Online-Vernissage

Webalben mit Jalbum erstellen

Der Drang, sein künstlerisches Schaffen anderen zu präsentieren, ist so alt wie die Menschheit selbst. Dienten früher Höhlen als Galerie, haben diese Funktion im Digitalzeitalter Flickr und Picasaweb übernommen. Nicht jeder möchte sich jedoch von solchen Diensten abhängig machen: So mancher zieht es vor, seine Bilder auf einem eigenen Server zu hosten. Wie bei vielem kommt es auch hier auf die Verpackung an. Egal wie toll die Bilder sind – präsentiert man sie im unpassenden Rahmen, verlieren sie viel an Glanz. Software, die Bilder in ansprechende HTML-Galerien verpackt, gibt es zwar auch für Linux, doch fällt das Resultat entweder langweilig aus oder die Konfiguration erweist sich als umständlich.

Das auf Java basierende Programm Jalbum [1] bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten, eine maßgeschneiderte Webgalerie nach eigenen Vorgaben zu erstellen. Ihre vielen Funktionen verpackt die Software in eine leicht zu bedienende Nutzeroberfläche. Daneben bringt das Programm noch einen Fotoeditor und einen Uploadmanager mit, die Sie von Drittprogrammen weitgehend unabhängig macht.

Das proprietäre, aber kostenfrei erhältliche Jalbum arbeitet auf Basis von Templates. Es stellt einen Grundumfang an Funktionen bereit, den der gewählte Skin um jeweils spezifische Fähigkeiten erweitert. Das lässt Ihnen beim geplanten Funktionsumfang der Galerie ein Maximum an Spielraum: Die Auswahl reicht von der puristischen Bildsammlung, die lediglich aus Thumbnails besteht, bis zum Ajax-basierten interaktiven Webauftritt samt Counter und Gästebuch. Fünf dieser Skins bringt das Programm bereits mit, Dutzende weitere stellt das Projekt auf seiner Webseite zum Download bereit [2].

Installation

Da das Programm auf Java basiert, erfordert es auf dem Rechner eine entsprechende Laufzeitumgebung. Das Projekt stellt die Software sowohl für Linux als auch für Mac OS X und Windows zum Download bereit. Für das freie Betriebssystem wählen Sie zwischen einer DEB- oder RPM-paketierten Version und installieren die Software mit dem Paketmanager Ihrer Distribution. Nach der Installation starten Sie die Software über den Eintrag Grafik | Weitere Programme | Jalbum des K-Menüs. Alternativ verwenden Sie das generische JAR-File, das Sie mit dem Kommandozeilenaufruf ./java -jar Jalbuminstall.jar starten.

Der erste Start

Beim ersten Start fragt Jalbum nach Benutzername und Passwort. Der Hintergrund: Die Entwickler finanzieren sich mit dem Hosten von Bildergalerien und bieten zum Ausprobieren kostenfreie Accounts an, die jedoch lediglich 30 MByte an Bildern fassen. Für moderate 2 Euro im Monat bietet das Projekt 1 GByte zusätzlichen Speicherplatz an. Möchte Sie auf dieses Zusatzangebot verzichten, schließen Sie die Abfrage einfach mit einem Klick auf das Kreuz rechts oben. Im danach erscheinenden Dialog Anmeldefenster schließen unterdrücken Sie diese Abfrage für zukünftige Starts durch das Aktivieren der Checkbox Nicht erneut anzeigen.

Am linken Rand des Fensters platziert die Software die Projektverwaltung in einer Liste, darunter die Auswahl der Skins sowie deren Erscheinungsbild (Styles). Das Hauptfenster beherbergt die (noch leere) Bildverwaltung, die dazu auffordert, Bilder via Drag & Drop vom Dateimanager in das Fenster zu ziehen, um sie dem Album hinzuzufügen. Im Test mit OpenSuse 11.2 scheiterte der Versuch jedoch sowohl mit Dolphin als auch mit Konqueror.

Alternativ klicken Sie auf das Icon Fotos hinzufügen und navigieren im integrierten Dateibrowser zu dem Verzeichnis, das die gewünschten Bilder enthält. Eine Mehrfachauswahl realisieren Sie durch Drücken von [Strg] während der Anwahl der Fotos mit der linken Maustaste. Ein Klick auf Hinzufügen beginnt den Import mit der Abfrage des Namens und einer Beschreibung für das Album. Danach erscheint die Auswahl im Hauptfenster (Abbildung 1).

