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Rundgehämmert

Wichtige Neuerungen von KDE SC 4.5

23.09.2010 Es tut sich was beim KDE-Projekt: Die Entwickler arbeiten mit viel Elan an zahlreichen Verbesserungen und stabilisieren zugleich die bestehenden Funktionen. Das Resultat spricht für sich.

Das KDE-Projekt bringt im Monatsrhythmus neue Unterversionen sowie alle sechs Monate eine neue Hauptversion der KDE Software Compilation heraus. Das ursprünglich für den 4. August geplante Release der KDE SC 4.5 verschoben die Entwickler kurzfristig um eine Woche, um die nach dem dritten Release Candidate aufgetauchten Fehler in aller Ruhe zu beheben. Das Warten hat sich gelohnt: Version 4.5 macht einen sehr soliden Eindruck.

Unter der Haube

Nach langem Hin und Her um die Frage KHTML oder Webkit bringt KDE 4.5 zum ersten Mal die HTML-Engine Webkit als eigene KParts-Bibliothek mit. Den Vorgänger KHTML haben die Entwickler um XPath-Abfragen erweitert; er bleibt vorerst Standard.

Möchten Sie Webkit anstelle von KHTML einsetzen, öffnen Sie die KDE-Systemeinstellungen und starten das Modul Dateizuordnungen. Geben Sie hier im Suchfeld html ein, zeigt es zwei Treffer an. Klappen Sie die Einträge unter text aus, markieren Sie den Eintrag html und wechseln Sie rechts auf den Reiter Einbetten. Hier stellen Sie nun WebKit (Kwebkitpart) über den Eintrag KHTML (khtml).

Einen Performance-Vorteil versprechen sich die Entwickler von KSharedDataCache. Über diesen Zwischenspeicher teilen sich die Anwendungen in der neuesten KDE SC den Zugriff auf bestimmte Ressourcen. In der aktuellen Version greifen so sämtliche KDE-Programme auf die im RAM gespeicherten Icons zu, weitere Möglichkeiten folgen.

Verbesserungen erfahren haben auch die KDE-Bindings für die Sprachen Perl, Python und Ruby. Neben dem bisherigen Xine-Backend versteht sich Phonon nun auch auf Pulseaudio. Ein VLC-Backend gibt es mittlerweile auch; dies hat es allerdings nicht mehr in KDE 4.5 geschafft.

Neue Anwendungen

Mit Kajongg bringt KDE SC 4.5 ein neues Spiel mit. Dabei handelt es sich um eine spezielle Mahjongg-Version für vier Spieler. Kajongg ist die erste komplett in Python programmierte KDE-4-Anwendung. Bei der Installation unter OpenSuse 11.3 fehlten dem Spiel zahlreiche Python-Module als Abhängigkeit, darunter python-zopeinterface und python-twisted.

Neben Detailverbesserungen bei einigen weiteren Spielen und den Edu-Anwendungen sticht bei den Neuerungen vor allem der virtuelle Atlas Marble hervor (Abbildung 1): Er verfügt neben einem neuen Routenplaner nun über ein Offline-Feature, das es Ihnen ermöglicht, die für eine Reise benötigten Karten Zuhause heruntergeladen. Unterwegs benötigen Sie keine Internetanbindung mehr.

Abbildung 1

Abbildung 1: Der KDE-Atlas Marble verfügt nun über einen Routenplaner und speichert bei Bedarf Kartenmaterial für den Offline-Einsatz.

Neuer Systemabschnitt

Betrachten Sie den Desktop als solches, fällt am ehesten die Modifikation des Systemabschnitts im KDE-Panel ins Auge. Da einheitliche Symbole professioneller wirken als ein kunterbuntes Durcheinander, hat sich nach Ubuntu auch das KDE-Projekt dazu entschlossen, diesem Teil ein einheitliches Aussehen zu verpassen. Die Anwendungssymbole erscheinen nun in Graustufen (Abbildung 2). Das und das parallele Umstellen auf D-Bus als Kommunikationstechnik für Applikationen ermöglicht es, Gnome-Programme quasi nahtlos in den KDE-Systemabschnitt zu integrieren.

Abbildung 2

Abbildung 2: Der neue Systemabschnitt in KDE SC 4.5 erscheint weniger bunt und wirkt dadurch professioneller.

