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23.09.2010

Linux Mint veröffentlicht Debian-Edition

Unerwartete Wege beschreitet seit neuestem das eigentlich auf Ubuntu basierende Linux Mint, auf Distrowatch.com immerhin als drittbeliebteste Distribution nach Ubuntu und Fedora geführt: Am 7. September stellte das Projekt die Linux Mint Debian Edition (LMDE) vor, eine 32-Bit-Live-DVD mit Gnome-Desktop auf Basis von Debian "Testing" (http://www.linuxmint.com/blog/?p=1527). Über einen vom Mint-Projekt eigens entworfenen Installer lässt sie sich bei Gefallen auch direkt auf die Festplatte überspielen. Abgesehen von der Debian-Basis entspricht LDME in Sachen Desktop und Funktionen exakt dem auf Ubuntu basierenden Linux Mint.

Auf Paketebene ist LMDE 100-prozentig kompatibel mit allen für Debian "Testing" oder "Squeeze" gedachten Repositories. Dank des Rolling-Release-Prinzips blieben die Anwender von Upgrades verschont, zudem laufe die neue Mint-Spielart schneller und sei antwortfreudiger als die auf Ubuntu basierende Variante, schildern die Entwickler die Vorteile von LMDE. Allerdings sei Debian eindeutig eine weniger desktop- und benutzerfreundliche Basis als Ubuntu, mit einigen Ecken und Kanten müsse man beim Einsatz der neuen Mint-Version daher schon rechnen. Ein 875 MByte großes ISO-Image der Linux Mint Debian Edition steht auf allen Spiegelservern des Projekts zum Download bereit.

Auch die Debian-Edition von Linux Mint bringt den komfortablen Software-Manager MintInstall mit.

Fedora 14 mit Systemd

Lennart Poetterings alternatives Init-System Systemd (http://0pointer.de/blog/) löst möglicherweise schon in Fedora 14 das bisherige Upstart ab. Die Entwicklerversion "Rawhide" lässt sich bereits standardmäßig über Systemd booten, für Fedora 14 "Laughlin" gibt es zumindest eine paketierte Variante. Das neue Init-System arbeitet schon recht gut mit vielen Systemkomponenten zusammen, wie etwa der Authentifizierungsbibliothek PAM, der Security-Erweiterung SE Linux, dem Nachrichtenframework D-Bus sowie dem TCP-Wrapper (http://0pointer.de/blog/projects/systemd-update.html). Allerdings gibt es bis zum geplanten F14-Release Anfang November noch einige teils recht ärgerliche Bugs in Systemd zu beheben, und viele Stimmen plädieren dafür, für Fedora 14 noch bei Upstart zu bleiben und Systemd erst eine Runde später mit F15 zum Standard zu machen. Zumindest ein alternatives Systemd-Paket wird es in Fedora 14 aber auf alle Fälle geben, und auch das Opensuse-Projekt zeigte schon erstes Interesse für das neue Init-System (http://en.opensuse.org/SDB:Systemd). Daneben existieren auch für Debian, Gentoo und Arch Linux Systemd-Pakete.

Canonical zählt OEM-Installationen

Der ewigen Frage, wie viele Linux-Installationen es denn nun gibt, nähert sich Canonical neuerdings auf einem ganz eigenen Weg an: Vor kurzem erschien in den Partner-Repositories von "Lucid" und "Maverick" das Paket canonical-census, das seine Funktion knapp mit dem Satz Send "I am alive" ping to Canonical beschreibt. Auf einer normalen Ubuntu-Installation funktioniert es nicht, ermöglicht aber Canonical mitzuzählen, wieviel OEM-Installationen von Ubuntu denn unterwegs sind. Dazu müssen Hardwareanbieter wie Dell, ZaReason oder System76 auf den von ihnen mit Ubuntu vorinstallierten Rechnern Systemdaten in bestimmten Verzeichnissen vorhalten. Die sammelt dann einmal täglich ein Skript in /var/lib/ubuntu_dist-channel und übermittelt das Rechnermodell sowie die Betriebssystemversion an Canonical. Gleichzeitig erhöht es einen lokalen Zähler und gibt auch dessen Wert an http://census.canonical.com/submit durch. Auf diese Weise können Canonical und dessen Geschäftspartner feststellen, wieviele Rechner mit Ubuntu sich in freier Wildbahn befinden – und wie lange die Maschinen mit welcher Ubuntu-Version laufen. Eine genauere Beschreibung der Funktionsweise von canonical-census liefert beispielsweise Debian-Entwickler Stephan Peijnik in seinem Blog unter http://tinyurl.com/lu1010-census.

Über canonical-cenus werden OEM-Installationen von Ubuntu wohl zukünftig nach Hause telefonieren.

