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© Ruslan Olinchuk, 123rf.com

Alles unter einem Dach

Rawtherapee 2.4.1

06.08.2010
Unter Linux gab es bislang lediglich Insellösungen, die jeweils nur Teilbereiche des Workflows beim Verarbeiten von RAW-Bildern abdecken. Rawtherapee ändert das.

Jeder anspruchsvolle Fotograf speichert zumindest die für ihn wichtigen Bilder im RAW-Format ab. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Zum einen besitzt das Rohdatenformat einen Kontrastumfang von 12 bis 14 Bit pro Farbkanal (JPEG: nur 8). Zum anderen schreibt die Kamera interne Einstellungen, etwa den Weißabgleich, in die Metadaten des Bildes und nicht in die Aufnahme selbst.

Daraus ergeben sich vielfältige Vorteile. Speziell bei problematischen Aufnahmen mit starken Kontrasten gleichen Sie die Helligkeit um bis zu acht Lichtwertstufen nachträglich an, ohne dass es zu nennenswerten Bildstörungen kommt. Ähnlich verhält es sich mit anderen Parametern, wie etwa dem Weißabgleich, der Bildbrillanz oder dem Erhöhen oder Absenken von Spitzlichtern und Schatten.

Voraussetzung dafür ist jedoch ein fähiger RAW-Konverter, der Ihnen das nötige Werkzeug in möglichst übersichtlicher Form an die Hand gibt. Seit mehreren Jahren gilt Rawtherapee [1] hier als der Spitzenreiter unter den kostenfreien Programmen.

Überblick

Wie die meisten Anwendungen dieser Couleur bedient sich auch Rawtherapee zum Dekodieren von RAW-Aufnahmen des Kommandozeilenprogramms Dcraw [2]. Gegenüber der Konkurrenz zeichnet sich Rawtherapee aber durch die übersichtlich gestaltete Bedienung sowie den komplett abgebildete Workflow aus. So ermöglicht es nicht nur das verlustfreie Bearbeiten der Aufnahmen (siehe Kasten "Ohne Verluste"), sondern auch das Verschlagworten und Bewerten. Der angegliederte Dateibrowser erleichtert die Navigation zu den Bildern, die in einer Vorschauansicht erscheinen.

Ohne Verluste

RAW-Aufnahmen verhalten sich in der digitalen Welt wie Dias oder Negative in der analogen. Sie bleiben stets im Originalzustand und erlauben damit das beliebige Reproduzieren ohne Qualitätsverlust.

Praktisch alle RAW-Konverter mit Verlaufsspeicher schreiben Bildänderungen in eine separate Datenquelle. Mache verwenden dazu eine Datenbank, andere – so auch Rawtherapee – nutzen eine Textdatei dafür. Das Tool legt für jedes modifizierte Bild im Verzeichnis ~/.config/RawTherapee/cache/profiles/ ein Textfile an, dessen Namen mit jenem der Bilddatei beginnt, zusätzlich einen Hashwert umfasst und mit der Erweiterung .pp2 endet. Diese Textdatei enthält die Modifikationen in Form von Beschreibungen. So speichert es Änderungen am globalen Kontrast beispielsweise in der Rubrik [Exposure] unter Contrast=Zahlenwert.

Öffnen Sie das Bild, liest der Konverter die zugehörige Textdatei aus und stellt die Vorschau entsprechend der dort hinterlegten Werte ein. Erst der Export der Aufnahme in ein anderes Format, etwa JPEG oder PNG, übernimmt die Änderungen in die Kopie.

Im Januar dieses Jahres entschloss sich der Initiator des Projekts, Gabor Horvat, Version 3.0 von Rawtherapee nicht wie bisher unter eine Closed-Source-Lizenz zu stellen, sondern unter der GPL zu veröffentlichen. Die erste veröffentlichte Alpha-Version vermittelt einen recht guten Eindruck der Neuerungen, doch zahlreiche Bugs behindern derzeit noch die Arbeit damit (siehe Kasten "Endlich frei").

