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Smartdroid

Samsungs Android-Tablet Galaxy Tab

16.02.2011
Im Galaxy Tab kombiniert Samsung Internet-Tablet und Smartphone zu einem pfiffigen, stimmigem Gesamtkonzept auf Android-Basis. Gut angepasste Anwendungen und viele Extras lassen beim Bedienen Freude aufkommen.

Schon auf der IFA 2010 herrschte in Halle 20, die vollständig Samsung gehörte, dichtes Gedränge an allen Ständen, auf denen die Besucher das Galaxy Tab (Abbildung 1) ausprobieren konnten. Schon nach dem ersten Messetag war sämtliches Galaxy-Tab-Werbematerial vergriffen.

Abbildung 1: Samsungs Galaxy Tab enthält nur Komponenten aus eigenem Hause.

Samsung packt in das 380-Gramm-Gerät, das vom Prozessor bis hin zum Arbeitsspeicher und Bildschirm ausschließlich Komponenten aus eigenem Hause beinhaltet, einiges hinein. Ein ARM-Prozessor namens Hummingbird mit 1 GHz Taktrate treibt das Galaxy Tab an. Der kapazitive 7-Zoll-Multitouch-Widescreen-Bildschirm, der bis zu fünf Finger gleichzeitig erkennt, bietet dank einer Netbook-Auflösung von 1024 x 600 ordentlich Platz. Das nur wenig vom Blickwinkel abhängige und farbstarke Display fertig Samsungs überraschenderweise nicht in seiner superleichten AMOLED-Technik, wie etwa jenes der Galaxy-S-Handys. Den Grund für die Entscheidung, auf ein herkömmliches Display zu setzen, verrät Samsung nicht.

Das mit Android 2.2 gelieferte Gerät unterstützt über den PowerVR-SGX540-Grafikkern hardwarebeschleunigtes Flash 10.1 und bringt neben 802.11a/b/g/n-WLAN, Bluetooth 3.0 und GPS gleich zwei Kameras zum Fotografieren und Filmen (3 Megapixel, rückwärtig, mit LED-Blitz) und Videochat (1,3 Megapixel, Vorderseite) mit. Mit einem fest verbauten 4000-mAh-Akku erreicht das Galaxy Tab laut Hersteller eine Standby-Zeit von 1500 Stunden und eine Gesprächzeit von 16,7 Stunden – in unserem Test hielt es bei normaler Nutzung ungefähr einen Tag durch. Es gilt beim Schlafenschicken so viele Schnittstellen wie möglich zu deaktivieren, denn GPS, 3G, WLAN und Bluetooth ziehen auch beim Nickerchen ordentlich Strom.

Mit einer Größe von 19,0 x 12,1 x 1,2 Zentimeter passt das Galaxy Tab gerade noch in die Hand, sodass man es nicht wie etwa Apples iPad unergonomisch am Rand halten muss. Samsung liefert das Gerät mit 16 GByte integriertem NAND-Speicher, per MicroSD lassen sich bis zu 32 GByte Speicher nachrüsten. Die clevere Eingabetechnik Swype, die auch Samsungs Galaxy-S-Handys nutzen, erlaubt Eingaben durch grobes Wischen von Buchstabe zu Buchstabe. Das Gerät rät dann mittels eines Wörterbuchs, welches Wort Sie tippen wollen (Abbildung 2). Das funktioniert selbst ohne Einarbeitung schon recht gut, und klappt mit etwas Übung sowohl ermüdungsfreier als auch deutlich schneller, als jeden Buchstaben einzeln zu drücken. Freilich erkennt Swype ausschließlich die Wörter im Wörterbuch, aber bei unbekannten Wörtern kann man ohne Umschalten wie gewohnt jeden Buchstaben einzeln antippen.

Abbildung 2: Samsungs Eingabetechnik Swype vereinfacht das Schreiben auf Touchscreens deutlich.

