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Video-Chat mit Google-Software

18.11.2010
Dank Skype oder Jabber/XMPP versteht sich Linux schon länger auf Video-Telefonate. Nun kommt mit Google und seinem Voice- und Video-Chat ein weiterer Akteur ins Spiel.

Der Markt für Video-Telefonie über das Internet gilt seit jeher als heiß umkämpft. Neben dem Platzhirschen Skype, den Heerscharen mittelständischer SIP-Anbieter und dem freien und quelloffenen XMPP/Jingle-Protokoll mischt auch Google mit Google Talk [1] beziehungsweise der Erweiterung "Google Voice- und Video-Chat" für Google Mail im Geschäft mit.

Als Google im November 2008 Google Voice- und Video-Chat [2] als Addon für Google Mail vorstellte, stand der Dienst nur für Windows-Systeme bereit. Die Mac-OS-X-Version ließ nicht lange auf sich warten, doch für den Linux-Support gingen noch fast zwei Jahre ins Land. Erst im August 2010 verkündete [3] Google, dass es Google Voice- und Video-Chat nun auch für Linux gibt.

Generell verwirrt die Vielfalt von Kommunikationsmöglichkeiten bei Google etwas: Das Unternehmen offeriert mehrere Produkte unter unterschiedlichen Namen, die letztendlich immer wieder auf der gleichen Technik beruhen. Den kostenlosen Webmailer GMail (in Deutschland wegen Markenstreitigkeiten Google Mail genannt) kennen die meisten Anwender.

Da die in Google Mail enthaltene Chat-Option auf dem XMPP-Protokoll (besser bekannt als Jabber) basiert, können Sie aus Google Mail heraus nicht nur mit anderen Google-Accounts chatten, sondern mit allen Jabber-Usern. Des weiteren war es auch schon immer möglich, den Google-Chat über freie Jabber-Clients wie Pidgin oder Empathy zu nutzen, so dass Sie für Chats nicht zwangsläufig Googles Mailclient brauchen.

Bei Google Talk handelt es sich dagegen um ein Anwendungsprogramm für Windows, das die Chat-Funktion von Google Mail um Telefonie ergänzt. Google hatte dafür 2005 das XMPP-Protokoll um eine VoIP-Komponente erweitert. Anfangs war dieser Zusatz eine proprietäre Entwicklung, so dass Gespräche nur von einem Google-Talk-Client zum anderen möglich waren.

Wenige Monate später veröffentlichte Google die Spezifikationen für P2P-Übertragungen und Audio-Gespräche über XMPP. Aus diesen Spezifikationen ging dann die "Jingle" benannte Erweiterung für XMPP hervor. Dadurch ist es nun auch möglich, Gespräche zwischen GTalk und anderen Jabber-Clients zu führen, wie Empathy oder Pidgin.

Unter dem Namen Google Voice- und Video-Chat vermarktet das Unternehmen aus Mountain View nun eine Erweiterung für den Webmailer. Neben reinen Telefonaten erlaubt sie auch Video-Gespräche. Auch diese Erweiterung des Jabber-Protokolls war zunächst proprietär, so dass Jabber-Clients wie Empathy oder Pidgin zwar mit GMail-Anwendern Telefonate führen können, doch obwohl die Clients auch Video-Chats über Jabber beherrschten, waren sie aufgrund der geschlossenen Architektur seitens Google ausgesperrt.

Mittlerweile hat sich das aber geändert. Ein kurzer Test zeigt, dass ein Video-Telefonat von Kontakt A (Ubuntu 10.10, Empathy, Konto bei http://jabber.ccc.de) zu Kontakt B (Windows, Google Mail mit Google Voice- und Video-Chat) klappt. Bei einem zweiten Test von Kontakt C (Ubuntu 10.10, Google Mail mit Google Voice- und Video-Chat) zu Kontakt D (Ubuntu 10.04, via Pidgin in GMail-Account eingeloggt) erschien auf dem System mit Pidgin lediglich ein schwarzes Fenster. Zur Not müssen Sie daher ein paar Jabber-Clients durchprobieren, bis Sie einen finden, mit dem Video-Gespräche zu GMail-Kontakten funktionieren.

