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© Danieljmcc, sxc.hu

Auf allen Kanälen

Musik verwalten und abspielen mit aTunes

01.06.2010
Sehnen Sie sich nach einem digitalen CD-Regal, in dem Sie Ihre Lieblingslieder schnell und unkompliziert wiederfinden? Dann werfen Sie ein Blick auf aTunes.

Jeder fängt einmal klein, sagt eine Volksweisheit – und die gilt auch für den Übergang aus dem CD-Zeitalter in die Ära der MP3-Player: Kaum einer wagt gleich den kompletten Bruch, viele verzichten erst nach und nach auf die alten Silberlinge. Neben einem Abspielprogramm für Audiodateien gehörte also ein separater CD-Player zum Umfang der großen Linux-Desktops KDE und Gnome. Mittlerweile sind alle CDs gerippt und die ersten Online-Musikshops angezapft.

Lange Zeit gehörte XMMS [1] zu jeder Linux-Installation – schließlich ähnelte das Tool dem damaligen Platzhirsch aus der Windows-Welt, Winamp. Heute haben Amarok und Rhythmbox den Oldtimer abgelöst. Mit aTunes steht ein weiterer Player mit Archiv für Audiodateien bereit. Er gibt die meisten gängigen Formate problemlos wieder, darunter zum Beispiel MP3, OGG Vorbis, WMA, MP4 und WAV. Wer sich gerne über das Internet mit Musik versorgt, den freut die Möglichkeit, auf Internetradios zuzugreifen und Podcasts zu abonnieren. Die Entwickler schrieben das Programm in Java, und daher läuft es unter Linux und unter Windows [2].

Installation

Für den stabilen Betrieb von aTunes kommen Sie um Java 6 von Sun nicht herum. Viele Distributionen setzen stattdessen standardmäßig auf OpenJDK, eine Open-Source-Alternative. Kontrollieren Sie daher über die Eingabe von java -version auf einer Konsole, welches Java auf Ihrem Rechner läuft. Deutet die Ausgabe auf OpenJDK hin, müssen Sie Suns Java Runtime Environment nachinstallieren beziehungsweise aktivieren, sofern Sie es bereits installiert haben.

Das System nutzt immer nur eine der Varianten. Um Suns Java als Standard zu definieren, geben Sie in einer Konsole mit Root-Rechten den Befehl update-alternatives --config java ein. Als Ausgabe erhalten Sie eine Auswahl der installierten Java-Umgebungen [3]. Über die Eingabe einer entsprechenden Auswahlnummer stellen Sie dann einfach um.

aTunes liegt im Web [4] in Versionen für Linux, Mac und Windows bereit. Für den Betrieb benötigen Sie neben Java noch einige andere Pakete, die die Website unter der Überschrift System Requirements auflistet. Für Debian und Ubuntu steht ein passendes Paket bereit, das Sie einfach per Doppelklick installieren. Abhängigkeiten löst der Paketmanager automatisch auf.

Für andere Distributionen steht ein so genanntes Multi-Plattform-Paket bereit, dass Sie nach dem Herunterladen zunächst entpacken. Im Anschluss öffnen Sie eine Konsole und wechseln mit dem Kommando cd ins Verzeichnis aTunes. Sie brauchen nichts zu installieren; es reicht aus, die Datei aTunes.sh mit dem Executable-Bit zu versehen und auszuführen. Geben Sie also den Befehl chmod +x aTunes.sh ein und starten Sie das Skript anschließend. An Fehlermeldungen in der Konsole erkennen Sie, ob Pakete fehlen. Diese installieren Sie über den Paketmanager Ihrer Distribution nach.

Erste Schritte

Beim ersten Start kommt aTunes gleich zur Sache: Es erwartet die Angabe des Ordners, in dem Sie Musikdateien abgelegt haben. Sobald Sie diesen über Musikbibliothek einrichten auswählen, indiziert aTunes die Daten und legt eine interne Datenbank an. Das dauert je nach Umfang der Sammlung durchaus schon einmal ein paar Minuten.

Haben Sie die Bibliothek eingerichtet, lohnt es sich, sich mit dem Interface (Abbildung 1) etwas auseinanderzusetzen, am besten bei maximiertem Programmfenster. Was auf dem ersten Blick ein wenig chaotisch erscheint, erweist sich aber im Alltag als logisch aufgebaute Struktur: Links tummeln sich verschiedene Reiter für den Zugriff auf die Musikquellen, die Sie bereits eingelesen haben, angefangen bei der Musikbibliothek bis hin zu den Favoriten.