Endlich frei

Im Januar diesen Jahres erschien Rawtherapee 3.0 als unstabile Alpha-Version. Als wichtigste Neuerung stellt der Entwickler diese und zukünftige Versionen unter die GPL. Die Oberfläche der 3er-Version wirkt besser organisiert; einige Zusatzfeatures, etwa der vorher/nachher-Bildvergleich, erleichtern die Arbeit (Abbildung 1). Erste Tests zeigten aber recht schnell, dass Nutzer das ausgewiesene Alpha-Stadium ernst nehmen sollten: Viele wichtige Funktionen wie die Kleinbildvorschau arbeiteten nur unzureichend. Andere, etwa das Ausrichten des Horizonts, bringen das Programm zum Absturz. Es bleibt zu hoffen, dass die Entwickler am Ball bleiben und das Programm – das wie schon sein Vorgänger eine Menge Potenzial besitzt – zügig finalisieren.

Abbildung 1: Die erste Alpha-Version von Rawtherapee 3 zeigt zwar, wohin der zukünftige Weg führt. Das sinnvolle Arbeiten damit ist aber wegen vieler Bugs noch nicht möglich.

Es ist eingerichtet

Da die derzeit stabile Version 2.4.1 von Rawtherapee einer proprietären Lizenz unterliegt, fehlt sie in den Repositories der Distributionen. Das Projekt stellt die Software aber als allgemeinkompatibles Binärpaket zum Download bereit. Es genügt, den Tarball an einer beliebigen Stelle zu entpacken und das Programm mit einem Klick auf das Shellskript rtstart zu starten.

Falls das nicht klappt, öffnen Sie im Verzeichnis ein Terminal und tippen darin bash rtstart, um den Grund des Scheiterns zu ermitteln – meist stellen sich als Ursache fehlende Abhängigkeiten heraus. Unter OpenSuse genügt es, das Paket Gtkmm2 zu installieren, um das Problem zu lösen.

Konfiguration

Sie erreichen die Konfiguration des Programms im Hauptfenster über den Schalter Preferences rechts unten. Im Reiter General legen Sie unter anderem die Lokalisierung und das Theme fest. Image Processing erlaubt die Anwahl der verschiedener Profile, welche das Programm beim Laden auf die Bilder anwendet. Zur Auswahl stehen default (das Bild erscheint weitgehend im Originalzustand), neutral (leichte Anpassungen an Helligkeit und Schärfe) und crisp (kräftigere Farben, höhere Kontraste). Legen Sie eigene Profile an, tauchen auch diese in der Auswahl auf.

In File Browser legen Sie fest, welche Dateitypen Rawtherapee berücksichtigt und welches Standardverzeichnis beim Öffnen erscheint. In den Output Options stellen Sie ein, in welchem Dateiformat das Programm Bilder exportiert. Zur Auswahl stehen JPEG, PNG und TIFF, letztere in 8 und 16 Bit Farbtiefe. Einige Änderungen an der Konfiguration wie die Lokalisierung übernimmt das Programm erst nach einem Neustart.

Bilder verwalten

Im unteren Drittel des Fensters beherbergt Rawtherapee die Dateiverwaltung und Bildvorschau. Links im Dateibrowser navigieren Sie zunächst zu dem Verzeichnis mit den Bildern. Ein Doppelklick darauf öffnet diese in der Kleinbildansicht. Je nach Bildgröße dauert das jedoch beim ersten Mal eine gewisse Zeit. Da das Programm die Thumbnails samt Metadaten jedoch im Cache speichert, erscheinen sie bei nächsten Mal praktisch sofort. Allerdings ignoriert Rawtherapee Bilder in untergeordneten Verzeichnissen.

Die Ansicht beeinflussen Sie mit den Plus- und Minus-Symbolen neben Größe d. Vorschau, die Art (untereinander oder nebeneinander) mit dem Mäander-Icon rechts daneben. Mit der Bewertungsfunktion in Form von Sternen legen Sie Ihre persönlichen Favoriten fest. Aktivieren Sie den Filter (die Sterne über dem Vorschaufenster), so erscheinen jeweils nur die entsprechend gewerteten Aufnahmen. Als Vergleichsoperator kennt das Programm jedoch lediglich "ist gleich", "größer" oder "kleiner gleich" hingegen nicht.

Der EXIF-Filter bietet Ihnen eine weitere Möglichkeit, die Anzahl der angezeigten Bilder einzuschränken (Abbildung 2). Sie wählen darin das Kameramodell oder Objektiv, mit dem die Aufnahme erstellt wurde. Alternativ grenzen Sie die Auswahl mit Parametern wie Belichtungszeit, Blende oder Brennweite ein. Über den Reiter Metadata gelangen Sie zu den EXIF- und IPTC-Metadaten des Bildes. Hier ergänzen Sie die Aufnahme nach Bedarf mit zusätzlichen Schlagwörtern, einer Bildbeschreibung und einem Copyright-Vermerk.

