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© Ante3, sxc.hu

Gesprächsbereit

Sieben IRC-Clients im Vergleich

13.09.2010 Twitter und Facebook eigenen sich für den kurzen Statusbericht. IRC ermöglicht dagegen ausführliche Konversationen in Echtzeit und bei Bedarf auch Datentransfer.

Usenet, Foren, Mailinglisten und die ganzen Web-2.0-Entwicklungen wie Facebook und Twitter in der täglichen Kommunikation ihren festen Platz gefunden. Aber nur ein Echtzeit-Chat verbindet Nutzer aus aller Welt, als wären sie wirklich zusammen in einem Raum. Ernsthafte Chatter lächeln zudem nur müde angesichts proprietärer Webchat-Funktionen. Hier passiert kaum für mehr als in der Ecke auf dem Schulhof: Flirten und Anmachen.

Das wahre Leben findet dagegen im Internet Relay Chat statt, welchen wieder einmal ein Finne, Jarkko Oikarinen, 1988 ins Leben gerufen hat (siehe Kasten "IRC-Geschichte"). Nur hier bekommen Sie instantan Hilfe bei Problemen, nur hier findet ein Erfahrungsaustausch statt und nur hier haben Sie die Gelegenheit, Entwickler live bei der Arbeit zu zuschauen.

IRC-Geschichte

Der Internet Relay Chat (IRC) bestand ursprünglich nur aus einem Netz, bis sich 1990 das EFnet vom einzigen Server http://eris.berkeley.edu abspaltete. EFnet steht für Eris-Free Network. Parallel dazu entwickelte sich ab 1992 das Undernet, bis 1996 der Great Split kam, in dem sich Server in Europa, Australien und Asien im IRCnet organisierten und vom (danach primär US-zentrischen) EFnet abspalteten.

Seitdem haben sich zahllose Netze entwickelt, die sich oftmals eher thematisch als geographisch orientieren. So treffen sich Spieler meist im Quakenet, während Linux-User und -Entwickler hauptsächlich das Freenode-Netz (http://irc.freenode.net) nutzen. Im Freenode-Netz hat nahezu jedes größere Open-Source-Projekt und jede Distribution einen Kanal, von Amarok über Ubuntu, Fedora, Mplayer bis hin zu VLC.

Hier treffen sich die über den ganzen Globus verteilten Entwickler, um ihr Projekt voranzutreiben – ohne lange auf Antworten warten zu müssen. Wer sich an der Entwicklung beteiligen möchte oder nur schnellstmögliche Hilfe zu einem OSS-Programm sucht, der kommt hierher.

Qual der Wahl

Es gibt eine beinahe unendliche Anzahl von IRC-Clients für Linux. Da das Programmieren eines grundlegenden IRC-Clients nicht allzu aufwändig ist, gibt es zahllose simple, nicht mehr weiterentwickelte Basis-Clients, die allem Anschein nach aus den ersten Gehversuche von Open-Source-Entwicklern stammen.

Alle Clients fallen grob gesagt in eine von zwei Gruppen: Die Shell-basierten Clients verkörpern am stärksten die Art des ursprünglichen IRC. Ihr Vorteil liegt darin, dass sie sehr schlank ausfallen und so auch über einen einfachen Shell-Login flott laufen. In diesem Feld gibt es unendlich viele Derivate des populären alten IRCII-Clients, darunter BitchX, Blackened, Epic oder Ninja. Zusätzlich existieren einige Clients, die sich gut in Emacs integrieren, wie ZenIRC, ERC, Kiwi oder IRChat.

Desweiteren gibt es noch zahlreiche weitere in allen möglichen Sprachen geschriebene CLI-Clients wie Irssi, Weechat, Sirc, Birc, Ircit oder Nirc. Wir konzentrieren uns in unserem Test allerdings auf die zweite große Gruppe: die IRC-Clients mit grafischer Oberfläche. Dahinter verbirgt sich ebenfalls ein weites Feld, insbesondere wenn Sie die grafischen Frontends für CLI-Clients mit einbeziehen.

Neben den größeren, gut gepflegten und feature-reichen Projekten, wie Xchat, Konversation oder Kvirc, gibt es noch in Browser integrierte IRC-Clients wie Opera Chat oder Chatzilla. Darüber hinaus existieren zahllose kleinere und simplere Clients wie Smuxi oder Lostirc. Diese sieben genannten Clients stellen auch das Testfeld (siehe Tabelle "IRC-Clients").

