Fazit

Die Möglichkeiten von Exiftool reichen weit über den gezeigten Einsatz im Rahmen einer Bilddatenbank hinaus. Das Einfügen von Geotags oder das Ergänzen von Bildern um neue Daten im komfortablen Stapelbetrieb machen das Tool zu einer unersetzlichen Hilfe für jeden, der viel mit digitalen Bildern arbeitet.

Mit Exiv2 existiert ein Projekt, das versucht, die Funktionen von Exiftool in C++ abzubilden. Das würde unter Umständen einen Geschwindigkeitsgewinn bedeuten. Derzeit fehlen aber noch viele Funktionen aus dem Original, so dass Sie bei komplexen Operationen nicht um Exiftool herumkommen.

Bleibt noch zu erwähnen, dass sich der Funktionsumfang nicht allein auf digitale Bilder beschränkt: Auch Video- und Audiodateien entlockt das kleine Tool einiges an Informationen. Das Hauptaufgabengebiet von Exiftool stellen aber digitale Fotos dar.

Interview mit Phil Harvey

Hinter dem gewaltigen Projekt Exiftool steckt im Wesentlichen eine Person: Phil Harvey. In einem kurzen Interview erzählt der Programmautor, was ihn zu dem Projekt bewogen hat und wie es aktuell um die Situation im Bereich Metadaten bestellt ist.

LinuxUser: Die erste Version von Exiftool erschien im November 2003. Was war deine Motivation, mit dem Projekt zu beginnen?

Phil Harvey: 2003 entschied ich mich, Exiftool in ein eigenes Projekt auszulagern. Davor gehörte es zu einem Skript, das ich bereits 2001 entwickelt hatte, um Bilder zu katalogisieren. Ich benutze dieses Skript immer noch, um Fotos von meinen Digitalkameras herunterzuladen und in einem HTML-basierten Katalog zu organisieren, der auch die Metadaten anzeigt. Als erstes hatte ich damals den Kommentar aus den JPEGs extrahiert, aber schnell merkte ich, dass da noch mehr Daten in den Dateien schlummerten. Das machte mich neugierig.

LU: Arbeitest Du nur in Deiner Freizeit an dem Programm, oder bezahlt Dich jemand für die Arbeit?

PH: Ich arbeite nur in meiner Freizeit an dem Programm, aber ich nehme Spenden an und möchte mich an dieser Stelle bei allen bedanken, die etwas zu dem Projekt beigetragen haben.

LU: Was waren die größten Probleme, auf die Du beim Untersuchen der Metadaten gestoßen bist?

PH: Zu den größten Herausforderungen gehört das Abfangen der Fehler, die andere Software in die Metadaten einbaut. Man sollte denke, dass es sich bei EXIF eigentlich eine ziemlich gradlinige Vorgabe handelt, nichtsdestoweniger sind Formatfehler in den Daten weit verbreitet. Viele Kameras haben kleine Macken, und diese ganzen Probleme in einer vernünftigen Weise zu behandeln, ist sehr schwierig.

LU: Habe die Firmen aus der Fehlern der Vergangenheit gelernt, oder wartet da immer noch viel Arbeit auf Dich? Ist es heute einfacher, Metadaten aus den Dateien zu extrahieren?

PH: Unternehmen lernen nicht aus ihren Fehlern. Strukturelle Fehler in den Metadaten sind nach wie vor sehr verbreitet. Darüber hinaus verursachen die ungenügenden Standards für Metadaten zusätzliche Probleme. Wo ich konnte, habe ich versucht, an der Verbesserung der Standards mitzuarbeiten. Derzeit bin ich als Gutachter für die XMP- und MWG-Spezifikationen (MWG: Metadata Working Group [7]) tätig.

In jüngster Zeit explodiert die Anzahl der Meta-Informationen. Etliche Kameratypen speichern immer neue Daten, die Zahl der dazu benötigten Standards steigt rapide an. Allein in den letzten drei Monaten sind von allen drei wichtigen Standards (EXIF, IPTC und XMP) neue Versionen der Spezifikation herausgekommen, und ein neuer Satz von Empfehlungen der MWG steht vor der Tür. Es gibt mehr zu tun den je, um Exiftool auf dem neusten Stand zu halten.

LU: Welchen Rat kannst Du Lesern mit auf den Weg geben, wenn Sie fragen, auf welche Weise sie am besten dem Projekt helfen können?