Abbildung 2: Der EXIF-Filter erlaubt es Ihnen, die Vorschau auf Bilder mit bestimmten Aufnahmemerkmalen einzuschränken.

Wie alle anderen Modifikationen landen auch diese Zusatzinformationen zunächst in der zugehörigen Textdatei, erst der Export speichert sie im Bild. Allerdings weist Rawtherapee in dieser Hinsicht einige Mängel auf. So fehlt die Möglichkeit, mehrere Bilder gleichzeitig zu verschlagworten. Weit schwerer wiegt jedoch, dass das Programm keinerlei Funktionen mitbringt, um Bilder nach den vergebenen Stichwörtern oder Beschreibungen zu suchen.

Zuschneiden und ausrichten

Neben den RAW-Aufnahmen verarbeitet das Programm auch Bilder anderer Formate, etwa PNG, TIFF oder JPEG. An der Vorgehensweise, dass es die Bilder verlustfrei behandelt, ändert sich dabei nichts. Aufnahmen laden Sie mit einem Doppelklick auf die Vorschauansicht ins Hauptfenster. Die vorgenommenen Änderungen zeigt das Programm meist in Echtzeit im Bild an. Um die Arbeitsfläche zum Bearbeiten zu vergrößern, klicken Sie in der Iconleiste oben auf die Pfeile neben H und F. Damit blenden Sie die Dateiverwaltung und das Histogramm samt Bearbeitungsverlauf aus.

Um den Bildausschnitt zu ändern, wählen Sie aus der Schalterleiste über dem Bild das Icon mit dem stilisierten Viereck und ziehen danach mit der Maus den Bereich auf, den Sie berücksichtigen möchten. Fahren sie nun mit der Maus über die Ränder, erscheint der Mauszeiger als Doppelspitze, die das nachträgliche Anpassen der Größe durch Ziehen ermöglicht. Um den Ausschnitt zu verschieben, drücken Sie zunächst [Umschalt] und platzieren ihn dann mit der Maus am gewünschten Ort.

Möchten Sie die Standardformatvorgabe 2:3 ändern, wechseln Sie in den Reiter Verändern. Unterhalb von Wähle Ausschnitt legen Sie das neue Format fest, etwa 3:4 oder 16:10. Klicken Sie auf Autoausschnitt, dann grenzt Rawtherapee das Bild auf das voreingestellte Format ein. Das Deaktivieren der Checkbox vor Festes Format ermöglicht es, den Ausschnitt frei zu wählen.

Schiefe Horizonte gleichen Sie am einfachsten damit aus, dass Sie in der gleichen Kategorie Wähle Leitlinie anklicken und danach eine horizontale oder vertikale Linie im Bild mit der Maus nachfahren. Nach dem Loslassen der Maustaste richtet Rawtherapee die Aufnahme daran aus (Abbildung 3).

Abbildung 3: Mit der Leitlinie richten Sie jedes Bild in Sekunden exakt gerade aus.

In der gleichen Rubrik finden Sie Werkzeuge, um vom Objekt verursachte Fehler auszugleichen. Am häufigsten tritt die so genannte Vignettierung in Erscheinung, bei der das Bild zu den Ecken hin abdunkelt. Abhilfe schaffen die Regler unter Korrektur Randlichtabfall. Während Menge die Intensität beschreibt, stellen Sie mit Radius den Durchmesser des imaginären Kreises ein, ab dem Rawtherapee das Bild aufhellt.

Chromatische Abberationen (Farbsäume an Kontrastkanten) reduzieren Sie im Abschnitt Farbsaum-Entfernung. Vor allem Weitwinkelobjektive neigen dazu, Bilder nach außen hin zu kissenförmig zu verzeichnen. Diesem Effekt begegnen Sie mit dem Regler im Abschnitt Entzerrung.

Farbenspiel

Speziell bei Mischlicht und ungünstigen Lichtverhältnissen kommt es vor, dass der automatische Weißabgleich der Kamera versagt, sodass Sie nachjustieren müssen.

Am einfachsten erledigen Sie das mit einem Klick auf das Pinzettensymbol in der Iconleiste über dem Bild. Navigieren Sie dann in einen möglichst neutralen grauen oder weißen Bildbereich. Zur Kontrolle erscheint am oberen Bildrand die RGB-Farbe des angewählten Pixels als Ziffernwert. Einen passenden Bereich erkennen Sie daran, dass die drei Farbwerte nur wenig voneinander abweichen. Beim Klick auf den gewählten Bereich passt Rawtherapee die Farbtemperatur des Bilds an die Vorgabe an. Das wiederholen Sie so lange, bis das Ergebnis Ihren Vorstellungen entspricht.

