Home / LinuxUser / 2010 / 09 / HDR-Workflow ohne Stativ und Mausklicks

Newsletter abonnieren

Lies uns auf...

Folge LinuxCommunity auf Twitter

Top-Beiträge

Eingedost
(161 Punkte bei 4 Stimmen)
Aufteiler
(161 Punkte bei 4 Stimmen)

Heftarchiv

LinuxUser Heftarchiv

EasyLinux Heftarchiv

Ubuntu User Heftarchiv

Ubuntu User Heftarchiv

Partner-Links:

Das B2B Portal www.Linx.de informiert über Produkte und Dienstleistungen.

AA_figur_drueckt_knopf_123rf-6981466_skvoor.jpg

© Skvoor, 123rf.com

HDR für Faule

HDR-Workflow ohne Stativ und Mausklicks

12.08.2010 HDR gilt als komplex und aufwändig: Ohne Stativ und ohne schwer zu bedienende Software geht nichts – so der Mythos. Doch freie Linux-Tools machen möglich, wovon Windows-Nutzer nur träumen können.

Die Nachteile moderner Digitalkameras gegenüber dem klassischen analogen Film reduzieren sich zusehends. Die Sensoren erreichen zwischenzeitlich eine Auflösung, die nur noch Spitzenobjektive wirklich ausreizen. Doch der mögliche Kontrastumfang der Sensoren hinkt den Filmen noch hinterher. Als Folge saufen dunkle Passagen ab, und helle Lichter fressen aus (siehe Kasten "Ausfressen oder absaufen?"). Der Fotograf muss also bei schwierigen Lichtverhältnissen entscheiden, welchen Tod er sterben will (Abbildung 1).

Abbildung 1

Abbildung 1: Links: Bei richtig belichtetem Vordergrund fressen die Lichter (hier die Wolken) aus. Rechts: Bei korrekter Belichtung der Wolken reicht der Kontrastumfang nicht mehr für das vernünftige Zeichnen des Vordergrunds.

Hier kommt High Dynamic Range oder kurz HDR ins Spiel: Der Fotograf kombiniert mehrere, unterschiedlich belichtete Bilder und erhöht dadurch den Kontrastumfang. Doch damit handelt er sich zwei neue Probleme ein: Kombinieren bedeutet bei den meisten Programmen passgenau übereinanderlegen – leichter gesagt als getan. Im Idealfall gelingt es, den hohen Kontrastumfang wieder auf ein Maß zu reduzieren, den normale Bildschirme und Drucker verarbeiten.

Als Lösung für das Übereinanderlegen gilt gemeinhin das Verwenden eines Stativs bei der Aufnahme. Aber wer will schon ständig ein solches Zusatzgewicht mitschleppen? Und: Selbst mit Stativ sorgen bereits kleinste Vibrationen für einen minimalen Pixelversatz, der sich im kombinierten Bild zeigt.

Die Lösung des zweiten Problems, das Umwandeln von HDR nach LDR (Low Dynamic Range) heißt Tone-Mapping und ist ebenfalls alles andere als trivial. Unmengen verschiedener Ansätze führen zu einer ganzen Bandbreite an Ergebnissen – von psychedelisch bis realistisch.

Das Tool Hdrff [1] bietet einen in der Praxis erprobten HDR-Workflow, der beide Probleme adressiert und fast völlig automatisch zu guten HDR-Bildern führt.

Ausfressen oder absaufen?

Der von Fotografen häufig verwendete Begriff "absaufen" meint zu dunkle Bildbereiche, die keine Zeichnung aufweisen und damit auch keine Bildinformation mehr enthalten, die beim Nachbearbeiten zu retten wären. "Ausfressen" bezieht sich dagegen zu helle Bildbereiche. Dieser Effekt tritt beim Übersättigen des Sensors auf. Auch hier geht jegliche Zeichnung im Bild verloren, die Abgrenzung zum restlichen Bild erscheint aber relativ scharf, wovon sich die Bezeichnung herleitet. CCD-Sensoren reagieren hier wesentlich empfindlicher als die in CMOS-Technik gefertigten, die zwischenzeitlich die meisten großen Kamerahersteller in ihren Spiegelreflex-Kameras verwenden.

