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Teamwork

Gemeinsam Texte bearbeiten

Gobby

Bei Gobby [7] handelt es sich um einen Editor für die Echtzeit-Kollaboration. Im Gegensatz zu Titanpad läuft Gobby jedoch nicht als Webapplikation, sondern in Form eines eigenständigen Clients [8]. Das stellt den größten Vorteil und von Gobby dar, gleichzeitig aber auch den größte Nachteil: Zwar benötigt man keine fremde Infrastruktur, dafür aber eben einen installierten Gobby-Client – der steht unter der GPL lizenziert für alle gängigen Plattformen (Linux und Unix, Mac OS X, Windows) zur Verfügung.

Anders als bei Webapplikationen wie Titanpad müssen Sie bei Gobby keiner fremden Infrastruktur Ihre Daten anvertrauen und sind auch nicht von deren Verfügbarkeit abhängig. Um Gobby gemeinschaftlich zu nutzen, starten Sie als sogenannter Session-Hoster Ihren Gobby-Client und stellen mittels Create Session auf Port 6522 eine Gobby-Session zur Verfügung. Die lässt sich dank einer Passwortfunktion gegen unberechtigte Teilnehmer absichern, Sie behalten die volle Kontrolle über den Zugriff auf die Daten.

Gobby benötigt im Gegensatz zu Titanpad nicht zwingend einen Internetzugang: Es lässt sich auch im lokalen Netzwerk betreiben, was sich gerade bei Konferenzen mit unzuverlässiger Internetverbindung als großer Vorteil erweist. Allerdings reicht im Gegensatz zu Titanpad nicht der Zugriff auf Port 80 via HTTP aus, sondern Sie benötigen bei der Zusammenarbeit außerhalb des lokalen Netzwerks als Netzwerkdienst einen dezidierten Port (standardmäßig den schon erwähnten Port 6522). Das kann zu Problemen führen, sobald restriktive Firewalls oder NAT ins Spiel kommen.

Wie bei Titanpad hat jeder Benutzer seine eigene Farbe für den eigenen Text (Abbildung 2). Ebenso verfügt Gobby über einen IRC-ähnlichen Chat, um mit den anderen Sitzungsteilnehmern während des gemeinsamen Bearbeitens von Dokumenten diskutieren zu können. Gegenüber Titanpad lässt sich die Schriftart im Editor flexibler festlegen.

Abbildung 2: Gobby beherrscht Syntax-Highlighting für verschiedenste Programmiersprachen und eignet sich daher nicht nur zur Textbearbeitung, sondern auch zum gemeinschaftlichen Entwickeln von Software.

Besonders für das gemeinsame Programmieren interessant: Gobby beherrscht Syntax-Highlighting für eine Vielzahl von Programmiersprachen. Damit lässt sich Paar-Programmierung (engl.: "pair programming") realisieren. Darunter versteht man in der agilen Softwareentwicklung das gemeinsame Arbeiten zweier Personen am selben Quellcode.

Während einer der Entwickler an der Tastatur sitzt und den Code schreibt, folgt der andere dem, was der erste gerade programmiert. So kennt mehr als nur eine Person den Quellcode, gleichzeitig kann der zweite Entwickler das Geschriebene kontrollieren, hinterfragen und gegebenenfalls – in Absprache mit dem tippenden Kollegen – verbessern.

Gerade im Open-Source-Umfeld lässt sich Pair-Programming aber aufgrund der häufig existierenden räumlichen Distanzen zwischen den Entwicklern häufig nur schwer realisieren. Mit Gobby als Editor und einem Telefon beziehungsweise VoIP zur sprachlichen Kommunikation lässt sich die Distanz überbrücken und Paar-Programmierung kostengünstig auch über große Distanzen betreiben.

Der eingebaute Zeroconf-Support macht Gobby besonders für Konferenzen und andere Arten von Entwicklertreffen interessant. Zeroconf [9] ermöglicht das konfigurationslose Vernetzen von Rechnern in einem LAN. Ein Konferenzteilnehmer hostet eine Gobby-Session, alle anderen finden dank Zeroconf diese Session ohne weitere Konfiguration und greifen – gegebenenfalls unter Eingabe eines Passworts – darauf zu.

