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Cewe Fotobuch-Designer

11.01.2011 Die Fotobuchsoftware von Cewe gilt seit Jahren als eine der wenigen brauchbaren Lösungen für Linux. Auch die neueste Version weiß hinsichtlich Funktionalität und Benutzerfreundlichkeit zu überzeugen.

Bei anbietergebundener Software zum Erstellen von Fotobüchern und Kalendern dominiert Cewe [1] seit Jahren den Markt: Das Programm beziehungsweise den Fotodienst nutzen unter anderem Branchengrößen wie Rewe, Saturn Hansa, Amazon, Pro Markt und viele andere mehr [2]. Bot Cewe bisher seine Software lediglich direkt über die Reseller an, stellt es jetzt eine generische Version zum Download bereit, in welcher der Kunde sich erst beim Bestellvorgang auf einen Händler festlegt (Abbildung 1).

Abbildung 1

Abbildung 1: Der händlerunabhängige Fotobuchsoftware von Cewe lässt Ihnen bis zur Bestellung die Wahl des Handelspartners.

Im Softwaredesign unterscheidet sich das Programm nur marginal von den angepassten Versionen der Reseller. Allerdings beschränkt sich der Funktionsumfang der Cewe-Version ausschließlich auf das Erstellen von Fotobüchern, während die der Reseller häufig auch andere Bearbeitungsmodule enthalten, etwa für Kalender. Im Test trat die generische Version 4.6.5 von Cewe an, das zur Photokina im Oktober generalüberholt wurde. Sie verwendet zum Darstellen der Fenster Qt 4.6.2, dessen Bibliotheken das Programm selbst mitbringt.

Installation

Das Paket, das Cewe zum Download bereitstellt, besteht lediglich aus einem wenige KByte kleinen kleinen Perl-Skript, das beim Start alle benötigten Dateien – im Ganzen etwa 100 MByte – aus dem Internet herunterlädt. Nach Anzeige und dem Bestätigen der EULA erstellt der Installer das Verzeichnis ~/CeWe Color/, in dessen Unterordner Mein CEWE FOTOBUCH sich eine gleichnamige ausführbare Datei befindet. Ein Klick darauf startet die Applikation.

Auf einem schnellen Rechner erscheint das Programmfenster nach etwa 15 Sekunden. Ein Blick mit top auf den Ressourcenverbrauch zeigt, dass sich die Anwendung nach dem Start stattliche 240 MByte an Hauptspeicher genehmigt. Je nach Umfang des Fotobuchs und Größe der Bilder steigt der Speicherbedarf aber zügig auf Werte jenseits der 600 MByte an.

Neueröffnung

Beim Start zeigt die Software im Hauptfenster zunächst eine Auswahl verschiedener Fotobuchformate. Im darüberliegenden Menü erreichen Sie weitere Größen und Qualitäten (Abbildung 2).

Abbildung 2

Abbildung 2: Neben diversen Größenformaten wählen Sie im Hauptfenster der Cewe-Software auch die Papierqualität und die Bindung.

Nach Anwahl der gewünschten Variante startet der Abfrage-Assistent, über den Sie unter anderem die Seitenzahl, das Layout und den Einband festlegen. An dieser Stelle weisen Sie dem Fotobuch bereits die dafür vorgesehenen Bilder zu. Die Software berechnet anhand der gewünschten Anzahl von Bilder pro Seite, die Sie per Schieberegler einstellen, selbständig die benötigte Seitenzahl. Jeden Schritt des Abfrage-Assistenten brechen Sie bei Bedarf mit einem Klick auf den Schalter Ohne Assistenten gestalten ab. In diesem Fall öffnet die Software das Fotobuch lediglich mit der gewählten Größenvorgabe (Abbildung 3).

Abbildung 3

Abbildung 3: Bilder ziehen Sie via Drag & Drop an die gewünschte Stelle im Fotoalbum. Bei einer Mehrfachauswahl setzt die Software sie der Reihe nach in die Platzhalter ein.

Alle Eckdaten wie Seitenzahl, Einband oder Papierqualität passen Sie nach Bedarf nachträglich links unten an. Den Preis für das Fotobuch aktualisiert die Software gemäß den Einstellungen automatisch und zeigt ihn daneben an.

Um Bilder manuell in das Projekt zu importieren, wählen Sie links im Dateibrowser zunächst das Verzeichnis, in dem sich die gewünschten Bilder befinden. Danach erscheinen diese im Vorschaufenster darunter. Ziehen Sie die gewünschten Fotos per Drag & Drop in einen Fotoframe. Das Programm markiert alle bereits importierten Aufnahmen mit einem grünen Häkchen – ein Zähler fehlt jedoch.

