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© Fedek6, sxc.hu

Bildbeschleuniger

So spielen Sie Youtube-Clips ruckelfrei ab

14.09.2010 Ruckelnde Flashvideos von Youtube verderben den Spaß am Mitmach-Fernsehen. Mit Minitube schauen Sie auch auf älteren Rechner Filme in akzeptabler Geschwindigkeit.

Besitzer von Netbooks können ein Lied vom Ressourcenhunger von Adobe Flash singen. Sobald eine Webseite Flash-Animationen oder Flash-Werbung einbindet, springt der Lüfter an und hochauflösende YouTube-Filme zwingen selbst aktuelle Rechner in die Knie. Doch mit Minitube genießen Sie wenigstens Youtube ohne Adobe Flash ruckelfrei auf Ihrem Rechner.

Schon seit geraumer Zeit steht Adobe Flash in der Kritik ein wahrer Ressourcen-Fresser zu sein und in der Kritik liegt viel Wahres. Während sich dank Hardwarebeschleunigung unter Windows und Mac OS X langsam das Bild etwas bessert, hinkt Flash für Linux selbst bei der aktuellen Version 10.1 noch hinter.

Die Technik benutzt zum Aufbereiten der Grafik unter Linux ausschließlich die CPU, und so ruckeln selbst auf aktuellen Systemen hochauflösende Videos. Als Beispiel dient der Trailer [1] zum Kinofilm Avatar. Auf dem Testsystem (Athlon X2 mit 3,7 GHz und Nvidia-7600GS-Grafikkarte) ruckelt in der höchsten Auflösung von 1080p selbst das in die YouTube-Seite eingebettete Video. An das Betrachten des Videos im Vollbild ist gar nicht zu denken, außer einer Diashow wäre nicht viel zu holen.

Der Player Minitube [2] nutzt zum Abspielen der Videos kein Adobe Flash. Das reduziert die Prozessorlast deutlich. Auf dem Testsystem läuft der Trailer in Minitube ohne Aussetzer in höchster Qualität. Die CPU-Last beträgt dabei nur rund 30 Prozent. Doch nicht nur leistungsfähige Desktops profitieren von Minitube: Gerade Netbooks – mit ihren schwachbrüstigen Prozessoren – brauchen etwas Nachhilfe in Sachen Flash.

Als zweites Testsystem stand ein Lenovo S12 (Intel Atom N270 und Nvidia ION Grafikchipsatz) bereit. Flash-Videos ruckeln auf diesem so gut wie immer. Mit Minitube läuft der besagte Trailer ohne Ruckeln – aber nur mit einer Auflösung von 360p. Bei höheren Auflösungen ließen sich wieder Aussetzer im Bild beobachten.

Bei Interesse können Sie Minitube in praktisch jeder Linux-Distribution installieren. Allerdings sollten sie darauf achten, dass Ihre Distribution die aktuelle Version Minitube 1.1 bereitstellt. Youtube hat vor einiger Zeit sein API umgestellt, so dass ältere Versionen nicht mehr funktionieren [3]. Sie müssen daher zwingend Version 1.1 installieren.

Abbildung 1

Abbildung 1: Die Oberfläche von Minitube wartet mit einer sehr schlichten Optik auf.

Für Ubuntu bedeutet das, dass Sie das seit Ubuntu 10.04 "Lucid Lynx" vorhandene Paket minitube nicht verwenden sollten. Dieses Paket enthält lediglich die Version 0.9, das Programm startet zwar noch und findet Videos, versagt aber beim Abspielen den Dienst. Stattdessen sollten Sie auf die PPA-Paketquelle des Ubuntu-Entwicklers Christian Mangold [4] zurückgreifen. Diese Quelle enthält die aktuelle Version des Programm für Ubuntu.

$ sudo add-apt-repository ppa:neversfelde/minitube
$ sudo apt-get update
$ sudo apt-get install minitube

Debian-Anwender haben es im Falle von Debian Squeeze und Sid etwas leichter, die Version von Minitube ist in diesen Debian-Versionen aktuell genug. Für Fedora ließ sich zum Redaktionsschluss kein Paketquelle ausfindig machen, es gibt jedoch RPM-Pakete aus der Fedora-Community [5] und für OpenSuse finden Sie aktuelle Pakete im OpenSuse Build Service [6]. Weitere Hinweise zur Installation von Minitube aus dem Quellcode oder auch für weitere Linux-Distributionen finden Sie auf der Homepage [7].

Das Bedienen von Minitube gelingt recht intuitiv: Nach dem Start finden Sie eine Suchfeld im Programmfenster (Abbildung 1), über das Sie Youtube durchsuchen. Sobald Sie eine Suche abgesetzt haben, sehen sie eine Übersicht aller Treffer, sortiert nach Relevanz, Datum und Beliebtheit.

Ein Doppelklick auf ein Video startet dieses ein weiterer Doppelklick auf das Video löst den Vollbild-Modus aus. Möchten Sie das Video parallel zur Arbeit in einem kleinen Fenster sehen wollen, wechseln Sie mittels [Strg]+[Eingabe] in einen kompakten Modus. Alternativ aktivieren Sie alle genannten Funktionen über die Menüs.

Glossar

1080p

Die Angabe 1080p bezeichnet die Qualität eines HD-Videos. Es entspricht 1920x1080 Bildpunkten. Die bei YouTube angegebene Qualität 360p (640x320 Pixel) geht eigentlich nicht als HD durch. Der Buchstabe p hinter der Zahl signalisiert das Bildaufbauverfahren. Der Buchstabe p steht für progressive (Vollbild); i für interlaced (Halbbild im Zeilensprungverfahren).

Der Autor

Christoph Langner arbeitet für die PTV AG in Karlsruhe im Bereich des Testmanagements und ist seit Jahren im Bereich der Open Source Software aktiv. Sie finden sein Blog rund um GNU/Linux auf http://linuxundich.de.

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Kommentare
Warum geht der 1080p Trailer nicht auf dem Atom mit Ion?
Daniel Kottmair, Dienstag, 14. September 2010 17:16:23
Ein/Ausklappen

Ion kann doch hardwaredecoding per VDPAU, und die Unterstützung dessen *sollte* man bei nem Programm, das die CPU vom ressourcenhungrigen Flash befreien soll eigentlich erwarten...

Aber Flash kann echt sterben gehen. Linux hat's ja noch gut, da ist es nur ca. 1/3 so langsam wie unter Windows, auf MacOS ist es hingegen ein gefühltes Zehntel so langsam! Immer schön software-render to canvas machen, obwohl das Quartz von OSX *alles* was Flash bietet (Vektoren, Antialiasing, Gradients, Video etc) eigentlich schon seit 2001 nativ und inzwischen auch hardwarebeschleunigt könnte, so dass Adobe das problemlos zum Zeichnen nehmen könnte!... Ich kann Steve Jobs schon verstehen, wenn er die Dominanz von Flash brechen will, so unglaublich mies, wie das unter MacOS läuft ist das kein Wunder, da kann sich Adobe mal fein an die eigene Nase fassen!

HTML5 ist mir jedenfalls definitiv lieber als Nachfolger, weil a) offen und b) schon jetzt hardwarebeschleunigt!


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