Mediathek 2.2.1 im Test

Aus LinuxUser 12/2010

Mediathek 2.2.1 im Test

© Daniel Gilbey, 123rf.com

Neues aus der Anstalt

Wenn Sie es leid sind, Filmbeiträge mühsam aus den Online-Archiven der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten herausfischen zu müssen, sollten Sie einen Blick auf Mediathek werfen.

Seit der Erfindung breitbandiger Internet-Anschlüsse für jedermann hat sich im Netz viel getan. Medieninhalte beschränken sich nicht mehr nur auf Bildmaterial und Nachrichtentext, nahezu jeder große Sender schickt zumindest für eine kurze Zeit seine beliebtesten Serien und sonstigen Sendungen als Videos in Online-Archive. Diese meist Mediathek genannten Seiten fallen von Sender zu Sender recht unterschiedlich aus: Die einen recht bunt und üppig ausgestattet, die anderen eher nüchtern und mit wenig Material.

Die Anwendung Mediathek [1] schickt sich seit einigen Jahren an, eine Plattform für die wichtigsten öffentlich-rechtlichen Sender zu entwickeln, um deren Mediatheken unter einer Oberfläche zu vereinen und zu verwalten. Ganz im Sinne der öffentlich-rechtlichen Sender bemüht sich Mediathek darum, eine breite Anwendergemeinde zu erreichen. Darum wählten die Entwickler des Projektes Java als Programmiersprache für ihr Programm, sodass es auf allen Betriebssystemplattformen läuft.

Als Systemvoraussetzungen benötigt Mediathek eine funktionierende Java-Installation sowie einige Codecs – Näheres dazu finden Sie im Kasten “Wichtige Pakete”. Sie laden Mediathek als ZIP-Archiv von der Projekt-Homepage herunter [2] und entpacken es in einen vorher erstellten Ordner. Zum Programmstart bemühen Sie vorerst die Konsole: Wechseln Sie in den Mediathek-Ordner und starten Sie das Programm mit dem Aufruf java -jar Mediathek.jar. So haben Sie die Möglichkeit, die Aktionen des Programms im Terminalfenster zu verfolgen.

Um später einen Anwendungsstarter anzulegen, bemühen Sie beispielsweise unter Gnome den Menüeditor (System | Einstellungen | Hauptmenü). Als Startbefehl geben Sie die Anweisung java -jar /Pfad_zum_Programm/Mediathek.jar -M ein. Der optionale Parameter -M sorgt für ein maximiertes Programmfenster.

Wichtige Pakete

Die gängigen Distributionen liefern seit Jahren eine funktionierende Java-Umgebung mit, bei vielen anderen findet sich diese zumindest als installierbares Paket im Repository. Alternativ installieren Sie die aktuellste Version von der Java-Homepage [3]. Mediathek funktioniert aber auch unter OpenJDK [4].

Installieren Sie unbedingt die Programmpakete zu den Allesspielern VLC und MPlayer, da die Sender auf unterschiedliche Videoformate setzen. Unter Ubuntu genügt es, die mit den Paketen vlc [5] und mplayer verknüpften Abhängigkeiten zu erfüllen, um keine Probleme mit fehlenden Codecs zu bekommen.

Einige Sender setzen auf das Flash-Video-Format FLV. Solche Filme müssen Sie vor dem Abspielen erst herunterladen und speichern. Installieren Sie dazu das Paket flvstreamer [6], das den meisten Distributionen beiliegt.

