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© Archos

Archos 5 Internet Tablet

Medien-Androide

Lange mussten wir auf ein Testgerät warten: Das vielseitige Archos 5 Internet Tablet ist weit mehr als nur ein Mediaplayer.

Beim Archos 5 Internet Tablet [1] handelt es sich um den auf Android basierenden, hardwareseitig etwas verbesserten Nachfolger des mit einem angepassten eigenen Linux basierenden Archos 5. Das Gerät gibt es in zwei Größen: Die von uns getestete 182 Gramm leichte und 143 x 79 x 10 Millimeter große Version mit 8, 32 oder 64 GByte Flash-Speicher (200 bis 400 Euro) und die 10 Millimeter dickere und 100 Gramm schwerere Festplatten-Version mit 160 oder 500 GByte für 350 beziehungsweise 400 Euro (Preise im Archos Webstore [2]).

Der kleine Tausendsassa hat 256 MByte RAM und einen mit 800 MHz getakteten ARM-Prozessor des Typs Cortex A8 mit 430-MHz-DSP. Das sehr komfortable 4,8 Zoll große Display löst 800 x 480 Pixel auf und arbeitet resistiv, also mittels physischem Druck. Der Vorteil: Das Gerät reagiert nicht nur auf Finger, sondern auf beliebige Stift-Alternativen. Der Nachteil:Das Display ist nicht multitouchfähig – eine Zweifingerbedienung à la iPhone funktioniert also nicht. An Bedienelementen gibt es nur den Einschaltknopf (den man zum Aufwecken sehr lange drücken muss) und einen Lautstärkeregler – alle anderen Regler finden sich im Benutzerinterface auf dem Bildschirm. Das Gerät hat einen Lagesensor und unterstützt bei entsprechenden Anwendungen die Drehung ins Hochkant-Format – der Betriebsmodus des Android-Desktops ist allerdings auf Breitformat festgelegt.

Das Archos 5 verfügt über einen Micro-SD-Kartenschlitz und einen Micro-USB-Anschluss zum Aufladen via USB sowie zur Datenübertragung. Bei letzterer gibt gibt sich das Gerät als USB-Massenspeicher aus – unter Linux dank Ext3-Dateiformat ohne extra Treiber (wie unter Mac OS oder Windows). Funktechnisch zeigt sich der Archos 5 ebenfalls gut bestückt, neben 802.11b/g/n-WLAN finden sich auch Bluetooth 2.0 und GPS. Das Internet Tablet besitzt einen ausklappbaren Stellfuß, ein eingebautes Mikrofon und einen integrierten Lautsprecher, der allerdings selbst bei maximaler Lautstärke nur sehr dünn klingt.

Für den integrierten Akku verspricht Archos bis zu 22 Stunden Audio- und bis zu 7 Stunden Videowiedergabe. Im gemischten Test mit 3D-Games, Videoschauen, Websurfen und Musikhören (Bildschirm meist ausgeschaltet) hielt der Akku rund 4,5 Stunden durch.

Modulsystem

Archos bietet zu seinem Internet Tablet vielfältiges Zubehör an, das hauptsächlich über die unten integrierten zwei Docking-Ports Anschluss findet.

Die "DVR Station" (130 Euro), ein Dock mit vielen Anschlüssen und Fernbedienung (inklusive Tastatur), macht den Archos 5 zum Videorekorder und stellt gleichzeitig die Verbindung zum heimischen TV-Bildschirm her. Sie bietet S-Video, Composite, YPbPr, RGB (alles als Ein- und Ausgang) und HDMI sowie S/PDIF für Surround-Sound und unterstützt maximal 720p-Auflösung. Per EPG können Sie damit Sendungen zur Aufnahme programmieren oder über die Eingänge beliebige Videoquellen digitalisieren.

Das "DVR Snap-on" (50 Euro) dient nur der Audio/Video-Digitalisierung. Das "HDMI Mini Dock" (60 Euro) integriert neben A/V-Ausgängen (HDMI, S-Video und Composite) auch einen USB-2.0-Host-Port zum Anschluss von Digitalkameras, Mäusen, Tastaturen, Festplatten oder USB-Sticks. Das "Battery Dock" (50 Euro) sorgt mit einem zusätzlichem externen Akku für 50 Prozent mehr Batterielaufzeit und bringt ebenfalls einen Composite/S-Video-A/V-Ausgang plus USB 2.0-Hostanschluss mit.

Das "Car Mount" (30 Euro) verwandelt zusammen mit dem kostenpflichtigen "Ndrive" den Archos 5 in ein Navigationssystem (Abbildung 1) mit Auto-Ladekabel und FM-Transmitter. Die "FM Remote" macht den kleinen Archos radiofähig und hat eine integrierte Fernsteuerung, außerdem ermöglicht sie die Sprachaufzeichnung. Obendrein gibt es ein "TV Snap-on", mit dem sich das Tablet in einen DVB-T-fähigen mobilen Fernseher verwandeln lässt.

Abbildung 1: Das kostenpflichtige Ndrive-Navi kann mit Satelliten-Aufnahmen und 3D-Städteansichten protzen.

Etwas widersinnig erscheint, dass Archos ein Netzteil ebenfalls nur als optionales Zubehör anbietet: Über den USB-Port dauert es rund 7 Stunden, einen leeren Akku wieder aufzuladen. Ob das Netzteil hier schneller arbeitet, konnten wir mangels eines solchen nicht prüfen – die DVR-Station, das DVR-Snap-On, das Mini-Dock und natürlich das Battery-Dock jedoch laden laut Archos das Gerät in unter zwei Stunden.