Abbildung 1

Abbildung 1: Die Bilderverwaltung im Zentrum dominiert das Hauptfenster von Jalbum, links daneben wählen Sie zwischen den Projekten und den Skins gennannten Formatvorlagen.

Darin sortieren Sie die Reihenfolge der Bilder, indem Sie diese per Drag & Drop an die gewünschte Stelle ziehen. Beim Berühren eines Bilds mit dem Mauszeiger erscheint an seiner oberen Kante der Hinweis Bearbeiten. Klicken Sie darauf, so öffnet Jalbum die Aufnahme im Bearbeiten-Modus (Abbildung 2).

Abbildung 2

Abbildung 2: Der integrierte Bildeditor enthält die wichtigsten Werkzeuge, um Bilder künstlerisch zu verfremden oder grobe Bildfehler zu korrigieren.

Dieser erlaubt, grundlegende Veränderungen am Bild vorzunehmen, beispielsweise das Weichzeichnen, Spiegeln, Umwandeln in Graustufen oder Ausrichten an einem Raster. Im Abschnitt Farbanpassung versteckt sich die Korrektur der Helligkeit, des Kontrasts und der Farbsättigung. Jede Anpassung quittieren Sie mit einem Klick auf den Button Anwenden oder Abbrechen. In den Albenmodus kehren Sie mit einem Klick auf das Icon mit den vier Quadraten in der Icon-Leiste oben rechts zurück.

Die Software erlaubt auch das Anlegen zusätzlicher Verzeichnisse, etwa um Fotos thematisch zu sortieren. Um einen Ordner zu erstellen, klicken Sie in der Menüleiste über der Albenansicht auf das Ordnersymbol. Daraufhin erscheint sowohl in der Projektrubrik als auch in der Albenvorschau ein Verzeichnis namens Neuer Ordner, dessen Bezeichnung Sie nach einem Doppelklick auf den Namen anpassen. Eine vom gewählten Skin unabhängige Grundeinstellung des Albums erreichen Sie mit einem Klick auf das Zahnradsymbol des geöffneten Projekts links in der Auswahlleiste (Abbildung 3).

Abbildung 3

Abbildung 3: Die vom Skin unabhängigen Einstellungsdialog öffnen Sie über das Zahnradsymbol des geöffneten Projekts.

Unter Hauptseite legen Sie das Startbild des Albums, dessen Titel und die Beschreibung fest. Diese erscheint nicht als Text auf der Seite, sondern als Meta-Information (<meta name="Beschreibung") im Quelltext der HTML-Datei. In der Rubrik Seiten legen Sie unter anderem fest, wie viele Spalten und Zeilen das Album in der Thumbnail-Vorschau verwendet und nach welchen Kriterien (Name oder Datum) die Software die Bilder sortiert.

In der Rubrik Verlinken der Bilder geben Sie an, ob Sie nur zu skalierten (also in der Größe angepassten) Bildern verlinken möchten oder auch zu den Originalen. Im Reiter Bilder legen Sie neben der Größe der Vorschau- und Dia-Bilder auch deren Qualität fest. Erste Tests ergaben eine verhältnismäßig schlechte Qualität der skalierten Bilder, weswegen wir raten, als Skalierungsmethode Am besten sowie eine JPEG Qualität nicht unter 80 einzustellen.

Etwas missverständlich und versteckt unter Erweitert | Benutzervariablen platzierten die Entwickler die Eingabe der Meta-Informationen, die später im Header der HTML-Seite erscheinen. Unter Namen tragen Sie alle Felder ein, die dem HTML-Tag Meta Name= zur Verfügung stehen, beispielsweise keywords, autor oder robots. Unter Wert tragen Sie die jeweiligen Beschreibungen ein. Diese Metadaten erscheinen jedoch nur auf der Startseite. Unterverzeichnisse und Bilder markiert Jalbum mit dem Titel, den Sie im Bearbeitungsmodus unter in der Rubrik Hauptseite eintragen.

Skins

Während Jalbum in erster Linie das Werkzeug stellt, um Bilder zu verwalten, sorgen Skins für das richtige Look & Feel der generierten Galerien. Fünf dieser Skins bringt Jalbum von Hause aus mit, weitere 120 stehen auf der Projektseite zum Download bereit [2]. Die Bandbreite der Vorlagen reicht von der schlichten Bilderliste, die lediglich eine Thumbnail-Galerie mit Vergrößerungsfunktion besitzt, bis hin zum interaktiven Feature-Monster, das Kommentare zu den Bildern erlaubt und die Diashow musikalisch untermalt.