Mediathek: Sender

Land Sender
Deutschland ARD, MDR, NDR, WDR, ZDF
Österreich ORF
Schweiz SF
International 3sat, Arte

Alles unter einem Dach

Die klar strukturierte Benutzeroberfläche spricht, wie auch die als PDF vorliegende, sehr gute Anleitung (im entpackten Ordner), ausschließlich Deutsch (Abbildung 1) und bietet die beiden Reiter Filme und Einstellungen an. Sie bleiben zunächst im Reiter Filme und laden als erste Aktion im neuen Mediencenter durch einem Klick auf den Schalter Filme laden (Url) die recht lange Adressliste der verfügbaren Inhalte von ARD, ZDF & Co. herunter. Alle Sender zusammen brachten es zum Testzeitpunkt auf stattliche 14?000 Beiträge. Oben rechts zeigt Mediathek das Aktualisierungsdatum der Filmliste an.

Abbildung 1: Die übersichtliche Oberfläche ordnet die Mediathekinhalte in Sender und Sendungen.

Abbildung 1: Die übersichtliche Oberfläche ordnet die Mediathekinhalte in Sender und Sendungen.

Die darunterliegenden Pulldown-Menüs Sender: und Thema: sind nun bereits mit Einträgen gespickt, um sich im Dschungel dieser Vielfalt das Richtige herauszupicken. Wählen sie beispielsweise aus den neun verfügbaren Sendern das ZDF aus, zeigt das nächste Menü ausschließlich die Beiträge dieses Senders an. Die Bezeichnung Thema: entspricht dabei dem Namen der Sendereihe. In der darunter erscheinenden Liste wählen Sie ihren Favoriten der letzten Folgen Ihrer Lieblingsserie oder Nachrichtensendung per Mausklick und betätigen den Schalter Abspielen VLC.

Das Feld Titel: entspricht gleichzeitig der Suchfunktion des Programms. Die eingegebene Buchstabenfolge muss aber Teil der Titelbezeichnung sein, die Suche startet erst nach einer Bestätigung mit [Eingabe]. Unterhalb der Filmliste zeigt das Programm die Zahl der zur Auswahl gefundenen Filme an. Eine Schlagwortsuche existiert nicht, Sie können also nicht beispielsweise allgemein nach dem Begriff “Nachrichten” suchen. Das Thema “Tagesschau” listet aber ausreichend viele Treffer in der Filmliste auf.

Wer öfter mal vom Filmbeitrag in die Online-Mediathek des jeweiligen Senders wechseln möchte, um weitere Informationen zur laufenden Sendung zu bekommen, klickt auf den Schalter Infos rechts unten im Programmfenster. Neben URL-Angaben und Bezeichnungen zum Beitrag finden Sie hier auch den Schalter Thema im Browser öffnen (Abbildung 2), der Sie direkt in die jeweilige Mediathek lenkt.

Abbildung 2: Mit einem Klick auf <code srcset=

Thema im Browser öffnen gelangen Sie auf die Seite der sendereigenen Mediathek.” width=”300″ height=”255″ /> Abbildung 2: Mit einem Klick auf Thema im Browser öffnen gelangen Sie auf die Seite der sendereigenen Mediathek.

Erste Einstellungen

Lässt sich einmal ein Film nicht abspielen, zeigt die Software die Meldung Der Film kann möglicherweise nicht mit dem Programm abgespielt werden und einem Hinweis auf den Flvstreamer. In diesem Fall laden Sie den Film über den Schalter Aufzeichnen flvstreamer /tmp und geben der Datei im darauffolgendem Dialog einen Namen, mit dem Sie diese später bei Bedarf wieder finden. Die Filmdatei speichert die Mediathek dafür im temporären Ordner Ihres Systems.

Wollen Sie Ihre Filme nicht standardmäßig im Ordner /tmp speichern, ändern Sie dies über Einrichten. Dieses Programmfenster verlangt einiges an Wissen um Ihr System (Abbildung 3) – so zum Beispiel, wo sich ausführbare Dateien befinden und mit welchen zusätzlichen Parametern man diese füttert. Zum Glück leisteten die Entwickler hier gute Vorarbeit und haben die wichtigsten Einstellungen bereits in vier Schaltern vordefiniert: Neben dem bereits erwähnten einfachen Abspielen mittels VLC-Player und Speichern für den Flvstreamer finden Sie noch vordefinierte Einstellungen, um einen Nicht-Flash-Film entweder im /tmp-Verzeichnis abzulegen oder an einem anderen Ort für das dauerhafte Archivieren zu speichern.

