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Distribution mit sechs Desktops

22.07.2010 Um sich die verschiedenen Linux-Desktops und deren Effekte näher anzusehen, müssen Sie nicht jedesmal eine neue Distribution installieren: Die auf Ubuntu 10.04 basierenden Ultimate Edition bedient Sie nicht nur in dieser Richtung bestens.

Ubuntu gehört mit seinen unzähligen Derivaten zu den beliebtesten Linux-Distributionen überhaupt. Doch Einsteigern, die sich mit den unterschiedlichen Desktops vertraut machen möchten oder auch eine schnelle Arbeitsoberfläche für den Einsatz auf älterer Hardware suchen, droht wegen der vielen Versionen eine zeitaufwendige Testphase bei der Auswahl des geeigneten Systems. In diese Lücke stößt die aus den USA stammende Ultimate Edition (UE), die gleich mit mehreren Desktops aufwartet.

Technisches

In der neuen Version 2.7 basiert Ultimate Edition [1] auf Ubuntu 10.04 LTS. Die etwa 2,4 GByte umfassende Live-DVD fällt beim Start nur durch ein gegenüber dem Original leicht verändertes optisches Erscheinungsbild und das Fehlen eines Menüeintrages für die textbasierte Installation auf. Das System bootet in einen Gnome-Desktop, der außer einem einzigen Icon zum Start des Installers eine komplett leere Arbeitsoberfläche mit einem recht schrill wirkenden Hintergrund bietet.

Bereits ein erster Blick in die Gnome-Menüs fördert jedoch unzählige Applikationen zutage, die aus anderen Desktop-Welten stammen: So finden sich sowohl mehrere KDE-spezifische Programme wie auch solche, die aus dem Fundus von XFCE stammen. Dass dadurch für nahezu jede Aufgabe gleich mehrere Anwendungen zur Verfügung, was die Qual der Wahl nicht gerade mindert.

Schon im Live-Betrieb fällt zudem auf, dass UE einige der Ubuntu-spezifischen Eigenheiten konsequent über Bord wirft: So residieren die in "Lucid Lynx" in der Fenstertitelleiste von rechts nach links gewanderten Schalter wieder am alten Platz, und die bei Ubuntu 10.04 weitgehend fehlenden Codecs für multimediale Anwendungen integriert die Ultimate Edition bereits.

Wie das Original aus Südafrika kommt auch die US-Distribution mit einem zwar eleganten, jedoch extrem unergonomischen Standard-Theme auf den Desktop, das die Bedienung des Systems vor allem unter ungünstigen Lichtbedingungen deutlich erschwert (Abbildung 1).

Abbildung 1: Das Standardtheme der Ultimate Edition wirkt reichlich düster und erschwert bei schlechter Beleuchtung die Bedienung.

Die Ultimate Edition bringt allerdings eine Fülle von teils sehr modern wirkenden alternativen Themes mit, sodass Sie das Erscheinungsbild ihres Desktops mit wenigen Mausklicks deutlich aufpeppen und angenehmer gestalten. Ansonsten gibt sich das amerikanische Derivat in Sachen Aktualität keine Blöße: Neben dem Kernel 2.6.32 ist OpenOffice 3.2 mit an Bord, als voreingestellter Webbrowser dient Firefox 3.6.3, und für die Bildbearbeitung zeichnet Gimp in Version 2.6.8 verantwortlich.

Um die Distribution ohne die durch den Live-Betrieb bedingten Geschwindigkeitseinschränkungen zu nutzen, steht der von Ubuntu her bekannte Installer bereit, der in wenigen Schritten das komplette System auf die Festplatte packt. Nach etwa einer halben Stunde haben Sie damit rund sieben GByte an Daten und Programmen installiert. Die Ultimate Edition bootet und arbeitet nun wesentlich schneller.

Desktopauswahl

Nach der Installation des Betriebssystems auf der Festplatte bootet der Rechner beim nächsten Start bis zum Anmeldebildschirm durch. Bei der Anmeldung wählen Sie nun in der Panelleiste am unteren Bildschirmrand neben der Sprache und dem Tastaturlayout auch einen Desktop, wobei das Angebot neben den Boliden Gnome 2.30 und KDE SC 4.4.2 auch das schlankere XFCE 4.6.1 sowie das wieselflinke LXDE (Abbildung 2) umfasst. UE konfektioniert die angebotenen Arbeitsoberflächen bereits weitgehend identisch vor: So ist auf allen Desktop-Varianten Gnome Do beim Start aktiviert, und die in den Menüs vorhandenen Applikationen stimmen ebenfalls nahezu komplett überein.

Abbildung 2: Auch LXDE ist erwachsen geworden und präsentiert sich als vollwertiger Desktop.

Zusätzlich integrierten die Entwickler Lubuntu [2], das ebenfalls den LXDE-Desktop nutzt, jedoch Canonicals offizielle Unterstützung genießt und gegenüber dem originalen LXDE ein modifiziertes Erscheinungsbild bietet. Die implementierte Netbook-Variante gibt auch auf größeren Systemen eine gute Figur ab (Abbildung 3).

Abbildung 3: Frisches Design und einfache Bedienung: die Netbook-Variante.

KDE und Gnome lassen sich optional zusätzlich in Kooperation mit dem Windowmanager Openbox betreiben – was bei Gnome deutliche Geschwindigkeitsvorteile mit sich bringt, bei KDE dagegen nahezu ohne Wirkung bleibt. Für Freunde äußerst spartanischer Oberflächen findet sich noch eine reine Openbox-Variante in der Sammlung.

Mit diesem Fundus an unterschiedlichen Arbeitsoberflächen bietet UE für jeden Zweck und jeden Geschmack das passende Outfit. Da Sie die Desktops jeweils im Anmeldebildschirm wechseln, können Sie sich somit ohne aufwendige Nachinstallation per Mausklick mit den verschiedenen Oberflächen vertraut machen. Aufgrund der stets gleichen Grundkonfiguration des Systems lassen sich so auch sehr gut der Ressourcenverbrauch sowie das Arbeitsverhalten der Desktops vergleichen.

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