Zu den weiteren Änderungen im Systemabschnitt gehört ein überarbeitetes und in zahlreichen Belangen verbessertes Benachrichtungssystem (weniger aufdringlich, trotzdem detailliert) und eine neue Art, die nicht aktiven Symbole zu verbergen. In guter alter KDE-Manier hält auch Version 4.5 am Links- und Rechtsklickmenü fest: während also zum Beispiel bei Ubuntus Gnome-Version sämtliche Symbole nur auf eine Art und Weise reagieren, zeigen die Symbole im KDE-4.5-Systemabschnitt ein anderes Menü an, je nachdem ob Sie mit der rechten oder linken Maustaste darauf klicken.

In der Grundeinstellung nimmt das Panel in KDE SC 4.5 deutlich weniger Platz ein als in früheren Versionen. Damit gehen allerdings einige Nachteile einher: So ist es zum Beispiel notwendig, dass neue Panel relativ hoch zu ziehen, damit im Systemabschnitt die Symbole untereinander erscheinen. In früheren Versionen war das besser gelöst.

Darüber hinaus wirkt das Uhr-Applet neben den neuen Symbolen ein wenig veraltet. Sehr gut weiß hingegen der separate Setup-Dialog des Systemabschnitts zu gefallen. Hier legen Sie bis ins Detail fest, welche Symbole ständig im Systemabschnitt verweilen sollen und welche Sie bei Inaktivität des dahinter liegenden Programms nicht sehen möchten (Abbildung 3).

Abbildung 3

Abbildung 3: Die Einstellungen des Systemabschnitts erlauben ein sehr präzises Setup in Bezug auf die darzustellenden Symbole.

Bug oder Feature?

An den Aktivtäten der KDE Software Compilation scheiden sich die Geister seit langem. Mit Version 4.5 machen die Entwickler einen Schritt in die richtige Richtung: Die Komponenten sind einfacher zu handhaben und vor allem selbsterklärender. Das beginnt bereits beim Plasma-Menü in der oberen rechten Ecke. Es wirkt unter KDE 4.5 deutlich übersichtlicher und enthält ein neues Symbol für die Aktivitäten.

Abbildung 4

Abbildung 4: Ein Symbol macht den Unterschied: Die Aktivitäten sind unter KDE SC 4.5 deutlich besser zu erkennen.

Wählen Sie den Eintrag Aktivitäten aus, erscheint nicht wie bei früheren KDE-Versionen eine verkleinerte Desktop-Ansicht, sondern ähnlich wie beim Hinzufügen von Miniprogrammen eine Leiste am unteren Bildschirmrand. Über diese Leiste wechseln Sie zwischen den einzelnen Aktivitäten und fügen neue hinzu.

Der Wechsel zwischen den einzelnen Aktivitäten gestaltet sich aber weiterhin zu umständlich. Die voreingestellte Kombination [Alt]+[D], gefolgt von [Alt]+[A] funktioniert zwar auf einem leeren Desktop, in der Regel fängt jedoch ein bereits laufendes Programm die Signale ab. Zudem erscheint erst der Auswahldialog. Für einen schnellen Wechsel müssen Sie daher selbst Shortcuts einrichten.

Da wohl kaum jemand mit mehr als drei oder vier Aktivitäten arbeitet, wäre es zum Beispiel einfach, unter dem bereits vorhandenen Plasma-Symbol in der rechten Ecke weitere anzubringen und die jeweils aktive Arbeitsfläche farblich hervorzuheben (Abbildung 5).

Abbildung 5

Abbildung 5: Hier zeigt ein nachbearbeiteter Screenshot, wie KDE mit weiteren Symbolen auf der rechten Seite den Wechsel zwischen den Aktivitäten einfacher gestalten könnte.

Neue Schaltzentrale

Im KDE-Kontrollzentrum haben die Entwickler gründlich aufgeräumt und die einzelnen Module besser gruppiert. So finden sich nun sämtliche Einstellungen für das Keyboard-Layout im Modul Hardware | Eingabegeräte | Tastatur. Bislang musste man das Layout (welche und wie viele Tasten) sowie die Sprache in zwei verschiedenen Modulen einstellen. Mit dem Neuanordnen begnügt sich die neue KDE-Version aber nicht: Wer das erwähnte Modul zur Auswahl der Sprachbelegung anschaut, findet anstelle des bislang bekannten chaotischen Dialogs ein sauberes, klar strukturiertes Fenster (Abbildung 6).

