AA_mosaic_ale_paiva_sxc_1288397.jpg

© Ale Paiva, sxc.hu

Desktop-Mosaik

Effizient Arbeiten mit dem Windowmanager Bluetile

11.10.2010
Mit dem Windowmanager Bluetile schalten Sie blitzschnell zwischen Fenstern um und bringen ruck-zuck Übersicht in das Fensterchaos auf dem Desktop.

Windowmanager verwalten die Fenster der Applikationen. Unter Linux setzen sie auf die Struktur des X-Window-Systems auf, funktionieren grundsätzlich aber auch mit einem anderen Unterbau – wie etwa beim Quartz Compositor von Apple. Der modulare Aufbau des X-Window-Systems erlaubt es jedoch, Komponenten auszutauschen und durch ähnliche Software mit neuen oder anderen Features ersetzen, so auch den Windowmanager.

Die Vielfalt der Windowmanager für Linux gliedert sich grob in zwei Kategorien: Die Stacking-Windowmanager wie KWin (KDE), Metacity (Gnome) oder XFWM4 (XFCE) spielen sehr gut mit der Maus zusammen, positionieren Fenster frei und überlagern diese auf dem Desktop, so dass diese einen virtuellen Stapel (engl.: "stack") bilden.

Die andere Gruppe, die Tiling-Windowmanager, bedienen Sie optimalerweise über die Tastatur. Bei Positionieren verhindern diese das Überlappen von Fenstern weitgehend. Zu den typischen Vertretern gehören WMII2, Ratpoison, Awesome und Xmonad. Auf den ersten Blick bieten sie kaum Komfort, punkten aber bei der Effizienz und stehen daher besonders bei erfahrenen Nutzern hoch im Kurs.

Tiling-Windowmanager passen das Layout automatisch an die momentane Anzahl der Fenster an, wodurch diese die jeweils maximal mögliche Größe erhalten. Teilweise erlauben diese Fenstermanager über sehr aufwändige Konfigurationen zusätzliche Features, die manchmal mehr bieten als Metacity oder andere Stacking-Windowmanager. Das setzt aber oft ein erhebliches Einarbeiten in die Optionen voraus.

Das Beste zweier Welten

Das Beste aus beiden Welten verbinden – das gehört zu den erklärten Zielen von Bluetile [1]. Er möchte ein einfacher Tiling-Windowmanager sein, der ohne große Konfiguration funktioniert und dabei neben einer durchgängigen Tastenbedienung ausgereiften Maus-Support bietet. Das Programm findet sich noch nicht in allen Repositories, daher stellen die Entwickler Links zu verschiedenen Paketen bereit (siehe Kasten "Installation").

Installation

Auf der Homepage des Bluetile-Projekts stehen neben dem Quellcode des Programms Links zu verschiedenen Archivpaketen bereit. So enthält beispielsweise Debian "Sid" Bluetile direkt im Repository; für Ubuntu 10.04 "Lucid Lynx" sowie 10.10 "Maverick Meerkat" gibt es 32- und 64-Bit-Archive. In manchen Fällen moniert das Paketsystem fehlende Abhängigkeiten: Es fehlen die Bindings für Haskell zu Gtk und Glade. Unter Ubuntu 10.04 ließ sich das Paket aber reibungslos installieren.

Als Zielgruppe visieren die Entwickler die Anwender an, die einen Tiling-Windowmanager ausprobieren möchten, um herauszufinden, ob so etwas wie TWM ihnen beim Arbeiten nutzt, die aber nicht viel Zeit und Aufwand beim Einrichten investieren möchten, sondern schnell mit dem Ausprobieren beginnen wollen [2].

Bluetile setzt voraus, dass Sie sich im Umgang mit dem Computer wohlfühlen und aktiv virtuelle Desktops verwenden oder zumindest von deren Existenz wissen. Mehr bedarf es aber für den Umgang zum Beispiel mit Gnome auch nicht. Daher eignet sich Bluetile durchaus dazu, Metacity direkt zu ersetzen [3].

Erste Schritte

Sie starten Bluetile in einem Terminal. Das Programm übernimmt die Kontrolle, wozu es den laufenden Windowmanager beendet, ihn sich aber merkt. Bereits geöffnete Fenster bleiben zwar erhalten, Bluetile vergisst jedoch, auf welchem virtuellen Desktop diese sich befanden und ordnet alle auf dem ersten virtuellen Desktop neu an (Abbildung 1). Von diesem verschieben Sie sie aber relativ unkompliziert mit der Maus im Arbeitsflächenumschalter oder einem ähnlichen Pager-Applet auf einen der voreingestellt zehn neuen virtuellen Desktops.

Abbildung 1: Beim Start beendet Bluetile einen aktiven Windowmanager und ordnet alle Fenster auf dem ersten virtuellen Desktop an.

Zusätzlich öffnen sich zwei neue Fenster: Ganz links ein vertikales Panel und ein interaktives Hilfefenster (Welcome to BlueTile!) in der Bildschirmmitte. Letzteres enthält einige grundlegende Informationen und einen Schalter mit der Beschriftung Open a few windows, mit dem Sie einen einfachen Demomodus starten. Ein Klick auf die Schaltfläche Let's start tiling! schließt das Fenster.

Direkt nach dem Start simuliert Bluetile einen Stacking-Windowmanager und ordnet die Fenster überlappend an. Jetzt kommt das Panel ins Spiel: Es enthält ein eigenes Pager-Applet (Wrkspc). Darunter stehen vier Standardlayouts für die Fenster bereit, versehen mit den Buchstaben A, S, D und F.