Jeder der Skins besitzt eine Vorschau, die Sie mit dem Klick auf den Link Sample Album auf der Webseite starten. Gefällt das Layout, laden Sie es via Install skin herunter. Allerdings gilt es zu beachten, dass Sie nicht alle Skins ohne Einschränkungen einsetzen dürfen: Bei manchen handelt es sich um Donation-Ware, andere gestatten nur den nichtkommerziellen Einsatz kostenfrei. Allerdings bewegen sich die Preise beinahe durchgängig im einstelligen Euro-Bereich.

Um den heruntergeladenen Skin zu installieren, ziehen Sie ihn vom Dateimanager in das geöffnete Jalbum-Fenster. Wenige Sekunden später erscheint die Erfolgsmeldung, das Theme reiht sich jetzt unter Skin und Style in die Auswahlliste der verfügbaren Oberflächen ein. Die meisten der Skins verfügen darüber hinaus über mehrere Styles, die Sie aus der Dropdown-Box darunter auswählen. Diese legen in erster Linie die Oberflächenfarbe, teilweise auch das verwendete Icon-Set fest.

Die Konfiguration des Skins erreichen Sie über die Schaltfläche in Form einer Schildkröte rechts neben der Auswahlliste (Abbildung 4). Da jede der Oberflächen eigene Einstellungsparameter und Features mitbringt, erklären wir im Folgenden am Beispiel des Skins Chameleon Aufbau und Konfiguration.

Abbildung 4

Abbildung 4: Auf den ersten Blick verwirrt die Einstellungsvielfalt des Skins. Bei genauerer Betrachtung erschließt sich die Logik dahinter jedoch recht schnell.

Im Reiter Bilder stellen Sie ein, ob sich ein Bild automatisch an die Browsergröße anpasst. Unter Bild-Navigation wählen Sie die Image-Map, die Jalbum über die Aufnahme legt. Sie besteht gewöhnlich aus vier Teilen: Ein Klick auf den oberen Bildbereich wechselt zum Index, unten öffnet das Foto in der Originalgröße, links und rechts wechseln zum vorherigen oder nächsten Bild. Aktivieren Sie hier Kopierschutz für Bilder, deaktiviert Jalbum unter anderem das Kontextmenü beim Rechtsklick auf das Bild. Eine echte Hürde für versierte Anwender stellt dieser Schutz jedoch nicht dar.

Jalbum bietet noch weitere Möglichkeit zur Navigation. Aktivieren Sie beispielsweise unter Allgemein die Ankreuzfelder Enable keyboard oder Enable mouse wheel, navigieren Sie bequem mit den Pfeiltasten oder dem Mausrad durch die generierten Alben. Doch damit nicht genug. Am oberen Rand legt das Chameleon-Skin eine so genannte Brotkrumennavigation an. Verzweigt das Album in mehrere Unterordner, erreichen Sie darüber mit einem Mausklick die gewünschte Ebene. Welchen Fonttyp und welche Trenner Jalbum dafür verwendet, legen Sie in Design fest. Bevorzugen Sie stattdessen das Navigieren über eingeblendete Thumbnails, finden Sie die entsprechenden Einstellungen in der Rubrik Diaseite unter Vorschaubilder (Abbildung 5).

Abbildung 5

Abbildung 5: Jalbum bietet eine Vielzahl an Navigationsmöglichkeiten für das Album an.

Aktivieren Sie in der Rubrik Metadaten eine der Checkboxen, etwa EXIF, liest die Software die Aufnahmeparameter des Bildes ein und zeigt sie darunter an. Welche genau das sind, legen Sie im Reiter EXIF fest. Gleiches gilt für GPS-Daten: Die Koordinaten der Aufnahme – sofern sie solche mitbringt – erscheinen unter dem Bild. Der Reiter Karte rechts daneben bietet die Möglichkeit, den Standort der Aufnahme als Google-Maps-Link anzulegen. Sie wählen im Dialog unter anderem, ob der Dienst den Standort als Karte oder Satellitenaufnahme anzeigt, sowie den Zoomfaktor. In der Aufnahme hinterlegte Kommentare und Informationen im XP,- XMP- und IPTC-Format bindet die Jalbum auf Wunsch auch in die Bildbeschreibung ein.

Zum Einblenden von Texten (etwa Copyright-Hinweisen) in den Aufnahmen bietet die Software in der Rubrik Filter | Wasserzeichen das passende Werkzeug. Geben Sie dort den Text ein, den die Applikation in die Bilder schreiben soll. Dies betrifft jedoch ausschließlich die angepassten Versionen, Thumbnails und verlinkte Originaldateien bleiben davon unberührt.