Da es nach wie vor keinen Jabber-Client für Windows gibt, der Audio/Video-Chats über XMPP/Jingle beherrscht (siehe Kasten "XMPP/Jingle für Windows?"), greifen Anwender für bequeme Video-Telefonate über Betriebssystemgrenzen hinweg oft auf Skype zurück. Die Möglichkeit, Google Voice- und Video-Chat von freien Jabber-Clients wie Pidgin oder Empathy anzusprechen, hat sich bislang nicht sonderlich verbreitet. Mit dem Erscheinen der Linux-Variante (Abbildung 1) gibt es nun eine – wenngleich ebenfalls proprietäre – Alternative zu Skype.

Abbildung 1: Der Google Voice- und Video-Chat unter Linux.

XMPP/Jingle für Windows?

Während Audio/Video-Chats über XMPP/Jingle unter Linux schon länger möglich sind, sieht die Situation unter Windows schlechter aus. Pidgin beherrscht zwar seit Version 2.6.0 XMPP/Jingle, das gilt jedoch nur für die Linux-Version. Abhilfe verspricht der reine Jabber-Client Gajim [4], der seit der im September erschienenen Version 0.14 nun Jingle beherrscht.

Noch gibt es keine Windows-Ausgabe der neuen Version, doch die Entwickler hoffen, dass sie die Probleme im Zusammenspiel mit der benötigten Multimedia-Architektur Gstreamer für Windows und Gajim lösen können, sodass es endlich einen quelloffenen und leistungsfähigen XMPP/Jingle-Client für Video-Telefonie auf Windows gibt.

Die Installation der Software fällt leicht: Google bietet auf der Homepage [1] unter Voice- und Video-Chat installieren DEB-Pakete für Debian und Ubuntu sowie RPM-Pakete für Fedora/OpenSuse an. Damit deckt das Unternehmen alle großen Distributionen ab. Nach einem Neustart des Browsers und erneuten Einloggen in Google Mail sehen Sie bei Kontakten, zu denen Audio/Videogespräche möglich sind, ein kleines Kamera-Symbol.

Im Vergleich zu Bild- und Tonqualität schlägt sich die Software des Suchmaschinen-Riesen nicht schlechter als Skype. Dies gilt aber nur für den Fall, dass beide Kontakte über eine schnelle Internetanbindung verfügen. Beim Test von einem Ubuntu-"Lucid"-System zu einem anderen über den Atlantik nach Mexiko ruckelte das Bild und der Ton doch merklich, während Skype den Ton flüssig und das Bild annehmbar verzögert übertrug.

Google Voice- und Video-Chat scheint allerdings ähnlich robust wie Skype zu sein, wenn es darum geht, Firewalls und NAT-Router zu durchqueren: Im Test gelang es, aus einem Firmennetz, aus dem nur HTTP-Verbindungen über einen Proxy möglich waren, ebenso zu telefonieren wie mit Skype.

Haben Sie Probleme mit dem Ton oder Bild, so sollten sie die neuen Einstellungen zum Voice- und Video-Chat beachten (Abbildung 2). Dort haben Sie die Möglichkeit, die zu verwendenden Audio- und Videogeräte auszuwählen. Gerade, wenn sie mehrere Soundkarten nutzen (etwa eine eingebaute Soundkarte, eine Webcam oder ein Bluetooth-Dongle), lohnt ein Blick in die Chat-Einstellungen. 

Abbildung 2: Die GMail-Einstellungen zum Chat.

Der Autor

Christoph Langner arbeitet für die PTV AG Karlsruhe im Testmanagement und ist seit Jahren im Bereich der Open-Source-Software aktiv. Sie finden sein Blog rund um GNU/Linux auf http://linuxundich.de.

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