PH: Jeder, der eine Digitalkamera besitzt, kann mithelfen, unbekannte Felder in den Metadaten zu dekodieren. In diesem Bereich gibt es immer viel zu tun. Neue Informationen lassen sich beispielsweise erschließen, indem man systematisch die Kameraeinstellungen ändert und die Unterschiede der Ausgabe exiftool -U analysiert. Viele der Maker-Note-Informationen (siehe Kasten "EXIF, IPTC, XMP") sind auf dieser Weise von Anwendern entschlüsselt worden.

Für mich ist das wie eine Ostereier-Suche: Es macht einfach Spaß, die Bedeutung von unbekannten Informationen in meinen Bildern zu entdecken.

LU: Vielen Dank für die interessanten Hintergrundinformationen, Phil!

Infos

[1] Exiftool: http://www.sno.phy.queensu.ca/~phil/exiftool/

[2] MPEG-2 Transport Stream: http://en.wikipedia.org/wiki/.m2ts

[3] Geräteverwaltung mit Udev: Erik Amberg, "Sauber verzahnt", LU 09/2008, S. 76, http://www.linux-community.de/artikel/16484

[4] JEITA: http://www.jeita.or.jp

[5] IPTC-NAA: http://de.wikipedia.org/wiki/IPTC-NAA-Standard

[6] Extensible Metadata Plattform: http://www.adobe.com/products/xmp/

[7] Metadata Working Group: http://www.metadataworkinggroup.org

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Klare Strukturen
    Das Perl-Programm Exiftool erweist sich beim Umgang mit Metadaten als Schweizer Taschenmesser: Mit ihm organisieren Sie Bilder im Handumdrehen in einem sauber geordneten Archiv.
  • Bilder richtig taggen
    Können Sie die Metainformationen Ihrer Fotos auch noch in 20 Jahren lesen? Erst allmählich gibt es (Open-Source)-Lösungen, welche die verschiedenen Standards harmonisieren.
  • Bilder mit Geodaten aufbereiten
    Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen – und das am besten nicht mit endlosen Diashows, sondern einem hübsch aufgemachten Track, mit den passenden Aufnahmen garniert.
  • Am laufenden Band
    Kommandozeilenprogramme zur Bildbearbeitung punkten gegenüber den Tools mit grafischer Oberfläche durch einen entscheidenden Vorteil: Sie bieten vor allem beim Bearbeiten mehrerer Bilder deutlich mehr Flexibilität.
  • Foto-Workflow mit Bibble 5
    Profitaugliche Fotosoftware gibt es meist nur für Windows oder den Mac. Zu den wenigen Ausnahmen zählt das kommerziell vertriebene Bibble 5, ein direkter Konkurrent von Adobe Lightroom. Doch das umfangreiche Programm zeigt auch einige Schwächen.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 12/2016: Neue Desktops

Digitale Ausgabe: Preis € 5,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxUser erscheint monatlich und kostet 5,95 Euro (mit DVD 8,50 Euro). Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 86,70 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop. Im Probeabo erhalten Sie zudem drei Ausgaben zum reduzierten Preis.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!

Aktuelle Fragen

Drucker Epson XP-332 unter ubuntu 14.04 einrichten
Andrea Wagenblast, 30.11.2016 22:07, 2 Antworten
Hallo, habe vergeblich versucht mein Multifunktionsgerät Epson XP-332 als neuen Drucker unter...
Apricity Gnome unter Win 10 via VirtualBox
André Driesel, 30.11.2016 06:28, 2 Antworten
Halo Leute, ich versuche hier schon seit mehreren Tagen Apricity OS Gnome via VirtualBox zum l...
EYE of Gnome
FRank Schubert, 15.11.2016 20:06, 2 Antworten
Hallo, EOG öffnet Fotos nur in der Größenordnung 4000 × 3000 Pixel. Größere Fotos werden nic...
Kamera mit Notebook koppeln
Karl Spiegel, 12.11.2016 15:02, 2 Antworten
Hi, Fotografen ich werde eine SONY alpha 77ii bekommen, und möchte die LifeView-Möglichkeit nu...
Linux auf externe SSD installieren
Roland Seidl, 28.10.2016 20:44, 1 Antworten
Bin mit einem Mac unterwegs. Mac Mini 2012 i7. Würde gerne Linux parallel betreiben. Aber auf e...