K wie Kunst

2D-Grafik unter KDE

Bei einem klassischen Bildbearbeitungsprogrammen wie Gimp steht das Manipulieren bestehender Bitmaps im Vordergrund – beispielsweise von Bildern, die mit der Digitalkamera oder einem Scanner erstellt wurden. Dazu bringt Gimp eine umfangreiche Palette an Werkzeugen und Filtern mit, doch der Arbeitsbereich – im Wesentlichen die Auflösung der drei Farbkanäle Rot, Grün und Blau – bleibt auf die traditionellen 8 Bit pro Kanal beschränkt.

Ganz anders geht das KDE-Zeichenwerkzeug Krita [1] die Angelegenheit an: Die Werkzeugliste fällt (noch) eher überschaubar aus, dafür arbeitet die Anwendung aber durchweg mit 16-Bit-Kanälen und verfügt zusätzlich über eine Reihe interessanter Vektorgrafikfunktionen. Mit jeder neuen Version nimmt zudem die Anzahl von Werkzeugen zu. Tatsächlich liegt der Schwerpunkt von Krita anders als bei Gimp auch eher auf den Malfunktionen, wie schon das Handbuch zur Software [2] ausführt: "We focus on painting, illustration, concept art and other creative work." Kritas Entwickler vergleichen denn ihr Programm auch eher mit Corel Paint als mit Photoshop, aufgrund der vielen Vektorgrafikfunktionen erinnert Krita zudem in einem gewissen Maß auch an Inkscape.

Krita kann neben seinen eigenen Dateiformaten (.kra und .ora) noch eine ganze Reihe weiterer einlesen und schreiben. Beides funktioniert für JPEG2000, JPEG, PNG, PPM und Verwandte, TIFF sowie KChart-Diagramme und einige XML-Dateien. BMP lässt sich nur exportieren, lediglich einlesen kann Krita PDF, RAW und XCF. An der Unterstützung für GIF, PSD und EPS arbeiten die Entwickler noch. Metadaten verwaltet Krita für die eigenen Formate sowie für TIFF, JPEG und PNG.

Warten auf 2.3

Anders als ursprünglich angekündigt stand zu Redaktionsschluss (Ende November 2010) statt einer Final der lange erwarteten neuen Version 2.3 von Krita nur eine ziemlich wackelige Beta zur Verfügung. Deswegen beziehen sich die folgenden Ausführungen auf das derzeit noch aktuelle Krita 2.2.2.

Werkzeuge und Auswahlen

Schon nach dem Start zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Krita und Gimp. Krita öffnet nur ein einzelnes Fenster (bei Gimp sind es drei), das vom Aufbau und den dargestellten Elementen wesentlich mehr an ein Malprogramm als an ein Bildbearbeitung erinnert (Abbildung 1).

Abbildung 1

Abbildung 1: Krita startet mit einem Bild. Der grundsätzliche Aufbau des Hauptfensters erinnert an eine Mischung aus Gimp und einem Malprogramm: Links ist der Werkzeugkasten vorhanden, die Werkzeugoptionen finden sich rechts im Dock. Das Ebenendock enthält im Wesentlichen die gleichen Funktionen wie bei Gimp und verfügt auch über ein Kontextmenü. Elemente aus dem Dock lassen sich über die Schalter am oberen Rand einrollen, als selbständige Fenster darstellen oder schließen.

Ähnlich wie Gimp zeigt Krita links einen Werkzeugkasten (siehe Tabelle "Kritas Werkzeuge"), den es aber ganz anders organisiert: Die Auswahlen finden sich hier ganz unten. Rechteck und Ellipse verhalten sich dabei wie gewohnt; der Zauberstab (lokale Farbauswahl) findet sich in einer abgewandelten Form (Einen zusammenhängenden Farbbereich auswählen), ebenso die globale Farbauswahl (Auswahl nach ähnlichen Farben).

Kritas Werkzeuge

Werkzeugtyp Werkzeuge
Vektororientiert Pfad, Freihand, allgemeines Vektorgrafikwerkzeug, Kalligraphie, Farbverlauf, Muster, Werkzeug zur Objektmanipulation, Verbinden von Objekten, Zoom, Schiebewerkzeug
Rasterorientiert Freihand(mal)werkzeug, Linie, Rechteck, Ellipse, Polygone, Polylinie, Farbverlauf, Füllwerkzeug, Farbpipette, dynamischer Pinsel
Hilfslinien Hilfslinien, allgemeines Raster, perspektivisches Raster
Leinwand Zuschneiden,Verschieben, Transformieren, Längen- und Winkelmessung
Auswahl Rechteck, Ellipse, Polygon, lokale und globale Farbauswahl, Pfadauswahl, Kantenauswahl

Statt einer Kantenauswahl (bei Gimp die "intelligente Schere") gibt es Einen Bereich anhand Umrisses auswählen und Einen Bereich des Bildes mit Pfad auswählen. Die Freihandauswahl ersetzt Krita durch das Werkzeug Ein Vieleck auswählen, dessen Einsatz aber zu regelrechten Klickorgien führt, da es keinen echten Freihandmodus kennt. So ausgeklügelte Werkzeuge wie Gimps Vordergrundauswahl fehlen gänzlich.

