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Linux Mint auf "Testing"-Basis

Ungebremst

Debian ist Ihnen zu ideologisch und Ubuntu zu langweilig? Kein Problem: Die neue Linux Mint Debian Edition kombiniert ein Bleeding-Edge-System mit Komfort und einem pragmatischen Umgang mit Treibern.

Seit geraumer Zeit sichert sich Linux Mint [1] auf der Linux-Rangliste von Distrowatch [2] einen Platz in den oberen Regionen, aktuell steht es sogar an dritter Stelle nach Ubuntu und Fedora. Das sagt nichts über die tatsächliche Anzahl der genutzten Installationen aus, doch es zeigt, dass sich die Distribution über die Jahre hinweg eine große Community erarbeitet hat. Linux Mint setzt auf Ubuntu als Unterbau und fügt dem System neben eigenen Werkzeugen auch proprietäre Codecs und Treiber hinzu. Vieles, was man bei anderen Distributionen erst mühselig nachrüsten muss, funktioniert unter Mint also sofort. So haben insbesondere Einsteiger schnell und ohne steile Lernkurve Spaß mit Linux.

Debian-Edition

Anfang September hat die Mint-Familie mit der Linux Mint Debian Edition (kurz: LMDE) [3] Zuwachs bekommen. Die Mint-Entwickler wollen auf Basis von Debian eine Rolling-Release-Distribution etablieren, die dank des sich fortwährend erneuernden Software-Pools von Debian "Testing" immer aktuell ist, sich aber aufgrund der Beigaben von Linux Mint einfacher installieren und warten lassen soll. Die Mint-Entwickler betrachten die Debian-Edition diesbezüglich als Experiment, mit dem Sie entsprechende Erfahrungen sammelt wollen. Von daher gibt es LMDE auch ausschließlich als 32-Bit-Version mit Gnome als Desktop. Bewährt sich der Debian-Unterbau und steht erst einmal die komplette Funktionalität von Linux Mint auch in LMDE zur Verfügung, sollen jedoch auch andere Desktops und Architekturen einfließen.

Dass es sich bei der Linux Mint Debian Edition tatsächlich um einen Ableger von Debian "Testing" handelt, offenbart schon ein Blick in die Paketliste unter /etc/apt/sources.lst (Abbildung 1). Zusätzlich haben die Mint-Entwickler noch Quellen für die Mint-eigenen Tools sowie für Debian Multimedia [4] eingebaut. Aus den letzteren zieht Mint bei der Installation automatisch proprietäre Software wie Adobe Flash oder DivX nach, sodass LMDE von Haus aus die gebräuchlichsten Multimedia-Formate abspielen kann.

Abbildung 1: Die Paketlisten von Linux Mint Debian Edition.

Eigens für die Debian-Edition zauberten die Entwickler einen Installer [5], der die Distribution von der Live-CD auf die Festplatte bannt. Die Systemeinrichtung verläuft kaum anders als bei anderen Linux-Distributionen oder auch beim Standard-Mint. LMDE vereinfacht so die Installation einer auf Debian aufbauenden Distribution deutlich. Zur Partitionierung der Festplatte kommt das bekannte graphische Frontend GParted zum Einsatz – sicherlich kein schlechtes Programm, doch die Installationsroutinen von Ubuntu oder Fedora bieten Partitionseditoren an, die den Anwender hier besser unterstützen.

Eigenheiten

Nach dem ersten Start präsentiert sich LMDE im bekannten grünen Mint-Look mit Gnome als Desktop. Bis auf den Bootprozess gibt sich das Design der Linux Mint Debian Edition aus einem Guss. Da aber Plymouth als Splashscreen den Entwicklern noch zu experimentell war, Usplash oder Splashy dagegen zu veraltet, verzichten sie lieber komplett auf einen Bootsplash. Auf dem Desktop positioniert LMDE nur ein Panel am unteren Rand und nutzt das hauseigene Startmenü. Dadurch bleibt besonders auf kleineren Displays mehr Platz für Anwendungen, ohne dass der Verzicht auf das Gnome-typische zweite Panel den Platz für Applets oder das Benachrichtigungsfeld schmälert.

LMDE liefert wie angesprochen ein paar Programme mit, die von den Entwicklern von Linux Mint selbst entworfen beziehungsweise deutlich ergänzt wurden (Abbildung 2). Der Software-Manager zeigt zum Beispiel eine Wertung aus der Community sowie Screenshots der Programme an. Außerdem installiert er Anwendungen dezent im Hintergrund, sodass man währenddessen weiter im Programmfundus stöbern und zusätzliche Anwendungen einrichten lassen kann.

Abbildung 2: Die eigens für Linux Mint entwickelten Tools.

Im Vergleich zu Ubuntu oder dem Standard-Mint fehlt jedoch der von Canonical entwickelte Hardware-Manager zur Installation proprietärer Treiber für Grafikkarten von ATI/AMD und Nvidia oder für gewisse WLAN-Chipsätze. Gerade beim Einrichten von Grafiktreibern fällt diese Lücke unangenehm auf. Immerhin liefert LMDE eine grafische Anwendung für den Ndiswrapper mit, sodass man WLAN-Treiber für Windows auch unter Linux nutzen kann.

Zusätzlich mit an Bord hat LMDE auch die aus Mint bekannten Programme zum Blockieren ganzer Internet-Domains, zum Erstellen von Backups sowie einen Upload-Manager.

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