Wiederbelebung

Im unteren Bereich der inittab aus Listing 1 geht es noch einmal etwas kryptisch zu. Dort legt zunächst die Zeile 18 mit

ca::ctrlaltdel:/sbin/shutdown -r -t 4 now

fest, dass Init bei einem Druck auf die Tastenkombination [Strg]+[Alt]+[Entf] das Skript shutdown aufruft und den Computer somit neu startet (Parameter -r). Das soll in jedem Runlevel funktionieren, weshalb in der zweiten Spalte eine spezifische Angabe fehlt. Die Tastenkombination funktioniert übrigens nur in einer reinen Textkonsole, die grafische Oberfläche in Form des X-Servers fängt sie standardmäßig ab. Alle folgenden Aktionen ab Zeile 21 mit power... im Namen weisen Init an, bei einem Stromausfall schnell eine externe Stromversorgung (UPS) ein- beziehungsweise später wieder auszuschalten.

Die Aktion respawn führt wie wait die Anwendung in der vierten Spalte aus. Sollte sich der zugehörige Prozess allerdings irgendwann beenden, startet ihn Init automatisch neu. Die Zeilen 27 bis 32 in Listing 1 sorgen beispielsweise so dafür, dass in den Runleveln 2 bis 5 grundsätzlich sechs Textkonsolen zur Verfügung stehen (die Sie über [Alt]+[1] bis [Alt]+[6] erreichen.

Bei den Ziffern in der ersten Spalte handelt es sich ausnahmsweise nicht um Namenskürzel, sondern um die Nummer des Geräts (die Zahl hinter tty). Wie die sechs Zeilen zudem zeigen, darf die zweite Spalte durchaus mehrere Runlevel hintereinander aufführen. Der Parameter --noclear schließlich sorgt dafür, dass diese erste Konsole nicht alle Meldungen des Bootprozesses sofort löscht.

Subunternehmer

Sobald Init durch den Kernel geweckt wurde, liest es also die Datei /etc/inittab ein, führt dann unter OpenSuse 11.3 gemäß Zeile 5 in Listing 1 zunächst das Skript /etc/init.d/boot aus und wechselt schließlich in den Runlevel 5, indem es das Skript /etc/init.d/rc startet. Dieses wiederum aktiviert die eigentlichen Dienste – welche, das hängt vom Runlevel ab. Dessen Nummer übergibt Init deshalb als Parameter an das Skript, wie ein schneller Blick auf Listing 1 verrät. Unter OpenSuse 11.3 ist es standardmäßig die 5).

l0:5:wait:/etc/init.d/rc 5

Doch auch rc macht sich seine Arbeit leicht: Zunächst wechselt es abhängig vom Runlevel in eines der Unterverzeichnisse rc0.d bis rc6.d. Im Beispiel unter OpenSuse würde es das Verzeichnis rc5.d betreten. Dort ruft es einfach alle vorhandenen Skripte auf, die mit dem Buchstaben S (für "Start") beginnen. Die Startreihenfolge bestimmt dabei die Nummer, die nach dem S folgt: S07alsasound startet beispielsweise das Audiosystem Alsa, S09cups zwei Skripte später das Drucksystem Cups. Analog zu diesen so genannten Startskripten liegen hier noch passende Stoppskripte, deren Namen mit K (für "Kill") beginnen. Sie beenden die Dienste bei einem Wechsel des Runlevel.

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