Gobby erlaubt, in einer Session mehrere Dokumente gleichzeitig zu bearbeiten. Die Teilnehmer der Sitzung können dabei über das Subscribe-Feature die gewünschten Dokumente abonnieren und daran teilnehmen. Dieses Merkmal macht Gobby besonders für Konferenzen und andere Treffen interessant, da sich so die verschiedenen Teams (Projektleitung, Marketing, Programmierer, …) in einzelnen Dokumenten absprechen, die Ergebnisse dann aber wiederum gemeinsam in einem zentralen Dokument vereinen können.

Gobby bietet anders als Titanpad bislang noch keine Timeslider-Funktion, um zu einem beliebigem Zeitpunkt der Erstellung eines Dokumentes zu springen. Ebenso fehlt das Gegenstück zu Titanpads Revisionen, also zwischengespeicherte Dokumentversionen. Diese Funktion müssen Sie in Gobby mühsam über einen Export von Dokumenten und das Ablegen in einem Versionskontrollsystem nachbilden. Auch Chatnachrichten sichert Gobby nicht automatisch – so sieht ein neu hinzugekommener Benutzer anders als bei Titanpad nicht, was bereits diskutiert wurde. Beim Im- und Export steht als Format derzeit nur Klartext zur Verfügung.

Google Text & Tabellen

Google Text & Tabellen (engl.: "Google Docs", [10]) darf wohl als bekannteste Vertreter im Bereich der Echtzeit-Editoren mit starkem Fokus auf Dokumentenmanagement gelten. Google offeriert den Dienst für private Nutzer und für Organisationen bis 50 Personen gratis. Alle Daten und Kommunikationsvorgänge liegen auf oder wandern über Googles Server-Infrastruktur, sodass man dem Anbieter gegenüber Einiges an Vertrauen aufbringen muss.

Texte, Tabellen (Abbildung 3), Vektorgrafiken und Präsentationen lassen sich mit den respektiven Webanwendungen nativ bearbeiten. Alle Dateien, deren Format Google selbst noch nicht unterstützt, lassen sich zumindest in der eigenen Dokumentensammlung ablegen.

Abbildung 3: In Google Docs arbeiten Sie nicht nur an Texten gemeinsam, sondern daneben auch an Tabellen, Präsentationen und Vektorgrafiken. Eine echte Realtime-Zusammenarbeiten bietet Googles Suite aber nicht.

Insbesondere durch die umfangreiche Rechteverwaltung hebt sich Google Docs von vielen anderen Anbietern ab. Jeder Benutzer benötigt einen Account bei Google. Für jedes angelegte Dokument lässt sich definieren, wer es Dokument in Zukunft bearbeiten oder betrachten kann – egal ob es sich um öffentliche Accounts handelt oder die Benutzer in einer Domäne gebunden sind. Für Mitarbeiter in einer Organisation gibt es auch die Möglichkeit, Dokumente standardmäßig für alle Mitglieder im eigenen Team oder Mitarbeiter in der gesamten Organisation freizugeben.

Beim gemeinschaftlichen Arbeiten selbst fallen die Resultate aber eher durchwachsen aus – Google Docs unterstützt zwar das parallele Bearbeiten der Dokumente, synchronisiert Änderungen aber nur ein einem Intervall von 15 bis 30 Sekunden. Dies genügt bestenfalls für das nicht gleichzeitige Bearbeiten von komplett abgesteckten Textbereichen, in heißen Bearbeitungsphasen erweist es sich als ausgesprochen hinderlich. Anderseits bietet Google Docs eine umfangreiche und unendliche Versionsgeschichte aller gespeicherten Dokumente.

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Infos zum Autor

Michael Prokop

Michael Prokop

Michael Prokop arbeitet als Projektleiter und Hauptentwickler an dem Live-System Grml. Als Debian-Entwickler und Inhaber von Grml Solutions steckt er einen Großteil seiner Arbeit am Rechner in die Debian-Distribution.


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LinuxUser 06/2012

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