Fotos für HDR aufnehmen

Das allgemeine Rezept für HDR-Aufnahmen lautet: Kamera auf ein Stativ montieren, Zeitautomatik ("A") wählen und dann mehrere Bilder in möglichst schneller Folge mit unterschiedlicher Belichtung aufnehmen. Letzteres erledigen viele Kameras dank des Belichtungsreihen-Modus ("Bracketing") selbst. Die Zeitautomatik sorgt für eine konstante Blende und damit für gleichbleibende Schärfentiefe. Eine möglichst schnelle Bildfolge vermeidet Geisterbilder durch bewegte Objekte wie Menschen oder Blätter im Wind.

Ein Stativ benötigen Sie nur bei Aufnahmen mit langen Belichtungszeiten. Zum Erstellen von HDR-Bilder in der hier vorgestellten Technik können Sie darauf verzichten.

Der Workflow

Nach der Aufnahme läuft das weitere Verarbeiten der Bilder im vorgestellten Szenario wie folgt ab: Zuerst kopieren Sie die Bilder auf die Festplatte. Unixtypische Kleinbuchstaben statt Großbuchstaben ersparen später die Hochstelltaste. Das Dateidatum sollte samt Aufnahmedatum in den EXIF-Daten stehen, danach entfernen Sie bei den Bildern die Schreibrechte. Am Schluss der Vorbereitung steht das Umwandeln nach TIFF, unabhängig davon, ob das Ausgangsmaterial im JPEG- oder im RAW-Format vorliegt.

Danach gilt es, jene Aufnahmen zu identifizieren und gemeinsam weiter zu bearbeiten, die zu einer HDR-Gruppe gehören. Optional beginnen Sie mit der Korrektur von Linsenfehlern (Verzeichnung, chromatische Abberationen). Der zweite Schritt richtet die Bilder einer Gruppe aus, die nächsten erzeugen dann das HDR-Bild sowie per Tone-Mapping angepasste Aufnahmen (Abbildung 2).

Abbildung 2

Abbildung 2: Die Skizze zeigt den Workflow vom Import der Bilder auf die Festplatte bis hin zum fertigen HDR-Bild.

Tip a friend    Druckansicht Bookmark and Share
Kommentare

4277 Hits
Wertung: 97 Punkte (6 Stimmen)

Schlecht Gut

Infos zur Publikation

Infos zur Publikation

LinuxUser 05/2014

Aktuelle Ausgabe kaufen:

Heft als PDF kaufen

LinuxUser erscheint monatlich und kostet in der Nomedia-Ausgabe EUR 5,95 und mit DVD EUR 8,50. Weitere Informationen zum Heft finden Sie auf der LinuxUser-Homepage.

Im LinuxUser-Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben für 3 Euro. Das Jahresabo (ab EUR 60,60) können Sie im Medialinx-Shop bestellen.

Tipp der Woche

Bilder vergleichen mit diffimg
Bilder vergleichen mit diffimg
Tim Schürmann, 01.04.2014 12:40, 1 Kommentare

Das kleine Werkzeug diffimg kann zwei (scheinbar) identische Bilder miteinander vergleichen und die Unterschiede optisch hervorheben. Damit lassen sich nicht nur Rätsel a la „Orignial und Fäls...

Aktuelle Fragen

programm suche
Hans-Joachim Köpke, 13.04.2014 10:43, 8 Antworten
suche noch programme die zu windows gibt, die auch unter linux laufen bzw sich ähneln sozusagen a...
Funknetz (Web-Stick)
Hans-Joachim Köpke, 04.04.2014 07:31, 2 Antworten
Bei Windows7 brauche ich den Stick nur ins USB-Fach schieben dann erkennt Windows7 Automatisch, a...
Ubuntu 13.10 überschreibt immer Windows 8 Bootmanager
Thomas Weiss, 15.03.2014 19:20, 8 Antworten
Hallo Leute, ich hoffe das ich richtig bin. Ich habe einen Dell Insipron 660 Ich möchte gerne Ub...
USB-PTP-Class Kamera wird nicht erkannt (Windows-only)
Wimpy *, 14.03.2014 13:04, 15 Antworten
ich habe meiner Frau eine Digitalkamera, AGFA Optima 103, gekauft und wir sind sehr zufrieden dam...
Treiber
Michael Kristahn, 12.03.2014 08:28, 5 Antworten
Habe mir ein Scanner gebraucht gekauft von Canon CanoScan LiDE 70 kein Treiber wie bekomme ich de...