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Alltagstauglich

Vector Linux 6.0 im Test

22.09.2010 Ressourcenschonend wie Vector Linux sein möchte, setzt es auf den relativ betagten Desktop KDE3. Das verspricht Stabilität und ein Arbeiten abseits nervtötender Effekthascherei.

Die unglaubliche Vielfalt an verschiedensten Linux-Distributionen unterstreicht nicht nur die bei keinem anderen Betriebssystem vorhandenen variablen Einsatzmöglichkeiten. Sie spiegelt auch die unterschiedlichsten Philosophien der Entwickler wieder, die mit ihren Derivaten vorführen, wie nach ihren Vorstellungen ein Computer zu funktionieren hat.

Ein kanadisches Team um den Programmierer Robert S. Lange entwickelt seit nunmehr zehn Jahren ein einfach gehaltenes und vor allem für ältere Hardware konzipiertes Betriebssystem. Das Ergebnis Vector Linux [1] baut auf der Methusalem-Distribution Slackware auf und verfolgt verschiedenen Ansätze.

Das als "Standard Gold Edition" bezeichnete Vector Linux enthält weder KDE noch Gnome, sondern setzt auf die Leichtgewichte XFCE und LXDE. In der gleichen Kategorie tummelt sich die KDE-Classic-Version mit einem KDE3-Desktop (siehe Tabelle "Vector Linux 6.0 KDE Classic im Überblick"). Alle ISOs dieser Serie umfassen jeweils 700 MByte.

Vector Linux 6.0 KDE Classic im Überblick

Kernel 2.6.27.29
Desktop KDE 3.5.10
Firefox 3.6.2
Büro OpenOffice 2.4 (nachinstallierbar)
Konfiguration VASM
Paketmanager Slapt-get

Doppelt so groß fällt der Download der moderner anmutenden SOHO-Variante aus, welche neben einem nicht ganz aktuellen KDE4-Desktop (4.4.2) eine ordentliche Büroumgebung und wichtige Standards wie die Bildverarbeitung Gimp mitbringt.

Die ISOs der Light-Familie von Vector Linux versprechen auch eine Lauffähigkeit bei besonders betagter Hardware (ab 128 MByte RAM) und benutzen die Oberflächen IceWM und JWM. Durch diese abgespeckten Fenstermanager gehört aber einiges an Linux-Wissen dazu, die fehlende Fenstermanagerfunktionalität mit Konsolenkenntnissen auszugleichen.

Die Versionen "Gold" und "Light" liegen als gebrauchsfertige Images für den Emulator Virtual Box zum gefahrlosen Ausprobieren ohne CD-Brennen bereit. Die Internetseite [2] listet alle Versionen und ihre Downloadlinks inklusive einiger Spiegelserver auf.

Der Standard

Die Vectorianer haben neben XFCE und LXDE auch eine KDE-Variante in ihrer Standard-Familie. Die Entwickler griffen dabei auf das schon betagte aber nach wie vor gepflegte KDE 3.5.10 zurück. Laut dem Vector-Team liegt der Grund dafür nicht in der Flucht in Nostalgie, die Kanadier sehen vielmehr KDE 3 als ein solides und ausgereiftes System an, welches die Anforderungen an den Alltag durchaus auf moderne Art und Weise erfüllt.

Die Live-Version bootet ein rudimentäres System und stellt Sie vor die Wahl, sich als normalen Benutzer oder als Administrator einzuloggen. Wählen Sie den Weg des einfachen Benutzers Vl startet die Live-Variante zum ausgiebigen Testen des Betriebssystems. Das Login als Root startet den rudimentären Fenstermanager JWM und installiert Vector Linux KDE-Classic in wenigen Schritten auf Ihrem Computer.

Dabei sollte für Sie der Umgang mit einem Linux-Computer nicht neu sein. Vector Linux automatisiert zwar die Installation im Wesentlichen, ruft aber zu deren Konfiguration recht uneinheitliche Werkzeuge nacheinander auf. So macht die Installationsroutine keine Vorschläge zur Festplattenkonfiguration, sondern lädt das Partitionierwerkzeug Gparted (Abbildung 1). Haben Sie nach Ihren Wünschen Platz für das System geschaffen, schließen Sie das Partitionierungsprogramm über dessen Menüleiste oder die Tastenkombination [Strg]+[Q]. Erst dann fährt die Installationsroutine fort.

Abbildung 1: Die Installationsroutine fährt erst fort, wenn Sie das Partitionierungswerkzeug Gparted schließen.

Ähnlich verhält es sich beim Einrichten eines Benutzers. Das sehr nüchterne Werkzeug ändert in seinem vierten Auswahlpunkt das Root-Passwort. Fügen Sie gleich einen normalen Benutzer hinzu und schließen das Programm danach einfach (Abbildung 2). Für die Xserver-Konfiguration wählen Sie gleich den ersten Auswahlpunkt. Nach der Abfrage zur Zeitzone und des Bootloaders installiert sich Vector Linux KDE-Classic ohne weitere Auswahlmöglichkeiten auf Ihre Festplatte.

Abbildung 2: Die Dialoge der Installationsroutine wirken nüchtern und uneinheitlich, erfüllen aber ihren Zweck.

Wichtige Schritte

Etwas nostalgisch wirkt er dann doch, der alte KDE 3.5.10-Desktop. Das größere Problem liegt aber – für den deutschsprachigen Raum – in der fehlende Lokalisierung des gesamten Systems. Auch das Tastaturlayout ließ sich im Vorfeld nicht beeinflussen. Sollten Sie sich mit der US-englischen Tastaturbelegung nicht auskennen, hilft Ihnen das Netz weiter [3].

Um das System auf Deutsch umzustellen, öffnen Sie die Datei /etc/profile.d/lang.sh und kommentieren den Eintrag export LANG=en_US aus in dem Sie ihm eine Raute voranstellen. Darunter fügen Sie die Zeile export LANG=de_DE@euro ohne Raute ein. Etwas weiter unten schreiben Sie unter die Zeile export LC_COLLATE=C einfach export LC_ALL=de_DE@euro. In der Datei /etc/rc.d/rc.keymap suchen Sie die Zeile loadkeys en und ersetzen das en durch ein de.

Auf diese Weise startet das Basissystem nun zwar auf Deutsch. Die einzelnen grafischen Programme benötigen aber noch die entsprechenden Sprachpakete, um sie locales anzupassen. Das wichtigste installieren Sie mit dem Befehl slapt-get -install kde-i18n-de als Administrator. Nach einem KDE-Neustart stellen Sie im KDE-Kontrollzentrum die Sprache und das Tastaturlayout auf heimische Gewohnheiten um.

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Infos zum Autor

Mirko Albrecht

Mirko Albrecht schreibt seit Ende 2004 regelmäßig Beiträge für die Zeitschriften LinuxUser und EasyLinux. Wenn er nicht gerade eine neue Distribution ausprobiert, spielt er gern Schach oder fotografiert die Welt.
Seine Rechner werden meist von Xubuntu oder Opensuse bevölkert.


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LinuxUser 06/2012

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