Eine 3G-Option bietet der Hersteller für das Archos 5 nicht an. Android-Mobil-Anwendungen, die eine permanente Netzverbindung voraussetzen (beispielsweise die Navi-Alternative Google Maps Drive), sind so nutzlos – mittels Bluetooth-Tethering lässt sich hier allerdings Abhilfe schaffen.

Software

Auf dem Gerät läuft ein stark modifiziertes Android in der nicht mehr ganz aktuellen Version 1.6. Diesem spendierte Archos viele Erweiterungen, wie etwa ein praktisches Bluetooth-Transferprogramm, Unterstützung für BT-Mäuse oder -Keyboards oder einen eigenen, formatfreundlicheren Mediaplayer. Das Sahnestück stellt die Möglichkeit zum Bluetooth-Tethering über ein internetfähiges Mobiltelefon dar.

Der Archos-eigene Videoplayer (Abbildung 2) spielt im Gegensatz zum Standard-Android-Viewer auch DivX/Xvid (AVI, bis DVD-Auflösung), Untertitel (SRT, SMI, SSA, SUB), H.264 bis zu 720p-Auflösung, WMA/WMV (auch kopiergeschützt), FLV, MKV und MJPEG. Selbst Streaming vom UPnP-Server per WLAN unterstützt das winzige Gerät. Im "Archos Media Club" verkauft Archos ein Plugin für lizenzpflichtige Formate wie MPEG2, WMV-HD, Dolby Digital und DVD-Video für 15 Euro.

Abbildung 2: Der von Archos selbst entwickelte Videoplayer kann mit deutlich mehr Formaten umgehen als das Android-Original.

Im Archos Store gibt es auch Lizenzen für das auf DVD beiliegende Kartenmaterial zur Nutzung des Archos 5 als Navigationssystem mittels Ndrive zu kaufen. Für Deutschland kostet das beispielsweise 40 Euro – vorher können Sie das Navi-Feature sieben Tage lang kostenlos testen. Ärgerlicherweise funktioniert die DVD nur unter Windows, eine Möglichkeit zur Karteninstallation via Linux fehlt.

Wie im Beipackzettel empfohlen, nahmen wir zuallererst ein Systemupdate über die integrierte Aktualisierungsfunktion vor – woraufhin Android warnte, dass die Software nicht für das Gerät zertifiziert sei. Nach dem Update erschien im Anschluss an den Systemstart stets die Meldung, dass der Prozess system nicht mehr reagiere. Diese Fehlermeldung behob erst eines der folgenden Updates während des Tests. Auf den Betrieb hatte sie keinen Einfluss (zumindest keinen offensichtlichen) – egal, ob wie sie mit Beenden oder Schließen quittierten.

Archos pflegt das Gerät übrigens mit regelmäßigen Firmware-Aktualisierungen. In der aktuellen Version kamen beispielsweise besseres Speichermanagement, Vollbildunterstützung und hardwarebeschleunigtes OpenGL-ES hinzu – damit spielt der Anwender nun auch flüssig Android-3D-Spiele auf dem Archos-Flachmann, vorher war es wenig mehr als eine Diashow.

Der integrierte Musikplayer sieht etwas schicker aus als der Standard-Android-Player, bietet aber außer WMA- und FLAC-Fähigkeit keine zusätzliche Funktionalität und verliert sogar die Fähigkeit für Cover-Art. Bei der jahrelangen Mediaplayer-Expertise von Archos hätten wir uns mehr erwartet, beispielsweise eine Cover-Blätteransicht oder Anzeige von integrierten Songtexten. Wie der Standard-Android-Player unterstützt auch der Archos-Abspieler AAC/M4A, WAV und natürlich MP3.

Der Fotobetrachter (Android-Standard-Dateitypen: PNG, JPG, BMP, GIF) ruckelt und zuckelt beim Durchblättern. Bei größeren Fotos legt das Gerät während jedes Zoomens und Scrollens im Bild Denkpausen ein, die oft einige Sekunden dauern. Spaß macht das Blättern in der Fotobibliothek so nicht. Es gibt eine Thumbnailansicht sowie eine Dreh- und Slideshow-Funktion. Daneben können Sie die Bilder auf einer Zeitleiste sortieren – das war es schon.

Ein Test des beiliegenden Thinkfree Office 2.0 gelang nicht, da es des öfteren abstürzte, sich aufhängte und immer wieder nach einer Online-Aktivierung fragte – die in den meisten Fällen fehlschlug, obwohl das Gerät eine Onlineverbindung hatte. Der modern wirkende Webbrowser unterstützt Flash und arbeitet sehr flott.

Den normalen Android-Store mit Applikationen gibt es auf dem Archos 5 nicht – laut Hersteller deswegen, weil dem Archos-Tablet einige Hardwarefeatures von Mobiltelefonen fehlen, was viele Android-Apps nutzlos oder sogar unbenutzbar macht. Archos wählt jedoch Anwendungen aus dem Android-Store aus, prüft deren korrekte Funktion auf dem Archos 5 und stellt sie dann über den eingebauten AppsLib-Store bereit. Entwicklern, die ihre Android-Anwendung selbst auf den Archos 5 anpassen wollen, gibt Archos dabei Hilfe. Wer eigene Software installieren will, greift zu APK-Installationsdateien.

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