Neue Heimat für Debian-Backports

Mit den Backport-Paketen versorgt das Debian-Projekt Benutzer der stabilen Version mit aktueller Software aus den Zweigen Unstable und Testing. Jetzt gehört der bislang als eigene Webseite geführte Service als Subdomain offiziell zum Projekt. Mit der neuen URL gehen zwei Änderungen einher. Zum einen müssen Backport-Nutzer die Liste aktualisieren, aus der ihr System Pakete holt. Der neue Eintrag lautet für "Lenny" beispielsweise:

deb http://backports.debian.org/debian-backports lenny-backports main contrib non-free

Als zweites ändert sich der GPG-Schlüssel, der Repositories auf Echtheit prüft: Beim neuen Schlüssel handelt es sich um den offiziellen FTP-Masterkey von Debian. Die neue Seite http://backports.debian.org enthält alle nötigen Informationen sowie das lesenswerte Announcement zur Änderung.

Finnlands Schulen nutzen Ubuntu

Wenigsten in anderen Ländern bewegt sich der Bildungsbereich: Während man in Deutschland oft noch telefonisch das Passwort für das Windows-basierte Schulnetz erfragt, setzt Finnland schon im großen Stil auf Linux-Lösungen, insbesondere auf Ubuntu. Mittlerweile gibt es eine Google-Maps-Seite, die den Einsatz von freier Software an finnischen Schulen visualisiert (http://tinyurl.com/lu1010-suomi). Ein Klick auf die Karte markiert jene Schulen, die Open-Source-Software und Linux einsetzen. Besonders häufig kommt dabei laut des finnischen Zentrums für Open-Source-Lösungen (http://www.coss.fi/en/) LTSP mit Ubuntu zum Einsatz. Das bestätigt auch die Karte, auf der die meisten Schulen auf Systeme der Firma Opinsys setzen. Die wiederum benutzt ein Ubuntu-basiertes LTSP. Das Kürzel LTSP steht für das Linux Terminal Server Project: Ein zentraler Server versorgt hier altersschwache und aktuelle Rechner gleichermaßen über das Netzwerk mit Desktops. Die Technik eignet sich besonders für Schulen, an denen Rechner unterschiedlicher Alters- und damit Leistungsklassen zum Einsatz kommen.

Die Schulen in Finnland setzen im großen Stil auf Ubuntu-basierte Terminalserver-Lösungen.

Kurz notiert

Der Nachfolger des für Jahresende erwarteten "Squeeze", Debian 7.0, hat den Codenamen Wheezy erhalten (http://tinyurl.com/lu1010-wheezy). Mit dem gesangsbegabten Pinguin mit der roten Fliege kommt erstmals ein Charakter aus Toy Story 2 zum Zug.

Ksplice Uptrack nimmt Kernel-Updates ohne Reboot vor. Die am MIT entstandene gebührenpflichtige Technik (4 US-Dollar pro Monat und Rechner) lässt künftig auf Fedora- und Ubuntu-Desktops kostenlos nutzen (http://www.ksplice.com/news/20100831-fedora).

Ubuntu 10.10 Maverick Meerkat erhält mittels des neuen Frameworks U-Touch 1.0 Multitouch-Fähigkeiten (http://blog.canonical.com/?p=414). U-Touch bietet unter anderem eine Gestenerkennungsengine sowie ein Gesten-API für Anwendungen, von denen in "Maverick" insbesondere der Dokumentenbetrachter Evince und die Netbook-Oberfläche Unity profitieren sollen.

Mit der neuen Version 2010 wandelt sich der bisher locker-flockige Puppy-Ableger Teenpup (http://pupweb.org/wikka/TeenPup) zur dezidierten Distribution für Uralt-PCs. Das spiegelt sich auch in der Umbenennung zu LegacyOS wider. Mit Opera 10.10, Adobe Flash Player 10.1, Java 1.6 und vielen Codecs soll die Live-CD vor allem ein flüssiges Surfen im Web ermöglichen.

In Version 0.5 mit Kernel 2.6.35.3 ist jetzt PrRescue (http://prrescue.prnet.org) erschienen, eine Rettungsdistribution auf Gentoo-Basis. Die Live-CD eignet sich für 64-Bit-Prozessoren und bringt unter anderem Support für das Logging-Dateisystem Nilfs2 mit. Entwickler David Arendt bemüht sich, neueste Gentoo-Pakete zu verwenden, darunter derzeit E2fsprogs-1.41.11, Ntfs3g-2010.3.6, Nfs-utils-1.1.4-r1 und Xfsprogs-3.0.3.

E-Box Technologies, Hersteller des Linux-SMB-Servers E-Box, benennt sein Produkt (frisch in Version 2.0 erschienen) sowie sich selbst in Zentyal (http://www.zentyal.com) um. Der neue Name setzt sich zusammen aus "Zen", was für Eigenschaften wie Intuition, Einblick und Ausgewogenheit stehen soll, und "Essential", was den Anspruch referenziert, sich aufs Wesentliche zu beschränken.

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