Modulares Plattensystem

Aus LinuxUser 12/2010

Modulares Plattensystem

© sxc.hu, danzo08

Steckplatten

Mit GoFlex stellt Seagate ein neues, modulares Festplattensystem vor, das möglichst alle Interface- und Formfaktor-Vorlieben bedienen will.

Dockingstations, Festplatten, Adapter und Mediaplayer – alle diese Komponenten liefert Seagate jetzt mit dem neuen GoFlex-Anschluss. Der ähnelt weitgehend dem internen SATA-Anschluss inklusive Stromversorgung, wie man ihn auch in HD-Dockingstations findet. Lediglich die Stecker-Robustheit verbesserte Seagate, da der interne SATA-Stecker laut ursprünglicher Spezifikation lediglich 50 Steckvorgänge aushalten muss – der eSATA-Stecker hingegen verträgt 5000 mal Ein- und Ausstecken. Halteklammern links und rechts am Stecker bieten zusätzlichen Halt, da herkömmliche SATA-Stecker nicht besonders fest sitzen.

Für seine 2,5-Zoll-Festplatten liefert Seagate zahlreiche Adapter: Von Haus aus legt der Hersteller einen USB-2.0-Konnektor bei, optional gibt es Adapter für USB 3.0 (25 Euro), eSATAp (kein normales eSATA, 20 Euro) und Firewire 800 (35 Euro). Nur einen All-in-one-Adapter für eSATAp, USB 3.0 und Firewire 800 hätten wir uns für maximale Kompatibilität noch gewünscht.

Interface-Geschwindigkeit

Um die Maximalgeschwindigkeit der Interfaces zu ermitteln, hängten wir eine via SATA rund 175 MByte/s schnelle Intel-SSD des Typs X25-V an den Seagate-Adapter, was auch problemlos funktionierte. USB 2.0 erreicht sein Maximum bei 34 MByte/s, Firewire 800 bei 78 MByte/s. USB 3.0 liefert in dieser Konfiguration stolze 140 MByte/s. Bei eSATA zeigte sich, dass Seagates Adapter offenbar nur eSATA I mit 1,5 Gbit/s (auch 1.5G genannt) unterstützt, denn hier ist schon bei 121 MByte/s Schluss. Für Seagates Magnetplatten genügt das zwar vollauf, zum optimalen Anbinden externer SSDs am Notebook sucht man sich jedoch lieber ein anderes Interface.

Ultra Portable

Hinter der Bezeichung “GoFlex Ultra Portable” versteckt sich nichts anderes als die 2,5-Zoll-Linie der GoFlex-Familie (Abbildung 1). Die mit USB-2.0-Adapter gelieferten, in vier Farben erhältlichen Platten gibt es in Kapazitäten von 320, 500, 750 und 1000 GByte (70/90/130/160 Euro), wobei die beiden Topmodelle auch etwas größer bauen. Frisch angekündigt hat Seagate zudem die erste 2,5-Zoll-Platte mit 1,5 TByte Kapazität und rund 100 MByte/s Durchsatz. Sie wird wohl zuerst als GoFlex für 220 Euro ausgeliefert – dann jedoch auch mit beigelegtem USB-3.0-Interface.

Abbildung 1: Das flachere GoFlex Ultra Portable (2,5 Zoll), im Bild mit Firewire 800-Adapter.

Abbildung 1: Das flachere GoFlex Ultra Portable (2,5 Zoll), im Bild mit Firewire 800-Adapter.

Die Platte kommt – wie alle Massenspeicher der GoFlex-Familie – vorformatiert mit NTFS. Für Mac-OS-X-Nutzer liefert der Hersteller den kommerziellen NTFS-Treiber von Paragon mit, jedoch in einer eingeschränkten Version, die ausschließlich Seagate-Platten unterstützt.

Der Wechsel der Adapterkabel geht problemlos vonstatten, auch die Geschwindigkeit überzeugt: An USB 3.0, eSATAp und Firewire 800 erreicht die 500-GByte-Platte beim Lesen rund 77 MByte/s. Mit 33 MByte/s liefert die Platte beim Anschluss an USB 2.0 das mit diesem Interface erreichbare Maximum.