Dafür gibt es aber mit der Auswahl durch Pinsel ein recht nützliches Werkzeug, das in etwa der Schnellmaske gleicht und sich damit gut zum Nachbearbeiten von Auswahlen eignet. Bei den Auswahlwerkzeugen (aber auch bei allen anderen Werkzeugen) fällt auf, dass sie über wesentlich weniger Einstellmöglichkeiten verfügen als ihre Gimp-Pendants – schade, denn diese Optionen machen einen effektiven Einsatz vieler Werkzeuge erst möglich. Bei Krita fallen dementsprechend mehr Arbeitsschritte an.

Hinzu kommt, dass Krita voreingestellt nur eine sehr unzureichende Tastenunterstützung bietet, kaum ein Drittel der Funktionen sind an Tasten gebunden. Zwar lassen sich im Menü Einstellen unter Tastenbindungen einstellen eigene Zuordnungen treffen, doch für viele Funktionen sieht Krita gar keine Tastenbindungen vor. So lassen sich die Auswahlmodi (bei Krita "Aktionen": Ersetzen, Addieren, Subtrahieren und Schnittmenge) grundsätzlich nur per Maus umschalten, was einen flüssigen Arbeitsablauf behindert.

Der Arbeitsablauf mit Auswahlen und anderen Werkzeugen unterscheidet sich deutlich von dem bei Gimp. So kopiert Krita beispielsweise Ebenen als Ganzes und nicht wie Gimp passend zur Auswahl. Das führt dazu, dass Sie beispielsweise beim Spiegeln von Ebenen zunächst die Auswahl aufheben respektive auf die gesamte Ebene ausdehnen müssen, bevor Sie die Aktion vornehmen können. Beim Arbeiten mit Auswahlen vermissen Gimp-Anwender sicherlich schnell einen Auswahleditor, den Krita nicht besitzt.

Krita und Gimp

Krita verfügt grundsätzlich über zwei Arten von Werkzeugen: Die einen – im Wesentlichen vektororientierte Tools – stammen aus dem KOffice-Fundus; die anderen sind Krita-spezifisch und arbeiten mit Pixeldaten und Ebenen. Die KOffice-Werkzeuge finden sich im oberen Teil des Werkzeugkastens, die Krita-spezifischen am unteren.

Krita unterscheidet aufgrund der starken Ausrichtung an den Malfunktionen zwischen Werkzeugen ("tools") auf der einen und Pinseln sowie Malwerkzeugen ("brush engines") auf der anderen – eine solche Unterscheidung kennt Gimp nicht. Um etwa ein größeres Textobjekt zu erzeugen, nutzt Gimp das Textwerkzeug, Krita dagegen verwendet eine der beiden "text shapes", entweder Text oder Künstlerischer Text. Letzteres erlaubt unter anderem, den Text entlang von Pfaden auszurichten.

Bei Gimp deutlich voneinander abgegrenzte Werkzeuge wie Tinte(nfeder), Stift, Radierer etc. fasst Krita im Freihandwerkzeug zusammen, in der Werkzeugleiste unter dem Menü stellen Sie die konkret zu verwendende Funktion ein. Vorgabe ist dort der Pixelpinsel, einer der vielen Pinseltypen (siehe Tabelle "Kritas Pinsel"). Ein Rechtsklick mit der Maus im Arbeitsbereich öffnet eine Farbauswahl für die Pinsel.

Auch bei den Ebenen geht Krita einen anderen Weg als Gimp, oder besser gesagt: einen Schritt weiter. So gibt es neben Pixelebenen auch "virtuelle" Ebenen, die beispielsweise nur Einstellungen enthalten – dazu später mehr im Abschnitt "Ebenen". Ebenso dürfen Sie Vektordaten nur in speziellen (Objekt-)Ebenen anlegen und bearbeiten.

Während Gimp und die meisten anderen Bildverarbeitungen Kanäle global behandeln, also für alle Ebenen in einem Bild identisch, erlaubt Krita Kanäle in unterschiedlichen Ebenen verschieden zu (de-)aktivieren.

Für die unterschiedlichen Pinsel nutzt Gimp eine "brush engine", also eine (interne) Malfunktion. Bei Krita gibt es gleich mehrere dieser Engines, die unter anderem auch die Pinsel von Gimp und Mypaint verwenden können. Zudem lassen sich Kritas Brush-Engines wesentlich genauer konfigurieren als das Gimp-Pendant.

