AA_rakete_sxc-Rybson_979222.jpg

© Marcin Rybarczyk,sxc.hu

Abgehoben

Fedora 13 "Goddard" ist da

17.06.2010
Fedora 13 enthält keine revolutionären Änderungen, bringt dafür aber viele Detailverbesserungen mit.

README

Dieser Artikel stellt die wichtigsten Neuerungen von Fedora 13 vor und zeigt, was sich an der Installation geändert hat.

Mit rund zwei Wochen Verspätung gegenüber dem ursprünglich angestrebten Fahrplan hat das Fedora-Projekt [1] am 25. Mai die Version 13 der Community-Distro von Red Hat zum Download freigegeben. Die Neuerungen von Fedora 13 konzentrieren sich auf die Bereiche Desktop, Netbooks, Virtualisierung und Systemadministration, auf den ersten Blick fallen eher Details auf. In Sachen Kernel setzt Fedora 13 auf Version 2.6.33, Gnome ist mit Release 2.30.0 vertreten, und die KDE-Variante setzt KDE SC 4.4.2 ein. Eine Übersicht über die wichtigsten Neuerungen bietet der Kasten "Das ist neu".

Das ist neu

Die neue Fedora-Version beherrscht nun die halbautomatische Installation von Druckertreibern, sobald ein entsprechendes Gerät an den Rechner angeschlossen wird (Abbildung 1). Auch das Installationsprogramm haben die Entwickler auf Benutzerfreundlichkeit hin optimiert und vor allem das Partitionieren erleichtert. Ein Farbmanagement-Tool hilft bei der Kalibrierung von Bildschirm, Drucker und Scanner.

Als neue Anwendungen sind unter anderem der F-Spot-Ersatz Shotwell, das Backup-Tool Déjà Dup und der Twitter-Client Pino mit an Bord. Dank einiger Upstream-Änderungen kann Fedora 13 besser mit iPods und dem iPhone umgehen, die mitgelieferten freien 3D-Treiber für ATI- und Nvidia-Karten verhelfen zudem manchem Nutzer zu einem 3D-Erlebnis ohne zusätzliche Nachinstallation. Nvidia-Nutzer müssen dazu allerdings das als experimentell bezeichnete Paket mesa-dri-drivers-experimental nachrüsten, und auch dann funktioniert die 3D-Beschleunigung nur bei einigen Modellen. Die Red-Hat-Entwickler haben zudem zum ersten Mal in die Treiber auch Support für die Ausgabe über den Display-Port integriert. Wer den vollen Funktionsumfang seiner Nvidia- oder ATI-Grafikkarte nutzen will, bleibt allerding bis auf weiteres auf die proprietären Treiber angewiesen.

Für Entwickler bringt Fedora 13 neben einem sehr aktuellen Paketrepo eine spezielle Version von SystemTap mit, die auch Hochsprachen wie Java, Python und Tcl überwacht. Weitere Programmiersprachen sollen in Kürze folgen. Python-Entwickler dürften sich über die Möglichkeit freuen, die Versionen 2 und 3 parallel zu installieren. Mit Netbeans 6.8 bringt Fedora zudem die erste Entwicklungsumgebung mit, die vollen Support für Java EE 6 enthält.

Auf der Admin-Seite wechselt Fedora 13 nun zu NFSv4 als Standard-Netzwerkdateisystem. Das neue Dateisystem Btrfs lässt sich auch zur Installation nutzen, allerdings muss man dazu von DVD installieren und als Bootparameter den Zusatz btrfs angeben. Kommende Fedora-Versionen sollen die Snapshot-Funktion von Btrfs gleich in den Desktop integrieren. Auch für LVM gibt es eine entsprechende Snapshot-Funktion.

Auf der Virtualisierungsebene bringt die KVM-Unterstützung von Fedora 13 Support für feste PCI-Adressen (jeder virtuelle Gast enthält immer die gleiche virtuelle PCI-Adresse) und für virtuelle geteilte Netzwerkinterfaces. VHostNet und Virtx2apic sollen zudem für schnelleren Netzwerk- und I/O-Traffic sorgen. Eine detaillierte Liste sämtlicher neuen Features von Fedora 13 findet sich im Fedora-Wiki [2].

Abbildung 1: Benötigt ein Drucker einen speziellen Treiber, dann erscheint automatisch ein Hinweis zur Installation.

Installation

Das Einrichten von Fedora 13 unterscheidet sich nicht wesentlich von dem der Vorgängerversionen oder anderer Linux-Varianten. Am einfachsten gestaltet sich die Installation über die Live-CD mit einem Klick auf das passende Symbol auf dem Desktop (Abbildung 2). Möchten Sie anstelle einer CD einen USB-Stick benutzen, übertragen Sie die Fedora-13-Abbilddateien per dd einfach auf einen USB-Stick.

Abbildung 2: Der Gnome-Desktop von Fedora 13 im Live-CD-Modus.

Für die aktuelle Version haben die Fedora-Entwickler die Einrichtung von traditionellen Speichermedien (Festplatten) von Netzwerk-Storage getrennt. Etwas unglücklich stehen so im ersten Einrichtungsdialog zwei Speichergeräte zur Auswahl (Abbildung 3). Vermutlich benötigen neun von zehn Fedora-Nutzern den zweiten Eintrag nie (Installation auf SAN oder DASD). Angesichts dessen hätte man die Auswahl optisch etwas benutzerfreundlicher gestalten können – etwa mit einer Checkbox für spezielle Speichergeräte oder durch deutliches optisches Betonen des ersten Eintrags.

