Ein Blick in gängige Fotozeitschriften macht klar, wer im Markt der Bildbearbeitungsprogramme den Ton angibt: Der größte Teil aller Tipps und Workshops beschreibt den Einsatz von Photoshop, Photoshop Elements oder Lightroom, dem Senkrechtstarter in der jungen Klasse der Workflow-Programme. Andere Werkzeuge kennen viele Fotografen bestenfalls dem Namen nach, von Linux haben manche noch nicht einmal etwas gehört.
Die geringe Verbreitung von Linux unter Fotografen begründen Profis mit der nach wie vor zu geringen Auswahl leistungsstarker, dem Berufsalltag tatsächlich gewachsener Programme. Sogar Flaggschiffe wie Gimp und Digikam genügen den Ansprüchen komfort- und leistungsverwöhnter Fotografen auf Dauer kaum.
Kommerzielle Fotosoftware für Linux wiederum ist bislang rar, nur wenige Anbieter wagen entsprechende Investitionen. Eine Ausnahme macht die texanische Firma Bibble Labs [1], die ihre Bildverwaltungs- und Bearbeitungssoftware Bibble 5 schon seit längerem sowohl für Windows und den Mac wie auch für Linux anbietet [2].
Bibble 5
| Aktuelle Version | Bibble 5.1 |
| Hersteller | Bibble Labs, http://www.bibblelabs.com |
| Trial-Version | http://www.bibblelabs.com/get.html |
| Vertrieb | Application Systems Heidelberg, http://www.application-systems.de/bibble/ |
| Preis | Bibble Lite 69,90 Euro, Bibble Pro 149 Euro |
Für große Bildmengen
Bibble 5 verbindet Werkzeuge für die Bildverwaltung, das Entwickeln von RAW-Dateien und die Fotokorrektur unter einer für den professionellen Arbeitsfluss optimierten Oberfläche. Alle wichtigen Arbeitsschritte finden innerhalb des Hauptfensters statt (Abbildung 1). Separate Dialogfenster für Filter, Farbkorrekturen und ähnliche Werkzeuge gibt es in Bibble ebenso wenig wie beim Konkurrenten Lightroom.
Die Ähnlichkeit beider Programme resultiert aus ihrer Aufgabenstellung, der schnellstmöglichen Verarbeitung großer Bildbestände. Wer nach einem Fotojob mehrere Hundert Bilddateien auf den Rechner kopieren, passend benennen, sichten, verschlagworten, optimieren und für die Weitergabe an den Kunden zusammenstellen will, der vermeidet jeden unnötigen Mausklick.
Die Effizienz aktueller Workflow-Programme hat Suchtpotenzial – althergebrachte Bedienungsansätze wirken schon nach kurzem Umgang mit Bibble oder Lightroom lähmend und zäh. Als alleinige Fotosoftware kommen Workflow-Programme jedoch nicht in Frage: Aufwendige Retuschen und komplexe Collagen bleiben auch weiterhin die Domäne von Spezialisten wie Gimp und Photoshop.
Bilder verwalten
Für den schnellen, unkomplizierten Zugriff auf Fotobestände hält Bibble einen klassischen Dateibrowser bereit (Abbildung 2). Die eigentliche Bildverwaltung findet jedoch in der Katalogsektion des Programms statt. Ein Katalog sammelt alle relevanten Informationen der verwalteten Bilder, darunter Schlagworte, EXIF- und IPTC-Daten, Bildgrößen oder Datumsangaben (Abbildung 3).
In der teureren Pro-Version (149 Euro) öffnet Bibble bis zu 20 Kataloge gleichzeitig, die Light-Fassung (70 Euro) beschränkt sich auf einen Katalog. Allerdings ergibt sich nur in speziellen Fällen wirklich die Notwendigkeit, Bildbestände auf mehrere Kataloge zu verteilen: Eventuell notwendige Abgrenzungen lassen sich auch gut über passend gewählte Ordnerstrukturen oder Schlagworte herstellen. Falls Sie aber Bildarchive auf mehrere, eventuell auch wechselbare Datenträger verteilen, lohnt die Anschaffung der Pro-Version mit ihren erweiterten Katalogfunktionen.
Die wichtigste Aufgabe eines Katalogs stellt der schnelle Zugriff auf die darin verwalteten Bilder dar, vor allem über deren EXIF- und IPTC/XMP-Metadaten. Für die Auswahl von Bildern mit bestimmten IPTC-Schlagworten genügt ein Mausklick, ebenso für das Filtern nach ISO-Empfindlichkeiten oder anderen EXIF-Angaben. Als weitere Auswahlkriterien stehen eine fünfstufige Bewertungsskala, fünf verschiedene Farbmarkierungen sowie ein für jedes Bild an- und abschaltbares Markierungshäkchen zur Verfügung.
Eine eigene Filterfunktion erlaubt auch Kombinationen dieser drei Kriterien – etwa, um nur die mit mindestens drei Sternen bewerteten und zusätzlich mit einem blauen Markierungsfähnchen versehenen Bilder anzuzeigen. Komplexe Suchanfragen mit einer Kombination mehrerer EXIF- oder IPTC-Kriterien verdaut Bibble allerdings nicht, vom Leistungsangebot einer echten Bilddatenbank bleibt es also derzeit noch ein ganzes Stück entfernt.
Da Bibble beim Umgang mit Metadaten die dafür relevanten Standards EXIF, IPTC und XMP nutzt, können Sie es allerdings ohne Weiteres gemeinsam mit einem separaten Bilddatenbankprogramm einsetzen. Bearbeitungen der von Bibble erfassten Metadaten landen zunächst jedoch nur in der Katalogdatei, an den Originaldateien finden zu keinem Zeitpunkt irgendwelche Änderungen statt. Sollen die Metadaten auch anderen Programmen zur Verfügungen stehen, müssen Sie einen Export vornehmen.
Dabei erzeugt Bibble sogenannte XMP-Sidecars: kleine, von zahlreichen Programmen unterstützte Textdateien mit allen EXIF-, IPTC- und XMP-Daten. Diese Sidecars kann einer Bilddatenbank dann erfassen beziehungsweise für die Aktualisierung der dort gesammelten Datenbestände nutzen.



