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© LNM AG

PinguyOS – Linux für Einsteiger

Gebrauchsfertig

Vielen Linux-Distributionen haftet immer noch der Ruf an, sich nur für Geeks zu eignen. PinguyOS belegt eindrucksvoll, dass Linux längst reif auch für Anfänger ist.

Ubuntu ist eine der beliebtesten Linux-Distributionen überhaupt. Doch es gibt nichts, was nicht verbessert werden könnte, und so haben sich rund um die ohnehin schon große Ubuntu-Familie viele Derivate mit unterschiedlichen Schwerpunkten gebildet. Das relativ junge PinguyOS schreibt sich dabei kompromisslose Bedienerfreundlichkeit des Desktops auf die Fahnen und führt dazu Elemente aus verschiedenen Distributionen zusammen.

PinguyOS laden Sie in der brandneuen Version 10.10.1 als etwa 1,4 GByte großes ISO-Image sowohl als einer 32-Bit- als auch in einer 64-Bit-Variante von der Homepage [1] herunter. Nach dem Brennen und Booten der DVD verzweigt das System zunächst in ein Auswahlmenü, mit dessen Hilfe Sie die Live-DVD auch in einem vereinfachten Grafikmodus starten können, wenn Probleme mit der Bildschirmansteuerung auftreten. Dazu wählen Sie gegebenenfalls die Option xforcevesa - boot Live in safe graphics mode aus.

Nach dem Laden des Systems präsentiert sich PinguyOS in einem ungewöhnlichen Outfit: Die leicht modifizierte Menüleiste von Gnome 2.32 ergänzen gleich zwei Dockleisten am linken und unteren Bildschirmrand. Im linken Dock findet sich dabei die Ordnerstruktur der eigenen Dateien, während die untere Dockleiste Starter für die wichtigsten Programme zusammenfasst.

Das von Gnome her bekannte Hauptmenü mit den Ordnern Anwendungen, Orte und System haben die Entwickler durch das Mintmenu des Ubuntu-Derivats Linux Mint ersetzt, das die drei Gnome-Menüs zusammenfasst. Zusätzlich zu diesen datei- und ordnerspezifischen Neuheiten präsentiert PinguyOS auf der Arbeitsoberfläche mittels des Systemmonitors Conky [2] die wichtigsten Parameter des Computers in einem transparent gehaltenen Fenster.

Falls Sie allerdings in Ihrem System eine ältere Grafikkarte betreiben, die noch keine Compositing-Fähigkeiten unterstützt, dann startet Conky gelegentlich nicht. Auch die Docking-Leisten arbeiten in diesem Fall ohne Animationen beim Berühren mit dem Mauszeiger, weisen jedoch ansonsten keine Einschränkungen auf.

Technische Daten

Name PinguyOS
Version 10.10.1
Basis Ubuntu 10.10 "Maverick Meerkat""
Orientierung Einsteiger-Desktop
Architektur i686, x86_64
Release 17.11.2010
Kernel 2.6.35
Desktop Gnome 2.32.0 (modifiziert)
X-Server 1.9.0
Bootmanager Grub2 (1.98)

Programmatisches

Ein Klick auf das PinguyOS-Logo oben links in der Panelleiste fördert im sich öffnenden Mintmenu eine stattliche Anzahl an teils sehr ungewöhnlichen und unbekannten Programmen zutage. So finden Sie mit Ailurus [3] ein höchst nützliches Gnome-Tool, das mit einer intuitiv zu bedienenden grafischen Oberfläche das komplette System- und Software-Management enorm vereinfacht. Ailurus fasst dabei unterschiedlichste Einstellmöglichkeiten zusammen und entlastet Sie auf diese Weise von der Suche nach den entsprechenden Menüs oder Befehlen auf der Kommandozeile (Abbildung 1).

Abbildung 1: Ailurus vereinfacht das Konfigurieren des Systems enorm.

Mit Bleachbit [4] und dem Energiesparprogramm Granola hat PinguyOS weitere nützliche Utilities mit an Bord. Auch im multimedialen Bereich lassen Applikationen wie Handbrake [5], der Videoeditor Openshot [6], der lxBDPlayer, VLC oder DeVeDe keine Langeweile aufkommen. Selbstverständlich bringt die Distribution auch die Standardprogramme wie OpenOffice, Firefox, Thunderbird, Rhythmbox und Totem in den jeweils aktuellen Versionen mit.

Der Bildbearbeitungsbolide Gimp hingegen fehlt, und wie inzwischen unter Ubuntu üblich, ersetzen Applikationen wie Simple Scan und der Shotwell Photo Manager [7] die Klassiker Sane/Xsane und den Bildbetrachter F-Spot. Da PinguyOS die meisten gebräuchlichen Audio- und Video-Codecs bereits von Haus aus mitbringt, steht dem multimedialen Vergnügen nichts im Wege.

