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© ilco, sxc.hu

Globalisierung

Dreidimensionaler Atlas Marble

12.10.2010
Bislang zählt Geografie typischerweise nicht zu den Favoriten der Schüler. Dies könnte sich dank Marble und Linux ändern.

So gut wie jeder kennt das vom Internet-Boliden Google entwickelte dreidimensionale topografische Programm Google Earth. Das aus dem KDE-Education-Fundus stammende Programm Marble fristet dagegen bislang ein Nischendasein, obwohl es einen ähnlichen Funktionsumfang bietet wie Google Earth und diesem sogar in einigen Bereichen überlegen ist.

Marble findet bereits in den Repositories der gängigen Linux-Distributionen. Da es sich um ein ursprünglich für den KDE-Desktop entwickeltes Programm handelt, benötigt es die Qt-Bibliotheken. Deshalb empfiehlt es sich unbedingt, die Software über den jeweiligen Paketmanager zu installieren, da dieser die vielfältigen Abhängigkeiten des Programms automatisch auflöst. Möchten Sie Marble erst einmal ohne Installation kennenlernen möchten, bieten sich auf der Website des Projektes gleich zwei freie ISO-Images [1] zum Generieren von Live-CDs an.

Los geht's

Nach erfolgreicher Installation von rund 200 MByte an Dateien finden Sie unter Gnome einen Eintrag Marble im Untermenü Anwendungen | Bildung, unter XFCE logiert das entsprechende Pendant im Hauptmenü unter Bildung | Geographie. Ein Klick auf den Starter öffnet nach kurzer Ladezeit ein unspektakulär wirkendes Programmfenster (Abbildung 1).

Abbildung 1: Sofort startklar. Das übersichtliche Marble-Programmfenster.

Im linken Fensterbereich sehen Sie senkrecht eine Navigationsleiste mit untereinander angeordneten Reitern, während rechts den wesentlich größeren Bereich eine Erdkugel einnimmt. Wie auch bei den Google-Karten zoomen Sie mit einem Schieberegler in den Globus hinein oder heraus und drehen mit vier in den jeweiligen Himmelsrichtungen angeordneten Pfeiltasten den Atlas in die gewünschte Richtung. Zusätzlich können Sie in der Standardansicht in ein Eingabefeld Ortsnamen eingeben, woraufhin Marble die gesuchten Lokalitäten in der topografischen Ansicht dreidimensional anzeigt.

Erscheint Ihnen die dreidimensionale Darstellung zu aufwendig, wählen Sie stattdessen eine bandförmige zweidimensionale Ansicht. Die erreichen Sie im untersten Reiter Kartenansicht im linken Bereich des Programmfensters. Dort stellen Sie im Feld Projektion das Auswahlfeld von Globus auf Flache Karte um.

Um alle Informationen zu einem gewünschten Ort zu erhalten, lassen Sie Marble – einen funktionierenden Internet-Zugang vorausgesetzt – zusätzliche Bilder und Angaben zur aktuellen Wettersituation anzeigen. Dieses Feature ist insbesondere dann von Interesse, wenn Sie beispielsweise Ihren Urlaub planen und Sehenswürdigkeiten am Zielort vorab kennenlernen möchten.

Die Anzeige der aktuellen Temperatur- und Wetterwerte ebenso wie die Darstellung von hochauflösenden Fotos aktivieren Sie im Menü Ansicht | Online Dienste durch Ankreuzen der gewünschten Optionen. In diesem Menü findet sich unter dem Eintrag Wikipedia ein weiteres Schmankerl: Nach Ankreuzen dieser Option lädt die Software zu den gewünschten Orten die entsprechenden Einträge aus der Online-Enzyklopädie. Marble kennzeichnet diese durch einen kleinen Kreis mit einem darin befindlichen Buchstaben W. Ein Linksklick darauf fördert alle zum jeweiligen Stichwort verfügbaren Wikipedia-Einträge zutage (Abbildung 2).

