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© Ale_Paiva, sxc.hu

Datentransfer

Verzeichnisse und Dateien abgleichen und sichern mit Unison

16.06.2010
Datenbestände auf verschiedenen Rechnern halten Sie mit Unison effizient synchron – bei Bedarf auch über eine verschlüsselte Verbindung.

Wer mehrere Rechner nutzt, steht früher oder später vor dem Problem, die Daten auf allen Systemen auf dem gleichen Stand halten zu müssen. Mit wachsender Datenmenge fällt diese Aufgabe zunehmend komplizierter aus – es sei denn, man setzt ein cleveres Hilfsprogramm wie Unison [1] ein: Das erledigt die Aufgabe zuverlässig und in beide Richtungen. Auch an den entsprechenden Komfort haben die Entwickler der Software gedacht – neben der Kommandozeilen-Variante steht eine grafische Oberfläche bereit.

Installation

Unison steht schon seit längerer Zeit bei allen Debian- und Ubuntu-basierten Distributionen in den Repositories bereit, so dass Sie es bei Bedarf bequem über Synaptic installieren. Hierzu suchen Sie das Paket unison-gtk, das die grafische Variante von Unison bereitstellt. Anwender von Red Hat, CentOS und Fedora finden passende Pakete auch für ältere Distributionsversionen im Netz [2], während Nutzer von Alt Linux, Mandriva und OpenSuse bei Rpmseek [3] nachschauen. Dort finden Sie teilweise Varianten des Tools für 64-Bit-Systeme.

Die Installationsroutine legt unter Gnome im Menü Anwendungen | Zubehör einen Starter an, der die Software allerdings im Usermodus aktiviert. Das führt unter Umständen – je nach Dateistruktur und zu sichernden Dateibeständen – aufgrund der Rechtevergabe zu Fehlern.

Damit die Synchronisation der Daten vollständig und ohne Fehlermeldungen klappt, sollten Sie Unison im Root-Modus starten. Sie bewerkstelligen das entweder durch eine Modifikation des Menüeintrags oder rufen mit [Alt]+[F2] ein Schnellstartfenster auf und aktivieren die Software mit gksu unison.

Erste Schritte

Unison benötigt zunächst die Information, welche Verzeichnisse zur Synchronisation anstehen. Diese führt die Software intern als Root 1 und Root 2 – nicht zu verwechseln mit dem User root und dessen Verzeichnis. Die Pfadangaben landen in einem Profil, und Unison überprüft darin beschriebene Dateistruktur (Abbildung 1).

Abbildung 1: Mit wenigen Angaben legen Sie fest, welche Daten Sie via Unison synchronisieren möchten.

Achten Sie bitte darauf, dass Sie die gewünschten Verzeichnisse beim Start der Software gemountet haben. Ansonsten bricht Unison den Vorgang mit einer entsprechenden Fehlermeldung ab. Neben lokalen Pfadangaben, also beispielsweise für externe, an Ihren Computer angeschlossene Festplatten oder Speicherkarten, dürfen Sie im Fenster root selection für den zu synchronisierenden Pfad auch die Daten für entfernte Rechner eingeben. Zusätzlich definieren Sie, ob Sie diese per SSH oder RSH ansprechen wollen. Das setzt allerdings eine entsprechende Client/Server-Infrastruktur auf den beteiligten Computern voraus.

Die meisten aktuellen Distributionen packen den SSH-Client automatisch bei der Erstinstallation des Betriebssystems mit auf die Platte, so dass Sie in aller Regel lediglich auf der entfernten Maschine den SSH- oder RSH-Server zu installieren brauchen. Bei funktionierender SSH-Verbindung müssen Sie noch den Host sowie den User (sofern dieser nicht identisch mit demjenigen auf Ihrem Rechner ist) und den zu synchronisierenden Pfad angeben.

