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© milla74, 123rf.com

Brett und Stift

Wacom Bamboo Pen & Touch CTH-460 unter Linux einrichten

15.12.2010
Kreative haben es unter Linux nicht leicht: Wer seine Grafiken mit einem Zeichentablett erstellen möchte, kommt in vielen Fällen um ein manuelles Setup nicht herum.

Ein Zeichentablet einzurichten, gehört zu den schwierigsten Aufgaben für Heimnutzer. Dabei gilt es umso größere Klippen zu umschiffen, je neuer die Hardware ist – so auch bei der Bamboo-Serie von Wacom.

Aktuell gibt es zwei Möglichkeiten, ein Wacom-Tablett in Betrieb zu nehmen. Der traditionelle Weg führt über das Kernel-Modul wacom.ko und ein paar Tools, die das Linuxwacom-Projekt [1] pflegt und zurzeit in Version 0.8.8 zum Download bereitstellt. Diese Methode setzt auf das veraltete HAL, funktioniert aber mit etwas älteren Distributionen und älterer Hardware weiterhin problemlos. Die meisten Anleitungen im Internet basieren darauf.

Das hier beschriebene neue Verfahren funktioniert über einen passenden X.org-Treiber und kommt ohne HAL aus. Aus dem alten Treiber benötigen Sie dazu nur das Kernel-Modul, aber keine Tools. Das Bamboo Pen & Touch von Wacom lässt sich nur über diesen Weg installieren, der herkömmliche funktioniert nicht.

Hardware-Setup

Als Basis benötigen Sie die grundlegenden Entwicklerwerkzeuge und X.org-Entwicklerpakete, die Header-Dateien des Kernels sowie einige weitere Entwicklerpakete. Erhalten Sie unter OpenSuse eine Fehlermeldung bezüglich der xorg-server Entwicklerpakete, dann beheben Sie dieses Problem, indem Sie xorg-x11-server-sdk einrichten.

Das Bamboo Pen & Touch benötigt den neuen X.org-Treiber aus dem aktuellen Entwicklerzweig sowie das Kernelmodul des alten Wacom-Treibers. Den X.org-Treiber laden Sie via Git (Paket git-core) herunter:

$ git clone git://linuxwacom.git.sourceforge.net/gitroot/linuxwacom/xf86-input-wacom

Anschließend wechseln Sie ins neu entstandene Verzeichnis und geben hier den Befehl ./autogen.sh --prefix=/usr ein, respektive für ein 64-Bit-System ./autogen.sh --prefix=/usr --libdir=/usr/lib64 (das gilt sinngemäß auch für die folgenden Schritte). Falls Abhängigkeitsprobleme auftreten, ziehen Sie über das Paketmanagement die bemängelten Pakete nach (autoconf, dh-autoreconf). Autogen beklagt sich hingegen in jedem Fall über eine veraltetet Version der X.org-Makros. Installieren Sie deshalb zunächst aus dem Quellcode die neueste Version von util-macros. Details dazu finden Sie im Kasten "Stolpersteine".

Stolpersteine

Beim Setup von Tabletts gibt es zahlreiche Fehlerquellen, die es zu vermeiden gilt. Grundvoraussetzung für alle folgenden Schritte ist, dass das Wacom-Kernelmodul beim Anschließen des Tabletts lädt. Das prüfen Sie in einem Terminal mithilfe des Befehls tailf /var/log/messages, mit dem Sie beim Anschließen des USB-Steckers die Meldungen verfolgen. Sie sollten etwa so aussehen wie in Listing 1.

Um die Git-Version von xf86-input-wacom kompilieren zu können, benötigen Sie die neuesten X.org-Makros (Paket util-macros) [4]. Geben Sie beim Aufruf von ./configure unbedingt die Option --prefix=/usr an und rufen Sie danach gleich sudo make install auf.

Falls der Rechner das Tablet erkennt und das Kernelmodul lädt, aber die Ausgabe von xinput list keine Geräte anzeigt, dann stimmt der X.org-Treiber nicht mit dem installierten Wacom-Treiber überein – das deutet auf Überreste einer alten Installation hin. In diesem Fall gibt ein Blick in die Log-Datei des X-Servers über less /var/log/Xorg.0.log weitere Informationen.

Abhilfe schaffen Sie hier, indem Sie den X.org-Treiber wacom_drv.so im Verzeichnis /usr/lib/xorg/modules/input mit der Version aus dem xf86-input-wacom-Quellcode überschreibt (zu finden unter ../src/.libs/).