Allerdings eignen sich Seagates Adapterkabel nur zum Anschluss der stromsparenden 2,5-Zoll-Platten, für 3,5-Zoll-Disks fehlt schlichtweg der Strom. Noch nicht einmal das stromführende eSATAp-Kabel funktioniert, obwohl der Anschluss laut Spezifikation (zumindest an Desktop-Systemen) die nötigen 12 Volt und genügend Leistung bereitstellen sollte.

Desktop-Variante

Bei “GoFlex Desk” handelt es sich um die 3,5-Zoll-Modelle der GoFlex-Reihe (Abbildung 2). Die Platten vertreibt Seagate in Varianten mit ein, zwei und drei TByte Kapazität (95/160/240 Euro). Bei der Desktop-Version setzt Seagate auf kleine Docks, standardmäßig mit USB 2.0. Optional gibt es USB-3.0- und Firewire-800-Versionen für 35 beziehungsweise 45 Euro – eine eSATA-Version fehlt hier unverständlicherweise. Die 1-TByte-Platte liefert im USB-3.0-GoFlex-Dock rund 100 MByte/s Daten.

Abbildung 2: Die Docks der GoFlex-Desk-Reihe weisen eine frontseitige Füllstandsanzeige auf.

Abbildung 2: Die Docks der GoFlex-Desk-Reihe weisen eine frontseitige Füllstandsanzeige auf.

Auf den ersten Blick sieht der Anschluss aus wie jener der 2,5-Zoll-Modelle, erweist sich aber als nicht kompatibel: Weder lassen sich die Adapterkabel der 2,5-Zoll-Serie an den 3,5-Zoll-Platten verwenden, noch kann man die 2,5-Zoll-Platten in das Dock stecken. “Nackte” Platten im 2,5- oder 3,5-Zoll-Format passen zwar ins Dock, stehen jedoch etwas wackelig, da nur der Stecker sie hält.

Netzwerk-Speicher

Dem 160 Euro teuren Heimanwender-NAS “GoFlex Home” (Abbildung 3) liegt eine GoFlex-Desk-Platte mit 1 TByte Kapazität bei, die man einfach auf das NAS-Dock steckt. Alternativ gibt auch eine 2-TByte-Version für 230 Euro. Das NAS bietet einen Gigabit-Ethernet-Port und einen USB-2.0-Anschluss.

Abbildung 3: Das GoFlex Home NAS mit eingesteckter 3,5-Zoll-Platte.

Abbildung 3: Das GoFlex Home NAS mit eingesteckter 3,5-Zoll-Platte.

Seagate setzt auf ein aufwändiges, auf Hipserv [001] basierendes Web-Frontend namens Seagate Share. Das setzt zwar Flash voraus, nutzt dessen Fähigkeiten allerdings auch gut aus – beispielsweise für Drag & Drop im Dateimanager oder tolle Slideshows. Negativ fällt auf, dass es keinerlei Handbuch gibt, noch nicht einmal auf der beiliegenden DVD. Die Windows-Software zum Ansprechen des NAS funktioniert unter Linux nicht, aber eine kurze Suche im Web verrät, dass sich das NAS dank integriertem Nameserver einfach über http://goflexhome.local erreichen lässt.

Das NAS bietet Dienste für USB-Drucker via CUPS, DLNA/UPnP-Mediastreaming (PS3- und Xbox360-kompatibel, iTunes nur für Musik), SMB und SFTP – wobei wir bei letzterem im Test zwar das Share sahen, jedoch keine Verbindung dazu aufbauen konnten. SSH, Telnet, Appleshare oder NFS gibt es nicht, ebenso fehlt jede Unterstützung für Dateisysteme jenseits von NTFS und FAT32. Beim Kopieren via SMB messen wir bei einer direkten Gigabit-Ethernet-Verbindung ordentliche 36 MByte/s beim Lesen und 26 MByte/s beim Schreiben. Das Kopieren von einer Festplatte am USB-Anschluss auf die interne Harddisk geht mit 24 MByte/s akzeptabel flott vonstatten.

Haben Sie ihr NAS bei Seagateshare.com registriert, erreichen Sie es bei Bedarf auch von überall her via Internet. Dazu müssen Sie lediglich auf Seagateshare.com den NAS-Namen und das Passwort eingeben. Der Bildbetrachter mit Slideshow-Funktion unterstützt ausschließlich die Formate GIF, JPG und PNG. Der integrierte Videoplayer mit Fullscreen-Funktion setzt ein passendes Browser-Plugin für den jeweiligen Codec voraus – etwa das VLC-Plugin. Der eingebaute MP3-Player funktioniert gut und sieht schick aus: Es gibt eine Fortschrittsleiste und Dateinavigation, der Player spielt auf Wunsch auch im Hintergrund.