Daneben fällt die nahtlose Integration des Windows-Emulators Wine in der aktuellen Version 1.3 auf, der es ermöglicht, eine stetig steigende Zahl von Windows-Programmen auch unter Linux auszuführen. Zusätzlich verfügt PinguyOS über zahlreiche Werkzeuge zum Dateimanagement, darunter insbesondere Such- und Indiziersoftware wie Gnome Do, Gloobus oder auch Catfish [8].

Dauerhaftes

Sofern Sie nach dem ersten Kennenlernen PinguyOS dauerhaft auf die heimische Festplatte packen möchten, aktivieren Sie die Installationsroutine mit einem Doppelklick auf das Desktop-Icon Install PinguyOS. Der von Ubuntu bekannte Installer führt Sie nun in wenigen Schritten zum Ziel. Dabei packt er mehr als 4 GByte an Daten auf die Platte, sodass eine ausreichend große Zielpartition angelegt sein will. Da der Installer die wichtigsten Systemparameter vorab prüft und bei zu geringen Kapazitäten Alarm schlägt, lassen sich diesbezüglich eventuell vorhandene Defizite noch vor der eigentlichen Installation beheben.

Bei Systemen, auf denen bereits andere Linux-Distributionen oder weitere Betriebssysteme residieren, ist Vorsicht geboten: PinguyOS nutzt als Bootmanager die neue Version 1.98 von Grub (vulgo: Grub2) in einer an Ubuntu angepassten Variante. Im Gegensatz zum klassischen Grub erkennt der Neue Dateisysteme oft nicht korrekt und bindet dementsprechend dann auch die vorhandenen Betriebssysteme nicht automatisch mit ins Bootmenü ein. In diesem Falle müssen Sie den Bootmanager Grub entsprechend manuell konfigurieren [9], um Ihre anderen Systeme weiterhin einsetzen zu können.

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Kommentare
Schön, aber auch abschreckend...
12monkey5 (unangemeldet), Freitag, 21. Januar 2011 23:40:33
Ein/Ausklappen

Um mal bei meinen beiden Vor-Schreibern einzuhaken: ob pinguy nun einfacher ist oder nicht liegt naturgemäß im Auge des Betrachters.
Benjamin hat recht, dass es kaum eine andere Distribution gibt, die "out-of-the-box" so viel an nützlichen Features mitbringt wie PinGuy OS.
Und Michi hat recht, dass einem die Fülle an Sachen, die noch auf Mint oben drauf gepackt wurden, das Leben auch nicht immer leichter machen.
Ich finde, das muss jeder für sich selbst rausfinden.

Persönlich finde ich PinGuy OS zunächstmal unheimlich schön. Das Mint-Menü, Docky und ein sehr schön modelliertes Conky haben mich so neugierig gemacht, dass ich PinGuy einfach mal ausprobiert habe. Und ich bin an sich keiner, der aus Langeweile alle 2 Wochen was neues ausprobieren muss, sondern überleg mir das in der Regel gut... aber das nur am Rande.

PinGuy kommt mit einer großartigen Ausstattung daher. Es fällt einem kaum etwas ein, was man groß nachinstallieren müsste. Alles läuft irgendwie sehr rund und man hat immer den Eindruck, dass alle Menüs und Fenster noch ne Spur flüssiger und flotter funktionieren als im Standard-Gnome.

So weit, so gut.

Aber:
so schön das ja alles ist - PinGuy ist alles andere als perfekt.
Das geht schon los mit der lausigen Vorkonfiguration für andere Sprachen als Englisch. Obwohl ich bein Setup Deutsch als Sprache gewählt habe und trotz Nachinstallation aller denkbaren deutschen Sprachpakete war PinGuy nie durchgängig deutschsprachig. Und den mitgelieferten Firefox (der iwie aussieht wie ein Opera-Clon) einzudeutschen ist mir nicht mal ansatzweise gelungen, obwohl ich an sich nicht aufs Hirn gefallen bin, wenn es darum geht, sich ne Lösung aus Foren u.ä. zusammen zu googeln. Im Prinzip wär mir das ja egal, wenn Firefox englisch bleibt, aber was dann halt endlos nervt, ist z.B. dass sich der FF gegenüber Webseiten immer als englisch ausgibt. Das bedeutet englische Suchergebnisse, englische FAQs, englische Logins usw.

Am schlimmsten fand ich als semi-erfahrener Benutzer aber dieses "Global-Menu". Sorry, aber DAS geht ja gar nicht. Wer denkt sich so nen Mist aus? Keine Taskleiste mehr. Nur eine Menüleiste, die wechselweise die Befehssätze für den Desktop oder der gerade benutzten Programme/Fenster anzeigt. Und das auch noch ohne dass sich einem binnen 2 Stunden erschließen würde, nach welchen Regeln das geschieht. Und alleine Docky liefert noch ne vage Ahnung, was für Fenster oder Anwendungen überhaupt gerade noch offen sind... also nee... echt nich xD
Dieses Global-Menue wird potentiell wechselwillige Windows-User nicht überzeugen, sondern es wird sie verscheuchen. Punkt.

