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Portable Anwendungen für Linux

Apps to Go

Portable Applikationen lassen sich ohne Installation nutzen – etwa unterwegs vom USB-Stick aus. Unter Windows gibt es das schon lange, dank der Portable Linux Apps kommen jetzt auch Anwender des freien Betriebssystems in den Genuss mobiler Anwendungen.

Das Office-Paket samt Präsentation in der Hosentasche, den Mailclient plus Adressbuch immer mit dabei, und die Lieblingslieder mit passendem Codec und Medienplayer zum Mitnehmen … nein, das ist keine Werbung für Smartphones oder Netbooks, sondern beschreibt ziemlich treffend, wofür sich die so genannten portablen Applikationen eignen. Ihren Ursprung hat die Idee in der Windows-Welt, denn dort ist die Installation von Programmen oft kompliziert: Das Programm herunterladen, ein Setup aufrufen und zu guter Letzt vielleicht sogar noch das ganze System neu starten – typisch Windows eben.

Vielleicht arbeiten ja auch Sie oft mit Geräten, an denen Sie nichts installieren dürfen oder wollen: beispielsweise im Büro, im Internetcafé oder am Präsentationslaptop. Dank der portablen Applikationen gibt es viele Programme mittlerweile auch direkt zum Starten vom USB-Stick. Der Vorteil daran: Sie müssen nichts installieren, benötigen keine administrativen Rechte im System, haben Ihre Applikationen und Daten immer mit dabei – und Spuren hinterlässt das Ganze auch nicht. Ideal also, um zwischendurch die E-Mails im Büro abzufragen, oder aber auch, um einen eigenen Firefox nur fürs Onlinebanking zu haben.

Das, was bislang Windows-Benutzern vorbehalten war, gibt es dank des Portable-Linux-Apps-Projekts [1] jetzt auch für Linux-Anwender  (siehe Abbildung links). Mit dem Pinguin fällt die Programminstallation zwar dank der Paketverwaltung deutlich leichter, aber auch hier ist es bequem, alle Daten auf einem USB-Stick zu haben oder mal bedenkenlos an fremden Geräten arbeiten zu können. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt: Als Systemverwalter kopieren Sie beispielsweise Virenscanner und Sicherheitssoftware auf einen USB-Stick, um damit risikofrei fremde Geräte zu überprüfen, und beim Erstellen Ihrer Geburtstagseinladung nehmen Sie noch direkt in der Druckerei dank Scribus und dem Originaldokument kleinere Änderungen vor.

Einstieg mit Hindernissen

Unser Testsystem bestand aus der aktuellen 32-Bit-Version von Ubuntu 10.04.1 in der Netbook-Variante. Ursprünglich wollten wir auf einem modernen 64-Bit-System testen, doch das scheiterte an zahlreichen Fehlermeldungen – die einzelnen Applikationen meckerten fehlende Libraries an. Schnell stellte sich heraus, die dass die Portable Linux Apps derzeit nur für 32-Bit-Systeme gedacht sind. Zwar können Sie theoretisch am Zielsystem die entsprechenden Bibliotheken nachinstallieren oder selbst kompilieren [2] – das führt aber die Idee der überall einsetzbaren portablen Applikationen ad absurdum, weswegen wir von dieser Variante abgesehen haben. Offiziell unterstützen die Portable Linux Apps derzeit übrigens auch nur die Distributionen Ubuntu 10.04, OpenSuse 11.3 und Fedora 12. Mit früheren Versionen schauen Sie eventuell in die Röhre, auch wenn im Test auf Ubuntu 8.04 zumindest die portable Firefox-Variante funktionierte.

Auf unserem aktuellen 32-Bit-System verlief der Start hingegen reibungslos. Die Installation der einzelnen Programme geht dabei einfach von der Hand – USB-Stick anstecken, Programm von der Webseite herunterladen, auf den mobilen Datenspeicher kopieren, das Programm als ausführbar markieren – fertig. Haben Sie gerade keinen Stick zur Hand oder möchten die Programme erst lokal testen, dann kopieren Sie die Dateien einfach in einen beliebigen Ordner auf der Festplatte.

Welcher USB-Stick?

USB-Sticks gibt es mittlerweile ab wenigen Euro im Handel, die Qualitätsunterschiede fallen jedoch groß aus. Achten Sie darauf, ein Markenfabrikat zu kaufen – das stellt sicher, dass Ihre Daten lange halten und dass die Zugriffszeiten Ihnen den Spaß am Programm nicht verderben. Gerade bei Software, die aus vielen kleinen Dateien besteht, wird der Programmstart sonst zur Geduldsprobe.

Die Installation am Beispiel Firefox

Am Beispiel der Betaversion von Firefox 4.0 zeigen wir Ihnen exemplarisch den Ablauf der Installation. Dabei wird schnell eine weitere Anwendung von Portable Linux Apps deutlich – die Installation von mehreren Programmversionen gleichzeitig. Derzeit ist Firefox 3.6 aktuell – die Version, die Ubuntu standardmäßig auch mit ausliefert. Wenn Sie schon vorab einen Blick auf die neue Version werfen möchten, ohne dabei Ihr System mit Betaversionen zu belasten, laden Sie einfach die portable Version herunter.

Dazu klicken Sie auf der Homepage des Portable-Linux-Apps-Projekts auf die Schaltfläche mit der Aufschrift Firefox 4.0b1 und speichern die Datei in einem Verzeichnis Ihrer Wahl. Öffnen Sie danach dieses Verzeichnis und klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das soeben heruntergeladene Programm. Im Kontextmenü wählen Sie nun den Punkt Eigenschaften (Abbildung 1). Aktivieren Sie auf der Registerkarte Zugriffsrechte den Punkt Datei als Programm ausführen und bestätigen Sie durch die Schaltfläche Schließen (Abbildung 2). Sie können auch mehrere Dateien gleichzeitig markieren und sie ausführbar machen. Falls Sie lieber die Kommandozeile benutzen, greifen Sie einfach auf den Befehl chmod a+x zurück.

Abbildung 1: Bevor Sie das Programm starten können…
Abbildung 2: …müssen Sie es noch als ausführbar kennzeichnen.

Durch Doppelklick auf das Symbol mit dem Namen Firefox 4.0b1 öffnen Sie den Mozilla-Browser – aber nur dann, wenn noch keine andere Instanz läuft. Ein Parallelbetrieb der Versionen 3.6 und 4.0b1 gelang im Test nicht, es kann immer nur eine Variante zur gleichen Zeit aktiv sein.

Nach kurzer Startzeit präsentiert sich die aktuelle Firefox-Beta (Abbildung 3). Unschön: Firefox fragt beim ersten Start, ob es der Standard-Browser werden soll – das macht bei einer portablen Version keinen Sinn und zerstört im schlimmsten Fall sogar das Systemprofil. Ebenso wenig bedacht haben die Autoren der Portable Linux Apps, den Update-Hinweis zu deaktivieren: Firefox möchte regelmäßig eine Aktualisierung einspielen, was jedoch selbst mit Root-Rechten nicht funktioniert – nervig.

Abbildung 3: Es ist geschafft – Firefox 4.0b1 als portable Variante.

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