Über den Radiobutton Socket haben Sie zudem die Möglichkeit, einen Kommunikationskanal von Ihrem Unison-Client aus zu einem entfernt arbeitenden Unison-Server zu öffnen. Das setzt aber voraus, dass Sie diesen auf dem entfernten Rechner auf der Kommandozeile durch Eingabe des Befehls unison -socket Portnummer starten. Auf Ihrem Client müssen Sie im Fenster root selection neben der Host-IP des Servers und dem Synchronisationspfad auch den entsprechenden Port angeben.

Diese Arbeitsschritte wiederholen Sie für jedes einzelne Profil. Beim erneuten Aufruf des Programms zeigt die Software die Profile beim Start an, und Sie wählen eines davon per Mausklick aus. So synchronisieren Sie Daten auf verschiedenen Rechnern, ohne jedes Mal die grundlegenden Konfigurationsdaten umständlich, fehleranfällig und zeitraubend manuell einzugeben (Abbildung 2).

Abbildung 2: Über die Profile setzen Sie alle wichtigen Parameter für eine Synchronisation auf einen Schlag.

Um den Datenabgleich innerhalb eines Profils zu erledigen, überprüft Unison zunächst die Datenstruktur der angegebenen Verzeichnisse. Beim ersten Synchronisation dauert dies je nach Umfang der zu synchronisierenden Daten längere Zeit, da bei einem neuen Profil manchmal erhebliche Unterschiede bei den Datenbeständen auftreten.

Anschließend zeigt die Software im unteren Bereich des Arbeitsfensters zunächst die gefundenen Pfade und Unterverzeichnisse an und visualisiert in der Spalte Action durch Pfeil-, Kreuz- oder Fragezeichen-Symbole die Synchronisationswege: Die Pfeilsymbole zeigen an, in welche Richtung Unison die Daten schaufelt. Stimmen die Daten überein, zeigt das Programm ein rotes Fragezeichen.

Verzeichnisse, die für das Programm aufgrund fehlender Rechte außer Reichweite liegen, kennzeichnet es mit einem roten Kreuz. Zudem sehen Sie ganz links, ob es sich bei den aufgeführten Einträgen um eine Datei oder ein Verzeichnis handelt. Unter dem Arbeitsfenster befindet sich noch ein kleiner Bereich, der über die Datei- oder Verzeichniseigenschaften aufklärt – inklusive der vergebenen Rechte, Größe und letztem Änderungsdatum (Abbildung 3).

Abbildung 3: Im Hauptfenster zeigt Unison übersichtlich die Aktionen für die ausgewählten Datenbestände an.

Gleichmacherei

In der über dem Anzeigebereich befindlichen Leiste mit den großen Schaltflächen starten Sie nun die gewünschte Aktion: Ein Klick auf den Button Go führt alle aufgeführten Dateiübertragungen in einem Rutsch aus. Sie können jedoch die Synchronisation auch beeinflussen, indem Sie beispielsweise Verzeichnisse ausnehmen. Klicken Sie dazu auf das gewünschte Verzeichnis oder die entsprechende Datei und wählen Sie anschließend in der Buttonleiste die Schaltfläche Skip aus. Es erscheint in der Rubrik Action in der betreffenden Zeile ein Fragezeichen.

Möchten Sie versehentlich deaktivierte Daten wieder in die Synchronisation einbeziehen, so klicken Sie diese erneut an und legen in der Buttonleiste durch einen Klick auf die Schaltflächen Left to Right oder Right to Left die Richtung des gewünschten Datenabgleichs fest.

Ein Klick auf die Schaltfläche Go stößt den Transfer der Daten an, wobei das Programm den Verlauf in der Spalte Status im Arbeitsfenster in Prozentangaben zeigt. Dieser Vorgang dauert je nach Umfang der zu synchronisierenden Daten eine Weile. Den erfolgreichen Abgleich zeigt die Applikation durch ein grünes Häkchen an (Abbildung 4).

Abbildung 4: Durch die Kontrolle des Datenabgleichs in Echtzeit behalten Sie stets den Überblick.

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