Sie finden die mitgelieferten Skins im Verzeichnis /usr/share/jalbum/skins/, sodass Sie diese im Rahmen der Möglichkeiten manuell anpassen können. Nachträglich installierte Skins speichert das Programm unter ~/.jalbum/skins/. Das Chameleon-Theme versieht die Startseite der Galerie am unteren Rand mit den Hinweis Erzeugt von JAlbum & Chameleon. Dieser lässt sich zwar relativ problemlos aus der generierten HTML-Datei entfernen, nicht jedoch aus dem Template; Der Eintrag steckt nämlich in der Java-Klasse /usr/share/jalbum/skins/Chameleon/Chameleon.class und lässt sich nicht ohne weiteres herausoperieren.

Als nettes Gimmick besitzt der Skin eine Verkaufsfunktion via Paypal, die Sie über Fotos verkaufen erreichen. Auf diesem Weg bieten Sie bei Bedarf Bilder unterschiedlich bepreist in verschiedenen Formaten an. Allerdings gelten die eingetragenen Preise für alle Bilder der Galerie unisono.

Im Test zeigte die Themenvorlage jedoch einige kleinere Schwächen. So erlaubt die Rubrik Diaseite einen Seitenübergang, der die Bilder bei gestarteter Diaschau überblenden soll – was er in der Praxis aber nicht tat. Ebenso ließ sich das Gästebuch zwar aktivieren und wurde im Album auch angezeigt, jedoch speicherte es keinen der eingegebenen Kommentare ab.

Galerien erzeugen und hochladen

Um zu prüfen, wie die Einstellungen im späteren Album aussehen, klicken Sie auf das Lupensymbol unter dem Projektnamen. Daraufhin öffnet sich die Galerievorschau im Browser. Um die Änderungen aufs Album anzuwenden, betätigen Sie Erstellen links unten. Existiert das Album bereits, so berücksichtigt diese Funktion lediglich die Änderungen zur Vorgängerversion. Möchten Sie das ganze Album neu generieren, klicken Sie auf den nach unten gerichteten Pfeil und wählen aus dem Menü Alles erstellen..

Um das Album im Web zu veröffentlichen, bringt Jalbum einen kleinen Upload-Manager mit, der auch als FTP-Client dient. Darin wählen Sie, ob Sie Ihre Bilder auf den Host von Jalbum oder einen eigenen Server hochladen möchten. Bevorzugen Sie Letzteres, gilt es zunächst, einen entsprechenden Zugang einzurichten. Klicken Sie auf den nach unten gerichteten Pfeil neben Upload und wählen Sie aus den Einträgen Veröffentl./Verwalten.... Daraufhin öffnet sich die Konfigurationsmaske (Abbildung 6), in der Sie auf Hinzufügen klicken und im Abfragedialog auf Einen bestehenden Zugang auf einem anderen Server benutzen.

Abbildung 6

Abbildung 6: Im Upload-Manager von Jalbum legen Sie fest, auf welchen Host die Software Ihre Galerie lädt.

Die Software legt daraufhin den Eintrag Neuer Zugang an. Ein Klick darauf öffnet die Eingabefelder für den FTP-Server, den Nutzernamen und das Passwort. Nach deren Eingabe ändert die Software den Profilnamen in jenen des Hosts, gefolgt vom Nutzernamen. Haben Sie mehrere Zugänge festgelegt, wählen Sie vor dem Hochladen aus dem Upload-Menü, welchen Host Sie nutzen möchten. Existiert das Album auf dem Server bereits, lädt der Upload-Manager lediglich die Änderungen hoch, erkennt dabei aber auch gelöschte Bilder und entfernt sie aus dem Album.

Fazit

Eine Software für Linux, die dem Funktionsumfang von Jalbum unter Linux Paroli bieten kann, sucht man vergeblich. Das auf Templates basierende Konzept bietet praktisch für jeden Geschmack die passende Albenvariante, die Sie zudem in vielfältiger Weise an Ihre Bedürfnisse anpassen dürfen. Die wenigen Logiksprünge in der Konfiguration sowie vereinzelte nicht funktionierende Features des Chameleon-Skins tun dem hervorragenden Gesamteindruck, den die Jalbum hinterlässt, keinen Abbruch. 

Infos

[1] Jalbum: http://jalbum.net

[2] Skins: http://jalbum.net/skins

Tip a friend    Druckansicht beenden Bookmark and Share
Kommentare