Restaurierung

Um einen zerstörten Grub zu reanimieren, starten Sie eine Linux Live-CD, öffnen ein Terminal-Fenster und mounten die Partition mit dem Linux-System:

$ sudo mount /dev/sda1 /mnt

In diesem Beispiel liegt Linux auf der ersten Partition der ersten Festplatte (/dev/sda1), der Einhängepunkt heißt /mnt. sudo fdisk -l liefert zuvor Hinweise auf den Namen der korrekten Partition, mnt legen Sie gegebenenfalls an (sudo mkdir /mnt). Als nächstes blenden Sie das laufende System für das Terminal aus, indem Sie eine so genannte Chroot-Umgebung schaffen (Listing 1). Damit stellen Sie sicher, dass Grub gleich nicht versehentlich die Einstellungen des Rettungssystem übernimmt.

Listing 1

$ sudo mount -o bind /dev /mnt/dev
$ sudo mount -o bind /proc /mnt/proc
$ sudo chroot /mnt

Als nächstes gilt es herauszufinden, welche Grub-Version auf der Festplatte schlummert. Im Fall des alten Grub Legacy, wie er beispielsweise in OpenSuse bis Version 11.3 zum Einsatz kommt, schreiben Sie den Bootloader mit

$ sudo grub-install --root-directory=/mnt/boot /dev/sda

wieder an den Anfang der ersten Festplatte. Bei Grub 2, wie ihn Ubuntu verwendet, untersucht das Kommando update-grub zunächst die Festplatte nach weiteren Betriebssystemen und erstellt das Menü. Anschließend schreiben Sie das Ergebnis per

# grub-install /dev/sda

an den Anfang der ersten Festplatte. Falls dabei eine Fehlermeldung erscheint, probieren Sie es mit

# grub-install --recheck /dev/sda

erneut. Einen anderen Weg, Grub zu reanimieren, sollten Sie nicht beschreiten: Andernfalls laufen Sie immer Gefahr, die Partitionstabelle zu zerstören. Bekommt sie auch nur einen Kratzer ab, sind restlos alle Daten auf Ihrer Festplatte verloren.

Besuch beim Pinguin

Liegen keine Fehler vor, versucht Grub das gewählte Betriebssystem zu starten. Im Fall von Linux betritt der Bootloader dazu auf die Partition mit dem Linux-System (die so genannte Root-Partition), wechselt ins Verzeichnis /boot und lädt dort den Betriebssystemkern, englisch: Kernel. Der liegt für gewöhnlich stark komprimiert in der Datei vmlinuz. Nachdem Grub ihn im Hauptspeicher entpackt hat, startet er den Kernel und übergibt ihm die volle Kontrolle über den PC. In dieser Phase kann es gleich an mehreren Stellen klemmen.

Dateisysteme sorgen dafür, dass auf einer Festplatte kein Datensalat entsteht. Sie legen fest, auf welche Art und Weise die Dateien wo auf einem Datenträger landen. Dummerweise gibt es sie wie Sand am Meer: Windows nutzt NTFS, die Linux-Distributionen bevorzugen derzeit Ext3 und Ext4. Damit Grub ein Betriebssystem nachladen kann, muss er das entsprechende Dateisystem kennen – das ist aber nur bei ein paar Dutzend etablierten Exemplaren der Fall. Möchten Sie Linux beispielsweise auf dem neuen Btrfs installieren, müssen Sie die Festplatte aufteilen und extra eine kleine Boot-Partition mit Ext3/4 schaffen, in der alle notwendigen Startdateien von Linux einschließlich des Kernels liegen – und das, obwohl Linux selbst Treiber für Btrfs mitbringt.

Als nächstes muss Grub den korrekten Dateinamen des Linux-Kernels kennen. Die meisten Distributionen erstellen im Verzeichnis /boot einen symbolischen Link vmlinuz auf die eigentliche Datei vmlinuz-Kernelversion. Sehen Sie zwar das Grub-Menü, nach der Auswahl eines Punktes aber nur noch Schwarz, dann sollten Sie die Einstellungen hinter dem entsprechenden Menüeintrag kontrollieren.

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