Technische Daten

Hersteller Samsung
Modell Galaxy Tab
Betriebssystem Android 2.2 "Froyo"
CPU / GPU 1.06 GHz ARM "Hummingbird" / PowerVR SGX540
Speicher 16 MByte intern (2 MByte belegt), max. 32 MByte via MicroSD
Bildschirm 7-Zoll-TFT (17,8 cm), WSVGA (1024x600), 169 ppi, 16 Mio. Farben
Netzwerk UMTS, EDGE, GPRS, HSDPA, HSUPA, Bluetooth 3.0, WLAN 802.11b/g/n
Akku Li-Pol 4000 mAh, 1500h Standby, 16,7 h Telefonie(1)
Kameras 1,3 MPixel frontseitig, 3,2 MPixel Autofocus mit LED-Blitz rückseitig
Größe 190 x 121 x 12 mm
Gewicht 380 g
Lieferumfang Gerät mit USB-Ladekabel, USB-Steckernetzteil, In-Ohr-Headset mit Mikro (Kabel)
Preis (ca.) 700 Euro
Zubehör (Auswahl) Dockingstation ECR-D980 (ca. 40 Euro), Keyboard-Dock ECR-K10D (ca. 70 Euro)
(1) Herstellerangabe

Ausstattung

Im freien Handel kostet das Galaxy Tab ohne Vertrag 600 bis 700 Euro – im Vergleich zu anderen Android-Geräten wie dem Archos 101 für 300 Euro ein stolzer Preis. Samsung strebt allerdings anders als Apple eine Kooperation mit allen vier deutschen Netzbetreibern an, was das Gerät durch Subventionierung und Konkurrenz deutlich verbilligen soll.

Samsung liefert das Galaxy Tab in einer recht kleinen Schachtel und legt ein USB-Ladekabel inklusive USB-Steckernetzteil bei, mit dem das Laden deutlich schneller geht als am Computer. Auch ein Kabel-Headset mit qualitativ erstaunlich guten In-Ohr-Kopfhörern und integriertem Mikrofon zum Musikhören und Telefonieren findet sich in der Box. Der Connector des Galaxy Tab ähnelt dem bekannten Apple-Stecker auf den ersten Blick verblüffend (Abbildung 3), ist jedoch zu diesem weder physisch noch elektronisch kompatibel. Das zahlreiche und überall verfügbare iPod-Zubehör lässt sich mit dem Galaxy Tab also nicht nutzen.

Abbildung 3: Der Samsung- und der Apple-Connector ähneln sich optisch stark, ohne jedoch kompatibel zu sein.

Optional gibt es eine Dockingstation (ECR-D980), die das Gerät hochkant aufnimmt und dabei lädt, für 30 bis 40 Euro. Ein Keyboard-Dock mit integrierter vollformatiger Tastatur (ECR-K10D, Abbildung 1) kostet im Handel rund 70 Euro. Auch Zubehör wie Ledertaschen, Schutzhüllen und Beutel sowie einen Halter und Ladekabel fürs Auto bieten sowohl Samsung als auch Drittherstellern an.

Anders als das iPad fungiert das Galaxy Tab auch als Mobiltelefon und integriert ein HSPA/GSM-Modem. Lediglich das in USA übliche CDMA unterstützen die hierzulande verkauften Galaxy Tabs nicht. Beim Telefonieren sieht Samsung mehrere Nutzungsszenarien: entweder über das beigelegte Kabel-Headset (auch per Video mit anderen Galaxy-Tab-Nutzern) oder per optionalem Bluetooth-Gerät. Bei letzterem schweben Samsung nicht nur die klassischen Headsets vor: Für das Galaxy Tab soll es auch einen speziellen Bluetooth-Stylus geben, der zusätzlich ein Mikrofon integriert. Beim Telefonieren unterwegs bleibt das Galaxy Tab dann in der Jackentasche, wo es in der Regel gut Platz findet.