Abbildung 3: Die Mediathek hilft Ihnen beim Anlegen neuer Schalter für andere Abspiel- oder Aufzeichnungsfunktionen.

Abbildung 3: Die Mediathek hilft Ihnen beim Anlegen neuer Schalter für andere Abspiel- oder Aufzeichnungsfunktionen.

Die Titel dieser Schalter stehen in der linken Spalte des Einrichtungsdialogs. Im rechten Bereich definieren Sie, welches Programm die Mediathek zum Aufrufen der geladenen Videos benutzt und welche Pfade die Software zum Speichern verwendet.

Wollen Sie zum Beispiel auch Flash-Filme dauerhaft in einem bestimmten Ordner sichern, legen Sie dafür einen zusätzlichen Schalter an. Dazu können Sie entweder den bestehenden Knopf Aufzeichnen mit flvstreamer /tmp verändern oder einen komplett neuen Schalter erzeugen. Im ersten Fall wählen Sie aus der Liste den Flvstreamer-Eintrag an und klicken ganz unten auf Duplizieren. Dann verändern rechts die Felder Name und Zielpfad, die anderen Einträge lassen Sie unberührt.

Einen völlig neuen Schalter erzeugen Sie, indem Sie statt auf Duplizieren auf Neu klicken. Nun wählen Sie in der rechten Fensterhälfte aus dem Dropdown-Menü einen der drei Einträge des Typs Linux – … als Funktionsbasis aus und übernehmen die Einstellungen mit Hinzufügen. Mediathek füllt nun den Bereich für den Programmaufruf schon einmal passend aus. Die Bezeichnung für den neuen Schalter (Name) und – bei Downloads – für den Zielpfad geben Sie nun noch im untersten, blau umrandeten Abschnitt Programmgruppe an. Den Zieldateiname für Downloads modifizieren Sie mithilfe von Platzhaltern wie %N (Originalname) oder %n (Name abfragen) fast beliebig, Einzelheiten dazu erhalten Sie durch einen Klick auf Hilfe.

Für jede Programmgruppe können Sie Dateien angeben, die Mediathek nicht als Stream, sondern direkt herunterladen soll. Dazu geben Sie unter direkter Downloads, Präfixhttp an – andere Protokolle beherrscht Mediathek derzeit nicht – und unter Suffix die entsprechenden Datei-Endungen (typischerweise mp4,mp3,m4v,flv).

TIPP

Haben Sie durch Experimente einmal die vorgegebenen Einstellung von Mediathek komplett verhunzt, holen Sie die vier Default-Einträge wieder zurück, indem Sie im Reiter Filme über Einrichten das Dialogfenster zur Programmeinrichtung öffnen, dort die Hilfe aufrufen und hier links unten den Schalter Beispielprogramme setzen anwählen.

Über Farbe kolorieren Sie den neuen Schalter, was aber nur Auswirkungen zeigt, sofern Sie die Anwendung nicht mit dem System-Thema starten, sondern im Reiter Einstellungen unter Look and Feel eines der Java-eigenen Themes Metal oder Nimbus einstellen. Über Standardfarbe setzen Sie allzu bunte Kreationen bei Bedarf wieder zurück.

Abos und Podcasts

Im Reiter Einstellungen verändern Sie aber nicht nur die Optik der Programmoberfläche, sondern bestimmen auch, welche Sender Mediathek überhaupt berücksichtigt, tragen gegebenenfalls einen Proxyserver ein oder ändern die Standardpfade für Abos und Podcasts. Dazu finden sich hier wiederum vier Reiter.