Abbildung 6

Abbildung 6: Die Tastatureinstellungen befinden sich endlich in einem einzigen Modul.

Verbesserungen finden Sie auch im Modul zur Auswahl der Fensterdeko. Es unterscheidet nun nicht mehr zwischen verschiedenen Engines, sondern zeigt nur noch die Themes an. Benötigt der Fenstermanager für für ein bestimmtes Theme eine zusätzlich Engine, dann geschieht der Engine-Wechsel automatisch. Dadurch wirkt das Modul aufgeräumter und übersichtlicher (Abbildung 7). Einige Themes führen allerdings weiterhin zu Darstellungsfehlern.

Abbildung 7

Abbildung 7: Die Wahl der Fensterdeko genügt, die zugehörige Engine lädt die Software dann automatisch.

Diverses

Wer die Desktop-Effekte von KDE nutzt, dem fallen mit Version 4.5 ein paar neue Effekte ins Auge: So erscheinen nun Menüeinblendungen mit einem Verwisch-Effekt und anstelle des Fensterwechsels über [Alt]+[Tab] im Stil von Apples Cover Flow stellten die KDE-Entwickler kurzfristig eine leicht abgeänderte Lösung auf die Beine (Abbildung 8). Letzterer Schritt war notwendig, da Apple ein Software-Patent auf den Cover Flow besitzt.

Abbildung 8

Abbildung 8: Den Effekt für den Fensterwechsel per [Alt]+[Tab] haben die Entwickler leicht abgeändert.

Der neue Verwaltungsmodus Tiling des KDE-Fenstermanagers KWin ordnet die Programmfenster stets so an, dass diese sich nicht überlappen und verkleinert dabei die Fenster bei Bedarf automatisch. Analog zum OSD-Menü für die Lautstärke-Regelung erscheint nun auch ein kleines Menü auf dem Bildschirm, wenn Sie bei einem Notebook die Hintergrundbeleuchtung regeln.

Spürbare Fortschritte machte die Netbook-Version "Plasma Netbook" (Abbildung 9). Fügen Sie dem Desktop eine neue Aktivität vom Typ Tageszeitung hinzu, so erscheinen die einzelnen Widgets nun sauber untereinander mit einem Setup-Symbol auf der linken Seite. Das separate Plasma-Symbol für das Setup der Netbook-Oberfläche verschwindet zudem nicht mehr hinter dem KDE-Panel wie noch bei Version 4.4.4, sondern erscheint in der linken oberen Ecke, beziehungsweise links unten, falls Sie das KDE-Panel am oberen Bildschirmrand einsetzen. Möchten Sie auf der Netbook-Oberfläche scrollen, tun Sie dies zudem wie bei einem Touchscreen, also anfassen und schieben, nicht am Mausrad drehen.

Abbildung 9

Abbildung 9: Die Netbook-Oberfläche präsentiert sich mit Version 4.5 deutlich aufgeräumter.

Last but not least kümmerten sich die Entwickler auch um den KDE-Dateimanager Dolphin: Kopieren oder verschieben Sie per Drag & Drop mehrere Ordner, dann zeigt der KDE-Dateimanager diese als Minibild an (Abbildung 10). Das zusätzliche visuelle Feedback sorgt so für mehr Sicherheit und verhindert ein unerwünschtes Verschieben.

Abbildung 10

Abbildung 10: Die kleinen Symbole zeigen klar an, wenn Sie mehrere Dateien oder Verzeichnisse zum Verschieben oder Kopieren ausgewählt haben.

Fazit

Die neue Version 4.5 der KDE Software Compilation macht einen rundum gelungenen Eindruck. Der Umgang mit dem Desktop und vor allem mit den Aktivitäten fällt viel leichter; der komplette Desktop macht einen einheitlicheren Eindruck. Für OpenSuse gibt es bereits fertige Pakete im Factory-Repository [1], Binaries für Kubuntu und Mandriva dürften bis zum Erscheinen dieser Ausgabe ebenfalls vorhanden sein. Wer sich KDE SC 4.5 ohne Installation anschauen möchte, tut dies am besten über die KDE-Four-LiveCD [2].

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