Befehlsgewalt

Die übrigen kryptischen Parameter hinter root= lösen im Kernel beim Startvorgang ganz bestimmte Aktionen aus (Abbildung 10). Beispielsweise schalten apm=off und acpi=off das Powermanagement aus, was gerade auf einigen Notebooks Hänger vermeidet. Ebenfalls helfen manchmal noapic und nolapic, mit denen man (vereinfacht gesprochen) die automatische Hardware-Einrichtung deaktiviert [2]. Eine Liste mit weiteren Parametern finden Sie unter anderem unter [3].

Abbildung 10: Die meisten Grub-Legacy-Bildschirme zeigen die zusätzlichen Kernel-Parameter in einem Eingabefeld am unteren Rand an. Dort hängen Sie eigene Parameter einfach an oder löschen vorhandene.

Während der Linux-Kernel nach und nach die Treiber lädt, spuckt er auf dem Bildschirm zahlreiche Statusmeldungen aus. Diese bei Problemen hilfreichen Informationen verstecken die meisten Distributionen unter einem schicken Ladebildschirm, dem sogenannten Splashscreen. Dieses Bild lädt der Kernel selbst aus der initrd; später startet ein Linux-Programm, das den schick animierten Ladebalken anzeigt. In den meisten Distributionen übernimmt diese Aufgabe Plymouth, früher kam gerne Usplash zum Einsatz.

Um bei Problemen wieder freie Sicht auf die Textmeldungen zu erhalten, drücken Sie die Taste [Esc]. Hilft das nichts, rufen Sie entweder im Bootmenü den Failsafe-Eintrag auf – der aber noch ein paar andere Funktionen deaktiviert – oder übergeben dem Kernel den Parameter splash=no. Bei Ubuntu muss man hingegen den Parameter splash streichen.

Ausblick auf Altlasten

Sobald Linux die Festplatte eingebunden hat, startet es dort immer das Programm init (Abbildung 11). Das wiederum klappert zahlreiche Skripte ab, die grundlegende Dienste starten, Treiber nachholen, das Netzwerk hochfahren und schließlich die grafische Oberfläche aktivieren. Unter anderem OpenSuse nutzt noch das alte System-V-Init. Das hat den Nachteil, dass es alle Dienste nacheinander startet. Ist beispielsweise das Netzwerk noch nicht einsatzbereit, dreht der Rest des Rechners Däumchen. Die designierten Nachfolger Upstart und Systemd starten hingegen viele Dienste parallel, was wiederum den Bootvorgang entsprechend beschleunigt. Was dabei genau passiert, erklären zwei weitere Artikel in den nächsten Ausgaben von LinuxUser. 

Abbildung 11: Wie top zeigt, erhält init als erstes laufendes Programm die Prozess-ID 1. Es lässt sich auch nicht einfach mit dem kill-Kommando abschießen.

Infos

[1] Neuerungen und Fallstricke in Grub 2: Andreas Bohle, "Ladehemmung", LinuxUser 01/2010, http://www.linux-community.de/artikel/19918

[2] Advanced Programmable Interrupt Controller: http://de.wikipedia.org/wiki/Advanced_Programmable_Interrupt_Controller

[3] Wichtige Kernel-Parameter im Überblick: http://wiki.ubuntuusers.de/Booten

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