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3D-Grafikkarte für Profis

Business 3D

Modellieren statt spielen: Für 3D-Anwender gibt es spezielle Grafikkarten-Varianten, die deutlich mehr kosten, aber auch ein sattes Leistungsplus versprechen. Eine davon ist ATIs FirePro 3D v5800.

Als Grafikkarte für professionelle 3D-Anwender positioniert ATI die FirePro 3D v5800. Im Gegensatz zu vielen älteren Profi-Grafikkarten kann man sie zwar auch für Spiele verwenden, doch dort wird ihre Leistung immer schlechter ausfallen als die einer deutlich günstigeren Radeon oder Geforce.

Schon seit vielen Jahren nutzen die Hersteller für ihre Profi-Grafikkarten (FireGL/Pro bei ATI, Quadro bei Nvidia) dieselben Chips wie in den Consumer-Modellen. Die Hardware ist bis auf Anschlüsse und gelegentlich qualitativ besseres RAM in der Regel völlig identisch – ein paar Pins schalten den Grafikchip in den "Profi-Modus". Darüber hinaus bleibt bei ATIs und Nvidias Profi-Modellen Takt und Stromverbrauch meist erheblich konservativer – hier geht es um leisen Betrieb und Stabilität, nicht um jeden Punkt im 3Dmark.

Obendrein kommen spezielle Treiber zum Einsatz, die auf das OpenGL von 3D-Anwendungen optimiert wurden. Damit erzielen die Karten beispielsweise beim Zeichnen von Drahtgittermodellen oder zweiseitigen Polygonen eine hohe Leistung – für Spielen zumeist völlig irrelevant. Die Treiber und deren teure und aufwendige Zertifizierung für die jeweiligen 3D-Programme sind es auch, die letztendlich die Profi-3D-Karten so viel teurer machen als ihre Consumer-Pendants.

Entgegen hartnäckiger anderslautender Mythen zeigt sich der 3D-Bereich unter Linux mit professionellen 3D-Programmen überdurchschnittlich gut bestückt, sodass der Einsatz der Profi-Boards auch hier interessant erscheint. Viele CAD/CAM- und Animationsprogramme fanden mit dem Niedergang der großen kommerziellen Unices wie AIX, Solaris und vor allem Irix ihren Weg auf Linux. Die neuesten 3D-Hollywood-Blockbuster werden inzwischen größtenteils nicht nur unter Linux gerendert, sondern auch modelliert.

So gibt es für das freie Betriebssystem Versionen der kommerziellen 3D-Animations- und Modelling-Programme Maya, Softimage, Houdini, Mudbox, Aladdin4D, CityEngine, Realsoft 3D und AC3D; dem Vernehmen nach verkauft sogar Maxon auf Anfrage eine Linux-Variante von Cinema 4D an Animationsstudios. Auch Lightwave 3D soll in Version 10 (Lightwave Core) erstmals unter Linux veröffentlicht werden, auch wenn die Newtek-Homepage dies bislang schamhaft verschweigt.

Der CAD/CAM- und Visualisierungs-Bereich ist ebenfalls üppig vertreten: CATIA (angeblich nun endlich auch für Linux verfügbar), Pro/Engineer (jetzt Creo Elements/Pro), VariCAD, Ensight, Siemens NX (Unigraphics), Cycas, QCad und IntelliCAD/BricsCAD. Neben diesen kommerziellen profitiert auch freie OpenGL-Software von der besseren OpenGL-Leistung, wie Blender, Salome, NaroCAD, AutoQ3D, Archimedes CAD, Art of Illusion, Ayam, BRL-CAD, Meshlab, Open Cascade, FreeCAD, gCAD3D oder Wings 3D.

Rahmendaten

Die FirePro 3D v5800 basiert auf einem in 40 Nanometer gefertigten RV840-Chip der "Juniper"-Generation, wie er auch in der Radeon-HD57x0-Serie zum Einsatz kommt. Sie verfügt über 1 GByte GDDR5-RAM, das mit 1 GHz Takt über einen 128-Bit-Bus mit eher gemächlichen 64 GByte/s Speicherbandbreite angebunden ist. Nicht nur der RAM-Takt fällt 200 MHz langsamer aus als bei einer Radeon HD 5770, auch der GPU-Takt (700 MHz) liegt mit 150 MHz deutlich niedriger. Der Grafikchip mit 800 Shader-Units kann 11,2 Gigapixel oder 28 Gigatexel pro Sekunde füllen und protzt mit 1120 GFLOPS theoretischer Fließkommaleistung. Die OpenGL-4.0- und DirectX-11-kompatible FirePro 3D v5800 erweist sich mit maximal 74 Watt Stromverbrauch (gemessenes Leerlauf/Last-Delta: 60 Watt) als sehr genügsam – was auch dazu führt, dass sie nur einen PCI-Express-Slot belegt, ohne gesonderten Stromanschluss auskommt und der Lüfter kaum zu hören ist. An Anschlüssen gibt es einen Dual-Link-DVI-Port und zwei Displayport-Anschlüsse.

Im Test

Wir testen Die FirePro 3D v5800 unter Ubuntu 10.10 mit dem Ende Januar veröffentlichten einheitlichen Catalyst-Treiber, der sowohl Radeon als auch FirePro 3D unterstützen soll. Allerdings zeigt die Einblendung unsupported hardware rechts unten auf dem Bildschirm an, dass ATI hier wohl noch nachbessern muss. Trotz des Hinweises funktioniert der Treiber jedoch und zeigt zur letzten FirePro-3D-Treiberversion teilweise sogar eine Leistungsverdopplung – nur der UGS-Teamcenter-Test, der auch mit normalen Radeon-Karten immer wieder Probleme macht, streckt mit dem neuen Treiber alle Viere von sich.

Wir testen die FirePro 3D v5800 gegen eine Radeon HD 5770, die denselben Chip verwendet, aber etwas höher taktet (siehe Tabelle "Testergebnisse"). Während im Spiel Nexuiz die Radeon 5770 noch 10 Prozent Leistungsvorteil genießt, hängt die FirePro 3D sie im SpecViewperf-Test, der nur auf OpenGL-Code direkt von den Herstellern der entsprechenden 3D-Software basiert, gnadenlos ab: Minimal 56 Prozent (Ensight) bis maximal 338 Prozent schneller (Maya) arbeitet hier die Profi-Variante, im Schnitt über alle Tests gerechnet ist die FirePro 3D fast drei mal so schnell.

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