Möchten Sie mehrere Bilder auf einmal in das Album kopieren, wählen Sie die gewünschten Fotos bei gedrückter [Strg]-Taste mit der Maus an und ziehen Sie danach in das Bearbeitungsfenster. Die Software ordnet sie dann der Reihenfolge nach im Buch an. [Strg]+[A] markiert alle im Verzeichnis enthaltenen Dateien, die Sie wie beschrieben ins Album einfügen. Die Größe der Seitenansicht variieren Sie mit dem Schieberegler am unteren Fensterrand. Rechts daneben befindet sich ein Knopf mit zwei diagonal angeordneten Pfeilen. Ein Klick drauf öffnet die bildschirmfüllende Vorschauansicht des Fotobuchs. Um sie zu beenden, drücken Sie [Esc].

Am unteren Fensterrand zeigt die Software die Seiten des Albums in einer verkleinerten Vorschau. Sie eignen sich sowohl zur Navigation als auch zum Ergänzen mit zusätzlichen Bildern. Ziehen Sie dafür die gewünschten Aufnahmen aus der Bildervorschau links in das entsprechende Blatt. Möchten Sie eine Aufnahme als Hintergrund definieren, klicken Sie mit der linken Maustaste in der Vorschau darauf. Im Kontextmenü legen Sie fest, ob das Bild für die rechte, linke oder beide Seiten als Hintergrund dient.

Zur Suche nach inhaltlich und farblich ähnlichen Aufnahmen wählen Sie im gleichen Kontextmenü den Punkt Ähnliche finden.... Im Dialog stellen Sie über einen Schieberegler die geforderten Übereinstimmungen von fast gleich... bis ...ähnlich aussehend stufenlos ein. Der Klick auf OK zeigt die Treffer in der Vorschau an.

Auf die Plätze…

Nach dem Befüllen des Albums geht es daran, die Bilder auszurichten und möglichst ansprechend darin zu platzieren. Die Software passt Aufnahmen automatisch so gut wie möglich in den Bildboxen ein. Stimmen die Proportionen von Aufnahme und Box nicht überein, zeigt die Software nur einen Ausschnitt an. Diesen ändern Sie, indem Sie auf das Bild klicken und es bei gedrückter Maustaste im Rahmen verschieben. Zum Ändern der Rahmen- und damit Bildgröße dienen die Anfasser, die es an jeder Ecke und Kante gibt. Ein Ziehen an den Kanten verändert die Proportionen, das Verändern der Ecken skaliert das Bild.

Anders als die in der letzten Ausgabe getestete Software von Farbglanz [3] unterstützt die Cewe-Software alle gängigen Tastaturkürzel und Funktionstasten. Zum Löschen eines Bild reicht es entsprechend aus, [Entf] zu drücken. Die Software erkennt dabei auch eine Mehrfachauswahl und entfernt alle angewählten Aufnahmen. Per [Strg]+[X] und [Strg]+[V] verschieben Sie ein Bild von der einen Stelle an eine andere, was im Test aber nicht komplikationsfrei funktioniert. Das Rückgängigmachen der letzten Aktionen via [Strg]+[Z] bereitete dagegen keinerlei Probleme.

Um das Bild an einer anderen Stelle auf der Seite zu platzieren, markieren Sie es und ziehen es bei gedrückter Maustaste am Rahmen an die gewünschte Stelle. Die Position überlappender Aufnahmen legen Sie über Objekt eine Ebene nach vornehinten aus dem Kontextmenü fest. Eine einstellbare Transparenz, wie sie die Software von Farbglanz bietet, fehlt der von Cewe allerdings.

Möchten Sie eine vielleicht nicht hundertprozentig gelungenen Aufnahme aufwerten, legen Sie ein Passepartout darüber. Wechseln Sie dazu in der linken Spalte in den Reiter Layout und danach in Passepartout. Die Software enthält bereits mehrere Dutzend davon, die Sie via Drag & Drop auf die gewünschte Aufnahme ziehen. Reicht die Auswahl nicht aus, genügt ein Klick auf den Button mehr herunterladen..., um weitere Passepartouts auf dem Rechner zu installieren.

Feinschliff

Zum Nachbearbeiten von Bildern bringt die Cewe-Software ein rudimentäres Bildbearbeitungsprogramm mit. Um es zu nutzen, klicken Sie doppelt auf die gewünschte Aufnahme, worauf das Modul startet (Abbildung 4). Da das Öffnen des Fotoeditors im Test sporadisch zum Absturz des Programms führte, empfiehlt es sich, das Album zuvor via [Strg]+[S] zu sichern.