Das hat sogar mich verscheucht.
Ich hab mir jetzt wieder ein blankes Ubuntu 10.10 (Maverick) installiert und hab mir da dann Docky und Conky in der Form von PinGuy nachgebaut und werd mir evtl. noch das Mint-Menue gönnen. Aber dann is auch gut. Ich weiß lieber selber, was ich alles drauf hab.

Trotzdem: für neugierige Leute, die gerne ein hübsch dekoriertes Ubuntu/Mint haben wollen, lohnt sich der Versuch allemal ;)

MfG
12monkey5


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Re: Schön, aber auch abschreckend...
act_local (unangemeldet), Montag, 24. Januar 2011 12:03:37
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Das global Menu kann man aus der Leiste oben einfach entfernen (oder auch gleich vollständig deinstallieren), die lokalen menüleisten lassen sich auch wieder einschalten (bzw. werden wieder hergestellt) und eine normale fensterleiste ebenfalls hinzufügen. Für Firefox (und evtl. installierte KDE Programme muß man die entsprechenden i18n (bzw. i10n) Pakete händisch nachinstallieren (PinguyOS ist eine one-man-show) und ggf. ein Firefox-spezifisches anpassungspaket per synaptic löschen (wie bei Mint auch um eine "normale" google Suche zu bekommen).

Ob das in der Summe mehr oder weniger Aufwand ist, als ein Ubuntu mit den gewünschten PinguyOS features nachzurüsten, liegt aber letztendlich in den Augen des jeweiligen Bildschirmbetrachters ... ;-)


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Re: Schön, aber auch abschreckend...
Tom (unangemeldet), Mittwoch, 09. Februar 2011 10:04:48
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@12monkey5

Wenn Du keine Ahnung hast von Linux, warum schreibst Du dann in aller Öffentlichkeit Kommentare ??? :))


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einfacher? das kann nicht euer ernst sein...
Michi (unangemeldet), Mittwoch, 19. Januar 2011 21:36:23
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ich arbeite seit 11 Jahren mit Linux, Debian auf Servern und Ubuntu auf Notebook und pc. Ubuntu hat inzwischen eine reife erreicht, dass ich erfolgreich und anhaltend mehrere Benutzer der Generation 60+ überzeugen konnte. einer von denen ist sogar schon 81! und sind alle begeistert, wie gut und schnell das läuft, und vor allem, wie gut das zu bedienen ist.

in meinen Augen ist das, was jetzt hier getrieben wird, eher Antiwerbung für Linux. denn die tollen Zusätze sind eher für Nerds und Geeks, aber nichts für Anfänger!

bitte aufwachen!

grüße

Michi


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Re: einfacher? das kann nicht euer ernst sein...
Benjamin Quest, Donnerstag, 20. Januar 2011 23:40:47
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Doch, durchaus einfacher. Keine codec Diskussion, kein DVD erklären, etc. Die meisten LInux Neulinge sind ja nicht unbedingt Computerneulinge.

Und was bei PinguyOS alles aus der Schachtel heraus läuft ist wirklich erstaunlich. Z.B. sind die Dateiformate gleich mal sinnvoll zugeordnet. Compiz mit ansprechenden (und nicht überkandidelten) Animationen aktiviert, eine einfache Compiz-Konfigurationsmöglichkeit inklusive.

Die restlichen Beigaben sind letztlich Geschmackssache (und sprechen eben durchaus versierte Computeranwender anderer Betriebssysteme an).

Die Nerds und Geeks fangen bei so viel "Menü" sowieso erstmal das frickeln an (zu viel "Bevormundung").

Was mich ganz persönlich eher stört ist z.B. die Tatsache, daß die Paketquellen extrem viele Fremdrepositories umfassen, was normale aktualisierungen verkompliziert und beim Ubuntu-Software Center (weil das Repo bei der Abfrage einen Timeout hatte) dann in nicht installierbaren Programmen mündet (die sich über Synaptic dann ganz normal aufspielen lassen). Oder daß manche Programme dann doch sehr redundant sind (Ailurus und Ubuntu-Tweak).

Von daher, ist auch bei Ubuntu à la PinguyOS noch nicht alles ganz optimal und reibungslos. Aber meiner Meinung nach ein "erfrischendes" System, daß sich vom Ubuntuderivate-Einheitsbrei deutlich positiv abhebt. Ich habe allerhand nette kleine Programme kennengelernt, die ich sonst nicht kennengelernt hätte. Und ich hätte nicht gedacht, dass einem alten KDE Hasen wie mir GNOME mal einen solchen Spaß macht.

Hatte das System mal als Zweitsystem ausprobiert, muß jetzt aber doch GRUB wohl per default auf PinguyOS setzen ...

Also Aufwachen? Nee, das System ist eher ein Augenöffner, sowohl für Linuxeinsteiger (schöne, einfache WINE Implementation), als auch für Linuxfortgeschrittene (Virtual-Box out of the Box ... wer's braucht ... ;-).


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