Speisenkarte

Steht das Startlaufwerk fest, sucht das BIOS an seinem Anfang nach einem Miniprogramm, dem so genannten Bootloader. Er lädt und startet wiederum das eigentliche Betriebssystem. Aktuelle Distributionen installieren meist den Grand Unified Bootloader, kurz Grub. Er stellt alle auf der Platte liegenden Betriebssysteme in einem Menü zur Auswahl (Abbildung 4). Neben Grub gibt es noch viele weitere Bootloader, die sich teilweise auf unterschiedliche Einsatzzwecke spezialisiert haben. So startet Isolinux Live-Systeme von CD oder DVD, Syslinux vorzugsweise Rettungssysteme von Diskette oder USB-Sticks, während U-Boot eingebettete Systeme hochfährt. Jongliert ein Bootloader wie Grub mehrere Betriebssysteme, bezeichnet man ihn auch als Bootmanager.

Abbildung 4: Grub 2 unter Ubuntu 10.04 bieten nur ein recht karges Menü.

In freier Wildbahn trifft man Grub derzeit in zwei Geschmacksrichtungen an: Die ältere Fassung, auch als Grub 0.98 oder Grub Legacy bekannt, startet beispielsweise OpenSuse. Der komplett neu entwickelte und nun modular aufgebaute Grub 2 hat noch nicht ganz den Funktionsumfang seines Vorgängers. Da er aber das Ext4-Dateisystem kennt, hat unter anderem Ubuntu ihn mit an Bord genommen. Grub 2 darf der Distributor noch über sogenannte Themes aufbrezeln. Damit der alte Grub Legacy eine hübsche Optik wie in Abbildung 5 bietet, mussten ihn die Distributoren noch mit dem Programmpaket Gfxboot aufbohren.

Abbildung 5: Hier werkelt Grub Legacy unter OpenSuse 11.3.

Bühnenreif

Direkt hinter dem Bootloader liegt in den ersten 512 Byte einer Festplatte die Partitionstabelle, in der die Aufteilung der Festplatte hinterlegt ist. Das gesamte Gebilde bezeichnet man als Master Boot Record, kurz MBR. Andere Computersysteme, wie etwa aus dem Hause Apple, verwenden hier unter Umständen einen abweichenden Aufbau.

512 Byte sind nicht besonders viel. Aus diesem Grund liegt dort nur ein kleiner Teil von Grub, die sogenannte Stage 1. Sie sucht auf der Festplatte den Rest von Grub, Stage 2. Sofern dieser zweite Teil in einer Datei liegt (meist unter /boot auf der Linux-Partition), lädt Stage 1 erst noch einen Dateisystemtreiber Stage 1.5 nach. Bei Grub 2 entfällt durch den modularen Aufbau Stage 1.5: Hier besitzt bereits Stage 1 alle notwendigen Kenntnisse.

Liegt nur Linux auf der Platte, bekommen Sie Grub bei einigen Distributionen wie Ubuntu gar nicht mehr zu Gesicht. In diesem Fall erzwingen Sie die Anzeige des Menüs, indem Sie direkt nach dem Einschalten des Computers die [Umschalt]-Taste gedrückt halten. Einen defekten Grub erkennen Sie daran, dass sich kein Menü zeigt oder nach einer Meldung der Art GRUB Loading stage 2.. das System steht. Eine Ausfallursache sind häufig andere Bootloader, die Grub einfach von der Festplatte werfen. Können Sie hingegen das Menü noch aufrufen beziehungsweise sehen, kann Grub Linux aus irgend einem Grund nicht laden (dazu mehr im Abschnitt "Besuch beim Pinguin").

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