Listing 1

input: Wacom BambooFun 2FG 4x5 Pen as /devices/pci0000:00/0000:00:1a.0/usb3/3-1/3-1:1.0/input/input6
input: Wacom BambooFun 2FG 4x5 Finger as /devices/pci0000:00/0000:00:1a.0/usb3/3-1/3-1:1.1/input/input7
usbcore: registered new interface driver wacom
wacom: v1.52-pc-0.3:USB Wacom tablet driver

Läuft autogen.sh fehlerfrei durch, dann kompilieren und installieren Sie den X.org-Treiber über make und sudo make install. Jetzt benötigen Sie noch das Kernel-Modul wacom.ko. Laden Sie dazu die aktuelle Version von der Linuxwacom-Projektseite herunter:

$ wget http://prdownloads.sourceforge.net/linuxwacom/linuxwacom-0.8.8-10.tar.bz2

Entpacken Sie den Tarball, wechseln Sie in das neu entstandene Verzeichnis und geben Sie hier den Befehl

$ ./configure --enable-wacom --prefix=/usr

ein. Nachdem Sie den X.org-Treiber problemlos kompilieren konnten, sollten hier keine Fehlermeldungen mehr auftreten. Rufen Sie nun make auf, aber keinesfalls make install. Der Make-Befehl erstellt das benötigte Kernelmodul, das Sie anschließend im Verzeichnis src/2.6.30 finden. Dieses Modul kopieren Sie nun an die richtige Stelle:

$ sudo cp ./src/2.6.30/wacom.ko /lib/modules/`uname -r`/kernel/drivers/input/tablet/

Jetzt müssen Sie noch mit sudo depmod -a die Liste der vorhandenen Kernelmodule auffrischen. Danach empfiehlt es sich, den Rechner neu zu starten. Bitte beachten Sie, dass Sie das Modul bei einem Kernel-Update neu baut müssen, da es sonst nicht mehr zum neuen Kernel passt.

Nach dem Neustart schließen Sie das Grafiktablett an und prüfen mittels xinput list, ob das System die Wacom-Hardware erkennt. Die Ausgabe des Befehls zeigt beim Pen & Touch die vier Geräte Pen eraser, Pen stylus, Finger pad und Finger touch an.

Ein bisschen <c>xorg.conf<c>

Im besten Fall funktioniert das Wacom-Tablett mit den neuen X.org-Treibern komplett ohne Einträge in der Konfigurationsdatei des X-Servers. Das System erkennt das Tablett dann einfach als Eingabegerät – der Stift dient quasi als Maus. Linux nutzt dazu den generischen Treiber evdev, der für jegliche Art von X-Events zuständig ist. Damit sollte bei jedem beliebigen Tablet zumindest der Stift funktionieren – dann allerdings ohne Druckfunktion.

Für das künstlerische Nutzen des Zeichentablets genügt das freilich nicht – Sie müssen deshalb ein paar kleine Konfigurationsarbeiten vornehmen. Erfreulicherweise genügt es dazu die in Listing 2 gezeigten Zeilen als Datei unter dem Namen 50-wacom.conf [2] im Verzeichnis /etc/X11/xorg.conf.d/ (Ubuntu: /usr/lib/X11/xorg.conf.d/) abzuspeichern.

Findet sich im genannten Verzeichnis schon die Konfigurationsdatei 10-wacom.conf, lassen Sie diese ruhig als Backup bestehen. Der X-Server verarbeitet die Dateien in nummerischer Reihenfolge, wobei die neue Datei die Einstellungen aus 10-wacom.conf überschreibt.

Listing 2

Section "InputClass"
  Identifier "Wacom class"
# MatchProduct "Wacom|WALTOP|WACOM"
  MatchProduct "Wacom|WACOM"
  MatchDevicePath "/dev/input/event*"
  Driver "wacom"
EndSection
Section "InputClass"
  Identifier "Wacom serial class"
  MatchProduct "Serial Wacom Tablet"
  Driver "wacom"
EndSection
Section "InputClass"
  Identifier "Wacom serial class identifiers"
  MatchProduct "WACf|FUJ02e5|FUJ02e7"
  Driver "wacom"
EndSection
# N-Trig Duosense Electromagnetic Digitizer
Section "InputClass"
  Identifier "Wacom N-Trig class"
  MatchProduct "HID 1b96:0001|N-Trig Pen"
  MatchDevicePath "/dev/input/event*"
  Driver "wacom"
EndSection

Auch bei der neuen Konfigurationsdatei gilt es zwischen dem alten, kernelbasierten Treiber und dem neuen X.org-Treiber zu unterscheiden. Die neue Konfigurationsdatei nutzt den Gerätepfad /dev/input/event* und spezialisiert sich auf Eingabegeräte mit einem bestimmten Produktnamen oder einer Geräte-ID. Die alte Konfiguration nutzte stets die Gerätedatei /dev/input/wacom mit unterschiedlichen Einträgen für den Pen, den Radierer, das Touchpad und so weiter. Die neue Wacom-Konfigurationsdatei deckt somit alle Eingabegeräte von Wacom ab. In Arbeit sind zudem auch Treiber für Waltop-Geräte, etwa von Medion oder Aiptek. Der entsprechende Code befindet sich jedoch noch nicht "upstream".

im Grunde genommen sind auch die Einträge MatchDevicePath ... überflüssig, da einzig der Treiber zählt. So kommt die mit OpenSuse 11.3 mitgelieferte Datei /etc/X11/xorg.conf.d/20-wacom.conf zum Beispiel komplett ohne Verweise auf /dev/input/event* aus.

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