HDRs identifizieren

Als wichtiger Punkt beim Verarbeiten von HDR-Fotos gilt das Identifizieren der zusammengehörenden Einzelbilder. Manuell ist das immer möglich, aber nach einer langen Fotosession unnötig nervig. Die im Anschluss beschriebene automatische Identifikation hält dagegen eine Reihe von Fallstricken bereit, und zu jedem Verfahren gibt es Ausnahmen, die nicht passen.

Der einfachste Ansatz besteht darin, alle Fotos, die kurz hintereinander aufgenommen wurden, einer HDR-Gruppe zuzuordnen. Die Kamera legt den Aufnahmezeitpunkt mit Sekundenauflösung in den EXIF-Daten ab. Ein Bild gehört also zum vorherigen, wenn die Aufnahmezeitpunkte maximal eine Sekunde auseinanderliegen. Fotografen, die gleichzeitig HDR-Aufnahmen und schnelle Serienaufnahmen machen, scheitern hier natürlich. Aber da das eher die Ausnahme darstellt, beschränkt sich das Hdrff-Skript der Einfachheit halber auf den allgemeinen Fall.

Verbessern lässt sich der Algorithmus mithilfe des Merkmals (Belichtungs-) Reihenaufnahme aus den EXIF-Daten. Dummerweise legt jeder Hersteller das Attribut an anderer Stelle ab, eine Suche nach bracket in der Ausgabe der EXIFdaten identifiziert aber die relevanten EXIF-Felder:

$ exiftool dsc_1234.nef | grep bracket

Das Universalwerkzeug Exiftool [2] kommt zum Lesen und Bearbeiten damit auch zum Identifizieren der HDR-Gruppen zum Einsatz. Die Zeilen 13 bis 30 in Listing 1 zeigen die entscheidende Logik dahinter: Das Skript speichert den Aufnahmezeitpunkt in einem speziellen Format (Sekunden seit Anfang 1970) und vergleicht den Zeitpunkt jedes Bildes mit dem Zeitpunkt des Vorgängers.

Korrektur von Linsenfehlern

Zur Vorbereitung der Einzelbilder gehört ein weiterer, optionaler Schritt: Selbst Objektive aus dem Highend-Bereich weisen Abbildungsfehler auf, insbesondere chromatische Abberationen (CAs). Diese Farbsäume um kontrastreiche Ränder erweisen sich bei der HDR-Verarbeitung als besonders störend, da diese den Effekt sogar noch verstärkt.

CAs entstehen durch die unterschiedliche Brechung der verschiedenfarbigen Lichtwellen in der Linse des Objektives. Eine unterschiedlich starke Skalierung der einzelnen Farbkanäle korrigiert sie. Die Zeilen 33 und 34 aus Listing 1 erledigen das für Sie. Das Programm Tca_correct berechnet die Skalierungsfaktoren, das Tool Fulla führt die Korrektur durch (Abbildung 3). Beide gehören zum Hugin-Paket, also dem bekannten Werkzeug, das Panoramen aus Einzelbildern zusammenfügt.

Abbildung 3: Links: Besonders an Bildrändern kommt es zu störenden chromatischen Abberationen (gut zu sehen an der Laterne). Rechts: Die Tools Tca_correct und Fulla entfernen diese.

Das zeitaufwändige Berechnen der Korrekturfaktoren ist aber nicht für jedes Bild notwendig, da die Faktoren im Wesentlichen von der Brennweite und der Blende abhängen. Da diese Parameter bei HDR-Reihen im Normalfall gleich bleiben, berechnet Hdrff diese Faktoren nur einmal.

Fulla entfernt auch Verzeichnungsfehler von Objektiven. Diese Korrekturen funktionieren aber nur beim Vorliegen entsprechender Objektivdaten – die gibt es allerdings nur bei wenigen Herstellern. Details dazu finden Sie in der Hilfeseite von Fulla.

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