Alternativ bietet das Programm im Reiter Farbe diverse Schieberegler, mit denen Sie die Farbtemperatur direkt einstellen (Abbildung 4). Voreinstellungen wie Sonnenlicht oder bewölkter Himmel fehlen jedoch. Eine sehr präzise Feinjustage gestattet der Abschnitt Kanalmixer, der für jede der Grundfarben (Rot, Grün, Blau) wiederum drei RGB-Regler bereitstellt. Die Farbsättigung erhöhen Sie speziell bei flauen Bildern im Abschnitt Farbverstärkung.

Abbildung 4: Zum Farbabgleich bietet Rawtherapee eine Reihe von Möglichkeiten. Die einfachste stellt das Pinzettenwerkzeug dar, mit dem Sie einen farbneutralen Bereich im Bild anklicken.

Scharfe Sachen

Vor allem Kompakt- und Bridge-Kameras neigen wegen des kleinen Bildsensors bei schlechten Lichtverhältnissen oder hohen ISO-Werten zum Bildrauschen.

Das passende Werkzeug, um es abzumildern, finden Sie in der Rubrik Detail. Mit dem Luminanz-Rauschfilter verringern Sie das Rauschen im Helligkeitskanal, der Farb-Rauschfilter unterdrückt es in den Farbkanälen. Wenden Sie jedoch beide nur behutsam aufs Bild an, da andernfalls leicht Bilddetails verloren gehen.

Wertvolle Hilfe leistet hier die Lupenfunktion, die Sie mit der Checkbox Detail am unteren rechten Bildrand aktivieren. Damit erscheint im Bild oben ein rotes Rechteck, mit dem Sie den Ausschnitt festlegen, den Rawtherapee unten links einblendet. Die Detailstufe bestimmten Sie mit den Minus- und Plus-Knöpfen daneben (Abbildung 5). Das Auswahlrechteck verschieben Sie mit der Maus.

Abbildung 5: Wenn es aufs Detail ankommt, dann bietet die Lupenfunktion von Rawtherapee eine wertvolle Hilfestellung.

Leicht unscharfen Bildern rücken Sie mit der Funktion Schärfen zu Leibe. Es stehen dafür die Optionen Unscharf maskieren und R-L Bildrestaurierung zur Verfügung. Die altbewährte Technik des unscharfen Maskierens bieten viele Bildbearbeitungsprogramme an, so etwa auch Gimp. Sowohl beim Rauschentfernen als auch beim Nachschärfen zeigt Rawtherapee das Ergebnis jedoch nicht wie gewohnt sofort im Bild an, sondern nur in der Lupenansicht. Diese sollten Sie deswegen bei solchen Modifikationen in jedem Fall aktivieren. Zu starkes Nachschärfen erzeugt um die Kanten sogenannte Halos, also Lichthöfe. Das Aktivieren der Checkbox Halo-Kontrolle reduziert sie.

Generell gilt: Schärfe- und Rauschfilter heben sich teilweise gegenseitig auf. Unabhängig davon verstärkt nachträgliches Schärfen ein vorhandenes Bildrauschen.

Licht an…

Sämtliche Funktionen zum Abgleich von Helligkeit und Kontrast finden Sie nach Themen sortiert im Reiter Belichtung des Bearbeitungsmenüs. Grundlegende Regler für Belichtungskorrektur, Helligkeit und Kontrast offeriert die gleichnamige Rubrik Belichtung. Sie enthält auch eine Unterrubrik namens Tonwertkurve. Diese entspricht in ihrer Funktion einem Audio-Equalizer und erlaubt das detaillierte Abschwächen oder Erhöhen bestimmter Helligkeitswerte im Bild von Schwarz (links) bis Weiß (rechts).

Jeder Klick auf die Linie fügt einen Knoten hinzu, den Sie als Anfasser nutzen und damit die Kurve nach Belieben verändern. Zur Kontrolle blendet Rawtherapee links oben ein RGB-Histogramm ein, das die Helligkeitsverteilung im Bild anzeigt. Ein Klick auf die beiden Warndreiecke in der Icon-Leiste über dem Bild hebt zu helle und dunkle Passagen zusätzlich hervor (Abbildung 6).

