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© Philhxc, sxc.hu

Günstig telefonieren mit VoIP

Quasselstrippen

Unter keinem anderen System als Linux haben Sie so eine große Auswahl an SIP-Clients. Wir stellen Ihnen vier Programme vor.

Seit dominiert der Platzhirsch Skype den Markt für Internettelefonie. Die kostenlosen P2P-Gespräche von Computer zu Computer dienen Skype als kräftiges Zugpferd für kostenpflichtige Gespräche von Computer zu Telefon. Hier hat Skype nach Untersuchungen des Marktforschungs-Instituts TeleGeography mit rund 54 Milliarden Gesprächsminuten einen Marktanteil bei internationalen Gesprächen von gut 13 Prozent [1].

Der Grund für die Popularität liegt wohl darin, dass Skype der erste Anbieter für Internet-Telefonie war, dessen Software ohne aufwändige Konfiguration von Router und Firewalls einfach funktionierte. Welches Stück vom VoIP-Kuchen sich in Zukunft Google mit seinem neuen Telefonieangebot [2] für Google Voice- und Video-Chat (das es seit kurzem auch für Linux gibt) holt, zeigt die Zukunft.

Im Schatten dieser mächtigen Akteure fristet die Telefonie über das Session Initiation Protocol (kurz SIP) im privaten Bereich ein Nischendasein. Während viele Unternehmen auf diese standardisierte Art der Internet-Telefonie umgestiegen sind oder umsteigen, bewegen sich die Endanwender nur zögernd. Zu groß erscheint die Barriere für den Einstieg.

Doch die Wahl von SIP lohnt sich in vielen Fällen aber durchaus. Besonders Anwender, die oft internationale Gespräche führen, haben die Auswahl aus einer Vielzahl an Anbietern die Möglichkeit, günstige Minutenpreise in alle Länder der Welt zu finden. Oft gibt es auch Anbieter, die Gespräche von Argentinien bis Venezuela kostenlos offerieren.

Und natürlich sind bei den meisten SIP-Anbietern kostenlose Gespräche von SIP-Account zu SIP-Account über das Internet möglich. Zwar gibt es im Call-by-Call-Markt ähnlich günstige Angebote, doch oft lässt nur die Deutsche Telekom Zugang zu diesen Nummern zu. Wer bei der Konkurrenz seinen Telefonanschluss besitzt, für den bleibt VoIP eine veritable Alternative.

Für Linux existieren eine ganze Reihe an SIP-Clients. Alle Anwendungen haben ihre Vor- und Nachteile, so dass dieser Test keinen klaren Favoriten nennt. Jedes Programm kam in einem üblichen Soho-Umfeld zum Einsatz, dass heißt, die Rechner auf denen die jeweilige Software lief, befand sich hinter einem DSL-Router, der keine Ports auf den Testrechner weiterleitete. Der Installationsaufwand beschränkte sich daher lediglich auf das Eintragen der Accounts im Programm.

Altmeister Ekiga

Ekiga [3] gehört zu den ältesten VoIP-Programmen unter Linux. Ursprünglich nannte sich das Projekt GnomeMeeting in Anlehnung an NetMeeting. Es ermöglichte IP-Telefonate über das H.323-Protokoll. Mit der Version 2.0 unterstützt es den Verbindungsaufbau über SIP. Parallel erfolgt der Namenswechsel zu Ekiga. Die aktuelle Version stellt unter den hier vorgestellten Programm die meisten Funktionen bereit. So beherrscht Ekiga natürlich Audio-Telefonate (Abbildung 1), zusätzlich können Sie können das Bild ihrer Webcam übertragen und auch Chats über SIP führen.

Abbildung 1: Ekiga mit aktivem Gespräch und Telefonbuch.

Dies geht allerdings einher mit einer etwas unaufgeräumten Oberfläche, die die Entwickler zwar seit der Version 3.0 deutlich umgestaltet haben. So müssen Sie etwa das Adressbuch extra aufrufen und bei der Wahl einer Nummer über die Telefontastatur können Sie nicht so ohne weiteres den zu nutzenden Account auswählen, sondern müssen umständlich ein @sip-anbieter an die Nummer hängen. Die Installation sollte bei allen gängigen Linux-Distributionen einfach und bequem über die Paketverwaltung des Distributors erfolgen.

Ekiga

+ in den Paketquellen aller gängigen Distributionen

+ mehrere SIP-Anbieter möglich

+ arbeitet mit dem Adressbuch von Evolution zusammen

+ arbeitet mit LDAP-Adressbüchern zusammen

+ Echo-Unterdrückung

+ Video-Telefonate

+ serverlose Telefonie im LAN via Bonjour/Zeroconf

– keine PulseAudio-Unterstützung

– Umschalten zwischen SIP-Anbietern bei Tastenfeld umständlich

Multitalent Qutecom

Anfangs firmierte das Programm unter dem Namen Wengophone und war eng an den SIP-Anbieter Wengo.com geknüpft. Obwohl die ursprüngliche Software unter der Open-Source-Lizenz GPL stand, war der Einsatz bis zur Version 2.0 nur mit einem Account bei Wengo.com möglich. Der Ausstieg von Wengo als Sponsor des Projekts und der damit verbundenen Namenswechsel hin zu Qutecom [5] hat mit der Version 2.1 den Weg zu einem Account bei andere SIP-Anbieter frei gemacht.

Der Funktionsumfang von Qutecom beschränkt sich nicht nur auf das SIP-Protokoll. Das Programm erlaubt auch das Login in die Chat-Netzwerke von MSN, AIM, ICQ, Yahoo, Jabber, Google Talk (Abbildung 2). Allerdings beherrscht die Software die multimedialen Funktionen dieser teilweise nicht. Nachteilig wirkt sich mitunter aus, dass sich nur bei einem SIP-Anbieter zur selben Zeit einloggen dürfen. Das erlaubt es nicht, schnell zwischen den für das jeweilige Gespräch günstigsten Anbieter hin- und herzuschalten.

Abbildung 2: Über die Kontaktliste und das Dialpad von Qutecom nehmen Sie mit wenigen Klicks Kontakt zu Ihrem Gesprächspartner auf.

Das Programm ist zu neu für die Aufnahme in die Paketquellen der Linux-Distributoren, doch Qutecom betreibt für Ubuntu und OpenSuse eigene Paketquellen, so dass Sie die Applikation bei diesen Distributionen bequem installieren. Da es plattformunabhängig entwickelt wurde, gibt es auch Versionen für Windows und Mac OS.

Qutecom

+ Zusätzlich Instant-Messenger für MSN, AIM, ICQ, Yahoo, Jabber, Google Talk (nur Chat-Funktion)

+ Verschlüsselen von Telefonaten mit AES 128 Bit und Diffie-Hellman

– nur ein SIP-Anbieter gleichzeitig möglich

– keine Support für Video-Telefonate

– arbeitet nicht mit dem Adressbuch an Kontact oder Evolution zusammen

– keine PulseAudio-Support

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