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© Paolo de Santis, 123rf.com

MythTV installieren und verwenden

Großes Theater

MythTV bietet weitaus mehr als nur einen digitaler Videorekorder: Mit cleveren Plugins mausert es sich zur kompletten Medienzentrale für das Wohnzimmer.

Ein digitaler Videorekorder muss nicht nur den Anforderungen technischer Art genügen, sondern auch dem WAF ("Women Acceptance Factor") gerecht werden. Stellen Sie sich vor, sie kommen von einem netten Männerabend nach Hause, Ihre Freundin sitzt mit einem Buch auf der Couch, sieht Sie kritisch an und fragt: "Was ist hier falsch?". Lautet Ihre kleinlaute Antwort dann: "Ähem – der Fernseher ist aus und unser digitaler Videorekorder funktioniert nicht?", ist etwas falsch gelaufen. Wollen Sie solche Blamagen vermeiden, brauchen sie als digitalen Videorekorder und Multimedia-Zentrale ein System, das sich möglichst einfach bedienen und gut ins Wohnzimmer integrieren lässt.

Im Gegensatz zu den meisten klassischen digitalen Videorekorder-Lösungen unter Linux handelt es sich bei MythTV [1] um ein modulares System, das aus mehreren vernetzten Abspielgeräten (Myth-Frontends) und einer Serverkomponente (Myth-Backend) bestehen kann. Freilich lassen sich auch alle Komponenten auf einem einzigen PC nutzen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der logische Aufbau der Multimedialösung MythTV.

MythTV wird, im Gegensatz zu vielen anderen Open Source Projekten, sehr aktiv von Isaac Richards und über 20 Entwicklern weiterentwickelt. So soll beispielsweise die nächste Version, MythTV 0.24, auch Blu-ray-Disks wiedergeben. Dieser Artikel beschreibt die Installation, Konfiguration und Nutzung von MythTV auf einem Linux-PC unter OpenSuse 11.3.

TIPP

Es gibt auch bereits fertig angepasste Distributionen für MythTV, wie beispielsweise Mythbuntu, Mythdora oder LinHES.

TV-Karten

Zum Empfang von analogen oder digitalen TV-Programmen brauchen Sie eine TV-Karte für die jeweilige Empfangsart. Es gibt in Deutschland vier verschiedene Standards, über die man TV-Programme empfangen kann:

  • analog über Kabelanbieter oder früher über Antenne – heute kaum noch verwendet,
  • DVB-C – digitaler Empfang über Kabel,
  • DVB-T – digitaler terrestrischer Empfang über (Zimmer-)Antenne, sowie
  • DVB-S – digitaler Satellitenempfang, auch als DVB-S2 nach neuem Standard für HDTV.

Sie benötigen eine oder mehrere unter Linux lauffähige TV-Karten – je nachdem, ob Sie nur ein oder mehrere Programme gleichzeitig aufzeichnen wollen. Eine umfangreiche Liste unterstützter Karten finden Sie bei Linuxtv.org [2]. Ein unter Linux recht problemloses Board ist beispielsweise die Satelco EasyWatch PCI [3], die es in Versionen für DVB-S2, DVB-S, DVB-T und DVB-C zu Preisen zwischen 40 und 80 Euro im Handel gibt.

Für den Kabelempfang offerieren die Anbieter oft verschiedene Versionen, etwa DVB-C und DVB-C HDTV. Diese unterscheiden sich beim Kabelempfang allerdings nur in der beigefügten Software. Für die im Folgenden beschriebene Verwendung – auch für HDTV-Empfang – genügt eine DVB-C-Karte (ohne HDTV). Beim Satellitenempfang werden die HDTV-Kanäle über einen neuen Standard übertragen, hier wird eine DVB-S2-Karte für den Empfang von HDTV-Kanälen benötigt.

Bei aktuellen PCs, die über nur noch einen PCI-Steckplatz verfügen, können Sie auch eine PCIe-to-PCI-Erweiterungsbox einsetzen, die mehrere PCI-Steckplätze in einem externen Gehäuse zur Verfügung stellt (etwa ExSys EX-1010, [4]). Linux kommt nicht nur mit PCI-Einsteckkarten zurecht, es lassen sich auch viele USB-TV-Sticks verwenden.

Verschlüsselte Programme

Die Aufnahme von verschlüsselten TV-Programmen ist unter Linux etwas problematisch, da die meisten in Deutschland verschlüsselt ausgestrahlten Programme das Aufzeichnen und damit den Betrieb über CI-Module ("Common Interface") oder auf anderem Weg verbieten. Grundsätzlich besteht aber die Möglichkeit, über eine TV-Karte mit CI-Slot, passendem CA ("Common Access Module") und einer gültigen Smartcard auch verschlüsselte Sender aufzuzeichnen. Bitte beachten Sie dabei die AGB ihres Anbieters – nicht jeder erlaubt den Empfang mittels TV-Karte und CA-Modul.

Grafikkarte

Möchten Sie das System, auf dem Sie das MythTV-Backend nutzen, auch als Frontend zur Wiedergabe verwenden, empfiehlt sich dafür eine Grafikkarte mit Nvidia-Chipsatz, der die HDTV-Decodierung auf dem Grafikchip erledigen kann. Diese vom Nvidia-Linux-Treiber unterstützte Erweiterung nennt sich VDPAU (Nvidia PureVideo HD 2 Generation). Eine Liste von Grafikchips, die diese Methode unterstützen, finden Sie beispielsweise bei Wikipedia [5]. Planen Sie, HDTV oder in H.246 codierte Videodateien wiederzugeben und eine Grafikkarte einzusetzen, die diesen Standard nicht unterstützt, kommen erhöhte Anforderungen auf die CPU zu.

Für den Anschluss des MythTV-Frontends an einen Fernseher oder Beamer empfiehlt sich ein HDMI-Kabel. Jedoch verfügen nicht alle Grafikkarten über einen HDMI-Ausgang. Alternativ kann der Anschluss auch mit einem DVI-auf-HDMI-Adapter erfolgen, wobei allerdings die Gefahr besteht, dass die Signalleistung auf dem DVI-Ausgang nicht ausreicht – insbesondere falls ein längeres HDMI-Kabel (über 3,5 Meter) zum Einsatz kommt, etwa zum Anschluss eines Beamers. Die maximale Kabellänge hängt dabei auch von der verwendeten Kabelqualität und den Steckern ab. Meist gelingt eine problemlose Übertragung bei HDMI bis 10 und bei DVI bis 5 Meter.

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