Abbildung 6: Rawtherapee unterstützt Sie mit verschiedenen Hilfsmitteln wie dem RGB-Histogramm, Ihr Bild korrekt zu belichten.

Um zu helle oder zu dunkle Bildpartien zu korrigieren, stellt das Programm unter Schatten/Lichter das passende Werkzeug bereit. So bewirkt das Verschieben des Reglers Lichter den Angleich zu heller Passagen an die Gesamthelligkeit des Bildes. Ähnlich verhält es sich mit Schatten für dunkle Bereiche. In beiden Fällen kommt es unter Umständen zu erhöhtem Bildrauschen.

Dies und das

Die eingebaute Stapelverarbeitung erlaubt, Änderungen eines Bildes auf beliebige andere Aufnahmen zu übertragen. Rechtsklicken Sie dafür nach dem Bearbeiten in der Vorschauansicht auf die gewünschte Aufnahme und rufen Sie aus dem Kontextmenü Profil kopieren auf.

Danach wählen Sie mit der rechten Maustaste die Bilder an, auf die Sie das Profil übertragen möchten. Zum kompletten Übertragen des Bildprofils nutzen Sie den Punkt Profil einfügen des Kontextmenüs. Möchten Sie nur ausgewählte Änderungen transferieren, aktivieren Sie stattdessen Profil selektiv einfügen (Abbildung 7). Im Auswahlfenster legen Sie dann fest, welche Werte Sie übertragen wollen.

Abbildung 7: Mit Rawtherapee übertragen Sie Bildeinstellungen einzeln oder komplett auf andere Aufnahmen.

Möchten Sie mehrere Verarbeitungswege bei einem Bild ausprobieren, speichern Sie den aktuellen Stand über den Schalter + Neue Variante ab. Danach beginnen Sie das Bearbeiten erneut, wahlweise mit oder ohne die bereits vorgenommenen Änderungen. Jeden der Arbeitschritte speichern Sie im Bedarfsfall als eine neue Variante ab, zu der Sie jederzeit zurückkehren können. Allerdings sichert Rawtherapee jeweils nur das Ergebnis, nicht aber die einzelnen Bearbeitungsschritte: Die löscht es auch beim Wechsel in ein anderes Bild oder beim Schließen des Programms.

Um einen Bearbeitungsprozess auch für andere Bilder zu nutzen, speichern Sie die Änderungen am Bild als eigenes Profil. Zukünftig genügt es, dieses aus dem Dropdown-Menü der Rubrik Bearbeitungsprofile auszuwählen, um es auf das geladene Bild anzuwenden.

Zum Exportieren einer Aufnahme genügt ein Klick auf den Schalter Bild speichern. Ohne weitere Nachfragen landet das Bild dann in der Verarbeitungsqueue, die Sie über das Zahnradsymbol oberhalb der Vorschaubilder erreichen. Rawtherapee verwendet das in den Einstellungen vorgegebene Format sowie den darin eingestellten Speicherort.

Spezielle Exporte – beispielsweise als Webgalerie, PDF oder direkten Upload zu Bilderhostern wie Flickr – ermöglicht das Programm nicht. Auch die Größe des exportierten Bildes legen sie nur in dessen jeweiligen Einstellungen unter Verändern | Größe ändern fest. Eine globale Einstellungsmöglichkeit fehlt.

Fazit

Rawtherapee schafft es in keiner Disziplin, der kommerziellen Konkurrenz wie Adobe Lightroom [3] ernsthaft Paroli zu bieten. Nichtsdestoweniger offeriert es einen Workflow und Funktionsumfang, der unter den freien Programmen seinesgleichen sucht.

Hobbyfotografen und Gelegenheitsknipser, die gelegentlich RAW-Aufnahmen konvertieren und deren Bildbestand sich in Grenzen hält, finden in Rawtherapee sicherlich ein sehr nützliches Werkzeug. Profis und Vielfotografierer mit hohen Ansprüchen an die Bildverwaltung kommen bislang um den Kauf kommerzieller Produkte wie Lightroom nicht herum.

Glossar

EXIF

Exchangeable Image File Format. Standard der Japan Electronic and Information Technology Industries Association (JEITA) für das Dateiformat, in dem Digitalkameras Metadaten zu den Bilder speichern.

IPTC

International Press Telecommunications Council. Herausgeber eines Standards für die Speicherung von Metadaten mit besonderem Schwerpunkt auf redaktioneller Arbeit.

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