HDR für Faule
HDR-Workflow ohne Stativ und Mausklicks
Ausrichten der Bilder
Der aus dem Hugin-Paket stammende Befehl align_image_stack (Listing 1, Zeile 37) richtet die Bilder einer HDR-Gruppe aus. Für jedes Einzelbild berechnet das Programm eine angepasste Variante mit den notwendigen Verschiebungen und Drehungen. Der Parameter -a AIS gibt dabei an, mit welchem Präfix die umgewandelten Dateien beginnen. Zunächst überrascht, dass die Ergebnisdateien die selbe Größe aufweisen wie die Originale. Zu erwarten wäre eigentlich die größtmögliche Schnittmenge aller Einzeldateien. Ein Blick mit Gimp auf eine der Aufnahmen zeigt des Rätsels Lösung: Der Alphakanal zeigt an, welche Pixel tatsächlich zum Bilderstapel gehören und welche nicht.
Wie gut richtet Hugin die Bilder aus? Hier gibt es eine einfache Antwort: Entweder es funktioniert sehr gut oder gar nicht. Die Methode scheitert gelegentlich bei räumlich gestaffelten Bildern, bei denen der Fotograf die Kamera bei der Aufnahme (wenn auch nur minimal) dreht. Den Effekt nennt sich "Daumensprung": Der Daumen der ausgestreckten Hand springt beim abwechselnden Betrachten mit dem linken oder rechten Auge herum. Zwei (unscharfe) Daumen sieht dagegen jeder, der den Hintergrund scharf stellt. Durch den geringeren Drehwinkel eignen sich Kameras mit schneller Serienbildfunktion besser.
Bilder kombinieren
Nach dem Ausrichten der Bilder gibt es prinzipiell zwei weitere Vorgehensweisen. Der Befehl enfuse aus dem gleichnamigen Paket erzeugt direkt ein normales LDR-Bild im TIF-Format (Listing*1, Zeilen 40 bis 41). Das geht vergleichsweise schnell, das Ergebnis mutet eher natürlich an (Abbildung 4). In der Praxis eignen sich die per Enfuse erzeugten Bilder sehr gut als Ausgangsbasis für das finale Bearbeiten mit Gimp (Zeile 41 in Listing 1 ist ein Workaround für einen Gimp-Bug).
Der Weg zu echten HDR-Bildern erweist sich als etwas steiniger. Zuerst benötigen Sie eine Steuerdatei mit einer Zeile pro Datei der zu kombinierenden Bilderserie. Diese Datei (Listing 2) enthält die Belichtungswerte der einzelnen Bilder. Da die relevanten Daten in den EXIF-Informationen stehen, erzeugt das Programm Dcraw2hdrgen die Datei (fast) ohne Probleme (Listing 1, Zeilen 44 bis 45).
Listing 2
dsc_1235.nef 180.0 8.0 100 0 dsc_1234.nef 45.0 8.0 100 0 dsc_1236.nef 10.0 8.0 100 0
Die Ausgabe von Dcraw2hdrgen sortiert das Skript nach Belichtung absteigend – und geht dabei optimistisch davon aus, dass die Bilder schon in der richtigen Reihenfolge auf der Kommandozeile stehen.
Nach dem Erzeugen der Steuerdatei erstellt das Hdrff-Skript die endgültige HDR-Datei. Dazu benötigt es vier weitere Befehle, unixtypisch via Pipe verbunden (Listing 1, Zeilen 46 bis 49). Das sieht zwar eindrucksvoll aus, zeigt aber auch, warum HDR unter Linux als kompliziert gilt.
Wer sich mit automatischen Abläufen nicht anfreunden kann, findet mit Qtpfsgui [3] auch eine grafische Oberfläche, die sich allerdings nicht eignet, um HDR-Bilder im hier besprochenen Kontext (ohne Stativ) zu erstellen.



