert auch die gefundenen Definitionen, indem Sie auf eines der drei Lupensymbole klicken.

Möchten Sie Begriffserläuterungen dauerhaft speichern, so können Sie mithilfe eines Klicks auf das Diskettensymbol in der Buttonleiste die kompletten Erklärungen auf die Festplatte ablegen. Dabei sichert Goldendict alle zu einem Begriff gefundenen Definitionen in einer HTML-Datei, die Sie in jedem Browser betrachten können. Bei Inhalten mit Abbildungen oder Fotos sichert die Software diese ebenfalls mit. Verlinkungen, wie sie bei den verschiedenen Wikipedia-Ausgaben üblich, landen dagegen nur bei externen Links ins Internet mit in der Datei.

Audiophiles

Beim Erlernen einer Fremdsprache hilft es oft, zu hören, wie die korrekte Aussprache eines Begriffs lautet. Hier bieten einige Wörterbücher Audiodateien als Hilfe an, die den der betreffenden Ausdruck von Muttersprachlern gesprochen enthalten. Goldendict ist bei vielen dieser Wörterbücher in der Lage, die Audiodateien per Mausklick abzuspielen. Dazu ist es lediglich nötig, die unterschiedlichen Audiodateien in das Unterverzeichnis /usr/share/stardict/dic hineinzukopieren.

Sind Nachschlagewerke in einer kompletten Verzeichnisstruktur abgelegt, wie es beispielsweise bei den DSL-Wörterbüchern der russischen Softwareschmiede Abbyy der Fall ist, so müssen die im WAV-Format vorliegenden Audio-Dateien am gleichen Ort abgespeichert sein wie die DSL-Dateien. Sofern Sie eine eigene Verzeichnisstruktur für die Sounddateien anlegen möchten, so können Sie diese für die Software nutzbar machen, indem Sie im Menü Bearbeiten | Wörterbücher | Quellen | Audio Verzeichnis die entsprechenden Pfade eingeben.

Im Begriffsfeld zeigt Goldendict bestehende Audiodateien durch ein vorangestelltes Lautsprechersymbol an. Wenn Sie die Audiodatei anhören möchten, klicken Sie einfach auf das Symbol in der Buttonleiste des Programmfensters. Sollte trotz angezeigter Lautsprechersymbole keine Wiedergabe erfolgen, so liegt dies in aller Regel an einem fehlerhaft eingestellten Player. Goldendict greift bei der Audio-Wiedergabe auf einen externen Player zu. Im Menü Bearbeiten | Einstellungen | Audio muss im Feld Programm fürs Abspielen von Audiodateien: der korrekte Player eingestellt sein.

Sie können hier jede unter Linux verfügbare Abspiel-Software eintragen, die auf Ihrem System installiert ist. Sofern Sie die automatische Wiedergabe von Sounddateien beim Aufruf entsprechender Wörterbuch-Einträge wünschen, können Sie zudem ein Häkchen vor der Option Wörter im Hauptfenster automatisch aussprechen setzen. Sodann erhalten Sie sofort nach dem Aufruf eines Begriffs die dazugehörigen visuellen wie auch akustischen Informationen.

Fazit

Goldendict bringt endlich Ordnung in den Lexika- und Wörterbücher-Dschungel. Unter einer intuitiven und flott arbeitenden Oberfläche vereint es Online- und Offline-Inhalte. Die Software gefällt jedoch nicht nur durch dieses integrative Konzept, sondern durch die Vielfalt der les- und damit nutzbaren Formate. Durch das inhaltliche Gruppieren der einzelnen Wissensquellen finden Sie die Ergebnisse einfach per Mausklick.

Fremdsprachenlernende wissen außerdem die integrierte Audio-Funktion zu schätzen, die – sofern das entsprechende Nachschlagewerk über Audiodateien verfügt – Begriffe akustisch wiedergibt und damit einer falschen Aussprache oder Betonung vorbeugt. Die ausgereifte Druckfunktionen macht es einfach, in nur einem Arbeitsschritt Begriffsdefinitionen aus unterschiedlichen Quellen auf Papier zu bannen.

Einziger Wermutstropfen der Software die nur teilweise Lokalisierung in die deutsche Sprache, was jedoch angesichts des gebotenen Funktionsumfangs und der einfachen Bedienbarkeit durch Symbolschalter zu verschmerzen ist. Im Test kam eine Version aus dem Bestand von Ubuntu 10.10 zum Einsatz, deren Oberfläche schon weitgehend übersetzt ist. 

Infos

[1] Goldendict: http://goldendict.org

[2] EduMandriva-Repository: http://urpmi.mandriva.ru/?language=en

[3] Fedora-Binaries: http://www.rpmfind.net

[4] PCLinuxOS-Binaries: http://rpm.pbone.net

[5] OpenSuse-Binaries: https://build.opensuse.org

[6] Quellcode: http://sourceforge.net/projects/goldendict/files/

[7] Babylon-Nachschlagewerke: http://www.babylon.com/free-dictionaries/.

[8] StarDict-Nachschlagewerke: http://yeelou.com/huzheng/stardict-dic/.

[9] Abbyy-Lingvo-Dateien: http://lingvodics.com/.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

Kommentare