Abbildung 1: In seiner aufgeräumten Oberfläche zeigt aTunes zu abgespielten Liedern auf der rechten Seite automatisch Zusatzinformationen aus dem Internet.

Lieblingslieder fügen Sie einfach per Mausklick den Favoriten hinzu, sodass diese Titel über den entsprechenden Reiter im direkten Zugriff liegen. Ein weiterer Reiter erlaubt den Zugriff auf ein tragbares Abspielgerät, falls Sie dieses ins Dateisystem eingebunden haben.

Wiedergabelisten stellen Sie wie von anderen Abspielprogrammen gewohnt per Drag & Drop zusammen. Dabei legt aTunes, sofern Sie nichts weiter angeben, Listen mit der Zeichenkette Wiedergabeliste und aufsteigender Nummer an. Über die entsprechende Schaltfläche legen Sie bei Bedarf weitere Abspiellisten an. Umfangreiche Funktionen für das Bearbeiten der Playlists finden Sie über den Eintrag in der Menüleiste.

Listen auswerten

Sind Sie sicher, dass Sie Ihren Musikgeschmack tatsächlich kennen? Verwenden Sie aTunes einige Zeit, dann erhalten Sie über Werkzeuge | Statistiken aussagekräftige Daten zur Abspielhäufigkeit von Titeln, Alben und Künstlern (Abbildung 2). Diese zieht das Programm auch für die Funktion Wiedergabeliste | Warteschlange heran, um die am meisten gespielten Titel, Alben oder Künstler automatisch der jeweiligen Wiedergabeliste hinzuzufügen.

Abbildung 2: Jetzt wissen Sie es ganz genau: Ob Rocker oder Romantiker, das verrät die eingebaute Statistikfunktion, auf deren Datenbasis automatische Wiedergabelisten entstehen.

Neben den in den Musikdateien gespeicherten Informationen zeigt aTunes auf der rechten Fensterseite diverse Zusatzinformationen zum Lied, dem Künstler und dem entsprechenden Album an. Das setzt voraus, dass der Rechner eine aktive Verbindung ins Internet hat. Wählen Sie zum Beispiel den Reiter Album aus, so zeigt die Software alle Albumtitel der bei Last.fm verfügbaren Titel, unabhängig vom Bestand in der Musikbibliothek (Abbildung 3). Ein Doppelklick auf einen Titel öffnet einen Webbrowser mit der passenden Webseite von Last.fm.

Abbildung 3: Eine kleine Cover-Verwaltung speichert die Frontseiten der jeweiligen CD zur Anzeige ab.

Analog dazu zeigt der Reiter Künstler alle Alben des jeweiligen Künstlers an (Abbildung 4). Ebenso haben die aTunes-Entwickler auch YouTube in die Oberfläche integriert, sodass die Software auf Wunsch Videos zu dem jeweiligen Titel per Mausklick anzeigt. Für die Wiedergabe startet aber der Webbrowser.

Abbildung 4: Benötigen Sie keine Zusatzinformationen, deaktivieren Sie diese Funktion in den Einstellungen.

So schön der schnelle Zugriff auf Zusatzinformationen aus dem Internet auf den ersten Blick erscheint – die Software fragt vorher nicht nach, ob Sie das auch möchten. Stehen Sie der Sache skeptisch gegenüber, unterbinden Sie die Kommunikation, indem Sie die Programmeinstellungen entsprechend anpassen: Öffnen Sie diese über Bearbeiten | Einstellungen und wechseln Sie auf die Seite Kontextinformationen. Entfernen Sie dort das Häkchen bei Kontextinformationen aktivieren.

Die Qualität einer Musikbibliothek zeichnet sich nicht nur durch eine große Auswahl an Titeln aus, sondern auch durch gepflegte Metadaten, die so genannten Tags. Eine Übersicht über die Funktionen zum Bearbeiten der Tags finden Sie unter Werkzeuge | Tags. Zum Anzeigen der Metadaten eines Titels reicht es aus, diesen zu markieren und [Einfg] zu drücken. Im darauffolgenden Dialog bearbeiten Sie dann die Metadaten. Sofern Sie mehrere Titel eines Albums ändern wollen, markieren Sie vor dem Tastendruck die entsprechenden Titel.

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