Flexible Illustration
Vektorgrafiken mit Xara Xtreme gestalten
Ende 2005 beschlossen die Entwickler des kommerziellen Windows-Programms Xara Xtreme, eine freie und quelloffene Version bereitzustellen. In der Ausgabe 08/2006 befasste sich der LinuxUser bereits mit der damaligen Version Xara LX [1]. Das Fazit lautete, der sich seinerzeit abzeichnende Entwicklungsprozess deute auf eine vielversprechende Zukunft für Xara unter Linux hin. Im selben Jahr erschien noch die Version 0.7, mit der sich auch die Namensänderung zu Xara Xtreme vollzog.
Zum Veröffentlichungszeitpunkt der kostenlosen Linux-Variante war die britische Xara Group noch eigenständig, wurde jedoch im Januar 2007 eine vollständige Tochter der deutschen Magix AG [2]. Das Unternehmen startete in den 90ern mit dem Music Maker durch und bietet derzeit eine Produktpalette rund um das Verwalten vom Fotos, Videos und Musik. Magix hat unter anderem schon auf anderer Ebene Kontakt mit freier Software: Seit 2006 läuft die freie Musikdatenbank Freedb [3] auf den Servern des Unternehmens.
Xara Xtreme installieren
Ubuntu-Anwender richten Xara über die Paketverwaltung ein und installieren dabei neben der Kernanwendung aus xaralx auch die Pakete xaralx-examples und xara-gtk.
Falls sich Xara Xtreme nicht in den Repositories der von Ihnen verwendeten Distribution findet, laden Sie es unter [4] herunter. Dort stehen neben einer stabilen getesteten Version (Recommended version, auch auf Heft-DVD) eine weitere ungetestete Variante zur Verfügung. Im nächsten Schritt machen Sie das heruntergeladene Autopackage mit dem Kommandozeilenbefehl chmod +x RecXaraLX0.7_rev1692.package ausführbar und starten es.
Folgen Sie dann den Anweisungen des Setup-Assistenten. Zunächst lädt der Installer aus dem Internet einige erforderliche Dateien nach. Im weiteren Verlauf öffnen sich die üblichen Setup-Dialoge. Xara Xtreme steht nach der Installation über das Startmenü zum Einsatz bereit.
Der harte Kern
Bei Xara handelt es sich wie bei Inkscape ein vektorbasiertes Grafikwerkzeug. Nach dem ersten Start fällt Inkscape-erfahrenen Anwendern die Ähnlichkeit des Aufbaus beider Anwendungen auf. Allerdings bietet Inkscape bietet wesentlich mehr Einträge in der Menüzeile an, und Xara Xtreme erscheint nur in englischer Lokalisierung (Abbildung 1).
Der wesentliche Unterschied zwischen beiden Anwendungen schlummert aber im Kern: Während Inkscape direkt im SVG-Format arbeitet und die Grafiken auch so speichert, setzt Xara Xtreme auf das hauseigene Format .xar. Dieses Dateiformat wurde nicht als proprietäre SVG-Alternative entwickelt, sondern existiert laut Hersteller schon länger als SVG [5]. Wie dieses liege es offen, sei aber im Vergleich zu SVG wesentlich einfacher zu verstehen.
Ein weiterer Unterschied zeigt sich tief im Kern der Software: Während Inkscape in C++ geschrieben wurde, setzten die Xara-Entwickler auf Assembler. Damit arbeitet das Programm wesentlich enger mit der Rechnerhardware zusammen und ermöglicht es damit, schneller auf die vorhandenen Ressourcen zuzugreifen, ohne auf Komplexität zu verzichten.
Der Werkzeugkasten
In der Werkzeugleiste auf der linken Seite des Xara-Fensters finden Sie die wichtigsten Werkzeuge zum Zeichnen von Linien und Formen. In der Handhabung einiger Werkzeuge unterscheidet sich Xara deutlich von Inkscape. Während man Freihandlinien und Formen auf gleiche Weise zeichnet wie bei der freien Konkurrenz, verfolgen die Entwickler beispielsweise bei Farbverläufen und Transparenzen eine ganz andere Linie der Bedienungsphilosophie.
Um einen Farbverlauf zu erstellen, müssen Sie zunächst ein Objekt zeichnen und im Anschluss das Farbfüllwerkzeug (Eimer oder [F5]) aus der Werkzeugleiste auswählen. Die Werkzeugeigenschaften zeigt Xara danach immer unterhalb der Menüleiste an. Ohne Auswahl eines Farbverlaufstyps zeigt das erste Menü Fill type den Eintrag Flat fill an (Abbildung 2). Hier bestimmen Sie den gewünschten Farbverlauf, beispielsweise Fractal Clouds für eine schicke Wolkenoptik. Wundern Sie sich nicht, wenn sich anschließend in der Zeichnung noch nichts getan hat.
Im zweiten Schritt setzen Sie den Mauszeiger in der Mitte des Objektes an und ziehen mit gedrückter linker Maustaste der Farbverlauf in Richtung einer Objektgrenze auf. Im Anschluss skalieren Sie den Farbverlauf an den Anfassern (blaue Quadrate) je nach Bedarf (Abbildung 3). Um einen anderen Farbverlaufstyp anzuwenden, wählen Sie einen anderen Eintrag aus der Auswahlliste Fill type aus. Rechts daneben finden Sie weitere Optionen wie zum Beispiel das Fill tilling. Dort legen Sie fest, ob sich der Farbverlauf mehrfach wiederholen soll (Repeating) oder nicht (Simple). Die gewünschten Farben wählen Sie über die Farbpalette am unteren Fensterrand oder über den Dialog Colour editor, den Sie über den Menüeintrag Utilities | Colour editor starten.
Mit dem Schattenwerkzeug Shadow tool erstellen Sie Objektschatten, indem Sie ein Objekt markieren und mit gedrückter linker Maustaste die Position des Schattens bestimmen. Die Eigenschaften des Schattens zeigt eine entsprechende Symbolleiste mit den Werkzeugeinstellungen unter dem Menü. Hier stellen Sie auch die Transparenz des Schattens ein. Die Transparenz von beliebigen Objekten definieren Sie Werkzeug Transparency Tool. Dabei ziehen Sie optional, wie bei den Farbverläufen, die Transparenz auf.
Interessante Effekte erzielen Sie, indem Sie zum Beispiel Transparenz mit Farbverläufen kombinieren. Nachdem dem Anlegen eines Farbverlaufs sorgen Sie mit dem Tranparenzwerkzeug dafür, dass bestimmte Bereiche des Objektes unsichtbar erscheinen. So lassen sich weitere, hinter der transparenten Fläche angeordnete Objekte sichtbar machen. In Abbildung 4 besitzt der linke Kreis einen Farbverlauf vom Typ Fractal Clouds. Zusätzlich wurde noch eine Transparenz vom Typ Elliptical darübergelegt. Der zweite Kreis enthält nur einen elliptischen Farbverlauf. Legen Sie jetzt beide Kreise übereinander und setzen den zweiten Kreis mit dem linearen Farbverlauf in den Hintergrund, erzeugt das einen neuen Effekt.
Um beide Kreise genau übereinander zu legen, markieren Sie beide und wählen aus der Menüleiste den Eintrag Arrange | Alignment aus. Es öffnet sich ein kleines Dialogfenster, mit dem Sie die Objekte ausrichten. Stellen Sie sicher, dass Sie die Option Selection bound markiert haben, und wählen Sie für die horizontale und die vertikale Position jeweils den Eintrag Align centrally. Ein Klick auf Apply legt danach beide Kreise genau übereinander.