Kritas Pinsel

Bezeichnung Gimp-Pendant
Pixelpinsel .gbr- und .gih-Pinsel
Kopierpinsel Klonwerkzeug
Deformationspinsel ähnlich IWrap
Dynamikpinsel Pinseldynamik
Spraypinsel ähnlich Airbrush-Tool
Filterpinsel Malen mit einem Filter
Sumi-E Haarpinsel, kein Pendant
Airbrush Airbrush-Tool
Partikelpinsel kein Pendant
Wischpinsel Verschmierwerkzeug
Radierpinsel Radierer
Gitterpinsel kein Pendant
Kurvenpinsel bei Gimp durch Optionen simuliert
Ölkreidepinsel kein Pendant
Stift wie bei Gimp
Weicher Pinsel bei Gimp durch Pinseldynamik simuliert

Ebenen und Masken

Krita unterstützt Ebenen analog zu Gimp, sogar mit Masken. Allerdings kennt die KDE-Anwendung mehr und andere Ebenentypen, was zu interessanten Effekten führt und spezielle Arbeitstechniken zulässt. So gibt es in Krita:

  • Malebenen: physikalische Ebenen mit Pixeldaten.
  • Vektorebenen: Ebenen mit Vektordaten, wie Texten, Pfaden und konstruierten Vektorobjekten.
  • Gruppenebenen: Diese virtuellen Ebenen nehmen andere Ebenen auf und dienen zur Verwaltung und Organisation.
  • Klonebenen: Sie enthalten ein virtuelles Duplikat einer Ebene, die an einer anderen Position im Ebenenstapel liegt.
  • Filterebenen: Virtuelle Ebenen, die Filtereffekte enthalten und auf alle darunter liegenden Ebenen der aktuellen Gruppe wirken.
  • Wasserfarbenebenen: Ein spezieller Typ virtueller Filterebenen, der statt Pixeldaten Tonwertanpassungen enthält.
  • Einstellebenen: Ein weiterer Typ virtueller Filterebenen, der Einstellungen auf alle darunterliegenden Ebenen in der gleichen Ebenengruppe überträg.

Das grüne Pluszeichen ganz links im Ebenendock enthält eine Liste der verfügbaren Ebenentypen. Hier wählen Sie beim Öffnen einer neuen Ebene gleich den gewünschten Typ aus.

Der Einsatz virtueller Ebenen entspricht einem von Photoshop heute durchgängig umgesetzten Konzept, das eine Reihe von Vorteilen bietet. Mit ihm lassen sich physikalische Pixelebenen von den sie bearbeitenden Aktionen trennen. Um sie zu verwenden, legen Sie über der Ebene, auf die eine Aktion wirken soll, eine neue Ebene angelegt. Das erledigen Sie am schnellsten über das Kontextmenü im Ebenendock durch das Anlegen einer Filterebene. Krita bietet dabei alle Filter an, die es auch im Filter-Menü gibt (Abbildung 2).

Abbildung 2

Abbildung 2: Beim Anlegen einer Filterebene vermittelt die Vorschau einen ersten Eindruck, was der dort eingestellte Filter bewirkt.

Solange diese Ebene sichtbar ist und über ausreichende Deckkraft verfügt, wirken die vorgenommenen Einstellungen. Dieses Konzept funktioniert ausgesprochen gut – etwa beim Schärfen, wo sich dann die Stärke des Effekts über die Deckkraft steuern lässt – und lässt sich auf ähnliche Weise auch mit Gimp umsetzen, dort allerdings nicht so elegant.

Neben den Ebenen haben Masken eine große Bedeutung bei der Bildbearbeitung. Sie erlauben, die Wirkung einer Funktion auf bestimmte Regionen einer Ebene zu begrenzen. Für Ebenen kennt Krita drei Arten von Masken:

  • Normale Masken steuern die Sichtbarkeit von Pixelebenen,
  • Filtermasken grenzen (zerstörungsfrei) die Wirkung von Filtern ein, und
  • lokale Auswahlmasken steuern, welche Bereiche einer Ebene sich bearbeiten lassen, ohne die anderen Teile auszublenden.

Masken erscheinen, wie man in Abbildung 3 erkennen kann, in Kritas Ebenendock als separate (Unter-)Ebene, was die realen Verhältnisse eigentlich gut wiedergibt, aber gewöhnungsbedürftig ist.

Abbildung 3

Abbildung 3: Ebene 1 enthält das ursprüngliche Bild (Hintergrund bei Gimp), bei Ebene 2 handelt es sich um eine Filterebene mit einer Maske (Transparenzmaske1), welche die Wirkung des Filters auf seine sichtbaren Bereiche begrenzt. Schön gelöst:Die große Vorschau der Ebene unter dem Mauszeiger, die auch noch zusätzliche Informationen enthält.