Beim ersten Start ist das Layout A aktiv; die Fenster erscheinen im Stacking-Modus. Über die Schaltfläche S ordnen Sie ein großes Fenster horizontal oben an und den Rest darunter nebeneinander (Abbildung 2). Analog – aber vertikal orientiert – funktioniert das Layout D (Abbildung 3). Wenn es darum geht, ein bestimmtes (das momentan aktive) Fenster zu maximieren, ist der F-Modus ("Fullscreen") richtig (Abbildung 4). Jeder virtuelle Desktop darf dabei ein eigenes Layout erhalten.

Abbildung 2: Eines der Standardlayouts von Bluetile bietet Ihnen die Möglichkeit, ein Fenster auf die gesamte Breite aufzuziehen. Der Rest der Fenster erscheint darunter horizontal angeordnet.
Abbildung 3: Der vertikale Modus erlaubt es, die Fenstergrößen via Maus zu verändern.
Abbildung 4: Das aktuell aktive Fenster nimmt den vollen Bildschirm ein, alle anderen Fenster versteckt Bluetile derweil.

Beim ersten Start unter Ubuntu 10.04 verhakte sich die Software mit den Keybindings von Gnome. So öffnete [Windows]+[S] das Menü zum Abmelden oder Ausschalten oben rechts im Panel. Erst ein Restart von Bluetile sorgte dafür, das alle Tastenkombinationen wie gewünscht funktionierten. Außerdem vervielfachte sich die Anzahl der voreingestellten Desktops des Gnome-Pager-Applets. So entstanden auf dem Testsystem scheinbar 40 Arbeitsflächen, doch nur 10 davon (jede vierte) ließ sich anspringen. Da steckt der Teufel anscheinend noch im Detail.

Möchten Sie bei den voreingestellten Layoutmodi, die einen Hauptbereich und einen Bereich für die verkleinerten Fenster vorsehen, das Hauptfenster austauschen, reicht es aus, mit der Maus das gewünschte Fenster an der Titelleiste in den großen Bereich zu ziehen. Sofort tauschen beide ihre Position. Ebenfalls mit der Maus verändern Sie die Fenstergrößen horizontal wie vertikal, wobei dies alle nebeneinander liegende Fenster beeinflusst.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

  • Window-Manager Wmii
    Moderne Window-Manager setzen ganz auf die Bedienung mit der Maus. Solche, die sich über die Tastatur bedienen lassen, bieten entweder kaum Features oder sind zu kompliziert für Einsteiger. Wmii vereint die Gegensätze.
  • Herr der Fenster
    Der Windowmanager Awesome soll extrem schnell, klein und dynamisch, kurz fantastisch sein – Grund genug, ihn einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.
  • LinuxUser 11/2010 ab heute am Kiosk
    Zu den Themen des aktuellen Hefts zählen unter anderem das Aufzeichnen, Verwalten und Präsentieren von Geodaten, das WeTab, Portable Apps für Linux und die ersten Sekunden nach dem Booten eines Linux-PCs.
  • Jo´s alternativer Desktop
    Wie Ihr Linux-Desktop aussieht, bestimmen allein Sie. Mit deskTOPia nehmen wir Sie regelmäßig mit auf die Reise ins Land der Window-Manager und Desktop-Umgebungen, stellen Nützliches und Farbenfrohes, Hingucker und hübsches Spielzeug vor. Nach drei Ausflügen in die Welt der GNOME wird es nun Zeit für einen Blick über den Tellerrand - schließlich hat Linux mehr zu bieten als den Anzug von der Stange.
  • deskTOPia: Effizienter Desktop mit FVWM
    Oberste Maxime bei der Arbeit sollte sein, dass der Computer sich dem Menschen anpasst und nicht umgekehrt. Gerade in Sachen Flexibilität und Konfigurierbarkeit hat einer der ältesten und dennoch modernsten Fenstermanager die Nase vorn – FVWM.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 11/2014: VIDEOS BEARBEITEN

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Tim Schürmann, 24.06.2014 12:40, 0 Kommentare

Wer mehrere nützliche Live-Systeme auf eine DVD brennen möchte, kommt mit den Startmedienerstellern der Distributionen nicht besonders weit: Diese ...

Aktuelle Fragen

Artikelsuche
Erwin Ruitenberg, 09.10.2014 07:51, 1 Antworten
Ich habe seit einige Jahre ein Dugisub LinuxUser. Dann weiß ich das irgendwann ein bestimmtes Art...
Windows 8 startet nur mit externer Festplatte
Anne La, 10.09.2014 17:25, 6 Antworten
Hallo Leute, also, ich bin auf folgendes Problem gestoßen: Ich habe Ubuntu 14.04 auf meiner...
Videoüberwachung mit Zoneminder
Heinz Becker, 10.08.2014 17:57, 0 Antworten
Hallo, ich habe den ZONEMINDER erfolgreich installiert. Das Bild erscheint jedoch nicht,...
internes Wlan und USB-Wlan-Srick
Gerhard Blobner, 04.08.2014 15:20, 2 Antworten
Hallo Linux-Forum: ich bin ein neuer Linux-User (ca. 25 Jahre Windows) und bin von WIN 8 auf Mint...
Server antwortet mit falschem Namen
oin notna, 21.07.2014 19:13, 1 Antworten
Hallo liebe Community, Ich habe mit Apache einen Server aufgesetzt. Soweit, so gut. Im Heimnet...