IRC-Clients

Chatzilla

Konversation

Kvirc

LostIRC

Opera Chat

Smuxi

Xchat

Toolkit XUL/Toolkit Qt Qt Gtkmm eigenes GTK+ GTK+
Version 0.9.85 1.2.3 4.0.0 0.4.6 10.61 0.7.1.0 2.8.6
Betriebssystem AmigaOS 4, BSD, BeOS, Mac OS Classic, Mac OS X, OpenSolaris, OS/2, Windows BSD, Solaris, Tru64 BSD, MacOS X, Windows BSD BSD, LinuxPPC, MacOS X, Windows BSD, MacOS X, Solaris, Windows AIX, BSD, Irix, Mac OS X, Solaris, Tru64, Windows

Features

DCC / Resume / Passive / Chat ● / ● / ● / ● ● / ● / ● / ● ● / ● / ● / ● ● / ○ / ○ / ○ ● / ● / ● / ○ ○ / ○ / ○ / ○ ● / ● / ● / ●
mehrere Server / Auto-Connect (Server/Channel) ● / ● ● / ● ● / ● ● / ● ● / ● ● / ● ● / ●
Colorcode / Highlighting / Encoding ändern ● / ● / ● nur Text / ● / ● ● / ● / ● ○ / ● / ● ● / ○ / ● nur Text / ● / ● ● / ● / ●
URL-Logging / clickbare URLs ● / ● ● / ● ● / ● ○ / ● ○ / ● ○ / ● ● / ●
Nick Completion / Ident / Logging ● / ○ / ● ● / ● / ● ● / ● / ● ● / ● / ● ● / ○ / ○ ● / ○ / ○ ● / ○ / ●
Skript-API
Skriptsprachen Javascript, XUL Python eigene Tcl, Perl, Python
Besonderheiten Themes per CSS, definierbare Kommando-Shortcuts, kann mehrere Queries zusammenfassen Nick-Verknüpfung mit System-Adressbuch, sehr extensive Notification-Funktionen, frei definierbare Tastenkombis, Bookmarks Bandwidth-Shaping bei DCC, Modul-Schnittstelle, SSL, Flood-Protection, Notification, Terminal-Integration Minimal-Ansatz, bietet die meisten gängigen Features, aber auch nicht mehr keine eigenen IRC-Einstellungen zu finden, Mehrserver umständlich über Profile, unschön integriert mit Browser und Mailclient Kann beliebige remote IRC-Engines einbinden, kann auch Twitter, Notify im Benachrichtigungsfeld, Color/Format-Stripping, Highlight-Feature ohne Keyword-Liste! Auto-Logging besuchter Channels, frei definierbare Tastenkürzel, frei definierbare Autokorrektur für Typos, frei definierbare Kontextmenüs

Wertung

Bedienkomfort ✱✱✱✱ ✱✱✱✱✱ ✱✱✱✱✱ ✱✱ ✱✱✱ ✱✱✱ ✱✱✱✱✱
Konfigurierbarkeit ✱✱✱ ✱✱✱✱✱ ✱✱✱✱✱ ✱✱ ✱✱ ✱✱ ✱✱✱✱✱
Funktionsumfang ✱✱✱✱ ✱✱✱✱✱ ✱✱✱✱✱ ✱✱✱ ✱✱✱ ✱✱ ✱✱✱✱✱✱

Der Java-basierte DMDirc weigerte sich im Test trotz installierter Sun-JRE, eine Verbindung zu einem Server aufzunehmen. Von Besirc gibt es die Linux-Version bisher nur als Source – und der auf der Webseite angepriesene SVN-Checkout funktionierte nicht. Darüber hinaus existieren viele nicht mehr gepflegte oder simple grafische Clients beziehungsweise Frontends, wie Circus, Keirc, Ksirc, YagIRC, Xirc, Zircon, Zipper oder Bezerk, die sich aber allesamt nicht für den Test qualifizierten.

Xchat

Xchat (Abbildung 1) [1] gehört wohl zu den bekanntesten IRC-Clients, der nicht nur unter Linux eine große Fangemeinde hat. Seit dem Niedergang von Ircle finden MacOSX-Nutzer in ihm quasi den einzig benutzbaren IRC-Client. Wer ihn ausprobiert, der weiß warum: Die Software integriert nahezu jedes erdenkbare Feature und wirkt dennoch schlank und startet flott. Sollte es ein Feature von Haus aus fehlen, so findet sich wahrscheinlich ein Plugin, das Sie über die integrierte Skript-Schnittstelle nachrüsten. Diese deckt mit Tcl, Perl und Python ein sehr großes Spektrum ab.

Abbildung 1: Xchat ist einer der bekanntesten und funktionsreichsten IRC-Clients.

Xchat verhält sich äußerst flexibel und erlaubt das Anpassen bis ins kleinste Detail: Was passiert bei Doppelklick auf den Eintrag eines Chat-Teilnehmers? Welche Kommandos sollen im Kontextmenü erscheinen? Alles dies konfigurieren Sie mit wenigen Klicks.

Äußerst gut gefiel im Test das Auto-Logging-Feature: Beim Betreten eines schon besuchten Kanals oder Öffnen eines Query-Fensters mit einem bekannten Teilnehmer lädt Xchat automatisch das bisher gesagte – so nehmen Sie eine Diskussion problemlos am nächsten Tag wieder auf. Wichtiges geht zudem nicht verloren.

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LinuxUser 06/2012

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