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© Lolamix, sxc.hu

Eric – eine umfangreiche IDE für die Entwicklung von Python-Programmen

Gut entwickelt

Die Python-IDE Eric4 vereinfacht das Schreiben von Skripten und komplexen Programmen durch zahlreiche Komfortfunktionen.

Für Python [1] gibt es im Bereich der freien Software mittlerweile eine ganze Reihe von Programmierumgebungen [2]. Das Tool Eric von Detlev Offenbach [3] gehört zu den ausgereifteren und steht für Python 2.x (Eric4) mittlerweile in der Version 4.4.9 zur Verfügung (4.4.7 in Debian "Testing", 4.4.4a in Ubuntu "Maverick", 4.3.7 in Fedora) und präsentiert sich als umfangreiche, schlichte IDE speziell für Python, die aber auch mit Ruby umgehen kann. Bei Bedarf installieren Sie Eric auf Systemen wie Debian oder Ubuntu ohne weiteres über den Paketmanager (sudo apt-get install eric). Für Informationen zu Eric5 lesen Sie den Kasten "Eric5 für Python 3".

Vor allem wenn Sie Qt-Applikationen oder selbst Eric-Plugins schreiben möchten, empfiehlt es sich, das Zusatzpaket eric-api-files mit zu installieren, das spezielle Vorlagen für das Vervollständigen von Code enthält. Wenn Sie Plugins über Eric installieren, dann gilt es unter Umständen, zusätzliche Software per Hand nachzuziehen. Obwohl das Paketmanagement das Paket python-qt4-sql nur als Vorschlag anzeigt (apt-cache show eric), lohnt es sich, dieses direkt mit zu installieren. Das Standard-Plugin Assistant Eric greift darauf zu. Außerdem gibt es manchmal Fehlermeldungen, wenn sich das Paket libqt4-sql-sqlite nicht im System befindet.

Eric5 für Python 3

Mit dem Release von Python 2.7 im Juli 2010 endet der Versionszweig 2.x offiziell. Er wird aber noch gepflegt, auch Updates fließen ein. Da der Nachfolger Python 3 sich nicht mehr abwärtskompatibel verhält, sind Entwickler dazu angehalten, nun ihre Programme für den Zweig 3.x umzuschreiben, was naturgemäß nur schleppend geschieht. Python 2.6 fungiert noch immer als Standard für Debian 6.0 "Squeeze", und eine Menge beliebter Bibliotheken haben weiterhin ihre Probleme mit dem entscheidend veränderten Python 3 (aktuell 3.1).

Einige Applikationen und Module unterhalten – wie Python selbst bisher – zwei getrennte, parallele Entwicklungszweige. Das in Python geschriebene Eric findet sich in der aktuellen Python-3-Version (5.0.3) noch nicht in Debian oder Ubuntu. Unter anderem gab es zu Redaktionsschluss immer noch Probleme mit den Python-3-Bindings der Qt4-Bibliothek PyQt, obwohl aktuelle Versionen davon Python 3 eigentlich bereits unterstützen (Debian Bug #558389). Der Schwerpunkt der Weiterentwicklung von Eric findet bereits in Eric5 statt. Hier gibt es ein Plugin für die Mercurial-Schnittstelle, Funktionen für die Echtzeit-Kollaboration in Form eines Chat-Widgets und eines Shared Editors sowie ein Interface zum Codechecker Pyflakes.

Eric5 ohne Hilfe des Paketmanagers zu installieren, bereitet einige Probleme: Das Kommando python3 install.py im Hauptverzeichnis des entpackten Tarballs führt zum Hinweis, dass das Modul PyQt4.QtCore nicht bereit steht (Problem mit den Python-3-Bindings). Versuchen Sie den Trick, die PyQt-Bibliothek (aktuell im Python Package Index: v4.8.1) in Debian "Testing" manuell zu installieren, erhalten Sie den Hinweis, dass die vorhandene Version des Interface-Generators SIP (v4.10.2) damit nicht zusammenarbeitet, und somit manuell in der aktuellsten Version nachinstalliert wäre (Package Index: v4.11.2). Allerdings macht es keinen Sinn, sich so weitab vom Upstream-Status der verwendeten Distribution zu bewegen. So bleibt nur übrig, abzuwarten, bis sich alles weiterentwickelt hat.

