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Bunte Distri für Vor- und Grundschulkinder

Tux for Kids

KinderTux präsentiert sich als besonders ausgereifte Distribution, die neben Spiel und Spaß auch Lerneffekte bietet.

Linux gilt gemeinhin als erstklassiges Server-Betriebssystem und – zumindest bei Eingeweihten – als vielfältig einsetzbarer Desktop. Dank innovativer Technologien wie Live-CDs und Live-USB-Sticks sowie einem schnell wachsenden Fundus von Lernsoftware, der sich an den schulischen Lehrplänen orientiert und teilweise auch die Bedürfnisse der noch jüngeren Semester berücksichtigt, schickt sich das freie Betriebssystem an, nun auch den Bereich der Bildungssoftware aufzumischen.

Die Akzeptanz von Software im Bildungsbereich steht und fällt mit der Möglichkeit, diese im Unterricht sinnvoll einsetzen zu können. Deshalb muss gute Lernsoftware stets die Lehrpläne im Auge behalten, da diese die jeweiligen Lehrinhalte vorgeben. Bei neuen Technologien wie bootfähigen Wechselmedien kommt als Grundvoraussetzung zusätzlich noch eine exzellente Hardware-Unterstützung hinzu: Kein Pädagoge wird im Unterricht ein Betriebssystem nutzen, das im Computerkabinett auf der Hälfte der vorhandenen Rechner nicht startet oder im laufenden Betrieb Probleme verursacht.

Zu guter Letzt soll das System auch noch intuitiv bedienen lassen, damit keine lange Einarbeitung die ohnehin knappe Unterrichtszeit schmälert. Mit der von Dieter Schütze entwickelten Distribution KinderTux, die sich an Nutzer im Alter von drei bis elf Jahren richtet, ist Linux diesen Zielen ein gutes Stück näher gekommen.

Grundsätzlich lebendig

KinderTux basiert auf Mandriva 2010.0 und setzt auf den schlanken Desktop LXDE sowie Openbox als Windowmanager. Dieses genügsame Trio gewährleistet, dass auch in Schulen mit ihren chronisch klammen EDV-Budgets und oft alter Hardware ein agiles Arbeiten ohne Abstriche an der Funktionalität klappt. Durch die Möglichkeit, die als Live-CD [1] erhältliche Distribution auf der Festplatte zu installieren, lässt sich auch dem zuhause im Keller eingemotteten alten PC wieder neues Leben einhauchen.

KinderTux kommt mit einem recht farbenfrohen Standard-Theme daher und spricht somit bereits auf den ersten Blick kleine User an. Nach dem recht flotten Start präsentiert sich die Software mit einer Schnellstartleiste am unteren Bildschirmrand, dem Menüstarter in der linken unteren Ecke und einer Firefox-Willkommensseite. Nach dem Schließen von Firefox finden sich auf der Arbeitsoberfläche lediglich drei Icons, die der Ablage eigener Dokumente, dem Ausschalten respektive Neustart des Rechners sowie der Sprachauswahl dienen.

Um das System einzurichten, klicken Sie zunächst in der Schnellstartleiste unten rechts auf den Schraubenschlüssel. KinderTux öffnet nach Eingabe des vorgegebenen Passwortes lerntux das altbewährte Mandriva-Kontrollzentrum. Dieses verfügt jedoch im linken Bereich im Gegensatz zum Original über einen zusätzlichen Menüpunkt KinderTux: Er ermöglicht, das Betriebssystem auf einem USB-Stick oder der Festplatte zu installieren.

Kindern macht es stets große Freude, selbst gemalte Bilder oder erste selbst geschriebene Texte dauerhaft abzuspeichern. Dazu bietet KinderTux hier auch die Option, Dateibestände auf einem Wechselmedium wie einem USB-Stick abzulegen. Diese gehen dann beim Ausschalten des Rechners nach einer Live-Sitzung nicht verloren und lassen sich später weiter bearbeiten.

Besonderes Interesse verdient der vierte Menüpunkt, Kindersicherung: Er verzweigt in ein sehr einfach gehaltenes Einstellungsmenü, in dem Sie zu blockierende und erlaubte Internet-Adressen eintragen. Die vorgegebene Blacklist blockt zunächst alle URLs, während die Whitelist bereits eine stattliche Anzahl kindgerechter Seiten aufführt. Sie können diese Listen beliebig erweitern und somit aktuellen Gegebenheiten anpassen. Hinter dem Kinderschutzfilter verbirgt sich der freie Proxy-Server Privoxy, den Dieter Schütze in der aktuellen Version 3.0.15 implementiert hat (Abbildung 1).

Abbildung 1: KinderTux: Sicher im Internet dank des auf Basis von Privoxy eingerichteten Kinderschutzfilters.

Auch die Live-CD gestattet über den Menüpunkt Netzwerk & Internet | Eine Netzwerkschnittstelle erstellen (LAN, ISDN, ADSL, ...) im Kontrollzentrum den Internetzugang ohne umständliche Konfiguration. Normale DSL-Anschlüsse erkennt und konfiguriert die Software in den meisten Fällen sogar automatisch, sodass ein manuelles Einrichten entfällt. Bei exotischeren Formen des Internetzugangs, etwa über einen drahtlosen HSPA-Anschluss, führt die Distribution Sie durch einfache Menüs zum Ziel, ohne dass Sie dazu tiefer gehenden technischen Kenntnisse benötigen.

Programmatisches

KinderTux kommt zielgruppenadäquat mit der Lernsoftware der KEdu-Suite und ergänzt diese durch Programmsammlungen wie Gcompris und Spiele wie Frozen Bubble, Circus Linux oder das Eisenbahnspiel Ri-li. Für die bereits etwas älteren Kinder, die ab der 3. Klasse auch erste Schreibübungen am PC absolvieren, gibt es die Textverarbeitung Abiword aus dem Gnome-Fundus. Als einfacher Bildbetrachter kommt GPicview zum Einsatz, mit Tux Paint ist auch ein kleines Malprogramm mit an Bord. Der sehr schlanke LXMusic-Player aus dem Fundus des LXDE-Desktops sorgt für gute Unterhaltung.

Generell fällt an KinderTux das Fehlen ressourcenfressenden Programme auf, wie etwa der OpenOffice-Bürosuite oder des Bildbearbeitungsboliden Gimp. Diese Abstinenz dürfte primär der Zielgruppe geschuldet sein, die mit solcher universeller Software meist noch nichts anfangen kann. Als einziges Standard-Programm der meisten Linux-Distributionen fand der Browser Firefox Eingang in KinderTux.

Haben Sie KinderTux mithilfe des Kontrollzentrums auf der Festplatte installiert, so steht Ihnen dank des soliden Mandriva-Linux-Unterbaus dessen gesamtes Programmrepertoire zur Verfügung. Im Kontrollzentrum fügen Sie im Menü Software verwalten Applikationen hinzu oder entfernen sie wieder, binden zusätzliche Repositories ein und halten das System durch automatische Aktualisierungsläufe stets auf den neuesten Stand. Gegebenenfalls lässt sich KinderTux so den Bedürfnissen älterer Kinder anpassen oder sogar einfach zu einem Allround-System aufrüsten.

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