Weil es auch ein Telefon ist, hat das Galaxy Tab als eines von nur wenigen Tablets auch Zugriff auf den normalen Android-Market von Google – und damit auf die volle Bandbreite der Android-Programme. Nur Apps, die den Nexus-Trackball oder ein vergleichbares Eingabegerät voraussetzen, funktionieren auf dem Galaxy Tab nicht. Zusätzlich zum Android Market gibt es auch noch den Samsung-Appstore, in dem sich ausgewählte Anwendungen finden, die besonders gut mit dem Gerät harmonieren.

Im Test

Die Benutzung des Geräts macht Spaß. Samsung gibt sich im Gegensatz zu vielen anderen Android-Tablet-Herstellern viel Mühe, das Gerät so benutzerfreundlich wie möglich zu machen. So hat der Hersteller viele Anpassungen und eigene Programme (etwa einen Mediaplayer oder Swype) in das normale Android eingebaut.

Die Kamera liefert akzeptable, aber etwas verrauschte Bilder in 1232 x 2048 Pixel. Videos zeichnet sie mit 30 fps in 480p-Auflösung (720 x 480) in H.264-Baseline-Profile auf und speichert sie im MP4-Container. Die Kamera-Anwendung beherrscht Gesichtserkennung mit Selbstauslöser beim Registrieren eines Lächelns. Auch Panorama-Aufnahmen mit acht Bildern lassen sich per Automatik im Handumdrehen erstellen, das Zusammenfügen der Einzelaufnahmen liefert erstaunlich gute Ergebnisse und dauert keine drei Sekunden. Der Lagesensor reagiert übertrieben empfindlich, man kann ihn jedoch schnell über die Statusleiste abstellen. Das gilt auch für die automatische Helligkeitsanpassung, die das Bild ansonsten recht dunkel ausfallen lässt.

Erstaunlich laut und klar tönen die integrierten Lautsprecher, auch der Klang der beigelegten Kopfhörer überzeugt. Das Gerät filtert über zwei Mikrofone Umgebungsgeräusche und beherrscht auch Sprachsynthese sowie eine Sprachsteuerung. Beides funktioniert recht gut, sogar komplexe Wörter wie "Desoxyribonukleinsäure" erkannte die Software im Test korrekt. Ein kleiner Vibrationsmotor sorgt für haptisches Feedback bei der Bedienung. Samsungs Musik- und Videoplayer sowie der E-Book-Reader erscheinen schön gemacht, lassen sich gut bedienen und müssen sich hinter den Apple-Pendants keineswegs verstecken.

Gelegentlich stolperten wir im Test über kleinere Probleme: Wenn Flash läuft, zieht das Gerät offensichtlich auch im Standby-Modus viel Strom, sodass über Nacht der Akku leer lief. Einmal blieb das Display mit einer Meldung über einen speziellen USB-Modus hängen, wir mussten das Gerät per Druck auf die Einschalttaste neu starten.

Um das Galaxy Tab per USB mit einem Linux-Rechner zu verbinden, müssen Sie zuerst den USB-Modus in den Einstellungen bei Drahtlos und Netzwerk von Samsung Kies auf Massenspeicher umstellen. Erst dann erkennt Linux das Gerät anstandslos und hängt es ein. Den 14 GByte freie Kapazität bietende interne Speicher (2 GByte belegt das System) hat Samsung FAT-formatiert, während andere Android-Geräte meist Ext3 verwenden. Unvermeidliche Folge: Es lassen sich keine sehr großen Dateien auf dem Gerät ablegen, bei 4 GByte Dateigröße bricht Ubuntus Nautilus den Kopiervorgang mit der Meldung File too large ab.