Abbildung 3: Gleich nach der Tastaturauswahl folgt dieser Dialog zur Wahl der Speichergeräte.

Eine weitere Ungereimtheit im Installationsprogramm: Während die Auswahl der Festplatten und Speichermedien gleich nach der Tastaturauswahl erscheint, folgt die Partitionierung erst nach dem Setup des Root-Passworts. Eigentlich logisch zusammenhängenden Schritte tauchen also unnötig weit voneinander entfernt auf.

Dem eigentlichen Partitionierungsmodul schiebt Fedora 13 einen zusätzlichen Dialog vor, wie ihn Ubuntu und andere Distributionen schon seit längerem einsetzen. Hier wählen Sie aus, ob Fedora 13 die komplette Festplatte benutzen oder ein bestehendes Linux-System überschreiben beziehungsweise verkleinern oder den freien Platz nutzen soll (Abbildung 4).

Abbildung 4: Die Auswahl der Installationsart erleichtert Einsteigern das Partitionieren.

Entscheiden Sie sich für das Verwenden des gesamten Plattenplatzes, dann richtet Fedora wie gehabt die nötigen Partitionen auf LVM-Basis ein. Möchten Sie den Logical Volume Manager nicht benutzen, dann markieren Sie hier die Checkbox Angepasstes Layout erstellen.

Ebenfalls neu in Fedora 13 ist eine Checkbox, die das Verschlüsseln des Systems anbietet. In einem weiteren Schritt legen Sie fest, welche Speichergeräte Fedora zur Installation nutzen soll. An der eigentlichen Partitionierung und den übrigen Schritten des Installationsprogramms hat sich gegenüber den Vorgängerversionen nichts geändert.

Ralink-Probleme

Auf zwei von drei unserer Testrechner erkannte Fedora 13 die WLAN-Karte nicht. Schuld daran waren in beiden Fällen fehlende Ralink-Treiber: Fedora liefert diese anders als Ubuntu oder OpenSuse weder aus, noch hält es sie in den eigenen Repositories bereit.

Zwar handelt es sich um freie Treiber, doch sie befinden sich noch nicht im offiziellen Kernel, sondern erst im Staging-Zweig. Gerade bei WLAN-Treibern könnte Fedora hier über den eigenen Schatten springen und die Staging-Treiber wenigstens auf dem Installationsmedium mitliefern, wenn schon nicht standardmäßig installieren.

Hier schaffen Sie gegebenenfalls Abhilfe, indem Sie über das RPMFusion-Repository [3] das passende kmod-staging-Paket nachinstallieren.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

  • Erste Alpha-Version von Fedora 13 zum Download
    Mit kleiner Verspätung auf den ursprünglichen Fahrplan hat das Fedora-Projekt heute die erste Testversion von Fedora 13 zum Download freigegeben.
  • Fedora 13 alias "Goddard" ist fertig
    Paul W. Frields hat die Version 13 der Community-Distribution von Red Hat zum Download freigegeben. Fedora 13 enthält keine revolutionären Änderungen, bringt dafür sehr viele Detailverbesserungen.
  • Neues in Fedora 13
    Fedora gilt als Linux-Distribution für Administratoren. Dabei versuchen die Entwickler, auch den Bedürfnissen normaler User gerecht zu werden. Wir schauen uns das neue Fedora 13 an.
  • Fedora 18 "Spherical Cow" im Überblick
    Zehn Wochen später als geplant geht Fedora 18 ins Rennen. Der Test zeigt, dass einige Schrauben beim Start noch nicht richtig fest saßen.
  • Fedora 19 im Test
    Fedora 19 überzeugt im Test direkt ab Installation. Freie Treiber und die Integration von aktueller Software machen das System zu einer interessanten Alternative.
Kommentare

Infos zur Publikation

title_2014_09

Digitale Ausgabe: Preis € 5,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Tim Schürmann, 24.06.2014 12:40, 0 Kommentare

Wer mehrere nützliche Live-Systeme auf eine DVD brennen möchte, kommt mit den Startmedienerstellern der Distributionen nicht besonders weit: Diese ...

Aktuelle Fragen

Videoüberwachung mit Zoneminder
Heinz Becker, 10.08.2014 17:57, 0 Antworten
Hallo, ich habe den ZONEMINDER erfolgreich installiert. Das Bild erscheint jedoch nicht,...
internes Wlan und USB-Wlan-Srick
Gerhard Blobner, 04.08.2014 15:20, 2 Antworten
Hallo Linux-Forum: ich bin ein neuer Linux-User (ca. 25 Jahre Windows) und bin von WIN 8 auf Mint...
Server antwortet mit falschem Namen
oin notna, 21.07.2014 19:13, 1 Antworten
Hallo liebe Community, Ich habe mit Apache einen Server aufgesetzt. Soweit, so gut. Im Heimnet...
o2 surfstick software für ubuntu?
daniel soltek, 15.07.2014 18:27, 1 Antworten
hallo zusammen, habe mir einen o2 surfstick huawei bestellt und gerade festgestellt, das der nic...
Öhm - wozu Benutzername, wenn man dann hier mit Klarnamen angezeigt wird?
Thomas Kallay, 03.07.2014 20:30, 1 Antworten
Hallo Team von Linux-Community, kleine Zwischenfrage: warum muß man beim Registrieren einen Us...