Der Dateimanager bedient sich komfortabel, bietet eine Vorschau, Copy & Paste, Drag & Drop, Verschlagwortung, Datei-Informationen sowie eine Umbenennungsfunktion. Auch Unterstützung für NAS-Backup mit Apples Timemachine oder Windows-Backup ist mit an Bord. Oben rechts in der Web-GUI findet sich auch ein Link auf das lang gesuchte Handbuch, das es als PDF herunterzuladen gilt. Ein kostenpflichtiges Update namens Seagate Share Pro bietet zusätzlich das automatische Hochladen der Bilder auf Facebook und Flickr sowie eigene RSS-Feeds.

Shiva lässt grüßen

Das NAS-Dock “GoFlex Net” für zwei 2,5-Zoll-GoFlex-Platten (groß und klein, mit Adaptereinsatz) hat mit der 3,5-Zoll-Version GoFlex Home nur wenig gemein: Seagate verkauft es ohne Platte für 100 Euro, als Betriebssystem dient Pogoplug von Cloud Engines, bekannt von dem Mini-NAS gleichen Namens.

Die auf der 1,2-GHz-CPU Marvell Kirkwood MV88F6281 basierende Hardware erweist sich – bis auf das Fehlen eines SD-Slots – als identisch zum Sheevaplug [002]. Es gibt einen Gigabit-Ethernet- und einen USB-2.0-Port, das NAS unterstützt SMB-Shares, NTFS/FAT32, DLNA/UPnP-Streaming (unter anderem PS3/Xbox360) sowie SSH (nur root).

Der Netzwerkdurchsatz via SMB liegt mit 35 MByte/s beim Lesen und 24 MByte/s bei Schreiben nur einen Hauch unter jenem des GoFlex Home. Einen integrierten Nameserver wie beim GoFlex Home, dank dessen sich das NAS im internen Netz einfach erreichbar ließe, gibt es nicht: Sie müssen das GoFlex Net (Abbildung 4) umständlich über http://seagate.com/activatemygoflexnet aktivieren und konfigurieren.

Abbildung 4: Das NAS GoFlex Net mit zwei GoFlex-Ultra-Portable-Platten.

Abbildung 4: Das NAS GoFlex Net mit zwei GoFlex-Ultra-Portable-Platten.

Die Bedienung der Software selbst gestaltet sich stellenweise etwas kompliziert und verwirrend. Es gibt eine Diashow-Funktion, für die man auch eigene Musik festlegen kann – einen Fullscreen-Modus sucht man jedoch vergeblich. Über eine URL unterhalb von http://goflexnet.pogoplug.com lässt sich das NAS von überall her via Internet erreichen. Allerdings muss man das auch im internen Netz so nutzen, denn einen auf dem NAS laufenden Webserver mit GUI gibt es nicht.

Über die Web-GUI laden Sie einen Pogoplug-FS-Treiber für Linux, Mac OS und Windows (alle auch in 64 Bit) herunter, mit dessen Hilfe Sie das NAS direkt im Dateisystem einbinden und unkompliziert Backups wichtiger Ordner auf dem NAS erstellt. Die Installation des auf Fuse basierenden Linux-Treibers setzt allerdings beträchtlichen manuellen Konfigurationsaufwand voraus – ein DEB oder RPM hätte hier eine deutlich benutzerfreundlichere Alternative dargestellt.

Fotogalerien, Diashows und Dateien teilen Sie über den integrierten Webserver mit der Welt. Bilder schickt das NAS auf Wunsch automatisch auf Facebook, Twitter oder Myspace sowie als RSS-Feed ins Netz. Für iPhone, Android, Blackberry und Palm gibt es auch noch Pogoplug Mobile, mit dem Sie über das Handy direkt auf das NAS zugreifen.