Vektorobjekte

Krita verfügt über eine Reihe von Vektorobjekten, wie sie Gimp mit dem Plugin Gfig bereitstellt. Neben Rechtecken und Ellipsen bietet die Anwendung auch Sterne, Polygone, Linien und Bezièr-Kurven ab. Allerdings verwaltet Krita diese auf Basis der Pixel, sodass sie nicht von der aktuellen Auflösung unabhängig existieren, wie das beispielsweise bei Inkscape der Fall ist. Als Bestandteil von KOffice sollte Krita eigentlich in der Lage sein, beliebige KOffice-Komponenten in ein Bild einzubetten. Bisher beherrscht das Programm dies aber nur sehr eingeschränkt, etwa für KChart-Diagramme.

Filter, Farben, Makros

Krita unterstützt eine breite Palette an verschiedenen Farbmodellen, mit denen es alle wichtigen Anwendungsbereiche abdeckt. Dazu zählen unter anderem:

  • RGB (Kameras und Scanner) mit 8- und 16-Bit-Integer sowie mit 16- und 32- Bit-Fließkomma,
  • CMYK (Drucker) mit 8- und 16-Bit-Integer,
  • YCbCr (Videobilder) mit 8- und 16-Bit-Integer,
  • Graustufen als 8- und 16-Bit-Integer,
  • L*a*b (geräteunabhängig) mit 16-Bit-Integer,
  • XYZ (geräteunabhängig) mit 16-Bit-Integer sowie 16- und 32-Bit-Fließkomma.

Indizierte Paletten unterstützt das Programm derzeit nicht, weswegen sich beispielsweise GIFs nicht laden lassen. Dafür gibt es aber spezielle painterly colorspaces mit drei bis maximal zehn Wavelength Channels in 16- oder 32-Bit-Fließkommazahlen.

Krita kann Filter in zweierlei Weise anwenden: Direkt auf Pixelebenen, was diese dauerhaft verändert, und indirekt über eine Filterebene und damit zerstörungsfrei. Es gibt kaum Gründe, auf die erste Variante zurückzugreifen, da die nicht destruktive Variante die gleichen Möglichkeiten bietet. Hier hat Krita gegenüber Gimp eindeutig die Nase vorn. Allerdings fällt die Anzahl der Filter noch sehr begrenzt aus, umfasst jedoch immerhin alle gängigen Varianten wie Abwedeln und Nachbelichten, Helligkeits- und Kontrastkurven sowie verschiedene Farb-, Schärfungs- und Rauschreduktionsfilter.

Hervorragend ist die Idee des Makrorekorders: Alle Aktionen, die sie vornehmen, lassen sich in einem Protokoll speichern und später auf ein anderes Bild erneut anwenden. Da Krita die Aktionen in einem les- und editierbaren XML-Format speichert, lassen sich gespeicherte Aktionen auch nachträglich noch anpassen oder verändern.

Drei Einträge im Menü Extras unter Aufnahme steuern die Arbeit mit Makros: Sie können entweder grundsätzlich Alle Aktionen aufzeichen oder mit Makroaufzeichnung starten das Speichern eines neuen Makros anstoßen sowie später mit Makro Aufzeichnungen anhalten stoppen und speichern.

Später führt diese Makros der im gleichen Menü unter Makros vorhandene Eintrag Makro öffnen und abspielen.. wieder aus. Der Punkt Makro öffnen und Bearbeiten ... erlaubt, ein Makro nachträglich zu modifizieren. Ganz ausgereift gab sich diese Funktion im Test allerdings noch nicht, hier haben die Entwickler noch einige Probleme zu lösen.

Unterm Strich

Krita bietet zwar einerseits zahlreiche moderne und innovative Features, lässt aber andererseits noch viele wichtige Werkzeuge, Filter und Optionen vermissen. Das gilt insbesondere für eine dem Gimp-Journal entsprechende Funktion, anhand derer sich einzelne Bearbeitungsschritte nachvollziehen und gegebenenfalls rückgängig machen lassen. Auch die Geschwindigkeit und Stabilität konnten im Test noch nicht völlig überzeugen: Trotz multithreadingfähiger Filter blockierte die Anwendung immer wieder einmal den (Dual-Core-)Rechner und verabschiedete sich gelegentlich völlig überraschend.

Die derzeit noch unvollständige Dokumentation [2] erschwert zudem den Einstieg und erweist sich obendrein an vielen Stellen als bereits überholt. Falls Sie trotzdem neugierig geworden sind und Krita einmal ausprobieren möchten, helfen dabei die kleinen Krita-Videos auf Youtube [3]

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