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Kleine Sprünge

Schlanker Microblogging-Client Hotot

25.11.2010
Hotot verspricht noch schnelleres Microblogging. Ein erster Test offenbart aber noch einige Schwächen der Software.

Die Auswahl nativer Linux-Clients für Microblogging-Dienste wie Twitter oder Identi.ca fällt ziemlich schmal aus. Bislang haben sich nur die Programme Choqok [1] (basierend auf Qt) sowie Pino [2] und Gwibber [3] (jeweils GTK+) etabliert. Andere bekannte Alternativen wie DestroyTwitter [4] oder TweetDeck [5] laufen zwar unter Linux, benötigen jedoch Adobes proprietäre Laufzeitumgebung Adobe Air für sogenannte Rich Internet Applications und integrieren sich mehr schlecht als recht in den Desktop.

Besonders an dem durch einige Distributionen vorinstallierten Client Gwibber scheiden sich aber immer wieder die Geister. Zwar bietet er wichtige Funktionen wie das gleichzeitige Darstellen mehrerer Zeitleisten, sodass er damit funktionell zum populären TweetDeck aufschließt, doch die oft schwache Performance der Software nagt am guten Ruf. Gerade auf schwächeren Netbooks bemerken Sie deutlich, dass sich das Tool beim Einlesen neuer Tweets öfters mal eine Auszeit gönnt.

Ans Licht

Mit Hotot [6] kommt ein weiterer nativer Twitter-Client so langsam in die Pubertät, der nach eigenen Angaben leichtgewichtig und flexibel sein möchte. Das nach einer Kaninchen-Art benannte benannte Programm steht zwar aktuell noch stark in der Entwicklung – praktisch täglich veröffentlichen die Entwickler Updates über verschiedene Kanäle – doch das tut der Benutzbarkeit keinen Abbruch. Der Client erweist sich schon jetzt als eine interessante Alternative zu Gwibber und Co.

Die in Python programmierte Software zeichnet ihre Oberfläche als HTML-Seite und gibt sie über Webkit aus. Somit hängt Hotot nicht wirklich von den beiden großen Toolkits Qt oder GTK+ ab. Die Entwickler haben aber darauf geachtet, dass sich das Programm nicht wie ein Fremdkörper im System anfühlt. Hotot verwendet daher die systemeigenen Benachrichtigungen von Gnome und KDE und bindet sich sauber ins Benachrichtigungsfeld der Desktops ein. Neuere Entwicklungen von Ubuntu, wie das Messaging-Menü oder das Indicator-Applet, unterstützt der Client bislang noch nicht.

Das Hotot-Projekt hat noch keine Version offiziell freigegeben, doch die Installation erfordert in vielen Linux-Distributionen keinen großen Aufwand. Die Entwickler geben auf Google Code [7] Hinweise, wie Sie das bewerkstelligen. Besonders komfortabel haben es Ubuntu-Anwender, da die Entwickler eine Paketquelle mit der jeweils neusten Version betreiben. Mithilfe der Befehle aus Listing 1 nutzen Sie diese Quelle zur Installation.

Listing 1

$ sudo add-apt-repository ppa:hotot-team
$ sudo apt-get update
$ sudo apt-get install hotot

Nach dem Einrichten starten Sie Hotot über Anwendungen | Internet | Hotot Twitter Client. Trotz des Namens arbeitet Hotot auch mit freien und offenen Twitter-Alternative Identi.ca zusammen. Nach dem ersten Start tragen Sie zunächst die Daten für Ihren Twitter- beziehungsweise und Identi.ca-Account ein. Sie dürfen zwar mehrere Accounts in der Software speichern, sich allerdings immer nur mit einem einloggen. Es ist also mit Hotot bislang nicht möglich, gleichzeitig zu Twittern und Denten. Für diese noch etwas unbefriedigende Situation versprechen die Entwickler jedoch in Zukunft Abhilfe: Hotot soll das simultane Posten über mehrere Accounts lernen. Bis dahin gilt es, sich mit dieser Entweder-Oder-Lösung zufrieden zu geben.

Nach dem Einloggen geben Sie im oberen Bereich des Anwendungsfensters (Abbildung 1) im Feld Was geht ab? neue Nachrichten ein. Über die Schaltfläche Senden oder [Strg]+[Eingabe] schicken Sie die Nachricht ab. Am unteren Rand sehen Sie Icons für ihre Zeitleiste, ihre Nachrichten, Retweets und die Suchfunktion. Beim Klick auf eines der Icons gleitet das entsprechende Fenster ins Bild und im oberen rechten Bereich von Hotot finden sie Schaltflächen zum Aktualisieren der Zeitleiste, zum Öffnen der Einstellungen und zum Managen der Hotot-Erweiterungen.

Abbildung 1: Hotot stellt dem Anwender keine großen Hürden in den Weg beim Posten in die Kurznachrichtendienste.

Dort definieren Sie beispielsweise Sie, ob und welchen URL-Verkürzer Hotot verwendet. Das Programm unterstützt Is.gd, TinyURL.com sowie Bit.ly und Karmacracy optional mit API-Key, so dass Sie sich Statistiken zu ihren Links ansehen können. Interessant ist auch die verkette Anzeige von Twitter-Dialogen (Abbildung 2). Damit verlieren Sie nicht so leicht den Überblick, wenn Sie sich mit anderen Mikrobloggern über einen der Dienste unterhalten.

Abbildung 2: Gespräch-Threads in Hotot erleichtern den Überblick.

Alles in allem erweist sich Hotot als eine interessante Alternative zu den unter Linux etablierten Microblogging-Programmen. Noch braucht es zwar an der einen oder anderen Ecke etwas Feinschliff, doch das flotte Programm entlastetet schon jetzt schwächere Rechner deutlich und hat etwa gegenüber Gwibber in Bezug auf die Unterstützung von URL-Verkürzern bereits einen technischen Vorsprung. 

Infos

[1] Choqok (Qt): http://choqok.gnufolks.org

[2] Pino (GTK+): http://pino-app.appspot.com

[3] Gwibber (GTK+): http://gwibber.com

[4] DestroyTwitter (AIR): http://destroytwitter.com

[5] Tweetdeck (AIR):http://www.tweetdeck.com

[6] Homepage von Hotot: http://hotot.org

[7] Installationshinweise: http://code.google.com/p/hotot/wiki/INSTALL

Der Autor

Christoph Langner arbeitet für die PTV AG Karlsruhe in Karlsruhe im Testmanagement und ist seit Jahren im Bereich der Open Source Software aktiv. Sie finden sein Blog rund um GNU/Linux auf http://linuxundich.de

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Kommentare
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