Im ersten davon, Einstellungen (Abbildung 4), kreuzen Sie die Checkboxen Abos aktivieren und Podcasts aktivieren an, um zwei weitere Reiter im Hauptfenster dazu zu bekommen: Abonnements und Podcasts. Für ein erstes Abonnement wählen Sie aber nicht den neuerschienen Reiter, sondern Ihre Filmliste. Ganz rechts neben dem Feld Titel prangt nun der neue Schalter Abo.

Abbildung 4: Mediathek setzt dem Benutzer mehrere gleichnamige Reiter vor – nur ein Beispiel für die durchaus verbesserungswürdige Benutzerführung der Applikation.

Abbildung 4: Mediathek setzt dem Benutzer mehrere gleichnamige Reiter vor – nur ein Beispiel für die durchaus verbesserungswürdige Benutzerführung der Applikation.

Wählen Sie einen Sender und ein Thema aus und drücken Sie Abo. Den nun folgenden Dialog bestätigen Sie ohne Änderungen mit OK und wechseln nun in den Reiter Abonnements. Dort klicken Sie als erstes auf den Schalter Downloads aktualisieren (Abbildung 5), woraufhin Mediathek nun im oberen Fensterbereich das neue Abonnement und darunter eine Liste der zugehörigen Sendungen anzeigt. Mit einem Klick auf alle Downloads starten weisen Sie Mediathek an, alle abonnierten Filme auf die Festplatte herunterzuladen. Im Reiter Einstellungen | Einstellungen Sender bestimmen Sie, wieviele parallele Abo-Downloads Mediathek maximal vornimmt.

Abbildung 5: Über Abos organisieren Sie Ihre Lieblingssendungen schneller und laden gezielt nur diese herunter.

Abbildung 5: Über Abos organisieren Sie Ihre Lieblingssendungen schneller und laden gezielt nur diese herunter.

Mit einem ganz ähnlichen Funktionsprinzip arbeitet der integrierte Podcast-Verwalter: Im Reiter Podcasts haben Sie die Möglichkeit, entweder über den Schalter neuer Podcast eine Quelle aus dem Internet hinzuzufügen, oder Sie wählen über Podcast von Podster.de suchen aus dem reichhaltigen Angebot des entsprechenden Anbieters. Podster.de kategorisiert sein Angebot, sodass Sie über das Pulldown-Menü Thema eine Sparte auswählen. Fügen Sie Ihre Wahl hinzu und klicken sie anschließend im Podcasts-Reiter – auf neue Podcasts suchen. Ähnlich wie bei den Abonnements zeigt Mediathek nun hier die zum Herunterladen anstehenden Podcasts

Abbildung 6: Mediathek beherbergt auch einen Podcast-Manager.

Abbildung 6: Mediathek beherbergt auch einen Podcast-Manager.

Fazit

Anfänglich nur für die ZDF-Mediathek gedacht, legte Mediathek in den letzten Jahren eine beachtliches Entwicklungstempo vor. Dabei bringt das Programm Ordnung in den fast unüberschaubaren Dschungel an Online-Inhalten der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten. Die Software arbeitet stabil und für ein Java-Programm erstaunlich flott. Einen breitbandigen Internet-Zugang vorausgesetzt, hält sich der Zeitaufwand für das Suchen und Indizieren der zahlreichen Videosequenzen und Filmbeiträge in Grenzen.

An der Benutzerführung müssen die Entwickler allerdings noch arbeiten: Mediathek verwirrt an vielen Stellen durch ähnliche oder identische Namen für unterschiedliche Reiter und Funktionen, zudem schickt es den Benutzer an diversen Stellen auf unmotivierte Reisen über verschiedene Reiter. Trotz dieser Ungereimtheiten lässt sich die Oberfläche aber im großen und ganzen ohne große Mühe bedienen. Gerade Fans von klaren Fensterprogrammen werden Mediathek den quietschbunten Online-Pendants der Sender sicher vorziehen. 

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