Bei der Ausstattung des in der Testkonfiguration (724G1.28TWn) rund 1500 Euro teuren Quadcore-Boliden hat Acer in die Vollen gegriffen: Eine Quadcore-CPU Core i7 720QM mit 1,6 GHz und 6 MByte L3-Cache (Turbo-Selbstübertaktung bis 2,8 GHz), eine ATI-Radeon-GPU HD 5850 mit 1 GByte GDDR5-VRAM, 4 GByte DDR3-RAM mit 1333 MHz in zwei RAM-Slots,, ein LED-beleuchteter 18,4-Zoll-Bildschirm (spiegelnd) mit Full-HD-Auflösung (1920x1080), zwei 640-GByte-Festplatten sowie ein Sechsfach-Blu-ray-Brenner versprechen bisher ungekannte Laptop-Leistung. Eine 1-Megapixel-Webcam, Bluetooth 2.0 EDR, WLAN nach 802.11n, 5.1-Surround-Sound sowie eine beleuchtete Tastatur runden die üppige Ausstattung ab. Optional gibt es auch integriertes DVB-T mit passender Fernbedienung, über dessen Linux-Tauglichkeit wir jedoch mangels Testgerät nichts sagen können. Acer liefert den Aspire 8942G mit vorinstalliertem Windows 7 Home Premium (64 Bit) aus.
Der 44,2 x 30 x 4,4 Zentimeter große und 4,2 Kilogramm schwere Laptop bietet zahlreiche Anschlüsse. So finden sich neben vier USB-2.0-Anschlüssen auch ein zusätzlicher kombinierter USB-2.0/eSATA-Port, Firewire 400 (4-polig), Gigabit-Ethernet, ein SD/MMC/MS/xD-Cardreader, VGA, Displayport, HDMI, Audioklinke/Kopfhörer/Lautsprecher sowie ein Expresscard/54-Slot im schnellen Expresscard-2.0-Standard.
Aufbau und Qualität
Das Aspire 8942G wirkt solide und gut verarbeitet, die erweiterbaren Komponenten erreicht man durch das Entfernen einiger Schrauben über die bekannten "Acer-Klappen" unter dem Gerät. Für seine Größe zeigt sich das Aspire 8942G erstaunlich portabel – auf Reisen suchen Sie sich dafür dennoch besser einen großen Tisch. Der Laptop integriert jede Menge zusätzlicher Tasten, die – mit zwei Ausnahmen – alle auch unter Linux funktionieren.
Die an- und abschaltbare, beleuchtete Tastatur ist ein praktisches Feature, das nicht nur Gamer im dunklen Kämmerlein interessieren dürfte – dort stört dann auch das spiegelnde Display nicht. Unschönerweise lässt sich die Helligkeit der Tastatur nicht stufenlos regeln, wie etwa bei Apple. Die hochglänzende Oberseite des Deckels (Abbildung 1) zieht Fingerabdrücke genauso magisch an wie das Display selbst. Der Riesenlaptop zeigt sich im Normalbetrieb erfreulicherweise fast lautlos. Unter Last drehen die Lüfter zwar hoch, erreichen jedoch nie Lautstärken, die als unzumutbar einzustufen wären.
Linux-Kompatibilität
Drei wichtige Komponenten des Geräts lassen sich unter Linux nur mehr oder weniger widerstrebend zur Mitarbeit überreden: Als erstes wäre da die Grafik, die ausschließlich unter Ubuntu 10.04 problemlos läuft – dann allerdings inklusive Suspend-to-RAM und Suspend-to-Disk. Dabei ist es egal, ob Sie den ATI-Treiber über den Ubuntu-Hardwareassistenten einrichten oder den aktuellen Catalyst 10.6 direkt von der ATI-Website installieren. Unter Ubuntu 9.04, 9.10 und OpenSuse 11.2 schafften wir es nicht, die Radeon HD 5850 zur Mitarbeit zu überreden. Das höchste der Gefühle war hier funktionierende 3D-Beschleunigung, jedoch mit per Treiber eingeblendetem Wasserzeichen "Unsupported Hardware" unten rechts – und ohne funktionierende Schlafmodi.
Das zweite Problemfeld stellt Audio dar. Bei allen Distributionen funktioniert nur der rechte Lautsprecher, der linke bleibt stumm – von 5.1-Surround-Sound fehlt jede Spur. Abhilfe schafft hier ein Prozedere, das wir schon in der Vergangenheit zum Beheben der ALSA-Probleme von Ubuntu 9.04 mit vielen aktuellen Laptops bemühen mussten: ein Update des ALSA-Treibers auf die aktuelle Version 1.0.23, die wir von der Homepage [1] laden und mittels ./configure && make && sudo make install kompilieren und installieren. Erst damit funktionieren dann auch 5.1-Surround-Sound und die Schlafmodi unter Ubuntu 10.04 einwandfrei. Ärgerlicherweise deaktiviert das Einsteckten eins Kopfhörers die internen Lautsprecher nicht. Auch das händischem Nachregeln diverser ALSA-Einstellungen in alsamixer führte nicht zum gewünschten Effekt.
Auch beim dritten Problem handelt es sich um ein altbekanntes: den kombinierten Chipsatz von Jmicron, der Kartenleser und Firewire-400-Port bedient. Auf ihn trafen wir erstmals im Pavilion dv7 von HP [2], das auch in Sachen Audioprobleme sehr dem Aspire 8942G ähnelt. Kartenleser und Firewire-400-Port funktionieren nur dann, wenn beim Systemstart an mindestens einem von beiden Ports ein Gerät hängt. Ist das nicht der Fall, legen sich der Jmicron-Chip und damit beide Ports schlafen – und zumindest unter Linux lassen sie sich nach dem Booten nicht wiedererwecken. Als Notlösung kann man beispielsweise immer eine SD-Karte eingesteckt lassen.
Der Rest der verbauten Hardware funktioniert zum überwiegenden Teil ohne jede Nacharbeit: Das gilt beispielsweise für Bluetooth, eSATA, Expresscard, Ethernet, Webcam, die Multimedia-Tasten und das Lautstärke-Scrollrad (Abbildung 2), die Schalter zum (De-)Aktivieren von WLAN und Bluetooth (Abbildung 3) sowie den Scrollbereich am Touchpad. Zwei spezielle Acer-Knöpfe links und rechts oben liefern unbekannte HKey-Events, die Sie jedoch unkompliziert mit eigenen Funktionen belegen können, unter Ubuntu etwa über System | Einstellungen | Tastenkombinationen.
Selbst der bei älteren Acer-Laptops problematische Knopf zum Deaktiveren des Trackpads arbeitet problemlos sowohl unter Ubuntu 9.10/10.04 als auch unter OpenSuse 11.2. Die Multitouch-Fähigkeiten des Touchpads dagegen lassen sich unter Linux ebensowenig nutzen wie der von fprint nicht unterstützte Fingerabdruckscanner von Lightuning (Abbildung 4). Unter Ubuntu 9.04 erweist sich zusätzlich das WLAN als problematisch, auch Ethernet funktioniert nicht – zumindest bei letzterem dürfte ein ähnliches Prozedere wie beim Pavilion dv7 helfen [2].