Der Bildeditor Es enthält neben dem Bearbeitungwerkzeug allerdings noch diverse andere Elemente, etwa zum Festlegen der Grundeinstellungen, weswegen sein Aufbau unübersichtlich erscheint. Ein Klick auf das Icon mit den stilisierten Schiebereglern in der Menüleiste öffnet das Korrekturwerkzeug für Helligkeit, Kontrast und Farbton. Ein vernünftiger Weißabgleich fehlt dem Programm.

Abbildung 4

Abbildung 4: Auch wenn der Funktionsumfang des Cewe-Fotoeditors bei Weitem nicht an den darauf spezialisierter Bildbearbeitungsprogramme heranreicht, genügt er doch für die wichtigsten Korrekturen.

Eher an die verspielten Naturen richten sich die Funktionen, die sich hinter dem Icon F (Fenster für Fotoeffekte) verbergen. Mit ihnen verzerren Sie die Aufnahmen in allen denkbaren Varianten oder lassen sie als Gemälde oder Kohlezeichnung erscheinen. Im Test fiel dabei auf, dass zum einen die angezeigte Vorschau nicht immer mit der tatsächlichen Ausgabe übereinstimmt und zum anderen das Anwenden des Effekts unter Umständen minutenlang dauert und dabei die den im Testrechner verbauten Prozessor Intel Core i5 650 beinahe vollständig auslastet.

Ärgerlich auch, dass eine Funktion zum Rückgängigmachen der letzten Aktion fehlt. Ein Klick auf Verwerfen setzt stets sämtliche Bearbeitungsschritte zurück.

Schreib mal wieder…

Wie alle Fotobuchprogramme verfügt auch das von Cewe über ein Textmodul, mit dem Sie Seiten oder Bilder beschriften. Um einen Text hinzuzufügen, klicken Sie in der Schalterleiste über dem Hauptfenster auf das Symbol T mit einem Plus darüber. Daraufhin öffnet sich eine Box, in den Sie Ihren Text schreiben. Anders als die Farbglanz-Software enthält dieses Programm eine auf Hunspell basierende Rechtschreibkorrektur, die falsch geschriebene Wörter rot unterstreicht und im Kontextmenü entsprechende Korrekturvorschläge unterbreitet. Neben den üblichen Formatierungen wie Größe oder Farbe ermöglicht das Programm es Ihnen, Buchstaben farbig zu umranden. Vor allem wenn Sie den Text auf Bildern mit unruhigem Hintergrund platzieren, steigert das die Lesbarkeit erheblich (Abbildung 5).

Abbildung 5

Abbildung 5: Mit der farblichen Umrandung lässt sich die Schrift vor allem über unruhigen Hintergründen deutlich besser lesen.

Um an diese Funktion zu gelangen, klicken Sie zunächst auf den kleinen abwärts gerichteten Pfeil unterhalb des Textmenüs und klicken im Flyout-Menü auf das Schraubenschlüsselsymbol. Im Konfigurationsfenster aktivieren Sie die Checkbox Farbige Buchstabenränder und wählen danach dessen Farbe und Stärke. Möchten Sie die Änderungen nur auf den markierten Text anwenden, klicken Sie auf Aktuell ausgewählte Texte ändern. Um die Einstellungen auf das komplette Dokument anzuwenden, wählen Sie Alle Texte im Buch anpassen.

Negativ fiel der relativ begrenzte Umfang an verfügbaren Schriften auf, der neben den Standards wie Verdana und Arial nur wenig zu bieten hat. Eine nachträgliche Installation von Fonts, wie das die Software von Farbglanz erlaubt, kennt die Cewe-Anwendung nicht.

Fazit

Die Fotobuchsoftware von Cewe zeigt sich wie bereits der Vorgänger solide, weitgehend übersichtlich strukturiert und einfach zu bedienen. Bereits nach kurzer Einarbeitungszeit kommen auch Einsteiger problemlos mit dem Programm zurecht. Im direkten Vergleich mit der Software von Farbglanz, die wir in der letzten Ausgabe testeten, bietet die Cewe-Anwendung einige Vorteile – aber auch Nachteile. Auf der Habenseite verbucht Cewe das besser ausgestattete Bildbearbeitungsmodul, die automatische Rechtschreibkorrektur und die farbliche Umrandung der Schriften. Dagegen fehlen Transparenzen für Bildern oder das Verwenden nachträglich installierter Systemfonts. 

Infos

[1] Cewe: http://www.cewe-fotobuch.de

[2] Händlerübersicht: http://www.cewe.de/fotobuecher/fotobuch-haendler-uebersicht/

[3] DPS-Artikel: Thomas Leichtenstern, "Buchmacher", LinuxUser 12/2010, S. 70: http://www.linux-community.de/22211

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