Mediaplayer

Obwohl es ganz anders aussieht (Abbildung 5), ist das GoFlex TV mit dem Vorgänger Freeagent Theater+ [003] nahezu identisch. Die auf dem Mediaplayer laufende Firmware 2.20 ist sogar exakt dieselbe. Bei den Anschlüssen unterscheidet sich der “neue” Mediaplayer lediglich durch den GoFlex-SATA-Anschluss im Platteneinschub, an dessen Stelle der Vorgänger noch einen Mini-USB-Anschluss hatte. Ansonsten fällt die Anschlussausstattung identisch aus: Composite, Komponenten, optisches S/PDIF, HDMI, 100-Mbit/s-Ethernet, zwei Mal USB 2.0.

Seagate hat seit dem Test in LinuxUser 06/2010 die Firmware kontinuierlich verbessert und einige Kritikpunkte beseitigt: So merkt sich das GoFlex TV / Freeagent Theater+ nun die Position in abgebrochenen Videos und kann nun mittels Steuerkreuz in 20-Minuten-Sprüngen durch den Film springen. Auch wurden viele weitere Internet-Dienste integriert, wie etwa Mediafly (Audio/Video-Podcasts) oder vTuner (Streaming-Radio). Wie der Vorgänger kann auch das GoFlex TV Videos mit 24 Frames/s (“24p”) nicht ruckelfrei wiedergeben. Es gibt auch hier optional einen zum Gerät passenden USB-WLAN-Adapter für 35 Euro.

Die GoFlex-Ultra-Portable-Platte stecken Sie nach Herunterklappen der entsprechenden Blende vorne ins GoFlex TV, der Massenspeicher steht dann etwa einen Zentimeter heraus. Einen Auswurfmechanismus gibt es nicht – laut Seagate gehen diese zu oft kaputt. Dass nur GoFlex-Platten im 2,5-Zoll-Formfaktor ins Gerät passen, ärgert zwar die Freunde großer Mediensammlungen, ein 3,5-Zoll-Einschub hätte das Gerät aber merklich vergrößert. Unverzeihlich ist jedoch, dass das GoFlex TV lediglich die beiden kleinsten, flachen GoFlex-Ultra-Portable-Disks unterstützt: Besitzer der 750, 1000 und bald 1500 GByte großen Versionen schauen in die Röhre.

Da das Gerät technisch bis auf den GoFlex-Anschluss und das geänderte Design mit dem Freeagent Theater+ identisch ist, lohnt vor dem Erwerb des 120 Euro teuren Neulings ein Blick auf den Vorgänger: Den gibt es derzeit im Abverkauf schon für Preise um 50 Euro, via USB lassen sich beliebige Platten anschließen – auch GoFlex-Modelle.

Fazit

Das Konzept der GoFlex-Serie mit dem SATA-basierenden Stecker ist eine pfiffige Idee, die Seagate allerdings etwas konsequenter hätte umsetzen müssen: Die Inkompatibilität zwischen den 2,5- und 3,5-Zoll-Modellen irritiert ebenso wie die fehlende Möglichkeit zum internen Anschluss der Platten im Notfall. Ähnliches gilt für die Beschränkung des GoFlex TV auf die kleinsten 2,5-Zoll-Festplatten, hier hätte sich eine Lösung mit Adaptereinsatz wie beim GoFlex Net angeboten. Flexibilität, von Seagate als Marketing-Hauptvokabel für GoFlex extensiv bemüht, sieht anders aus.

Dennoch haben Sie mit GoFlex mehr Möglichkeiten als mit herkömmlichen externen Festplatten: Die Interfaces wechseln Sie je nach Präferenz und können auch “nackte” Festplatten an die Adapterkabel und Dockingstations anschließen – was eine dedizierte HD-Dockingstation überflüssig machen kann. Suchen Sie größtmögliche Kompatibilität, kommen Sie allerdings mit einer der Quad-Interface-Platten von Lacie, Verbatim oder Onnto (USB, eSATA, Firewire 400/800) allerdings unterm Strich billiger weg. Bei den NAS-Dockingstations wäre zudem ein USB-3.0-Slave- oder eSATA-Port zum flotteren Befüllen der Netzwerkspeicher direkt am Rechner sinnvoll.

Infos

[001] Hipserv: http://www.axentra.com/en/products/hipserv/

[002] Sheevaplug-Community: http://www.sheevaplug.de

[003] Mediaplayer im Test: Daniel Kottmair, “Medienzentrale”, LU 06/2010, S. 100, https://www.linux-community.de/20499

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