Grundfunktionen

Startet Sie die IDE, so öffnet sich kurz ein Splashscreen mit dem Eric-Maskottchen – einem kleinen, frechen Troll. Kurz danach erscheint der Hauptbildschirm. In der Mitte befindet sich das Editorfenster, um das sich eine Reihe von Toolboxen anordnen, darunter ein Terminalfenster und eine Python-Shell (Abbildung 1). Details des Layouts passen sich dabei der Bildschirmauflösung an.

Abbildung 1: Das Hauptfenster bietet neben dem Code-Editor Zugriff auf ein Terminal, eine Python-Shell und zeigt zudem die Struktur des Projektes und die Todo-Liste an.

Das Programm bietet die Möglichkeit, das Aussehen individuell zu verändern und in verschiedenen Profilen abzuspeichern (siehe Dropdown-Menü Fenster). Selbst wer nicht gleich Klassen und Module, sondern erst mal einfachere Programme schreibt, stellt schnell fest, dass es in Eric an allen Ecken und Enden kleine nützliche Helferlein gibt.

Haben Sie Ihren ersten Programmcode geschrieben und diesen als Python-Programm mit der Endung .py abgespeichert, dann zeigt die IDE zum Beispiel sofort alle syntaktisch falschen Stellen im Code an. Starten Sie nach deren Beseitigung dann das Programm mit Start | Script ausführen, hebt die Software auch noch tiefer sitzende Fehler im Quellcode automatisch hervor. Eric fragt vor dem Ausführen noch nach optionalen Werten wie zum Beispiel Kommandozeilenparametern.

Die Applikation bietet selbstverständlich Syntax-Highlighting, beherrscht aber auch das automatische Vervollständigen des Codes (nach Aktivieren in den Einstellungen). Sie prüft das Setzen von Klammern und kontrolliert die Einrücktiefe, aus der sich in Python die Konstruktion von Klassen, Funktionen oder Schleifen ergibt.

Außerdem erlaubt Eric, zusammenhängende Abschnitte wie zum Beispiel Funktionen nach Bedarf ein- und wieder aufzufalten ("Code folding"). Die Editor zeigt außerdem die Einrückebenen grafisch an und erlaubt, Lesezeichen an beliebigen Stellen im Code anzubringen. Als nette Dreingabe exportiert die Software auf Wunsch den Quellcode als PDF-Datei, HTML-, RTF- oder TeX-Dokument.

Debugging

Existieren logische Fehler im Programm, spüren Sie diese in einer IDE wie Eric am einfachsten mit Hilfe des Debuggers auf. Dazu starten Sie ihr selbstgeschriebenes Programm im Debugging-Modus (Start | Debug Skript). Vorher setzen Sie noch Haltepunkte (Debug | Haltepunkt setzen) an den Quellcode, an denen die Ausführung des Programms angehalten wird. Die Anzeige schaltet dann auf das Profil Debuggen um (Fenster | Debuggen Profil), und rechts neben dem Editorfenster öffnet sich ein weiterer Dialog mit verschiedenen Analyse-Listen (Dateibrowser, lokale und globale Variablen), die den Status des Programms am Haltepunkt jeweils genau abbilden (Abbildung 2).

Abbildung 2: Im Debugging-Profil sehen Sie beispielsweise, welche Werte lokale und globale Variablen zur Laufzeit haben.

Jetzt haben Sie die Möglichkeit, zwischen den Haltepunkten hin und her zu springen (Debug | Nächster/Vorheriger Haltepunkt) und sich in Einzelschritten (Debug | Einzelschritt) oder größeren, ganzen Prozedurschritten umherzubewegen, um die Interna des Programmablaufs im Detail nachzuvollziehen. Auf diese Weise decken Sie verborgene Fehler im Code auf, wie etwa falsch zugewiesene Variablen.

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