Abbildung 2: Infos zuhauf dank Wikipedia – hier für die Stadt Frankfurt/Main.

Auch zu kleineren und weniger bekannten Orten, die in Marble keinen Wikipedia-Kreis aufweisen, können Sie die Daten aus dem Online-Lexikon abfragen. Dazu klicken Sie einfach mit der linken Maustaste auf den gewünschten Ort und anschließend im sich öffnenden Fenster auf den Ortsnamen. Die Software bietet nun in einem gesonderten Marble Info Center im Reiter Datenblatt zunächst grundlegende statistische Informationen, während der zweite Reiter Wikipedia die entsprechende Seite des Lexikons anzeigt – inklusive dort vorhandener grafischer Informationen und Bilder (Abbildung 3).

Abbildung 3: Eintrag aus der Wikipedia über die Stadt Marburg/Lahn in Marble.

Ansichtssache

Falls Ihnen einzelne Kartensymbole nicht geläufig sind, schlagen Sie diese durch einen Klick auf den Reiter Legende im linken Bereich des Programmfensters nach. Ein Klick auf das darunter angeordnete Register Kartenansicht öffnet eine senkrecht angeordnete Liste von möglichen Darstellungsformen des Globus. Außer mit der herkömmlichen topografischen Ansicht können Sie Ihr Informationsbedürfnis hier beispielsweise mit einer Satellitendarstellung, der Abbildung der Erde bei Nacht oder auch einer aktuellen Niederschlagskarte mit Wettervorhersage für die nächsten drei Tage befriedigen (Abbildung 4).

Abbildung 4: Kräht der Gockel auf dem Mist … zeigt Marble, wie das Wetter ist.

Etwas ungewöhnlich für einen elektronischen topographischen Atlas wie Marble ist die Option, einen Globus des Jahres 1689 betrachten zu können. Durch Auswahl der Option Historische Karte 1689 im Menü Kartenansicht öffnet Marble eine historische Erdkugel, die wie die aktuelle Version gedreht werden kann. Auch das Hinein- und Hinauszoomen ist möglich. Somit kommt auch der historisch Interessierte zu seinen Informationen.

Interessieren Sie weniger die topographischen, historischen oder klimatischen Gegebenheiten als vielmehr eine solide Straßenkarte für den nächsten Wochenendurlaub, enttäuscht Marble Sie ebenfalls nicht. Im Reiter Kartenansicht finden Sie den vielsagenden Eintrag OpenStreetMap, der in eine Weltkugel mit Verkehrsverbindungen verzweigt. Die aktuellen Daten generiert Marble online, so dass Sie nicht etwa veraltete Straßenkarten zu sehen bekommen, sondern stets die neuesten vom Openstreetmap-Projekt gewonnenen Daten erhalten (Abbildung 5).

Abbildung 5: Ersetzt den guten alten Straßenatlas: Marbles Openstreetmap-Anzeige.

Nicht erst, seit Ausflüge ins All auch für Privatpersonen erschwinglich werden, möchte so mancher auch Ortskenntnisse auf dem Mond erwerben – mit Marble kein Problem: Sobald Sie im Reiter Kartenansicht das Auswahlfeld Himmelskörper von Erde auf Mond umstellen, stellt das Programm den Erdtrabanten in gewohnter Manier dreidimensional und drehbar dar. Einzelne in roter und weißer Schrift dargestellte markante Punkte lockern das ansonsten eintönig staubgraue Erscheinungsbild auf. Auch für den Mond implementiert Marble die Zoom- und Suchfunktionen vollständig, für weitergehende Informationen steht erneut die Online-Enzyklopädie Wikipedia bereit. Damit gestattet Marble auch interessante virtuelle Streifzüge auf Luna (Abbildung 6).

Abbildung 6: Marble ermöglicht den virtuellen Rundgang auf dem Mond.

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