Viele Detailschwächen

Den ersten Fehler der Webstation mussten wir bereits bei der ersten Inbetriebnahme feststellen: Stöpseln Sie den Stecker des Ladegeräts nicht genug fest ein, springt dieser von alleine wieder heraus. Anstatt eines voll geladenen Akkus erwartete uns deshalb am Folgetag ein leerer Akku. Diesen aufzuladen, dauert selbst über das mitgelieferte Ladegerät rund fünf Stunden. Über ein USB-Kabel (fehlt im Lieferumfang) dauert der Vorgang noch länger.

Apropos Lieferumfang: In der Box befindet sich neben der Webstation noch ein paar Ohrhörer mit Mikro, die sich auch zum Telefonieren über eine VoIP-Applikation eignen (vorinstalliert ist Fring), sowie eine per Saugnapf zu fixierende Stütze für das Tablet (Abbildung 2). Der Einsatz der Stütze empfiehlt sich jedoch nicht, da sie nicht über die dazu nötige Stabilität verfügt.

Abbildung 2: Die Stütze eignet sich gut, um ein Produktfoto zu schießen aber nicht, um damit zu arbeiten.

Halten Sie das Gerät waagerecht vor sich hin, befinden sich zur Rechten die drei Knöpfe für den Home-Bildschirm, die Einstellungen und der Zurück-Button. Auf der Seite hat Camangi auch die Anschlüsse für das Ladegerät, USB und die Kopfhörer angebracht. Zur Linken finden sich die Tasten für die Lautstärkeregelung und oben links der Einschalt-Knopf.

Die Webstation verfügt über einen Bewegungssensor, der jedoch nur zwei Positionen kennt: Waagerecht und um 90 Grad im Gegenuhrzeigersinn gedreht. Intuitiv dreht man die Webstation jedoch genau in die umgekehrte Richtung, damit sich die Knöpfe unten befinden. Damit einhergehend stellt sich ein zusätzliches Problem: Die Webstation eignet sich nicht für eine Docking-Station, da sich die wesentlichen Anschlüsse an der rechten Seite oder an der Oberseite des Geräts befinden (im Hochkant-Format). Bei einem Tablet gehört eine Docking-Station jedoch zum Pflichtprogramm, da erst diese sinnvoll das Abspielen von Musik oder Filme sowie den Anschluss einer Tastatur ermöglicht.

Obwohl das Android-System in den Tests einen guten Eindruck machte und flüssig auf Eingaben reagierte, wachte das Gerät oft nicht aus dem Standby-Modus auf. Das System arbeitete dann zwar im Hintergrund (der Musikplayer spielte weiterhin Musik ab), das Display blieb allerdings dunkel. Nach einer gewissen Zeit wurde dieses Verhalten sogar zum Standard und erst nach dem neuesten Update vom Juli 2010 trat das Problem deutlich weniger häufig auf.

Camangi Market

Wie eingangs erwähnt handelt es sich bei der Webstation um kein von Google abgesegnetes Android-Gerät. Somit fehlen der Webstation ein paar Programme und Einstellungen, die bei den Google-Handys zum Standard gehören. Dazu gehört auch der Zugriff auf den Android-Market. Camangi sieht sich hier als Pionier für Tablets und möchte mit dem Camangi-Market die steigende Zahl von Android-Tablet-Nutzern bedienen.

Im registrationspflichtigen Market finden Sie zwischen 100 und 200 Anwendungen, wenn Sie sie denn überhaupt finden: Der Market zeigt in der Grundeinstellung den Reiter Staff Picks an, welcher in neun von 10 Fällen leer ist. Wechseln Sie deshalb immer gleich auf den Reiter By Popularity (Abbildung 3).

Abbildung 3: Es gibt mehr als eine Handvoll Apps im Camangi-Market. Der in der Grundeinstellung angezeigte Reiter Staff Picks verbirgt diese jedoch.

Aufgeteilt nach Gruppen heißt das, dass der Market eine Handvoll Spiele, ein paar Systemtools, sehr wenig Multimedia-Anwendungen und etwa ein Dutzend weitere Apps mitbringt. Für die tägliche und intensive Nutzung des Tablets reicht diese Liste nicht aus. Früher oder später beginnt deshalb auf die Suche nach weiteren Android-Anwendungen.

Hier zeigte sich während der Tests mit der Webstation ein zusätzliches Problem, das allerdings nur indirekt mit der Webstation zusammenhängt: Sobald Sie die vorgegebenen und verfügbaren Quellen für Software – sprich den Camangi-Market – verlassen, kommt ein Gefühl wie unter Windows auf: Alles beginnt mit einer Suche im Web nach Anwendungen und ruckzuck tummeln Sie sich auf Shareware- und Freeware-Seiten. Häufig finden sich darunter solche, die neben 200-Anwendungen im Mega-Giga-Super-ZIP-Pack allerlei andere dubiose Downloads anbieten.

Die so ergatterten Programme zeigen zudem (überwiegend chinesische) Reklame an. Das trifft allerdings auch auf die Apps im Camangi-Market zu. Sie sind somit als Android-Nutzer mit Hardware ohne den Segen von Google komplett auf sich alleine gestellt.

Vor dem gleichen Problem stehen die anderen Anbieter von Android-Tablets. 1&1 hat sich deshalb dazu entschlossen, einen eignen Market aufzumachen [3]. Achten Sie bei den gesuchten Android-Anwendungen auf die Versionsnummer (1.5, eventuell noch 1.6), dann verrichten die meisten Apps jedoch problemlos ihren Dienst.

Lediglich beim Spiel Bistro Cook gab es Probleme: Es weigerte sich, im Querformat zu arbeiten und benutzte auch hochkant nur einen Drittel der Displayfläche. Bei anderen Spielen mussten wir teilweise zunächst ein Setup des Bewegungssensors vornehmen, damit die Rotation wie gewünscht funktionierte.

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