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© Chemtec, sxc.hu

Cloud-Computing mit Linux als Betriebssystem

Lokal wolkig

Statt die Festplatte mit Applikationen vollzumüllen, holt sich Peppermint OS Ice die benötigten Ressourcen aus dem Internet.

Der Begriff Cloud-Computing macht bereits seit einiger Zeit die Runde (siehe Kasten "Wolkig bis nebulös"). Für den Normalverbraucher bislang eher ein abstrakter Begriff, erfüllt sich dieser dank dem freien Betriebssystem Linux nun auf dem heimischen PC mit Leben. Mit der aus den USA stammenden Distribution Peppermint OS Ice nutzen Sie verschiedene Dienste und Anwendungen in der Cloud ohne zeit- und nervenaufreibende Installationsorgie.

Wolkig bis nebulös

Beim Cloud-Computing arbeiten Sie mit webbasierten Diensten und Applikationen, die aus dem Internet oder Intranet ("Private Cloud") auf den Rechner kommen. Der einzelne PC-Nutzer betreibt also die von ihm genutzten Anwendungen nicht mehr lokal, sondern greift auf einen Pool zurück.

Diese Pools stellen nicht nur Applikationsprogramme oder Dienste je nach Bedarf bereit, sondern auch Speicherplatz und Rechenkapazität. Da die Rechner der Cloud dem Anwender die Ressourcen dynamisch zuweisen, sollen sich Kostenvorteile ergeben, da die lokalen Ressourcen dann knapper bemessen sein dürften.

Insbesondere bei Cloud-Lösungen, die von großen Anbietern wie Google, Salesforce oder Microsoft stammen, ist jedoch das Problem der Sicherheit und Anonymität beim Übermitteln der Daten und dem Einsatz der Diensten nicht vollständig geklärt, da vor allem kommerzielle Betreiber ein vitales Interesse daran haben, die Daten des Anwenders für personenbezogene Werbezwecke zu nutzen.

Peppermint OS Ice liegt als lediglich rund 415 MByte umfassendes ISO-Image für 32 Bit-Systeme im Netz [1] zum Download bereit. Im Gegensatz zur zweiten am gleichen Ort angebotenen Variante namens Peppermint OS One fokussiert die Ice-Version noch stärker auf webbasierte Dienste und Anwendungen. Durch ein daraus resultierendes, sehr schlankes Design kommt Peppermint OS Ice auch bestens mit älterer Hardware zurecht.

Die Entwickler geben als Hardware-Mindestvoraussetzungen einen Intel-i386-kompatiblen Prozessor, 192 Megabyte Arbeitsspeicher und vier Gigabyte freien Festplattenspeicher zur Installation des Betriebssystems an. Selbstverständlich lässt sich Peppermint OS Ice jedoch auch im Live-Betrieb von CD starten, so dass Sie zunächst die Fähigkeiten des Systems testen können, ohne es dauerhaft zu installieren.

Navigation in der Cloud

In Sachen Aktualität gibt sich die Software keine Blöße: Neben Xorg 1.7.6 kommt als Fenstermanager Openbox in Version 3.4.11.2 zum Einsatz. Als Desktop fungiert der extrem schlanke, jedoch einfach zu bedienende LXDE, und mit Kernel 2.6.32 ist eine ebenfalls aktuelle Version des Linux-Kerns mit an Bord. Peppermint OS basiert zum Teil auf den Distributionen Linux Mint 9 und Lubuntu 10.04, von denen es einige Tools übernimmt. Darüber hinaus haben die Entwickler jedoch mit Ice ein eigenes grafisches Programm in die Distribution integriert, das die Navigation in der Cloud vereinfacht.

Die Live-Distribution startet entweder automatisch oder per Menü in einen sehr aufgeräumten LXDE-Desktop, der auf der Arbeitsoberfläche lediglich einen einzigen Starter zur Installation des Systems auf der Festplatte aufweist. Hinter diesem verbirgt sich der altbekannte Ubuntu-Installer.

Ein Klick auf den Button Menu links unten in der Panelleiste fördert das Hauptmenü zutage, welches sich jedoch auf den ersten Blick sehr enttäuschend präsentiert: Die vielen bei Linux üblicherweise vorhandenen Applikationsprogramme wie OpenOffice, Gimp oder Firefox fehlen komplett. Dafür tauchen in den Untermenüs unzählige Starter auf, die direkt ins Internet verlinken.

Lediglich im Untermenü Preferences finden Sie einige altbekannte Einträge, die die grundlegenden Systemeinstellungen und die Softwareinstallation betreffen. Sogar den lokalen Speicherplatz auf der heimischen Festplatte ergänzt eine Webapplikation: Mithilfe von Dropbox steht Ihnen im Internet weiterer zur Verfügung.

Zu den zahlreichen Webdiensten gesellen sich noch einige lokal abgespeicherte und weitgehend unbekannte Applikationsprogramme: GpicView zum Betrachten von Bildern, ePDFview zur Anzeige von PDF-Dateien an, Xnoise fungiert als Audio-Player und der LXDE-eigene PCManFM übernimmt das Dateimanagement (Abbildung 1).

Abbildung 1: Peppermint OS Ice bringt nur einige kleinere lokale Programme mit.

Verchromte Cloud

Die Philosophie, dass sich die wichtigsten Dienste und Applikationen in der Cloud befinden und nicht mehr auf der lokalen Festplatte, setzt Peppermint OS Ice mit einem eigenen Konzept um: Der Webbrowser Chromium von Google dient in einer stark modifizierten Form als Applikationsfenster. Er startet dabei als Side Specific Browser (SSB), und zwar für jeden Webdienst in jeweils einem eigenen Prozess. Tabs und umfangreiche Menüleisten entfallen. Abgestürzte Dienste in einem Browserfenster oder sehr ressourcenhungrige Applikationen und Plugins haben somit keinen Einfluss mehr auf andere Webseiten.

Durch den Einsatz von Chromium anstelle von Firefox verhält sich das gesamte System zusätzlich bedeutend agiler: Selbst alten Pentium-III-Maschinen mit weniger als einem Gigahertz Taktfrequenz verhilft Chromium zu einem erstaunlich rasanten Tempo beim Navigieren im Netz. Weitere Webdienste fügen Sie problemlos hinzu. Dazu befindet sich im Untermenü Menu | Internet der Starter Ice, mit dessen Hilfe Sie in einem selbsterklärend gestalteten Fenster einen neuen Chromium-Starter in einem Untermenü anlegen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Mit nur fünf Einträgen erzeugen Sie einen neuen Starter für einen Webdienst.

An vordefinierten Diensten finden sich unter anderem bereits Last.fm, Youtube, Hulu, Pandora, die Google Office-Dienste, Facebook sowie als Online-Bildeditor Pixlr. Ice ist so vorkonfiguriert, dass Sie an Chromium selbst als Starter des Dienstes keine Modifikationen oder Einstellungen vornehmen müssen: Nach dem Eintragen des Webdienstes in ein Untermenü startet dieser per Mausklick jeweils automatisch in einem eigenen Prozess. Um im Internet mit der gewohnten Oberfläche und ohne abgespeckte Funktionalität zu surfen, starten Sie einen unmodifizierten Browser entweder aus der Panelleiste am unteren Bildschirmrand oder aus dem Menü.

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