Wir testeten, mit welchen Dateitypen das Galaxy Tab zurechtkommt. An Videos spielt das Galaxy Tab AVIs mit DivX/Xvid und MP3, MKVs mit H.264 und MP3/Dolby Digital sowie WMV und MP4s mit H.263/H.264 und AAC ab. Sogar H.264 bis hoch zu 1080p meisterte das Gerät ohne weiteres. Wir bemerkten allerdings bei einigen HD-Videos an den Rändern Artefakte sowie Kanten (ähnlich wie bei einem Spiel ohne Antialiasing). Andere H.264-Videos zeigten diesen Effekt jedoch nicht. Zwei Test-Encodings bestätigten unsere Vermutung: Die Kanten treten nur bei HD-Auflösungen auf, die nicht exakt 1920 x 1080 (1080p) oder 1280 x 720 (720p) entsprechen (Abbildung 4). Zu unserer Enttäuschung weiß das Galaxy Tab nichts mit Camcorder-Containern wie DV, MOD, TOD oder M2TS anzufangen, auch MPEG- oder WebM-Dateien spielt es nicht. Positiv hingegen: Externe SRT-Untertitel zeigt das Galaxy Tab an.

Abbildung 4: Bei HD-Videos, die nicht exakt 720p- oder 1080p-Auflösung haben, treten hässliche Kanten auf (oben).

In Sachen Soundformate beherrscht das Galaxy Tab OGG, FLAC, MP3, AC3, MID, WAV, WMA und M4A/AAC, bei Bildformaten JPG, GIF, BMP und PNG. PSD oder TIFF sind für das koreanische Gerät hingegen böhmische Dörfer. Als Standardformat für den E-Book-Reader fungiert EPUB, PDFs öffnet (wie Word- und Excel-Files) das beiliegende Thinkfree Office. Nach anfänglichen Schwierigkeiten ist der "Readers Hub" genannte Store für Magazine, E-Books und Zeitungen nun online. Für den Store arbeitet Samsung mit Zinio (Magazine), Kobo (E-Books) und PressDisplay (Zeitungen) zusammen. Das führt dazu, dass die Medien in optisch und bedientechnisch unterschiedlichen Stores kaufen und teilweise auch verwalten muss, vom der getrennten Anmeldung einmal ganz abgesehen. Solche Inkohärenzen hätte Samsung ohne Weiteres durch Guidelines vermeiden können. Immerhin lassen sich die Einzelstores einfach bedienen. Bei Zinios Magazin-Store stört allerdings, dass ein Sprachfilter fehlt – er zeigt immer das weltweite Magazinangebot.

Samsung stattet das Gerät mit reichlich Software aus. Die beiliegende Google-Navigationssoftware (inklusive Streetview) erweist sich insbesondere mit dem großen Display sehr nützlich. Hinter AllShare verbirgt sich Samsungs DLNA/UPnP-Anwendung, die Medienserver (insbesondere jene anderer Samsung-Geräte) im Netzwerk sieht und von diesen Dateien abspielen und kopieren kann. Das klappt auch anders herum, man kann beispielsweise auf dem Galaxy Tab gespeicherte Medien auf einem Samsung-Fernseher oder der Playstation 3 betrachten.

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Kommentare
700 Euronen???
miamia72 (unangemeldet), Dienstag, 22. Februar 2011 12:11:24
Ein/Ausklappen

Nun ja, das Samsungs Android-Tablet Galaxy Tab ist sicherlich ein Android Tablet der höchsten Qualitätsstufe.

Allerdings würde ich mir für das Geld lieber einen super Desktop PC bei Dell oder ein zünftiges Netbook und ein Wochenende Paris gönnen.

Meine Güte, warum müssen die Preisunterschiede so groß sein bei den Android Tablets?

Aus Asien habe ich mir neulich ein Android Tablet http://www.virtualvillage.de/android-tablet-pc bestellt, und bisher ist es noch nicht explodiert. Zum Surfen und Video gucken ist es super geeignet und hat im Gegensatz zum apple iPad sgar eine Webcam eingebaut.

Allerdings ist es natürlich nicht geeignet für aufwendige 3D Spiele oder World of Warcraft oder so.

Aber wer will das schon auf einem Tablet PC spielen?


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